Geschlecht: schnurzpiepegalich.

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Es gibt Filme, die im Gedächtnis bleiben. Genauer sind es Filmszenen, Ausschnitte, Bildfetzen, an die wir uns erinnern, weil sie so stark mit Emotionen verknüpft wurden, dass sie sich festsetzen wie der Schmutz auf unseren von der Frühlingssonne ausgeleuchteten Fensterscheiben. Wie Kaubonbons auf unseren Zähnen. Solche Szenen sind der „Sie springt in den Deckenventilator“-Augenblick bei Dirty Dancing, der Moment, als Bambis Mutter ausradiert wird oder Bridget Jones Rotwein trinkt und all by herself singt. Oder eben diese eine Szene aus Titanic. Nicht sein „Ich bin der König der Welt“-Ruf oder ihre „Jack! Jack!“-Schreie. Ins Gedächtnis hat sich ein andere Ruf gebrannt. Unauffällig. Erwartbar. Und doch klebt er noch immer wie ein Riesen-Schokobonbon in den Hirnzwischenräumen: Dieser Ruf des „Frauen und Kinder zuerst!“ Dieser Satz hat mich damals zunächst gewundert und dann wütend gemacht. Und so spüre ich heute noch immer ein bisschen von dieser Empörung. Einer Empörung, die sich um die unbeantwortete Frage dreht: warum? Dass Kinder, die nicht schwimmen, sprechen oder ein Notausgangsschild erkennen können, schutz- und rettungsbedürftig sind, leuchtet ein. Aber warum Frauen? Sind sie – das bisschen Zwicken im Unterleib während einer Geburt mal abgesehen – nicht leidensfähig genug? Oder sind Frauen etwa mehr wert als Männer? Oder versauen sie einfach mit ihrem hysterischen Gekreische auf einem untergehenden Kahn die heroische Grundstimmung?

Und so schaut man einen Film, der in einer anderen Zeit spielt – und fragte sich, in welcher Zeit leben wir heute eigentlich? Viel hat sich seitdem geändert. Und doch nicht allzu viel. Das aktuelle Gesellschaftsmotto ist zwar kein „Frauen, Demokratie und fettarme Ernährung zuletzt“ mehr. Aber sind wir deswegen, wie man gerne glauben möchte, wirklich in einem „Frauen und Männer zugleich“ angekommen?

Schaut man sich die aktuellen hitzigen und notwendigen Debatten um Gehaltsunterschiede, sexuellen Missbrauch an Frauen und Quoten für weibliche Vorstände an, entsteht der Eindruck, dass noch ein weiter Weg zu gehen ist. Die Genderifizierung nimmt gerade mal Kurs auf unseren Vorstände und Vorstellungen. Doch leider vergessen wir gerne, dass es nicht genügt über die genaue Route zu diskutieren, das Navi zu programmieren und Proviant einzupacken. Wir müssen den Weg auch gehen. Schritt für Schritt, egal was sich im Schritt befindet.

Die ewigen Kreisdiskussionen um das teuflische Patriarchat und den hexischen Feminismus erinnern daran, als würde man immer wieder diskutieren, ob Weihnachtsmann/-frau/-neutrum auch wirklich nicht existiert. Als würde man sicherheitshalber noch mal die Frage diskutieren wollen, ob rothaarige Frauen nicht vielleicht doch besser in der Mikrowelle aufgehoben werden sollten. Wenn man sich doch eigentlich einig ist, dass Männer und Frauen gleichbehandelt werden sollen, warum tut man es dann nicht? Warum behandelt man das Thema nicht gleichgültig? Warum machen wir, anstatt darüber zu reden, Dinge nicht einfach zur schnöden Selbstverständlichkeit? Warum versucht man stattdessen durch Quotierung aus dem „obwohl sie eine Frau ist“ ein „weil sie eine Frau ist“ zu machen? Ist das nicht so, als würde man versuchen die Existenz des Weihnachtsmann durch eine Hexe zu bezeugen?

