Wirrsinnig.

wirsing verursacht Harndrang Wirrsinn

Wirsing verursacht Harndrang.

Welcher einen zum Schreiben an Wände zwang.

Ohne Klo ist man schließlich arm dran.

Mit diesem wirrsinnigen, manischen Hang.

Grünkohl verursacht Pinkellust.

Denn ohne Wurst macht Kohl dem Darm nur Frust.

Kohl und Fett sind nicht zu trennen.

Selbst in der Politik scheint man dies zu kennen.

Brokkoli verursacht Herzrasen.

Und andere „beklopfte“ Phrasen.

Aber Grün könnte man wählen,

anstatt sich mit altem Kohl zu quälen.

Bohne verursacht Redefluss.

Und heiße Luft mit duftendem Schuss.

Man nennt sie auch Sprechbohnen,

auf der wortreiche Prinzessinnen und Politiker thronen.

Fernreis‘ verursacht Zeitfresser.

Ein halbgares Gedicht über Gemüse macht es da wenig besser.

Nächste Woche gibt es wieder Spannendes zu berichten.

Ganz ohne wirrsinniges Dichten.




Montag mal anders.

Montag mimimimontag Arbeit

Wie ein flauschiger kleiner Affe hangeln wir uns jede Woche von Baum zu Baum. Von einem Baum – auf dem wir gemütlich mit unseren Lieblingsaffen abhängen, uns an Sachen, die nicht auf Bäumen wachsen, satt essen und den Ausblick genießen – zum nächsten. Das Leben könnte so schön sein, wäre da nicht diese affige Pendelstrecke. Zwischen den Bäumen wartet schließlich der einsame freie Fall auf uns. Festgeschnallt an einem Bürostuhl ziehen uns die Schwerkraft und die viele heiße Luft der Arbeitswoche nach unten.

Schon wieder Montag.

Bevor der Tag beginnt, geht er einem schon auf den Wecker. Denn man lässt sich von einem Wecker aus dem Tiefschlaf reißen, schiebt sich mit halbgeöffneten Augen wie ein grobmotorischer Schimpanse ein Toastbrot unter oder in die Nase und sich selber schließlich in ein Verkehrsmittel voller Affen. Dann hängt man den Tag ab an einem nur selten an prachtvolle Baumkronen erinnernden Ort. Dort ist man umgeben von E-Mails, die den Nährwert einer Bananenschale haben, und von bizarren Primaten, die ihren Nährwert aus dem Wort „Weisungsbefugnis“ oder „Kundschaft“ ziehen. Auf dem Heimweg begegnet man wieder den gleichen Affen, mit den gleichen müden Augen. Die eigenen müden Augen setzt man abends vor irgendwas Flimmerndes, einen Fernseher oder die alte Lavalampe aus dem Keller. Vorbei ist der Mimimimontag. Einer von fünf geschafft. Noch vier Tage bis zum Wochenende.

Montag mimimimontag Arbeit

Doch was bedeutet es, wenn der Montag als Gang zur rostigen Guillotine empfunden wird? Wer so lebt, dessen Lebensjahr besteht aus 52 Wochenenden. Statt 365 Tage erlebt man lediglich 104 Tage mit Grauschleier dazwischen. Klingt irgendwie nebulös. Doch was hält uns davon ab, Floskeln wie „schon wieder Montag“ oder „endlich Urlaub“ aus unserem Vokabular zu streichen? Warum feiern wir das Bergfest, anstatt den Montag zu würdigen? Warum freuen wir uns so selten darüber, eine flauschige Arbeitsstelle zu haben, bei der wir weder unser Leben noch unsere Würde gefährden, bei der wir Menschen außerhalb unserer kleinen Baumkrone begegnen, bei der wir etwas lernen, bei der wir weniger Zeit als in unserem Bett verbringen? Und im Bett begegnen den wenigsten von uns Fremde, die mit uns über die letzten Umsatzzahlen sprechen möchten.

Arbeit kann und soll uns bereichern. Im wahrsten Sinne.

Wer jedoch jeden Montag mit einem Sinne betäubenden Scheppern im Kopf erwacht, sollte sich fragen, warum er in einem Land der Vollbeschäftigung, des Fachkräftemangels, der flexiblen Arbeitszeitmodelle, nichts gegen diesen Lärm im eigenen Körper unternimmt. Wer auf einer Hallig lebt, Bergmann sein will, Zeit seines Lebens in einer Videothek gearbeitet hat und Angst vor dem Internet hat, dem fehlen vielleicht ein bisschen die Möglichkeiten. Aber fehlen jedem von uns die Optionen?

