Dösenantrieb.

Dösen Schlafen Mittagsschlaf Nickerchen

Welch fahrlässige Dösung. Die Sonne scheint. Hell und freundlich lacht der schöne Tag durch das Fenster. Und man liegt auf der Couch. Verkrochen unter einer Decke, bedeckt mit halbgeöffneten Augenlidern. Die Gedanken plätschern sanft vor sich hin anstatt zu scheppern. Nichts treibt einen an oder um – außer der eigene Dösenantrieb. Die Superkraft des Entspannens.

Wie eine Mittsommernacht dämmert man dahin. Ob man in den dunklen Schlaf findet oder in schummriger Ruhe verweilt, bleibt ungewiss. Das ist die einzige Spannung der Entspannung, die Frage nach der Dösierung: Bleibe ich wach oder schlafe ich doch kurz ein? Dabei ist die Antwort gänzlich egal. Der Ausgang des Dösens lässt sich nicht steuern oder planen. Der Schlaf des Dösers ist wie der Sommer: ob er wirklich kommt und wie lange er bei uns bleibt, ist ungewiss (und meist geht er mit langen Nächten einher). In der Dämmerung des Geistes reduzieren sich die Gedanken. Doch anders als beim nächtlichen Zubettgehen halten sie den Döser nicht von etwas ab und rauben ihm den Schlaf, sondern sie massieren sanft seine Denkmuskeln. Der ruhige, gleichmäßige Atem, der einen dabei begleitet, ist wie die 9. Sinfonie – von Betthoven. Alles reduziert sich auf das Wesentliche: Decke und Kissen.

In anderen Kulturen wird der Magie des Dösens gehuldigt. Geschäfte schließen am helllichten Tag. Die Betriebsamkeit wird gedrosselt. Der eigene Lauf durch den Tag unterbrochen. Siesta, welch eine Fiesta. Sobald die Sonne hoch steht, legen sich alle anderen tief hernieder. Und wir? Uns bleibt das Nickerchen im Bürostuhl oder die Pause ohne Plauderei meist verwehrt. Dabei besitzt beinahe ein jeder diese Superkraft. Ob im Sog des Düsenantriebes eines Flugzeugs oder als Beischläfer im Auto, ob auf den Bücherstapeln der Bibliothek oder der Sitzbank eines ratternden Zuges, wer erlag ihm noch nie? Dem Dösenantrieb. Warum sollte man also jenen übermächtigen Kräften nicht nachgeben und sich an einem gewöhnlichen Montagmittag ein kleine Portion Dösenravioli aufmachen?

Bis zu jenem Moment, an dem man erwacht, nicht weiß, wo man sich befindet (ob in Döseldorf oder Dösburg), wie spät es ist und sich fragt, ob man wirklich geschlafen hat. Ganz so, als würde man niesen und sich dabei fragen, ob die Nase juckte. Für einen kurzen Augenblick der Unklarheit ist alles wundersam egal. Dann beginnt man sich zu bewegen, den Motor langsam zu starten und den schönen Tag, der noch immer hell und freundlich durch das Fenster lacht, erneut zu grüßen. Der Dösenantrieb wird langsam gedrosselt und mit neuer Energie düst man voran. Denn Opfer einer Überdösis möchte man schließlich nicht werden. Das wäre dös Wahnsinns.




Einen am Helm haben.

Aluhellm Aluminiumhelm Aluminum Bill Gates Windows

Verschwörungstheorien werden gemeinhin belächelt oder direkt bei Rewe ausgelistet. Zu Recht. Sind sie doch völliger alubehelmter Humbug. Diese Verschwörungsfiktionen basierend auf absonderlichen Kausalitätsketten wirken, als habe man sie mit einem Gebetswürfel erknobelt und rückwärts gesungenen Liedtexten von Xavier Naidoo an den Haaren herbeigesungen. Doch vor allem sind sie eines: falsch. Einfach nur offensichtlich falsch. So offensichtlich wie Kondensstreifen. Wenn sich die New World Order durch Billy Gates` Kontobewegungen und ein paar YouTube-Videos einfach erklären ließe, dann wäre doch schon längst Winnie the Pooh neuer Weltenbärherrscher.