Dass ein Mann Elternzeit nimmt, sollte so spannend sein, wie das Umfallen eines Sacks Reis in China. Dass eine Frau Physik studiert, sollte genau wie bei einem Mann mit einem „Puh, du bist aber ein komisches Teilchen“ kommentiert werden. Dass ein Mann eine Frau schwängert, sollte dem Arbeitgeber genauso mitgeteilt werden, wie eine Frau über ihre Schwangerschaft informiert. Dass ein Mann beim Yoga oder eine Frau beim Kickboxen den Frust des Alltages wegdiffundiert, sollte so interessant sein, wie das Muster der Tapete, mit dem wir unser Schubladendenken dekorieren.

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Männer und Frauen sind unterschiedlich. Das geht über das Holz vor der Hütte und die Latte in der Hose weit hinaus. Das erkennt auch der Mensch mit dem größten Brett vor dem Kopf. Aber in der Diskussion vergessen wir auch gerne mal, dass Männer an sich sehr unterschiedlich sind. Und Frauen eben auch. Nicht jedem Mann können Muskelmasse und Machtgier, nicht jeder Frau Fürsorge und Feinfühligkeit zugesprochen werden. Es gibt zahlreiche Jungs, die mit Puppen und Mädchen, die mit der Carrera-Bahn spielen wollen. Warum lassen wir sie nicht einfach? Warum fangen wir nicht an, uns die Frage „Und was wird es?“ zu verkneifen und erkundigen uns stattdessen nach dem Gesundheitszustand des ungeborenen Menschenkindes? Warum ist das Geschlecht nicht schnurzpiepegal?

Weil wir diese Kategorien und die damit verbundenen Klischees und Vorurteile brauchen. Sie sind die Eselsbrücken, die uns über den Fluss des Lebens bringen. Sie sind Abkürzungen, die uns dabei helfen, diese Unbegreiflichkeit dieser Welt zumindest in saubere Schubladen zu portionieren. Damit soll das Leben etwas leichter verdaulich sein. Aktuell versuchen wir die Schublade mit der Aufschrift „Frau“ auf die gleiche Höhe wie die Schublade „Mann“ zu hieven. Ein Kraftakt. Warum versuchen wir stattdessen nicht eine Schublade mit der Aufschrift „Mensch“ zusammenzuschustern?

Natürlich ist diese Forderung naiv. Mit guten Gedanken und Gelassenheit alleine lässt sich die über Jahrhunderte gebildete Testosteron-Kruste der Menschheit nicht einfach aufbrechen. Aber sie wird auch nicht verschwinden, wenn wir sie zornig mit einer Make-Up-Schicht überziehen. Vielleicht ist der Wunsch nach einer Filmszene in der „Menschen zuerst!“ gerufen oder nach dem Meldeformular mit „Geschlecht: schnurzpiepegal“ am Ende vor allem eines: eine Utopie. Wie die Vorstellung, dass ein Schiff unsinkbar ist. Aber das ist mir ehrlich gesagt schnurzpiepegal.




Komm raus, du Schweinehund – über Herausforderungen.

Herausforderung Maislabyrinth

Jeden Montag. Eine Idee.

Jede Woche. Eine Herausforderung.

Jedes Mal. Ein Labyrinth der Worte.

Warum macht man das? Warum nimmt man den Kampf mit dem Schweinehund auf, anstatt ihn zu verbellen? Warum laufen wir nicht vor den Herausforderungen weg, sondern beißen uns immer wieder an ihnen fest? So richtig „mais“ man es nicht. Und je mehr man darüber nachdenkt, desto größer werden die Herausforderungen dann auch noch. Denn sie zehren sich gerne von Sorgen. Sie kommen auf dem Gedankenkarussell erst richtig in Schwung. Das Was-wäre-wenn ihrer Natur ist es, was uns so fordert.

Und doch suchen wir sie, stetig, schonungslos, diese selbstgesetzten Prüfungen. Eine Beförderung. Ein Marathon. Ein neues Rezept. Ein ernstes Gespräch. Warum? Je herausfordernder die Aufgabe, je steiler der Weg, desto mehr wird das Ergebnis, das Ziel wertgeschätzt. Von uns selbst. Ein Gefühl der Selbstschätzung entsteht, ein Rausch, der uns mutig immer wieder neue Aufgaben ergreifen lässt. Das Was-wäre-wenn-ich-das-schaffe treibt uns an. Und so herausfordern wir uns durchs Leben. Denn: Herausforderungen schafft man und Herausforderungen schaffen – Dinge, die man greifen kann oder auch nicht. Herausfordern ist, wie das Wort uns sagen möchte, etwas nach außen bringen, was nicht war. Nicht sichtbar, nicht spürbar. Alles kommt aus uns. Heraus. Worte auf Papier. Gedanken zu Sätzen. Träume zu Taten. Indem sie Handlung, Haltung, Veränderung fordern, formen sie uns. Halten uns in Bewegung. Bewegen uns.

