Rücksch(l)au.

Rückschau Rückblick Rückspiegel Jahresrückblick Schellenaffe

„Gibt es ein schöneres Zeichen der Wertschätzung und Hochachtung, als das Anführungszeichen? Ein Symbol der Huldigung des gesprochenen oder geschriebenen Wortes. Eine Ver- und Aufwertung formulierter Gedanken und Visionen.“ Dies könnte ein Zitat von Karl-Theodor zu Guttenberg sein. Ist es aber leider nicht.

„Wie schmeichelhaft wäre es, wenn andere die Worte des Schellenaffen aufgreifen und verwenden würden?“ Dies könnte ein Zitat von Johann Wolfang von Goethe sein. Wir wissen es leider nicht. Ebenso wenig, wie wir wissen woher der Schellenaffe auch in diesem Jahr seine Inspiration (in Fachkreisen bekannt als untherapierter Irrsinn) nimmt. Außer heute. Da bedient sich der Schellenaffe zum einen bei sich selbst und zitiert sich selbst in untherapierter Bescheidenheit.  Zum anderen bedient er sich bei einem seiner liebsten untherapierten Irren, Marc-Uwe Kling, und entleiht ihm seine Idee der „kreativ“ zugeordneten Zitate.

„Wer sagt also, dass Weihnachten kalt sein muss? Man spannt die Kängurus vor den Schlitten und verbringt den Tag Sandmänner bauend am Strand. (…) Außerdem möchte ich nicht in einem Land bestattet werden, wo meine Totenruhe von giftigen Spinnen gestört werden würde – bin ich mir doch sicher, dass Arachnophobie den Menschen selbst überlebt.“ – der Dalai Lama.

„Man möchte sich angesichts dieser mannigfaltigen Möglichkeiten des vorzeitigen Ablebens sogar auf der Toilette am liebsten in die Hose machen.“ – Darth Vader.

„Egal auf welchem Kontinent man sich bewegt, der Tourismus scheint schon sein Handtuch ausgebreitet zu haben.“ – Bürgermeister von Bitterfeld.

„Speichern im Kopf. Genügend Speicherplatz haben wir alle – selbst das kleinste Spatzenhirn.“ – Tweety.

„Wie ein kleiner Post-It-Zettel, der auf deinem Leben klebt, erinnere ich dich daran, dass du noch Milch kaufen und die Welt bereisen sollst“ – Algorithmen.

„Metaphorisch gesprochen braucht es Eierschalensollbruchverursacher, die die eigene weicher werdende Hirnkruste aufbrechen.“ – Erfinder des Überraschungsei.

„Wie viele der uns gegebenen Stunden verbringen wir mit Menschen, die wir lieben?“ – Marc Zuckerberg.

„Warum klammern wir uns sogar an Strohhalme, wenn doch eigentlich niemand dieses penetrante Schlürf- und Sauggeräusch vermissen wird?“ – der kleine Elefant.

„Und hier gilt in der Regel, dass Werbeblindheit mit Werbeblödheit bekämpft werden muss.“ – Marketingleiter bei Seitenbacher.

„Um dieses von verspäteten Zügen, zu heiß-kalt-nass-trockenem Wetter und steigenden Eiskugelpreisen ohnehin beschwerte Dasein noch weiter zu beschweren, tun wir das einzig Sinnvolle: Wir beschweren uns.“ – Gewichtheber.

„Ich habe ein tiefes Gefühl der Machlosigkeit.“ – die Made im Speck.

„Ein Text ohne viele Worte.“ – Karl Marx.

„Die ewigen Kreisdiskussionen um das teuflische Patriarchat und den hexischen Feminismus erinnern daran, als würde man immer wieder diskutieren, ob Weihnachtsmann/-frau/-neutrum auch wirklich nicht existiert. Als würde man sicherheitshalber noch mal die Frage diskutieren wollen, ob rothaarige Frauen nicht vielleicht doch besser in der Mikrowelle aufgehoben werden sollten.“ – Bibi Blocksberg.

„Er möchte seine Sonntage eben auch mal damit verbringen illegalerweise sein Altglas zu entsorgen, einen prägenden Eindruck auf Polstermöbeln zu hinterlassen oder schlecht geparkten Autos Fettgebäcke hinter die Scheibenwischer zu klemmen. Er möchte Zeit haben um Elbisch zu lernen, ein Brexitabkommen zu erarbeiten oder Hochzeitsreden zu schreiben.“ – Michelle Obama.

Aprilscherz ausgewischt Berliner hinter Scheibenwischer

„Und so bleibt am Ende eines inhaltsleeren Schlagzeilen-Gewitters wohl nur die Erkenntnis: Diese Bunte Titel-Gala ist wohl das wahre Spiegel Bild unserer Zeit. Bravo.“ – Johannes Gutenberg.

