Klimafragen: wird die dicke Luft dünn?

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Wie man es macht, macht man es falsch. Dies gilt nicht nur für den Umgang mit trotzigen Pubertierenden. Auch über den familiären, kleinteiligen „Klimaschutz“ hinaus entsteht der Eindruck: egal was man tut und wie man handelt, man macht alles eigentlich nur noch schlimmer. Gleich wie man sich auch verhält,  der Kosmos um einen herum scheint nur noch mehr unter Plastik, Abgasen und Bienenkadavern zu ertrinken.

Da kauft man Blumen aus der Region anstatt eingeflogener Frequent Travel Flora aus Afrika, um festzustellen, dass sich die holländischen Kollegen mit ihrer beheizten Kindheit im Gewächshaus kurz vorm CO2-Senatoren-Status befinden.

Da verzichtet man auf Fleisch, weil es wie Römer viel zu viel getrunken, gegessen und gefurzt hat, ehe es starb und erfährt, dass jede Avocado es mit einem saftigen Rumpsteak aufnehmen kann. Man fühlt sich folglich als habe man Tofu nach Athen getragen.

Klimaschutz Avocado

Da bezieht man Ökostrom aus Windenergie, die Zugvögel zerschreddert und chicken besonders fast zu food verarbeitet.

Da denkt man, als deutscher Mülltrenner und Radfahrer habe der eigene Fußabdruck sicher die Größe eines niedlichen Katzenpfötchens und stellt fest, dass wenn alle leben würden wie wir Piefkes bräuchten wir die Ressourcen von drei Erden.

Da denkt man Elektroautos seien der Messias der Mobilität, und muss sich fragen, unter welchen Arbeitsbedingungen und mit wie viel Wasserverbrauch das kostbare Lithium der Batterien eigentlich gewonnen wurde.

Da sitzt man schließlich in einem Langstreckenflieger und fragt als possierlicher, verwirrter Planetenretter und -umkreiser nach einem klimafreundlichen, fleischlosen Gericht. Spätestens beim Veggie Day in der Emissionsschleuder ist der Kopf mindestens genauso benebelt wie der Himmel über Athen. Man möchte selbigen in den von Plastikpartikeln durchzogenen Sand stecken. Doch mit dem Haupt im Sand und dem Hals in einer PET-Flasche steckend freut man sich beinahe über die allgemeine Verwirrung, denn sie bedeutet: bis es keiner besser weiß, kann man ja weitermachen wie bisher.

Dabei sind doch in Klimafragen – genau wie bei einem Wasserrohrbruch – Prokrastination und Resignation nicht wirklich die besten Lösungen. Wir kümmern uns um eine pünktliche Überweisung unserer Mieten und Hypothekenzahlungen, ignorieren aber die Mahnschreiben unseres irdischen Daheims. Wir lassen uns von pubertierenden YouTube-Stars Schminktipps geben, ignorieren aber die ungeschminkten Warnrufe der Wissenschaft. Wir kaufen täglich belanglosen Quatsch, investieren aber nicht in unsere Zukunft.

Kann man diesen Planeten retten? Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zumindest mit ihr beschäftigen.  Wir sind schließlich diejenigen,  die diese dicker werdende Luft am Ende zum Atmen brauchen. „Pupsegal“ ist da jedenfalls keine ratsame Antwort.




Avantgarde und Altkleider – ein Ausflug in die Kunstszene.

Avantgarde Mode Kunstwelt

Leere im Kopf. Geistige Stille. Wohlige Gedankenlosigkeit kann Genuss und Folter sein. Man erlebt sie beim Autofahren, Wäscheaufhängen oder bei eintönigen Monologen, die sich wie eine Fernreise in der 30er-Zone anfühlen. Doch noch größeren Genuss und tiefere Folter erlebt man beim Gegenteil hiervon: beim Übersprudeln irrer Ideen, bei Quickstep tanzenden Gedanken, beim bunten Bilderrausch im Kopf. Diese Form der neuralen Implosion durfte ich kürzlich erleben.

Ich war auf einer Vernissage – und hatte Angst Funken würden bald aus meinen Ohren sprühen.