Was hält uns davon ab, zwischen den Bäumen zu fliegen anstatt zu fallen – und diesen Flug zumindest versuchen zu genießen?

Doch bei aller geistigen Selbstbekehrung und -belehrung, am Ende bleibt in der Regel eine kräftezehrende Arbeitswoche, in der wir mit Kollegen, Kunden und überhaupt mit Menschen – igitt – interagieren müssen. In der wir nicht immer frei in unseren Entscheidungen und Aussagen sind. In der wir von einem Folterinstrument der Moderne, dem Wecker, diktiert werden. Man möchte ja arbeiten, aber muss es gleich so viel? Muss es nicht, die Bäume könnten auch dichter beieinander stehen. Das nennt sich dann Arbeitszeitverkürzung oder Auszeit oder Home Office oder was auch immer sich das 21. Jahrhundert noch alles einfallen lässt, um den Menschen die Arbeit schmackhafter zu machen. Um den Montag ein bisschen weniger bitter schmecken zu lassen. Wir müssen nur anbeißen.




Frauen und die Macht.

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Ich werde ignoriert. Ich rede und werde ignoriert. Mein Gegenüber blickt abwesend durch mich durch, als sei ich eine leere Pfandflasche, fingert an seinem Kugelschreiber herum und schaut schließlich die Person neben mir fragend an. Diese fängt wiederum mitten in meinem Satz an zu reden, sagt umschweifend das Gleiche, was ich soeben sagte und wird mit verbalem Beifall von den anderen anwesenden Personen belohnt.

Mir gegenüber sitzt ein Mann. Neben mir sitzt ein Mann.

Anstatt meinen Sitznachbarn mit einem freundlichen „Bei Gelegenheit erkläre ich dir sehr gerne noch einmal den Unterschied zwischen einem Punkt und einem Komma“ in die Schranken zu weisen, schweige ich und staune. Ist das grade wirklich passiert? Bin ich einfach inkompetenter, als ich immer dachte, oder bin ich soeben diskriminiert worden? Bin ich „emanzpfindlich“? Oder feinfühlig feministisch? Findet die Diskriminierung in meinem Kopf statt oder ist sie Realität?

Dachte sich der Kugelschreiberkollege wirklich, der Frau höre ich nicht zu, die kann eh nichts, weil sie einen höheren Östrogenspiegel und damit zwangsläufig weniger auf dem Kasten hat? Oder zweifelt er meine Fachkenntnisse an – völlig ungeachtet der Tatsache, dass ich neben viel Verantwortung auch einen Büstenhalter trage? Beschwere ich mich über den Umgang, bausche ich etwas auf oder spreche ich die schonungslose Wahrheit aus? So oder so würde meine Kritik vermutlich als latent hysterisch und vielleicht sogar als zickig abgestempelt werden. Doch wie oft wurde einem Mann wiederum attestiert, zickig zu sein, weil er sich darüber mokierte, nicht aussprechen zu dürfen? Vermutlich so häufig, wie einer Frau gesagt wird, wow, die hat aber wirklich Eierstöcke in der Hose.

Ohne es zu bemerken oder gar zu beabsichtigen, befindet man sich mitten in einer gesellschaftlichen Debatte rund um das Thema Feminismus und Emanzipation im 21. Jahrhundert. Dabei gilt doch eigentlich „betroffen sind immer die anderen“. Einem selbst geht es gut, man selber wird doch nicht diskriminiert. Kein Grund wütend zu sein. Man macht es sich lieber in seiner Blase der Emanzipation gemütlich. Dinge hübsch einrichten können wir Frauen ja eh so gut.

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Blickt man oberflächlich auf unsere Gesellschaft, gibt es tatsächlich kaum einen Grund, an der Gleichberechtigung zu zweifeln. Frauen wählen, arbeiten und führen ein selbstbestimmtes Leben. Undenkbar ist es, die vergleichsweise jungen Errungenschaften der Moderne, wie das Wahlrecht für Frauen oder die Strafverfolgung von Vergewaltigung in der Ehe, anzuzweifeln. Wir werden sogar von einer Bundeskanzlerin und zahllosen Ministerinnen regiert. Oberflächlich betrachtet scheint alles in Ordnung zu sein. So wie ein guter BH eben einen Hängebusen quaschieren kann. Der Feminismus scheint nur noch nicht begriffen zu haben, dass er in Vorruhestand gehen – und in den Genuss der erhöhten Altersarmut für Frauen kommen darf. Ein bisschen feministischer Feinschliff, aber eigentlich ist das Werk der Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft vollbracht. Hier muss ja schließlich keine Frau ein Kopftuch tragen.