Wie das Erwachen nach einer kurzen Nacht.

Wie das Schweigen im passenden Moment.

Wie das Sprechen im richtigen Augenblick.

Wie der Berg, der sich erhebt.

Wie der Abgrund, in den man blickt.

Wie ein Labyrinth ohne Wände.

Wie ein Text ohne viele Worte.




Fragwürdige Berufe – der Coach.

Coach Coaching Seminar Flipcharts Buntstifte Bauklötze

Coach: Liebe Teilnehmer, ist es nicht schön, dass Sie sich alle heute Zeit für dieses wichtige Seminar genommen haben?

Teilnehmer: Ich bin wegen der Häppchen hier.

Coach: Kennt denn jemand das Thema des Seminars?

Teilnehmer: Erfolgreiches Schnittchenstellen-Management?

Coach (lacht verkrampft): Ist es nicht schön, wenn man Humor hat?

Teilnehmer: Sie verwechseln hier – denke ich – zwei artverwandte, aber dennoch verschiedene, tief menschliche Bedürfnisse miteinander, aber: Humor ist nicht Hunger. Coach ist ja auch nicht Couch. Leider.

Coach: Haben Sie denn alle Ihre Vorbereitungsarbeit gemacht und daran gedacht, einen Gegenstand mitzubringen, der Ihren Führungsstil beschreibt?

Teilnehmer: Ich habe eine Tupperdose mitgebracht.

Coach: Aha, ist das nicht interessant? Was fühlen Sie, wenn Sie diesen Gegenstand betrachten?

Teilnehmer: Hunger.

Coach: Auf Führungsarbeit?

Teilnehmer: Ja. Auf das Führen eines Häppchens in meinen Mund.

Coach: Nun, was erhoffen Sie sich von diesem Tag?

Teilnehmer: Ich erhoffe mir, dass Sie mal zum Punkt kommen und wenigstens einen Satz nicht mit ihrem Lieblingsgegenstand – dem Fragezeichen – beenden.

Coach: Supi, wollen wir beginnen?

Teilnehmer: …aber ich gehe nicht mit allzu viel Hoffnung in diesen Tag.

Coach: Was halten Sie davon, wenn Sie Ihre heutigen Emotionen auf diese unterschiedlichen Karten malen und an die Pinnwand hängen?

Teilnehmer: Gegenfrage: was halten Sie davon, wenn ich Ihnen mit diesem wasserfesten Filzstift eine hübsche Mono-Braue male und neben ihre Naselöcher „Coaching Zone“ schreibe?

Coach Coaching Flipcharts Seminar Wachsmalstifte Edding

Coach: Kann ich ein kurzes Echo zu dieser Idee bekommen?

Teilnehmer: Ein kurzes Echo bekommen…bekommen..kommen.

Coach: Kann es sein, dass Sie Humor als Schutzmechanismus benutzen, um sich nicht mit Ihren eigenen Gefühlen auseinander setzen zu müssen?

Teilnehmer: Auseinander setzen zu müssen…müssen…üssen.

Coach: Möchten Sie diese Situation vielleicht ansonsten mit diesen Bauklötzen nachstellen?

Teilnehmer (greift nach einem Bauklotz und führt ihn zum Mund): Ich verstehe ja, dass der Kostendruck das gesamte Unternehmen erfasst hat. Aber muss man da wirklich jeden Cent umdrehen und jetzt auch noch ausgerechnet bei den Häppchen für Seminarteilnehmer sparen? So trockene, pappige Briketts würde man doch nicht mal einer Taube füttern. Da geht meine Tupperdose lieber leer aus. Könnte man dann nicht wenigstens diese Pappkarten aus Esspapier machen?

Coach Coaching Bauklötze Seminar

Coach (geht zu einem Flipchart): Ist das nicht eine tolle Idee, die wir hier in unserem Themenspeicher notieren wollen?