Kunst an sich ist für ironische, mitunter zynische Menschen eine Herausforderung. Zu schnell stürzt sich der eigene Schalk im Nacken auf die oberflächliche Abstrusität oder Banalität eines Werkes. „Das kann ein Schimpanse besser malen.“ oder „Wer hängt sich denn sowas über das Sofa? Das sieht aus als habe ein Kind Wachsmalstifte ausgekotzt.“ sind die gängigsten Urteile kleingeistiger, blödelnder Museumsbesucher – wie mir. Doch wie jedes Mal, nahm ich mir vor mich diesmal der Kunstwelt zu öffnen. Hinter die überbelichtete Fassade zu blicken. Die Werke auf mich wirken zu lassen. Mich der Inspiration und Ästhetik zu öffnen.

Um es abzukürzen: bei der Bilderserie zum Thema Ei begann ich den Vorsatz zu zerschlagen – wie gut gemachtes Rührei. Bei der Fotoarbeit bestehend aus Gegenständen, mit denen man sich selber befriedigen können soll, wollte ich mich schließlich mit dem abgebildeten Schwimmflügel erdrosseln. Als die Moderatorin des Abends schließlich sachlich verlauten lies die Künstlerin, die über Jahre hinweg ihren Vorgarten millimeterweise untersucht habe, fasziniere es eben „wenn ein Staubkorn wie eine Schnecke“ aussähe, entfuhr mir schließlich ein lautes „So ein Quatsch.“ Ich war mir sicher, die Staubkörner applaudierten mir in diesem Moment. Ansonsten war es recht still.

Um mich von diesem lauten Irrsinn abzulenken, lies ich meinen Blick schließlich schweifen. Und vergaß die Staubkörner schlagartig. Es war als hätte man einen Tropfen abbekommen und würde im Umdrehen feststellen, dass man sich im Auge eines Hurricanes befindet. Um mich herum kreiste der wahre Irrsinn. Irrsinn, der mich berührte und inspirierte zu einem eindrücklichen Werk.  Expressionistisch in seiner Bildsprache, mutig in seinem Perspektivwechsel, kritisch in seiner Farbvariation präsentiere ich die Weltpremiere der Fotoarbeit „Entschuldigung, sind Sie Teil der Ausstellung?“

Avantgarde Kunstausstellung Hipster
Titel: Stirnband gegen Engstirnigkeit.
Avantgarde Kunstausstellung Hipster
Titel: Latzhose aus Gartentischdecke.
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Titel: Karierter Frost im Museum.
Avantgarde Kunstausstellung Hipster
Titel: mustergültig.
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Titel: Strick, formschön.
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Titel: Nasebohrer mit Smart Phone/Popel.
Avantgarde Kunstausstellung Hipster
In der Tat.

Und so schloß ich meinen Frieden mit der Erkenntnis: Wenn die Kunst nichts mehr zu bieten hat, wird das Publikum zur Ausstellungsfläche.




Durchmachen bis es quietscht – von politischen Pappnasen und gewählten Karnevalsvereinen.

Karneval Fasching Kostüme Party Groko

Die wichtigste, die fünfte Jahreszeit stand unter keinem guten Gestirn. Dunkle Wolken hingen über dem schwarz-roten Himmel. Die Katerstimmung lag bereits vor der eigentlichen Sause in der Luft.

Zunächst formierte sich dieses Jahr das Dreigestirn in buchstäblich letzter Minute. Erst am Abend vor Beginn der hochheiligen Karnevalsession und nur um eine Pappnasenlänge pünktlich zur Weiberfastnacht standen Jungfrau Angela, Prinz Martin und Bauer Horst ramponiert und rotnäsig vereint auf der Bühne. Die Formierung hatte sich zunächst hingezogen, da sich die koalierenden Karnevalisten nicht auf die Auswahl des passenden Wurfmaterials einigen konnten. Die Entscheidung zwischen pappigsüßen Steuersenkungen und sachgrundloser Kamelle fiel schwer. Man stritt sich. Man macht die Nächte durch bis es quietschte und suchte vergeblich nach einer für alle tanzbaren Hymne der Saison. Doch die Aussicht auf große Bühnen und schallendes Gelächter bewegte sie schließlich zum Durchhalten.

Und so wurden alle Spaßbremsen beseitig. Es konnte endlich losgehen mit den albernen Festreden und öffentlichen Beleidigungen. Man war zuversichtlich, die Besetzung war schließlich die talentierteste im ganzen Lande. Prinz Martin erzählte die besten Witze (unvergessen sein Brüller aus dem Herbst „Wir stehen für eine große Koalition nicht zur Verfügung.“). Bauer Horst sangt die melodischsten Heimatlieder („Viva Obergrenzia“ bleibt der bekannteste Klassiker). Und Jungfrau Angela war schon immer ein echter Hingucker als Pantomime im bunten Kostüm. Der Rest der Entourage verkleidete sich zudem äußerst stilvoll als Grokodile mit leicht traurigem Gesichtsausdruck. Auch wenn die Kostüme zwickten und die Perücken juckten, bemühte man sich um gute Stimmung. Das intonierte „da simma dabei, dat wird prima“ wirkte zwar zaghaft und trotzig, aber stets sehr bemüht.