„Die eigene Logorrhoe – auch bekannt als Sprechdurchfall – scheint jedenfalls spontan geheilt.“ – Donald Trump.

„Musste man früher geduldig eine Woche lang einem geregelten Alltag nachgehen, bis man erfuhr, ob Mutter Beimer vielleicht doch lesbisch ist, so kann man heute ungeregelt seiner Seriensucht nachkommen.“  – Mutter Beimer.

„Karli  sitzt mir gegenüber und bohrt in der Nase. Anstatt den erwachsenen Gesprächen am Tisch zu folgen, schaut er den Vögeln im Garten nach.“  – Bediensteter Karls des Großen.

„Wir löschen fast alle unsere Bilder – in dem wir sie löschen oder vergessen. Warum hält man Momente fest, wenn man sie mit einem Filter in eine andere Form presst oder direkt in den Papierkorb legt?“ – Hochzeitsfotograf mit Sinnkrise.

„Even if life isn’t a pony farm, a wish concert or cherry-picking enjoy life in full trains.“ –  Hotline-Musik der Deutschen Bahn.

„So sieht das Internet also von innen aus.“ – Christoph Kolumbus.

„Um die Skurrilität seines Tuns und GEMA-Gebühren muss man sich nicht scheren.“ – Helene Fischer.

„Ich wurde gesiezt. Ich fühle mich alt.“ – Queen Elisabeth II.

„Eine unendliche Unmöglichkeit in einem endlichen Leben.“ – Theresa May.

„Es folgt ein monotoner Monolog, ein Monotonolog, rund um die Schlagwörter „Wohnungsbau, Steuersenkung, Energiewende, Zukunft, grüne Flüchtlinge, Wohlstand für Wahlen“. – [Name SPD-Vorsitz hier einfügen].

„Am Ende geht einem schließlich eh alles am analen Medium vorbei.“ – Annegret Kamp-Karrenbauer.

Wahl Wahlplakat CDU Wahlniederlage Europawahl

„Um jede Form der Transpiration zu vermeiden , ist die Transportation des eigenen Körpers stets von hoher Langsamkeit geprägt.“ – Usain Bolt.

„Nixdavaganz. Praktisch muss es sein. Mit Trekkingsandalen und ordentlichen Socken, Allwetterrucksäcken mit Stullen für unterwegs und kleinkarierte Wanderhemden in Erdtönen ist er gewappnet für den Auf- und Abstieg – aus dem Reisebus.“ – eine Fashion-Bloggerin.

„Pflanzen werden bei mir zu Überlebewesen.“ – Brasilianischer Umweltminister.

„Kakteen suizidieren sich bei mir. Sie erstechen sich.“ – anonym.

„Macht ist eine Frage des Speichels. Sabber, der unter die Haut geht, regiert die Welt.“ – Snoopy.

„Die Mannigfaltigkeit deines absonderlich ingeniösen Lexeminventars mottiert doch am Ende eh keinen Nachtfalter. (…) Am Ende ereilt den Connaisseur und das Croissant das gleiche fortune. Sie sind irgendwann nicht mehr mit einer multilateral resilienten Epidermis ausgestattet. Sie sind nicht mehr ganz knusprig.“ – Till Schweiger zu seiner Logopädin.

„Nun sitzt man als Wir auf der gemeinsam erworbenen Designer-Couch, teilt sich ein gemeinsames Konto und diverse Eigenarten.“ – Ernie und Bert.

„Es geht darum, einfach mal die Pässe zu halten.“ – Bodenpersonal am Flughafen.

„Auch wenn sich der süßeste Nektar manchmal einfach nur als harzige Kacke herausstellt, irgendwas bleibt immer hängen.“ – Hersteller von Schoko-Riesen.

„Es braucht eine so simple Erkenntnis, die zur Grundlage der Mathematik gehört, die beinahe zu banal für unseren Algorithmen programmierenden Menschenverstand ist: die Erkenntnis, dass unendliches Wachstum in einer endlichen Welt nicht möglich ist.“ – der kleine Eisbär.

„Die Hommage an die Gesichtszüge eines Erpels.“ – Cher.

„Doch was wird aus dem Moment, wenn der Moment nur noch darin besteht, ein Foto von dem Moment zu machen?“ – Hochzeitsfotograf mit noch tieferer Sinnkrise.

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„Ich klaue Karten mit Sicherheitshinweisen aus Flugzeugen. Jetzt ist es raus. Die Wahrheit. Und die Karte aus der Sitztasche vor mir. Ich entwende überlebenswichtige Informationsbroschüren aus stark überwachten Räumen und bringe Menschen willentlich in Not.“- Papst Franziskus.