Ist das so? Sind mit den diskriminierenden Gesetzen die Mauern im Kopf plötzlich verschwunden? Oder gärt da eigentlich noch immer etwas unter der Oberfläche, was wir kaum greifen, belegen oder wahrhaben wollen? Tragen wir die Kopftücher im statt auf dem Kopf?

Während Wahlen zur Hälfte von Frauen mitbestimmt und daher eine weibliche Staatschefin möglich gemacht wird, deutet sich am Beispiel der „freien“, geistig verschleierten Wirtschaft ein anderes Bild, ein ungleicheres Bild an. Frauen haben zwar die besseren Schul- und Uniabschlüsse, springen ehrgeizig und zunächst erfolgversprechend auf die Karriereleiter und erobern die ersten Sprossen. Doch was passiert dann? Dann scheint sich ihr Aufstieg peu a peu zu verlangsamen, und das, obwohl sie zwar seltener Kinder kriegen und sich immer öfter mit Männern die Erziehung und das bisschen Haushalt teilen. Doch Frauen beginnen alsbald an Grenzen zu stoßen. An unüberwindbare Grenzen, die man nur mit der Hilfe anderer überwinden kann. Während Männer unbeirrt emporklettern und sich von starken, eben fast ausschließlich männlichen Händen nach oben ziehen lassen, umarmen sich Frauen gegenseitig auf der mittleren Sprosse und zweifeln gemeinsam daran, ob sie das wirklich können und wollen. Dort oben wartet keine Frau, die sie in Vorstände oder Aufsichtsräte zieht. Männer hingegen fördern ihre eigenen, etwas jüngeren Duplikate und halten so ein System am Leben, in dem Menschen mit Gemächt mächtig sind und über Boni, Gehälter und Karriereschritte entscheiden. Sind Quoten, die in anderen Ländern eine undiskutierte Selbstverständlichkeit wie das Frauenwahlrecht sind, das Lösungsmittel für das testosteronverklebte Problem? Vielleicht. Vielleicht reduziert sich so der Anteil der Quotenmänner, die sicherlich nicht ausschließlich alle auf ihren Posten sind, weil sie die beste Besetzung für den Zirkus waren. Man möchte wirklich laut lachen, wenn dann von trotzigen Männern „so einer Quotenfrau“ vorgehalten wird, sie sei nur wegen ihres Geschlechts hier gelandet. Ja ne, ist klar, ihr wart immer der neutral einzig beste Kandidat für den Job.

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Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob weniger Frauen in Führungspositionen sind, nur weil sie nicht sollen – oder weil sie vielleicht auch nicht wollen. Weil sie sich nicht wehren oder sich nicht etwas zutrauen wollen. Zum Unterbrechen gehört schließlich immer auch jemand, der sich unterbrechen lässt. Oder weil sie ihr Leben seltener einer 80-Stunden-Woche opfern und irgendjemandem etwas beweisen wollen. Selbst wenn einen jemand von oben zieht, klettern muss man schließlich immer noch selber.

Ich habe in der Situation nichts gesagt. Doch durch Schweigen lüften sich die wenigsten Kopftücher im Kopf und Konflikte im Leben. Eine bessere Reaktion wäre wohl gewesen zu sagen „Herzlich Willkommen in meinem Satz, liebes Männchen.“




Ein Haus. Ein sonderbares Haus.

Inserat Wohnung Haus puristische Villa Annouce

„Ich hab‘ ein Haus, trinke kein Käffchen und stehe nie am Herd.

Ich hab‘ ein Haus, sehe aus wie ein Äffchen und bin ein Nerd.

und Jeder, der mich nicht fragt, kriegt meine 2×1 Million gelehrt.“

Wie lebt es sich in einer puristischen Villa, die in ihrer Schlichtheit mit einem begehbaren Weinkühlraum aufwartet und in der man bescheidene 1.839.000 € mit Weitblick am Wasser versenken kann?

Man betritt als Besucher das Anwesen. Kobe-Rinder und Trüffelschweine weiden neben der aus Marmor gepflasterten und daher sehr rutschigen, kaum passierbaren Auffahrt. Am Eingangsportal, dessen wuchtige Türen von Shaolin-Mönchen mit bloßen Händen gezimmert wurden, wartet der Rundfunkchor Berlin auf den Gast. Anstatt dem Gast das Anklopfen zu überlassen, setzen die Sänger zu einem infernalen „Klopf, Klopf“ ein. Die Tür wird geöffnet und man betritt die puristische Villa mit Weitblick. Weit ist der Blick in das Entree, in dem Ming-Vasen als Regenschirmständer und abgemagerte Models als Kleiderhaken angeordnet wurden.