Da man zuvor die Nächte durchgequietscht hatte, blieb zwar Zeit für Selfies aber leider nicht für das Schreiben neuer Büttenreden. Man beschloss daher einfach die Witze der letzten dreizehn Jahre aufzuwärmen. „Europa stärken, tätätä. Erdwärmung auf 2°C begrenzen, tätätä. Breitbandinternet für alle, tätätä.“ Ob Karl Theodor und Anette am Kopierer zur Hand gingen ist nicht bekannt.

Doch dann geschah das Unvorstellbare: Aschermittwoch ereignete sich vor dem Rosenmontag! Der Prinz verschwand über Nacht! Prinz Martin war zunächst voller Tatendrang und plante den Festzugswagen selber zu steuern, am liebsten ins Ausland. Doch ausgerechnet seinen eigenen roten Jecken – den Mitglieder des zwar nur zweitbeliebtesten, aber immer noch größten Karnevalsvereins – ging dies zu weit. Auf Martins schlingernden Fahr- und Führungsstil hatte keiner mehr Lust und die Roten Funken sprangen schließlich seekrank über die Reling des Prunkwagens. Sie landeten in der mütterlichen Umarmung von Funkemariechen Andrea, die schnell durch ihre beeindruckenden Spagate vom Tanzmariechen zur Vorsitzenden des Karnevalvereins aufgestiegen war. Unklar ist jedoch, ob sie Prinz Martin, der inzwischen beleidigt im RE nach Würselen vermutet wird, so kurzfristig beerben wird. Mit fremden Federn schmückt sie sich zwar eigentlich gerne, aber die Tatsache, dass sich Bauer Horst mit seinem Hang zur Folklore um alle inneren Angelegenheiten kümmern soll ist ihr so zuwider, wie das sauber gesprochene „sch“.

Karneval Pappnase Pfütze Clownsnase

Angesichts dieser wahrlich närrischen Zeiten kratzt sich der nüchterne Beobachter wohl nur noch verwundert an der eigenen Pappnase. Was bleibt ist die Frage: ist am Aschermittwoch (oder Achermittwoch, wie Andrea sagen würde) schon wieder alles vorbei? In jedem Fall ist klar für wen die Fastenzeit bereits jetzt begonnen hat: Kapellmeister Sigmar.




Als die Wurst das Laufen lernte – die Renaissance des Dackels

Dackel Sonnenuntergang Rauhaardackel

Die Zahl der Vegetarier steigt stetig. Fleisch per se, aber insbesondere Wurstwaren gelten als Inbegriff einer ungesunden, blutrünstigen und rücksichtslosen Lebensweise. Es fehlt nicht mehr viel, und wer Würste in der Öffentlichkeit isst, wird beäugt werden als würde er eine Burka tragen – aus Wurstpelle. Das Misstrauen beginnt wohl mit der Frage „Was ist da eigentlich drin?“ und endet – wie bei einer Scheidung – mit der Frage „Wie glücklich war das Schwein/die Kuh eigentlich?“. Die Wurst scheint jedenfalls vom Aussterben bedroht.

Doch allen am Abgrund stehenden Wurstfans – vor allem den Mitgliedern des „Vereins zur Förderung des Ansehens der Blut- und Leberwürste“ – sei gesagt: es gibt Hoffnung! Die Wurst wird überleben, denn schon einmal hat sie den Kampf gegen die eigene Ausrottung gewonnen. Lange Zeit galt eine ganz besondere Wurstgattung als vom Aussterben bedroht, die sich nun jedoch wachsender Beliebtheit und Verbreitung erfreut. Wie ein Phönix (oder anderes Geflügel) stieg diese Wurst aus ihrer eigenen geräucherten Asche empor und erlebt nun ein ungeahntes Comeback.

Die Rede ist von der Renaissance des Dackels.