„Dies wäre der richtige Moment gewesen, zurück zum Parkplatz zu gehen, in ein gemütliches Café zu fahren und ein Stück Sahnetorte zu essen.“ – Hannibal vor der Alpenüberquerung.

„Doch warum löst eine so persönliche Entscheidung, wie die  der eigene Ernährung, so starke Reaktionen bei anderen aus, die weder mit meinem Gaumen noch meinem Magen verbunden sind?“ – Kleinkind in der analen Phase.

„Nein, der öffentliche Zu-nah-Verkehr ist nun wirklich keine Alternative.“ – Verkehrsminister Andreas Scheuer.

„Das Mahl, das mehrheitlich mit Blattgold bedeckt und daher an mit Rettungsdecken eingehüllte Katastrophenopfer erinnerte, liegt schwer im Magen. Wie Heavy Metal.“ – Ludwig XIV.

„Herzlich Willkommen in meinem Satz.“ – Alexa.

„Schon wieder Montag.“ – Gott.

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„Wirsing verursacht Harndrang.“ – Johann Wolfgang von Goethe.

„Die kalte Jahreszeit ist da. Und mit ihr ist – neben dem schrecklichen Moment, in dem man das erste Mal wieder „Last Christmas“ in irgendeiner Verkaufsstätte hört und verzweifelt feststellt, dass dieses Folterinstrument des modernen Music Boardings noch immer nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gespült wurde – der Zeitpunkt gekommen, warme Kleidung zu tragen.“ – George Michael.

„Dabei berühren wir dieses A täglich.“ – Präsident des Berufsverband der Deutschen Urologen.

„Der Körper funktioniert ohne unser Zutun. Denken hilft – wie so oft im Leben – selten.“ – Hippokrates.

„Warum lassen wir nicht öfter Fünfe gerade und P eine Ziffer sein?“  – Finanzminister Olaf Scholz.

„Wen interessiert es eigentlich, was ich hier mache?“ – Trippel B.

„Der Gedanke, dass das eigene Leben eine Unterhaltungssendung ist, beruhigt irgendwie.“ – Mickey Mouse und Kim Kardashian.

„Wenn man selber Fotos von Menschen macht, die Fotos machen, inwiefern unterscheidet man sich dann noch von Menschen, die Fotos machen?“ – Sigmund Freud.

„Sind „Dickmänner“ dann nicht eh die nächste Stufe der diskriminierenden Wortwahl? Warum wird Männern mehr Dicke zugetraut als Frauen? Müsste es nicht sogar „Dickwesen m/w/n“ oder „vom Body Mass Index herausgeforderte Personen“ heißen?“ – der Weihnachtsmann.

„So wie ein Sternchen niemandem weh tut, so sollte auch ein fehlendes Sternchen nicht jedes Mal als eine Verletzung empfunden werden.“ – Barron Hilton.

„Bügeleisen sind hier ein Klassiker der Opfergaben.“ – die Heiligen Drei Könige.

„Dass das ziemliche Geistesschwäche ist, wissen wir.“ – die Menschheit.

„Rückblickend betrachtet sieht man alles von hinten.“ – der Schellenaffe.




Hohoho statt mimimi – Nachhilfe in Sachen Dankbarkeit.

Heul doch Aufkleber Weinerlichkeit

Ach Weihnachten, du bist ist diese schöne Zeit der Besinnlichkeit, der Ein- und Heimkehr, des Friedens und der…blabla. Das klingt ja alles ganz rührselig und gut gemeint. Aber für viele Menschen scheint Weihnachten ein Fest der Völlerei, Hektik und Frustration zu sein. Die Geschäfte sind so voll wie die Autobahnen. Die Gänsepreise sind gen Himmel geflogen. Die Geschenke sind weder erdacht noch besorgt. Originell schon gar nicht. Der Glühwein ist zwar ganz belebend, aber überall diese lebenden Menschen. Und dann noch dieses windschiefe Gerippe im Wohnzimmer, das mehr Nadeln verliert, als der spirrige, eigene Partner noch Haare auf dem Kopf hat.

Besonders an Weihnachten scheinen die Erwartung an unsere Realität und die Realität selbst so weit auseinander zu klaffen, dass wir nur noch gestresst und jammernd in ihren Abgrund gaffen. Und so wird besonders an Weihnachten deutlich, wie leicht man sich mit Banalitäten aufhalten und an ihnen wundweinen kann. So wird besonders an Weihnachten deutlich, wie schnell man den Blick für das Wesentliche verlieren kann. Wie schnell man es sich in der Blase der eigenen Problemchen und Sorgen wohlig einrichtet und denkt „Ja, ich habs wirklich nicht leicht im Leben.“ Schließlich zwickt auch noch die Achillesferse und der nächste Männerschnupfen kommt bestimmt.