Teilnehmer: Ich finde ja im Allgemeinen, dass alles, was man auf Flipcharts notiert, so flippig ist wie Chartmusik oder eine Unterhaltung mit diesen Holzkeilen. Daher verdient es diesen Namen nicht. Flopchart oder Umblätterboard fände ich angemessener. Notieren Sie das mal bitte in Ihrem Themenspeicher –  den ich im Übrigen auch eher Kein-Esspapierkorb nennen würde.

Coach: Da bin ich ganz bei dir, darf ich trotzdem fragen, warum?

Teilnehmer: Nein.

Coach: Nein?

Teilnehmer: Sie dürfen mich nichts fragen.

Coach: Wie fühlt es sich dann für Sie an, dass ich nur in Fragen spreche?

Teilnehmer: War das eine Frage?

Coach: Was denkst du?

Teilnehmer: Ich denke: bitte machen Sie mal einen Punkt. Wollten Sie das wissen?

Coach: Hast du auch das Gefühl, dass wir hier nicht weiterkommen?

Teilnehmer: Ja.

Coach: Was macht das mit dir?

Teilnehmer: Ich merke nicht, dass hier heute irgendjemand irgendetwas macht. Ich habe ein tiefes Gefühl der Machlosigkeit.

Coach: Wissen Sie, dass es ein wichtiger erster Schritt ist, sich dieses Gefühls bewusst zu werden?

Teilnehmer: Da staune ich aber Bauklötze.

Coach: Darf ich – damit wir pünktlich (Teilnehmer lacht) zum Ende kommen – eine letzte Frage stellen?

Teilnehmer: Lassen Sie mich raten „Gibt es noch Fragen – die ich nicht gestellt habe?“ Ich denke nein.

Coach: Was nehmen Sie nach diesem Tag mit?

Teilnehmer: Eine Tupperdose, die so leer ist wie Ihr Themenspeicher, und den Vorsatz, nie wieder ein Seminar zu besuchen. Punkt.

Coach: Ist das nicht schön? Wer möchte das Schlusswort sprechen?

Teilnehmer (steht auf): Ich möchte ein Zeichen setzen. Unverschwungen. (verlässt den Raum)

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Hundstage.

Hummel Dackel Rauhaardackel Hund

Plötzlich ist er da. Dieser Moment, vor dem man sich lange fürchtete. Man hoffte irgendwie, er würde nie eintreten, auch wenn man weiß, dass dies bedeutete, ein Lebewesen würde an Magersucht oder Darmdetonation sterben. Aber man hofft naiv, dass der Kelch wundersamerweise an einem vorüber gehen würde. Beziehungsweise der Plastikbeutel. Doch dann ist der da, dieser verstörende Moment, da man das erste Mal in diese Plastiktüte greifen muss, wie ein Arzt in die OP-Handschuhe. Und dann tut man es. Man fasst Hundekot an.

Die gebückte Haltung, die würdelose Pose erinnert an Betrunkene, die sich schamvoll in der Öffentlichkeit übergeben. Mit dem Unterschied, dass hierbei der Auslöser des Übels schon zehn Meter weitergelaufen ist, an einem Busch schnuppert und überlegt, ob er ein Taschentuch fressen soll.

In unseren scheppernden Köpfen sind die Dinge, die wir uns vorstellen, meist voller sinfonischer, harmonischer Klänge. Die wenigen Störgeräusche besitzen dafür die Dezibel-Stärke einer startenden Boeing 747 – mit einem Martinshorn auf dem Dach und einer Kita voller hungriger Zweijähriger an Board. Doch wie klingt die Realität dann wirklich? Laut oder leise? Wie rhythmisch oder grässlich? Wie lärmend fühlt es sich an, Hundehaufen von der Straße aufzuheben? Ist es wirklich so klangvoll einen Hund zu besitzen oder erwischt man sich alsbald knietief in einer scheppernden Hundedepression?

Die Wirklichkeit summt nicht. Sie jault und bellt. Und hört – manchmal – auf den Namen Hummel. Hummel ist für das Wochenende zu Besuch. Hummel ist eine eigenartige Besucherin. Hummel hat ihr eigenes Geschirr und Essen mitgebracht, das ihr aber nicht wirklich schmeckt. Hummel hat ihr eigenes Bett mitgebracht, das sie allerdings nur selten der Couch oder dem muffigen Teppich vorzieht. Hummel hat den Wunsch, viele Dinge einmal in Ruhe durchzukauen. Hummel mag keine Treppen und möchte lieber vom Balkon in die Hecke, in die Freiheit hüpfen. Hummel wünscht sich wohl, sie wäre eine Hummel.

