Samtweich – eine Ode an das Popapier.

Dunkel war`s, kein Mensch an fremder Stelle.
Passanten getrieben von panischer Schnelle.
Unsichtbar die Gefahr,
die niemals vorher war.
Fremd ist das Vertraute,
haltlos, die Welt, die man sich erbaute.
Flucht vor dem Gefühl, kratzig und rau.
Dem Zustand, hässlich und grau.
Treibt uns an deine Pforten,
den Eingang zu stilleren Orten.
Samtweich
jenes Reich.
Zuflucht vor der Welt, aus der man floh.
Du bist Balsam für den Po.
Von Ballast befreiter.
Glückseliges Loslassen.
Stiller Begleiter,
nach dem wir fassen.
Du bist der unschuldige Halt,
stiller Ort.
Nur der Darmwind schalt.
Sprich kein Wort.
In Einsamkeit eingewattet.
Kein Fremder oder Freund sei je gestattet.
Welch Genuss, du Isolation.
Nach machtvollem Bemühen der gerechte Lohn.
Erfolgreiches Geschäftemachen
ohne verseuchte Rachen.
Oh du Wertpapier,
bleibe zart, bei mir.
Blatt um Blatt,
möge es sich nie wenden.
Es gibt niemanden an deiner Statt,
kostbares Gut, in unseren Händen.
Hegen vielschichtiger Reserven.
Möchten wir dich nicht missen.
Niemals zu viel fortwerfen.
Ansonsten geht es uns beschissen.
Beschwerlich ist das Verdauen,
dröhnend das ferne Grollen.
Das erdrückende Grauen
droht uns zu überrollen.
Doch welche Rolle spielst du?
Ewiger Pol der Ruh,
Sei nie ausverkauft, du Klopapier,
du unser aller intimer Kavalier.
Bei dir sind alle gleich.
Ob braun oder weiß, ob König oder Knecht,
du umwickelst uns samtweich.
Oh Popapier, du bist universell gerecht.
Wir flüchten vor der Welt so harsch
Innerlich durchspült und aufgemischt.
Doch ohne dich sind wir am Arsch.
Ausgewischt.