Dass das ziemliche Geistesschwäche ist, wissen wir. Aber das mit der Zufriedenheit, die ja am Ende nur ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber der eigenen Lebenslage ist, ist so eine Sache. Man wäre ja dankbarer im Allgemeinen, wenn da nicht Donald Trump und dieser hässliche Kater wären, die gleichermaßen auf alle Nachbargrundstücke kacken. Man wäre ja zufrieden, wenn man selbst anstelle der rechthaberischen Luftpumpe aus dem Controlling befördert worden wäre. Man wäre ja glücklich, wenn da nicht die Sorge vor Schnabeltassen und dem Altern im Allgemeinen wäre. Man wäre ja glücklich, wenn da nicht das Wenn und Aber wäre.

Anstatt sich die Frage zu stellen, was Donald Trump oder die Karriere eines Menschen, den man nicht mal mag, mit der eigenen Zufriedenheit zu tun haben und ob man sich nicht eher darüber freuen sollte, altern zu dürfen, hadern wir mit allem, was sich uns in den Weg stellt. Wir lassen uns von unseren Problemen und Ängsten im Kopf zuparken. Wir haben Angst davor, keinen Partner, keinen Job, keine Ferienunterkunft zu finden. Angst davor zu erkranken, verarmen, vereinsamen. Eine Leben ohne the German Angst ist das zwar möglich, aber erscheint uns eher sinnlos und irgendwie beängstigend.

Dabei könnte man doch eigentlich sagen: Je mehr Ängste man hat, desto dankbarer kann man am Ende sein. Ängste sind schließlich die Sorgen vor Problemen, die man noch nicht oder nie hat. Ohne Wenn und Aber, es ist Zeit „umzuparken im Kopf“. Denn Probleme verschwinden nicht, indem man ihnen einen All-Inclusive-Urlaub im eigenen Leben anbietet. „Schön, dass Sie da sind. Darf ich ihnen ein Upgrade anbieten? Unsere Paranoia-Suite mit einem fantastischen Blick auf die Bucht der Hysterie ist noch frei.“ Für alle Pessimisten, denen das mit den erhobenen Mundwinkeln noch etwas schwer fällt, sei eine Aufwärmübung für Einsteiger empfohlen: es könnte ja noch viel schlimmer sein. Besser die trockene Gans steht auf dem Tisch, anstatt am Tisch zu sitzen. Bei uns explodieren zwar Silvesterböller vor Mitternacht, aber keine Bomben. Zwar isst jemand eine Dose Thunfisch im Zugabteil, aber immerhin reist kein Opa mit harten Eiern mit.

Wir leben in historischen Zeiten. In historisch guten Zeiten. Wir erleben nachweislich so viel Wohlstand, so wenig Arbeitslosigkeit, so viel Sicherheit, so viel Frieden wie noch keine Generation vor uns erleben durfte. Keine Kriege, keine Kollapse, keine Epidemien. Sicherlich kommen irgendwann auch wieder schlechtere Zeiten – globalgalaktisch oder ganz persönlich betrachtet. Doch anstatt voller Angst zu leben, dass sich dieser wohlige Zustand ändern könnte, könnte man die Wohligkeit des Zustandes bewusst genießen. Man könnte doch einfach mal die Klappe halten, zu viel Wein trinken, zu viel von der zu fettigen Gans essen, zu viel Geld für zu teure Geschenke ausgeben – und zu viel Dankbarkeit den Menschen zeigen, die einem im Leben genau richtig viel bedeuten. Denn an Weihnachten sollte man anstatt die Daumen zu drücken, dass einem nichts Schlimmes passieren möge, Menschen drücken. Ganz feste. Dann verschwinden manche Probleme. Oder sie werden zumindest etwas kleiner gedrückt.




Geschickt verpackt – das Five-Steps-Modell für originelle Geschenke.

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Sehr geehrte/r Notfallhilfe-Suchende/r,

Sie sind auf unsere Dienstleistung aufmerksam geworden, da Ihnen beim 75%-igen Anzünden der mit Wachskerzen angereicherten Gartenabfälle Ihres Nachbarn die Erleuchtung kam: in einer Woche ist Weihnachten. Trotz allerlei Zählhilfen, wie Kerzenkränze oder Kalender und sich stetig vermehrender, visueller Reize trifft Sie diese Erkenntnis völlig überraschend. Langsam werden Sie sich der Konsequenzen dieser Erkenntnis bewusst: Sie haben noch kein einziges Geschenk.