Man wird ins Wohnzimmer geleitet, in dem Lang Lang am Konzertflügel sitzt und ein paar besonders schmissige Balladen von DJ Ötzi intoniert. Durch die schweren Vorhänge des puristischen Salons sieht man, wie die Sonne im Meer untergeht. Man wusste gar nicht, dass dieser Ort am Meer liegt. Lag er auch nicht, klärt der Hausherr auf. Man habe einen Kanal verlegen lassen. Ebenso sei ein Landeplatz für die Concorde gebaut worden. Dieser befände sich unweit hinter dem Elfenwald, in dem Figuren aus „Der Herr der Ringe“ ihre letzten Tage bis zum Renteneintrittsalter verbringen.

Der Hausherr fragt, ob man vor dem Mahle gerne einer Opernaufführung im eigenen Heimkino beiwohnen möge („Die neue Inszenierung der „Zauberidiote“ ist beeindruckend.“) oder lieber durch die Showroom-Garage flanieren möchte. Man entscheidet sich für die Besichtigung der Gartenlaube, die mit Fußbodenheizung, Lichtinstallation und einem Fuhrpark bestehend aus Fiat Multipla’s aufwartet. Sortiert nach Komplementärfarben. Da man ein Hang zu Superlativen habe, so der Hausherr, habe manch sich dazu genötigt gefühlt, die größte Ansammlung des hässlichsten Autos der Welt zu besitzen. Durch die Wände der Garage hört man die Arie der Königin der Nacht. Geldscheine als Dämmmaterial stellen sich doch nicht als allzu geeignet heraus. Die Oper würde ohne Unterbrechung aufgeführt, erklärt der Patron. Wo kämen wir denn hin, wenn Kunst nur noch ab einer bestimmten Besucherzahl stattfinden würde.

Der Gast wird nun ins Speisezimmer geleitet. Im Vorbeigehen an der Designerküche hört man die Stimme von Jamie Oliver, der in Selbstgespräche vertieft zu sein scheint. „Hey Leute, heute zeige ich euch wie man Schmalz-Stullen mit einer Prise Dekandez für eure Freunde und Familie schmiert.“ Ein erfolgreicher Designer habe die Küche gestaltet, so der Hausherr. Der Designer, Herr Höffner, sei reich und berühmt geworden durch seine Küchen mit wuchtigen Eichenfronten, beigen Kacheln und Plastiktischdecken mit Blumenmuster. Zu Tisch erklärt der Hausherr – über eine im vergoldeten Tischbein installierte Gegensprechanlage, da die Tafel so lang ist, das man sich über die Distanz sonst kaum noch verständigen könnte – dass der Wein aus den Südhängen des begehbaren Weinkühlraumes stammt. Man selber habe den begehbaren Weinkühlraum allerdings nie begangen, da man ja einen Mundschenk habe, der den Tetra-Pak-Wein, manchmal auch den Blumendünger, übrigens meist ganz ohne zu tropfen, in Füllhörner aus alten Fiat Multipla Schaltknüppel umfüllen und darreichen würde. Lang Lang wurde in der Zwischenzeit durch Metallica abgelöst, die den Rest des Abends stimmungsvoll, musikalisch begleiten.

Das Mahl, das mehrheitlich mit Blattgold bedeckt und daher an mit Rettungsdecken eingehüllte Katastrophenopfer erinnerte, liegt schwer im Magen. Wie Heavy Metal. Wie Schwermetall. Zur Förderung der bisher eher puristisch agierenden Verdauung wird zum Absacker im Kaminzimmer nebenan geladen. Der Absacker besteht aus einem schwindelerregenden Abseilakt der Artisten des Cirque du Soleil. Schließlich verabschiedet sich der Gast und wird vom exhumierten Enzo Ferrari in einem Golfmobil zurück zum Eingangstor der puristischen Villa am Wasser mit Weitblick gefahren. Zum Abschied wird für den Gast ein Feuerwerk gezündet und ein Flugzeug kreist über der Villa. Es zieht einen Banner hinter sich her, auf dem in geschwungenen Lettern steht: „Die Welt widdewidde wie sie mir gefällt.“

Manche machen, andere denken sich die Welt, wie sie ihnen gefällt.