Es verbreitet sich.

Klopapier. Das scheint die Antwort zu sein, auf die die Menschheit so fieberhaft wartet. So sehnsüchtig. So verzweifelt. So panisch. Dick umwickelt um den eigenen Körper. Mehrere Rollen am besten mehrlagigen Papiers ergeben den vielschichtigsten Schutz. Vor der Welt und all ihren ungreifbaren Gefahren. Ganz gewiss. Anders sind die derzeitigen Zustände nicht zu erklären. Anders ist nicht zu begründen, warum Menschen den Jahresvorrat an Toilettenpapier einer Jugendherberge aus Supermärkten karren, schnell in ihre Autos verladen und mit quietschenden Reifen den Parkplatz verlassen. Sie müssen in irgendetwas verwickelt sein.
Verstrickt ist die Situation in der Tat. In einer Welt, in der Menschen und Informationen in ähnlichem Tempo um die Welt reisen, verbreitet sich kaum etwas so schnell, wie der älteste Virus, den die Menschheit kennt und dem sie immer wieder zum Opfer fällt: dem Virus der Panik. Unsichtbar breitet er sich in uns aus. Ohne es zu merken stecken wir uns gegenseitig an. Bis wir ähnliche Symptome zeigen, wie Hamsterkäufe von flauschigem Toilettenpapier, verminderter Appetit auf Peking Ente und das fiebrige Verfolgen halluzinativer Theorien im Internet. Ehe wir uns versehen, misstrauen wir jedem Husten, jedem Chinesen und jeder Türklinke. Wir verzichten auf Reisen, Großveranstaltungen und Aktienkäufe. Der Mikrochip für das neue Handy und die Zuschauer für das Fußballspiel fehlen auf einmal. Und so beginnen wir zu begreifen: verdammt wackelig diese Welt. Da braucht es ein winziges Etwas und Diktaturen geraden ins Wanken, die Weltwirtschaft gerät ins Stocken und wir verlieren eine unserer größten Errungenschaft: unsere Freiheit.

Eine Freiheit, die wir oftmals genutzt haben, um uns auf Kosten von irgendetwas zu bereichern. Und nun schlägt etwas zurück, was wir verzweifelt versuchen, zu kontrollieren. Irgendetwas lässt seine Muskeln zucken und wir beginnen zu zappeln. Doch wann, wenn nicht im Moment der Krise, zeigt sich der wahre Charakter. Es zeigt sich wer Fakten erklärt, und wer blendet, wer die Lage lösen und wer sie ausnutzen möchte, wer bis zu seiner tropfenden Nasenspitze denkt und wer darüber hinaus. Ausgerechnet in einer Welt, in der es ohnehin an Beständigkeit fehlt (Bündnisse verschwinden, Undenkbares geschieht etc.), zeigt sich wie instabil das Netz ist, das wir um unser Leben gesponnen haben. Doch anstatt uns nun in seinen losen Enden zu verstricken, sollten wir doch dieses eine Organ nutzen, mit dem uns Gott, die Evolution oder unsere Mütter ausgestattet haben, ein Organ das kein anderes Wesen auf diesem Planeten in dieser Weise besitzt und schon ziemlich weit gebracht hat: unser Hirn.
Vorsicht, ja. Demut, bitte. Panik, och nö. Oder gab es jemals einen guten Grund zur Panik?
Die gute Nachricht zum Schluss: Ein Wickelkleid aus Klopapier ist im Übrigen wirklich das beste Mittel gegen jeden Virus. Es führt zur gesellschaftlichen Isolation.