Kurz versuchen Sie die in Ihnen aufkommende Panik mit Glühwein und der Aussage „Aber dieses Jahr schenken wir uns wirklich nichts“ zu beruhigen. Aber Sie wissen, genau wie wir, die Fachberater der Geschenkenothilfe, dass dies ein Trugschluss ist. Das Versprechen, sich gegenseitig nichts zu schenken, bedeutet lediglich, dass man keine Wünsche seines Gegenübers erfährt, aber eine besonders kreative, persönlich ausgesuchte „Kleinigkeit“ im Geldwert jenseits des bewährten Bügelgutscheins erwartet wird. In diese Falle sollten Sie nicht treten. Und werden Sie nicht treten. Denn der erste Schritt zu einem erfolgreichen Weihnachtsfest (Erfolg definieren wir als das Hinauszögern von Trennungen und Geschrei aller Art) ist getan. Sie haben sich an uns, Ihre kompetente Beratungsstelle, gewandt. Unsere jahrelange Expertise der Geschenkeentwicklung und -investition baut auf psychologischer Grundlagenarbeit und weltweiten Feststudien auf. Und so haben wir die verzierte Methode „Five-Steps to originelle Präsente ©“ (5STOP) entwickelt.

Step 1 – starting point.

Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber. Was mag er oder sie – oder es (auch auf Haustiere kann 5STOP natürlich angewendet werden)? Mag er oder sie zum Beispiel gerne schlafen (als Hinweis dient „Jetzt nicht, ich möchte schlafen.“)? Wie wäre es dann mit Schlaftabletten (und den Worten „ich hoffe, du weißt damit etwas anzufangen“)? Oder eine Busfahrkarte für Menschen, die gerne verreisen. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Der Insider-Tipp unserer Experten: trauen Sie sich, positive Dinge miteinander zu kombinieren. Plus und Plus ergibt schließlich kein Minus, sondern mehr Plus. Mag jemand Senf und Katzenbabys, stecken Sie eine kleine Plüschkatze in ein Senftöpfchen. Wählen Sie süßen Senf, um die Überraschung besonders niedlich zu machen. Mag jemand Sie selbst, Kaffee und Brüste? Wie wäre es mit einer Tasse in Brustform, auf der ihr Gesicht aufgedruckt ist. Die leichten Verzerrungen Ihres Kopfes sollten Ihnen das Strahlen Ihres Partners wert sein, wenn er die Tasse stolz seinen Kollegen im Büro präsentiert.

Step 2 – target setting.

Doch bevor Sie übereifrig zu den ersten Geschenkideen springen, sollten Sie sich zunächst eine entscheidende Frage stellen: wie sehr mag ich ihn, sie oder es? Step 2 ist der wichtigste Prozessschritt des 5STOP-Modells. Er definiert, abgeleitet aus der emotionalen oder finanziellen Abhängigkeit des Geschenkopfers, den sogenannten Gehässigkeitsindex Ihres Geschenkes. Denken Sie über diese Frage ausreichend nach und ziehen Sie auch längst verjährte Enttäuschungen aller Art in Ihre Analyse mit ein. Je höher die definierte Zuneigung ist, desto niedriger fällt in der Regel (Ausnahmen sind insbesondere unter Geschwistern verbreitet) der Gehässigkeitsindex aus. Doch Vorsicht: der Index sagt jedoch nichts über die Geld- und Zeitinvestition in ein Geschenk aus, er bestimmt lediglich dessen Hässlich- und absolute Nutzlosigkeit.

Geschenke Geschenke Schenken Weihnachten Bügeleisen Schrottwicheln Nutzloses

Step 3 – sustainable sourcing.

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine entscheidende Rolle im 5STOP-Modell. Das Hauptziel von 5STOP ist Ressourcenschonung. Recycling und Minimierung von Fahrtstrecken sind die wesentlichen Bausteine hierfür. Daher beinhaltet Step 3 die Beantwortung der Frage: was möchte ich in meinem Haushalt los werden? Bügeleisen sind hier ein Klassiker der Opfergaben. Doch setzen Sie auch hier Ihrem Denken keine Grenzen. Der Berg an Pfandflaschen unter der Spüle könnte beispielsweise eine besonders kreative Version eines Einkaufsgutscheins sein (siehe auch Step 5 – Packaging). Oder die ungenutzte Pizzaschere könnte beispielsweise unglücklich Beschenkten bei der Weiterverarbeitung Ihrer Geschenke helfen oder Botanikern mit besonders stark wachsenden Petunienhecken Freude bereiten. Eine beliebte Quelle solch nützlicher Geschenke ist im Übrigen das sogenannte „Wichteln“ (mitunter trägt es den Zusatz „Schrottwichteln“, gemeint ist aber stets das Gleiche). Der Begriff Wichteln stammt aus der Logistikbranche und beschreibt den in sich in Gänze geschlossenen, kauf- bzw. verbrauchsneutralen Prozess des globalen Warenumschlags. Auch bekannt als Nippes Trading. Ein weiterer Geheimtipp unserer Experten: verstecken Sie persönliche Gegenstände des Opfers. Wir garantieren, die Freude wird groß sein, wenn das verlorene Handy, der verlegte Hausschlüssel oder der vor dem Supermarkt vergessene Hund unter dem Weihnachtsbaum liegen.