Der Dackel ist Hund gewordene Wurst und damit urdeutsches Kulturgut, beliebt schon bei Kaisern und gefeiert als deutsches Olympia-Maskottchen (1972). Seine Blütejahre schienen jedoch längst vorbei. Als Relikt vergangener Zeiten wurde er gassirundenweise überholt von expressionistischen Dalmatinern, formvollendeten Jagdhunden und fischäugigen Felleinlagen für Handtaschen. Die Wurst mit dem trübseligen Blick schien ausrangiert. Der einstige Volksheld taugte nur noch als angestaubter Kamerad für Förster auf der Pirsch und motzige alte Herren auf dem Weg zum Altglascontainer.

Doch der Dackel, als Inbegriff für Sturheit und Zähigkeit, wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht zurückkämpfen und siegreich aus seinem Kaninchenbau hinaus kriechen würde. Der Dackel ist wieder da! Nicht nur steigt die Welpenzahl nach Jahren des Rückgangs wieder und der Teckel verteidigt mit seinen kurzen Pranken seinen Platz als zweitbeliebtester Hund der Deutschen Züchter (Quelle VHD). Er avanciert vielmehr zum Ausdruck von mutigem Stil und gutem Geschmack. Anstatt durch die Wälder der Eifel streift er inzwischen durch die Bioläden von Eimsbüttel. Waldi heißt jetzt Winston oder Wilma. Sein Herrchen ist nicht mehr Jäger, sondern Veganer. Als Wiener Dog füllt er sogar Instagram Feeds und wird zum internationalen Exportschlager. Das Würstchen auf vier Beinen ist schneidig und begehrt.

Dackel adidachs Pullover Wiener Dog

Der Grund für den Erfolg ist, wie bei vielen Verkaufsschlagern, die Kombination aus gutem Produkt und schwächelndem Wettbewerb. Der Dackel fasziniert und begeistert einfach. Er ist kompakt, handlich, mutig designed, ein bisschen nostalgisch – wie eine en vogue Retrokamera. Seine Sturheit und sein Hang zum Größenwahn sind legendär. Er nimmt es mit Bulldoggen und Briefträgern auf und schmiegt sich im nächsten Moment zuckersüß an den Knöchel seines Herrchens – wie süßer Senf auf eine Bockwurst. Er ist eine Wurst mit liebevollem aber markigem Charakter, kein degeneriertes Zuchtopfer mit Programmierungsfehlern (Mops). Keine Fußhupe in der Größe einer fellüberzogenen Handyhülle (Pekinese). Kein sperriges, stinkendes Alpaca (Golden Retriever). Keine verfressene Robbe (Labrador).

Dackel Rauhaardackel Gassi

Der Dackel ist der geerdete Dandy unter den Hunden. Insbesondere seine Bodenhaftung fasziniert. Diese Beinlänge, wie kann das sein? Sitzt er, steht er? Man weiß nie, ob der ohnehin sture Dackel einem Befehl gefolgt ist, zu mikroskopisch fein sind die Bewegungen zwischen Liegen, Sitzen und Stehen. German Engineering der besonders feinmotorischen, herzzerreißenden Art. Seine kurzen Beinchen, dazu die im Wind einer Bodenlüftung wehenden Schlappohren und dann dieser unschuldige, fragende Blick, der jeden Permafrost dahinschmelzen lässt – fertig ist Basisausstattung für die Liebe zur Wurst. Wer es ausgefeilter mag, kann sich aus dem kurzbeinigen, aber breiten Angebot an unterschiedlichen Fellbesetzungen, Farbvariationen, Größen und Längen den für sich passenden Dackel zusammenstellen. Die Dackel-Zucht ist hoch entwickelt, die Dackel-Sucht schnell tief verwurzelt.

Und so geschieht es, dass der ikonische Herzensbrecher nicht nur unsere Straßen erobert, sondern auch Kleiderschränke, Küchenregale und Briefkästen erwurstet. Der Dackel ziert mittlerweile Taschen, Schuhe, Pullover und Becher. Nach der Ära des Einhorns, Kaktus und Flamingos nähern wir uns demnach auf leisen Pfoten dem Zeitalter des Dackels. Das hätte man kommen sehen können, nein müssen (welch schlampiger Schellenaffe!). Das Olympia-Maskottchen Waldi war damals schließlich erst der Anfang. Eine Zukunft in der der Bundesadler durch den Bundesdackel ersetzt wird scheint angemessen und vernünftig.

Dackel Tasse Becher Hacken Karte

Doch wer nun noch immer nicht überzeugt ist und denkt „Na, tolle Wurst“, schaue bitte kurz in diese Augen und sage mir, dass er für so einen Blick nicht sogar zum Vegetarier werden würde. Der Dackel ist schließlich eh die tollste Wurst.

Dackel Welpe Rauhaardackel