Nein, die Sache ist komplizierter. Verworrener. Und noch gefährlicher als gedacht. Winnie the Pooh `s Plan ist weitaus brillianter als es ein paar Microchips unter der Haut sein können. Winnie the Pooh `s Plan sieht die Ausrottung der Menschheit vor. Durch einen Virus. Warum? Weil wir Winnie das rauben, was er zum Leben braucht: Bienen. Bienen für seinen Honig. Winnie the Pooh lässt die Menschheit einsperren und ausrotten, um das menschenverursachte Bienensterben zu stoppen.

Bei der Verbreitung der tödlichen Viren helfen ihm Sekten: die Insekten. Und natürlich Bill Gates. Die Hinweise sind eindeutig: was war jahrelang der prominente Desktophintergrund eines jeden Computers? Richtig, eine Blumenwiese. Kann das Zufall sein? Nein. Ebenso wenig, wie der Firmenname bzw. das Logo von Windows – ein offenes Fenster, durch das Insekten in jeden Haushalt geschleust werden – nicht zufällig gewählt sein kann. Insbesondere der Geheimbund „I-Ah“, der sich als kuscheliger Esel tarnt und eng mit Winnie the Pooh (s.o.) in Verbindung steht, unterwandert unsere Gesellschaft, in dem er sich für den „Naturschutz“ einsetzt. Doch der niedliche Esel ist in Wahrheit ein blutrünstiges Raubtier: I-Ah bedeutet rückwärts gelesen schließlich Hai. Kann das Zufall sein? Wir kennen die Antwort.

Winnie the Pooh Verschwörungstheorie Verschwörung Bill Gates Windows

Und was tut die Bundesregierung, um all dies zu verhindern? Nichts. Denn sie ist längst Teil des Systems geworden und gaukelt uns seit Jahren etwas von Sicherheit und „Impfschutz“ vor. Eine Impfung ist am Ende nichts anderes als ein Stich – ein Stich eines als Spritze getarnten Insekts!!!1! Der Beweis hierfür: die gemeinhin als „Raute“ bekannte Handhaltung unseres Regierungsoberhauptes ist am Ende nichts anderes als eine angedeutete Bienenwabe, das Erkennungszeichen der „Ilubieneti“. Und schon unseren Kindern werden von der Lügenpresse vereinnahmen: ihnen wird die natürlich angeborene Angst vor Insekten genommen durch niedliche Geschichten, beispielsweise von der Biene Maja. Dabei heißt Maja rückwärts geschrieben auf Arabisch: Nicht-Araber. Und wer sind wohl die bekanntesten Nicht-Araber? Richtig, Juden. Mehr muss nicht gesagt werden. Außer dass Corona rückwärts geschrieben auf Rumänisch „viel Glück“ bedeutet.

Kann The New Pooh Order überhaupt noch aufgehalten werden? Machen wir uns nichts vor: sie sind bereits überall – hinaus geschwärmt auf dieser Welt. Doch kann man sich mit einfachen Mitteln schützen. Zum einen durch das Tragen angemessener Schutzkleidung, insbesondere ein Imkerhut ist hier ratsam. Zudem hilft es, nur noch rückwärts zu sprechen und Blumen und andere „Flower Power“ zu meiden. Doch machen wir uns nichts vor: es wird kein Honigschlecken. Nur diejenigen, die einen an der Klatsche haben, werden am Ende noch zu retten sein.




Öffnungszeiten.

Öffnung Öffnungszeiten Lockerung Corona Müllcontainer

Immer schön locker bleiben. Und wer es nicht ist, möge es schnell werden. Allen voran gilt dies für verspannte Ministerpräsidenten mit Geltungsbedürfnis und Oppositionspolitiker, die merken, dass sie weniger systemrelevant sind als gemeinhin gedacht. Getreu dem Motto „was interessiert mich mein Geschwätz von heute Morgen“ gibt man sich daher plötzlich so locker, wie die Maske im Gesicht hängt. Gemeinschaftliches Vorgehen sei natürlich wichtig, aber wenn die anderen dem eigenen Vorgehen nicht folgen möchten, dann geht das eben nicht. Ist ja logisch. Mit den gegenseitigen, unmaskierten Schuldzuweisungen kehrt somit ein Stück Normalität in das politische Deutschland zurück. Und das ist den Bürgern doch so wichtig. Wie beruhigend.