Step 4 – pragmatic purchasing.

Sind alle Scheusslich- und Nutzlosigkeiten nichthumaner (!) Art aus dem eigenen Haushalt verbannt, folgt Step 4, der Expresseinkauf. Dieser Schritt ist jedoch rein optional und birgt einige Risiken und Gefahren, auf die wir Sie im Folgenden hinweisen. Ein weit verbreiteter Fehler ist beispielsweise der Glaube durch Online-Shopping besonders effizient Geschenke erwerben zu können. Vertrauen Sie uns: Sie sind nicht der Einzige, der diesen naiven Gedanken hat. Spätestens in der Telefonschleife ihres Versanddienstleisters oder der Warteschlange ihrer Poststelle, in der mittlerweile Decken und Heißgetränke verteilt werden, werden Sie feststellen, wie ineffizient diese Verfahrensweise ist. Ein Geschenk, das Sie erst an Silvester überreichen, birgt höchste Sprengkraft. Wagen Sie daher den Schritt, also den Schritt vor die Haustüre. Und keine Sorge, sie müssen nicht weit gehen. Halten Sie zunächst Ausschau nach alten Fahrrädern, an denen diese neonfarbenen Warnzettel angebracht sind (Wortlaut in etwa: „ist das noch ein Fahrrad oder kann das weg?“). Hier machen Sie nicht nur den Menschen, der sein Fahrrad „vergessen“ hat, glücklich, sondern die Stadtreinigung freut sich ebenfalls über Ihr Weihnachtsgeschenk. Und den Beschenkten erheitern Sie sowieso, wer freut sich schließlich nicht über ein so wertiges Geschenk wie ein Fahrrad? Oder sammeln Sie ein paar Blätter am Straßenrand und verschenken Sie einen Gutschein für „1x Laubsammeln“. Direkt eingelöste Versprechen sind schließlich wertvoller als jeder Laubbläser und ein Ausdruck echter Nächstenliebe. Also das Mögen des am nächsten Liegenden. Auch für personalisierte Geschenke muss es nicht zu spät sein. Kleben sie zum Beispiel einen schönen Urlaubsschnappschuss auf einen Kaffee-To-Go-Becher oder auf ein quadratisches Stück Pappe aus Ihrer Cornflakespackung. Fertig ist das Müslipad. Geschenke, die dem Opfer helfen, Geld zu sparen, sind auch gerne gesehen. Rechnen Sie die Ersparnisse stets präzise auf, wenn Sie beispielsweise ein Packung Zahnpflege-Kaugummis (2x Zahnreinigung p.a.) oder die geöffnete Chips-Tüte der Sorte „Nichts“ überreichen (1x Geburtstagsgeschenk für Sie und 1x Diätratgeber).

Geschenke Schenken Weihnachten Verpackung Plastiktüten

Step 5 – professional packaging.

Die Verpackung macht die Musik. Das Auge schenkt mit. Man muss nicht immer hinter die Fassade schauen. Die bekannteste Technik zur Umsetzung von Step 5 heißt: Papperlapapping (PLP). Doch gerade bei der Wahl der Geschenkverpackung gilt es ein Gespür für Trends zu haben. Plastiktüten beispielsweise sind derzeit stark in Verruf und Ozeane geraten. Dennoch sollten Sie bereits jetzt mit der Bevorratung beginnen, denn die Prognose-Experten der Notfallhilfe sagen voraus, dass Plastiktüten aufgrund ihrer Verknappung in naher Zukunft zum Ausdruck von Sammlergeist und Wertigkeit werden. Die Vorhersagen gehen sogar so weit, dass in wenigen Jahren Plastiktüten verschenkt werden. Leer. Eine ähnliche Entwicklung durchliefen Weinkisten, Zigarrenkästen und Einmachgläser. Ein letzter Tipp für Unschlüssige: haben Sie kein Geschenkpapier zu Hand, verpacken Sie das Geschenk doch einfach in einem Stück Papier, das Sie garantiert zur Hand haben und die Hochwertigkeit Ihrer Gaben unterstreicht: dem Kassenzettel.