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Die pubertäre Dackeldame wurde vornehmlich zur Menschentherapie mit Fokus auf das Abtrainieren einer Schnapsidee (Besitz eines eigenen Hundes) aufgenommen. Sie stellt sich aber zeitgleich als sehr patente Haushaltshilfe heraus. Sie kümmert sich um den Papiermüll, zerkleinert und verteilt diesen so fachhündisch, dass er sich quasi selbst entsorgt. Sie putzt gerne Schuhe und gibt ihnen dabei eine neue Patina (das sogenannte „Hundebiss-Muster“). Sie dekoriert äußerst geschmatzvoll um und entfernt bodennahe, geschmacklose Staubfänger. Sie staubsaugt gründlich, egal ob Speisereste, Stuhlgleiter oder humanoide, nackte Zehen. Auch vor schwer erreichbaren Stellen, wie unter Sitzmöbeln oder hinter Regalen, scheut sich Hummel nicht und reinigt notfalls mit ihrer langen Gesichtsbehaarung höher liegende Staubflocken. Ihr fehlt nur noch die Stirnlampe, dann wäre sie ein echter Kumpel.

Hummel Dackel Rauhaardackel Hund

Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass Hummel so viel Kot im Kopf hat, wie aus ihr herauskommt.

Im Freien surrt Hummel sodann wie eine quirlige Biene von Bein zu Bein. Nebensächlich, ob es ein haariges Hundebein, ein haariger Busch oder ein Hosenbein mit einem dieser drolligen , weniger haarigen Menschen drin steckend ist. Dadurch lernen Menschen Menschen kennen, die sie nicht kennenlernen wollten. Kann man auf dem Kinderspielplatz die Kinder in der Regel sich selbst überlassen (anzügliche Übergriffe, Beissattacken und sich verheddernde Leinen sind unter Vierjährigen eher selten) und die Mutter des Sand essenden Friedrichs ignorieren, fühlen sich Hundebesitzer zur Konversation verpflichtet. Geschlecht, Rasse, Alter, Name und Nahrungsunverträglichkeiten werden abgefragt oder ungefragt mitgeteilt. „Ach Pummel heißt er? Ist das ein Standard? Waren Sie schon mal beim Dackeltreffen?“ Man unterdrückt die Frage, ob die stark übergewichtige Fußhupe mit dem Häckeljäckchen eine Standard-Presswurst ist und antwortet kurzbeinig angebunden – und zieht an der Leine, die einem diese Konversationen eingebrockt hat.

Hummel Dackel Rauhaardackel Hund

Doch dann blickt Hummel ihre Patienten – oder das Leckerli in ihren Händen – mit diesen braunen Knopfaugen an und was war noch mal die Fragestellung? Egal. Dann wirft man irgendwas, was wohl einmal ein Hundeknotenseil war, aber eher an die derangierte Frisur eines Kelly Family Mitglieds, die im Ausguss steckte, erinnert, und Hummel springt glücklich mit ihren kurzen Beinen hinterher. Dann sucht Hummel unruhig eine angemessene Schlafposition und döst erst zusammengerollt im Schoss des Patienten liegend zufrieden ein. Dann zuckt und bellt Hummel im Traum. Dann steht Hummel um 5:30 morgens am Bett, Schwanz wedelnd, gut gelaunt, latent mit einer Leckage der eigenen Blase drohend – und selbst dann kann man ihr nicht böse sein. Zumindest nicht so böse, wie man seinem in der Regel nicht an der Hand leckenden Wecker wäre. Immerhin kann man so ja besonders frische Brötchen beim Bäcker abgreifen und den so selten gewordenen Vogelgesängen ohne jeden Verkehrslärm lauschen. Dann läuft Hummel tapsig über die Tasta28üz3rhlfq0zr.

Und man stellt fest, das Therapieziel ist auf kurzen Stummelbeinen in weite Ferne gerückt.

Hummel Dackel Rauhaardackel Hund