Wir wünschen harmonische Festtage und viel Erfolg beim Nippes Trading,

Ihre Geschenkenotfallhilfe.




Maximalpigmentierte Schaumküsse and Mohr.

Dickmann Negerkuss Mohrenkopf Toleranz Rassismus Sprache Wortwahl

Meine Oma war ein weit gereister, belesener und toleranter Mensch. Sie widmete den Großteil ihres Daseins anderen und vererbte ihren Humor und ihre positive Sicht auf das Leben. Sie erzählte gerne Witze, am liebsten über sich selbst. Diese meine Oma sagte das Wort „Neger“. Sie sagte es in der Öffentlichkeit und Zuhause. Beiläufig wie das Wort „Fahrkarte“ baute sie es in Gespräche über ihre Vergangenheit oder ihren Alltag ein. Sie dachte sich nichts dabei. Wies man sie darauf hin, dass man das nicht sagen dürfe, fragte sie, warum das nach all den Jahren nicht mehr erlaubt sei? Als neunmalkluger Enkel gingen einem dann schnell die Argumente aus und man knabberte unsicher an seinem Schokoladen-Schaumkuss mit Fettglasur.

Meine Oma, die mir jeden Abend liebevoll einen Apfel in Stückchen schnitt und mich Fußball in ihrer Wohnung spielen ließ, ist eine Befürworterin der Sklaverei und Diskriminierung dunkelhäutiger Menschen – zumindest wenn man den öffentlichen Debatten Glauben schenkt. Nur Rassisten oder ungebildete Menschen, die sich einen feuchten Schaumkuss um die Vergangenheit scheren, verwenden das N-Wort. Klarer Fall.

Doch so klar das Urteil vornehmlich weißer Eliten, so schwer empfinden es viele, den Überblick zu behalten, welche Worte erlaubt und welche verdorben sind, wie die Packung Milch aus der letzten Jahreszeit. Wie soll man Menschen, die ohne zu erröten durchs Leben kommen (um es mal umständlich zu umschreiben), denn nun nennen? Schwarz, farbig, dunkelhäutig, maximalpigmentiert? Und wie um Gottes/Göttinnen willen nicht? Neger oder Mohr? Oder sollte man eh nur über Haarfarben (und – zustände) sprechen, aber nicht über Hautfarben? Meine Oma verwendete das Wort Neger, weil sie nach 91 Jahren keinen Grund darin sah, ihre Sprache zu ändern. Schnell trifft man die Annahme, dass sie, weil sie das Wort nie abänderte, ihre Einstellung andersfarbigen Menschen gegenüber überkommen sein könnte. Doch anstatt sich in Debatten um einzelne Worte zu verlieren, könnte man eigentlich auch auf die vom Verwender beabsichtige Intention hinter den Worten schauen – anstatt pauschal alle Fans von Mohrenköpfen und Negerküssen ein schikanierendes Wesen zu unterstellen. Sind „Dickmänner“ dann nicht eh die nächste Stufe der diskriminierenden Wortwahl? Warum wird Männern mehr Dicke zugetraut als Frauen? Müsste es nicht sogar „Dickwesen m/w/n“ oder „vom Body Mass Index herausgeforderte Personen“ heißen? So wird Wortwahl schnell zur Wortqual. Wenn man liest, dass als neuestes Wortopfer der Begriff „exotisch“ in Verruf gerät, fragt man sich, ob man bald nicht mehr von „Drogeriemärkten“ (vermitteln einen lockeren Umgang mit Suchtmitteln) und „Kindergärten“ (suggeriert, man würde Kinder anpflanzen oder alleine im Garten leben lassen) sprechen darf.

In den Diskussionen um politisch korrekte Sprache geht es primär um die Wirkung der Sprache. Um den Empfänger der Sprache. Die Sicht des Senders, sei er eine friedfertige, alte Frau, die den Diskussionen nicht mehr folgen kann oder will, wird gerne vergessen. Dass es aber einen riesendickmanngroßen Graben zwischen dem, was ich sage und dem, was ich meine, geben kann, wird jeder Paartherapeut bestätigen. Oder es wird gerne allen Sendern die gleiche Intention unterstellt. Verwendet ein AfD-Politiker Begriffe wie „Volk“ und „Neger“, sagt und meint er etwas Bestimmtes. Er möchte vermutlich bewusste Verbindungen zur Vergangenheit schaffen, provozieren oder einfach nur seinen braunen Hirnfürzen Erleichterung verschaffen. Meine Großmutter hingegen nicht.

Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob wir, wenn man jedem erlaubt, alles zu sagen – er meint es ja nicht so – abdriften in eine verrohende Gesellschaft ohne Bezug zu Vergangenem und klaren Grenzen. Was tut so weh daran, ein Gendersternchen zu setzen, um den Raum für bewusste und unbewusste Diskriminierung sternchenweise zu verkleinern? Wenn man eben nicht mehr nur von dem „Arzt“ redet, zeichnen vielleicht mehr Kinder das Bild einer Ärztin in ihr Malbuch oder in das Traumbuch ihrer eigenen Zukunft. Schaden kann es nicht.

Wie so oft gibt es nicht nur schwarz oder weiß. Die Mitte ist vermutlich auch hier das Maß der Dinge. So wie ein Sternchen niemandem weh tut, so sollte auch ein fehlendes Sternchen nicht jedes Mal als eine Verletzung empfunden werden. Man sollte sich vielleicht einfach öfters einen herzlichen Kuss geben. Und Schaum über den Neger wachsen lassen.




Im Visier.

Handy Fotografieren Fotos Visier

Diese armen Menschen. Sie müssen verloren sein in dieser Welt. Allein gelassen mit einer Sonderbegabung, die kaum einer wahrnimmt oder gar wertschätzt. Sie sind alleingelassen mit einer Besonderheit, einer Mischung aus Zwangsstörung und Sehbehinderung, die sie die Welt gänzlich anders wahrnehmen lässt als ihre ordinären Mitmenschen, denen sie gerne einen farbenfrohen Teint, einen hübschen Bilderrahmen und Katzenschnurrbarthaare zuführen.

Die Rede ist von Menschen mit einem fotografischen Zellgedächtnis.

Auslöser für diese querformatige Form der Alltagsbeeinträchtigung ist ein Auslöser. Also das Auslösen. Das Auslösen der Handykamera. Es dient der Befriedigung des Zwanges, alles zu foto- oder videodokumentieren und zur Erlösung von der Ödnis einen Moment erleben zu müssen, in dem man sich gerade mit seiner vor dem Gesicht angesiedelt Suchthilfe befindet. Das will ja auch keiner erleben, dass einem die ganze Zeit etwas die Sicht behindert. Da lenkt man sich lieber mit etwas ab, was einem die Sicht behindert. Äh ja.

Menschen mit dieser ausgeprägten Vorliebe für den fotografischen Irrealismus sind zahlreich. Sie sind nicht nur an einem Brett aus Metall und Glas vor dem Kopf zu erkennen. Man identifiziert sie leicht dank ihres befremdlichen Verhaltens. Sie tanzen nicht auf Konzerten. Sie kennen als einziger im Stadion nicht den Spielstand. Sie klatschen keinen Beifall. Sie stehen, wenn alle anderen sitzen. Man hat den Eindruck, sie kriegen im Allgemeinen wenig von ihrer Umwelt mit. Das ist der traurige Nebeneffekt dieser Sonderbegabung.

Das Schöne daran ist jedoch, dass man sich mit dieser psychologischen Eigenschaft an nichts, rein gar nichts mehr erinnern muss. Sehfähigkeit und Hirnleistung werden komplett outgesourct. Alles ist dokumentiert. Der unzähligste Besuch auf einem Weihnachtsmarkt. Die gesamte Playlist eines Konzertes. Das Schreiben eines 129. Blogbeitrags. Das Bild im Museum. Jeder Tag eines jeden Urlaubes. So muss man nicht mehr wissen müssen, wann man wo jemals gewesen ist. Das fotografische Zellgedächtnis weiß es. Ebenso weiß es, wie das Konzert war. Welche Chance der Mittelstürmer in der letzten Minute vergeben hat. Welche Fische im Meer schwammen. Es weiß lediglich nicht, wie die Wassertemperatur war.

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Fussball auf dem Bildschirm.
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Beifällig.
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Whale watching irgendwie anders.
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Tolle Musik.
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Tolles Bild.
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Neuester Trend: man hat ja zwei Hände.

Als Mensch ohne Sonderbegabung kratzt man sich regelmäßig – mit zwei freien Händen – am Kopf und denkt sich „bei denen klickts wohl“. Aber am Ende bleibt die Frage: Wenn man selber Fotos von Menschen macht, die Fotos machen, inwiefern unterscheidet man sich dann noch von Menschen, die Fotos machen? Oder ist man nur, wie bei einer dieser russischen Matrojschka Puppen, eine weitere Bilderschicht, die noch weiter weg vom eigentlichen Herzstück entfernt ist? Der Kern des Lebens trägt jedenfalls eher selten Katzenöhrchen, Schnurrbarthaare und einen Bilderrahmen um sich herum.