Und so scheint jedes Bundesland zwar kein Desinfektionsmittel, aber die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Ein jedes sucht sich einen Wochentag im Mai und mindestens einen kleinen Coup aus, den es von anderen, ach so unlockeren Bundesländern unterscheidet. Dabei scheint die Regel zu greifen: je kleiner das Bundesland, desto größer ist die Kreativität bei der Ausgestaltung von Lockerungsübungen. Das drollige Rheinland-Pfalz hat sich zum Beispiel überlegt, Campingplätze zu öffnen. Also nur für Dauercamper. Und nur wenn sie eigene Sanitäreinrichtungen bei sich führen. Wenn sie also mit einer Anhängerkupplung ihre Zahnzwischenräume reinigen ab nach, na in diese eine Stadt in Rheinland-Pfalz. Dabei ist doch, wenn man ehrlich ist, ganz Rheinland-Pfalz ein Dauercampingplatz. Wirklich wohnen möchte man da doch eh nicht.

Das vermeintliche „Dunkeldeutschland“ geht ähnlich lichtundurchlässig vor: in Sachsen-Anhalt dürfen ab nächster Woche Ferienhäuser und -wohnungen vermietet werden. Aber nur an Einheimische. Corona verursacht nicht nur Probleme beim lockeren Atmen, sondern auch beim knotenfreien Denken.

Öffnung Öffnungszeiten Lockerung Corona Schuhe Lockerung

In Hamburg scheint man die Sache aber sauber durchdacht zu haben. Man holt nur die besten, leistungswilligsten Schüler zurück in die Schulen, also diejenigen, die eine anspruchsvolle Denksportaufgabe lösen können: „So werden in der Woche ab dem 27. April die Klassenstufen 9, 10 und 13 der Stadtteilschule, 10 und 12 der Gymnasien, 9 und 10 der Regionalen Bildungs- und Beratungszentren sowie die Abschlussklassen der Berufsbildenden Schulen erste Präsenzangebote zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen bekommen. Eine Woche später beginnen die Unterrichtsangebote für die Klassenstufe 4 der Grundschule, die Klassenstufen 6 und 11 der Gymnasien sowie die Klassenstufe 12 der Stadtteilschulen.“ (Quelle: https://www.hamburg.de/bsb/13862594/2020-04-17-bsb-schuloeffnung/). Wer die Frage beantworten kann, ob und wann er wieder in die Schule gehen darf, der darf in die Schule gehen.

Es sei denn, er war kürzlich in einem Geschäft mit mehr als 800qm Fläche und hat sich dort die Augenbrauen zupfen lassen. Das ist verboten. Getrimmtes Haupthaar ist systemrelevant, aber Augenbrauenbewuchs ist ein Hygienefaktor. Denn wenn man in seine Maske hustet, verfängt sich alles (Viren, Virologen, Vanillamilchshakes) natürlich als erstes in dichter Augenbrauenbeborstung. Um sich seiner Gesichtsbehaarung zu entledigen, muss man sich demnach im Gesicht tätowieren lassen, denn hierbei wird die zu gestaltende Fläche vorab gründlich rasiert. Als Motiv eignet sich beispielsweise ein Mundschutz. Oder man versucht sein Glück in einem Hundesalon. Die sind in den meisten Bundesländern wieder geöffnet. Menschenkörpernahe Dienstleistungen werden jedenfalls weiterhin stark reglementiert, also Brauenzupfen und Bordellbesuche. Da ist das mit den 1,5m auch.. ach egal. Jedenfalls ist der Hundesalon vielleicht eh die bessere Wahl: Friseuren mit maskiertem Sichtfeld, welche seit zwei Monaten damit beschäftigt waren, ihre Hecken zu schneiden, sollte man vielleicht nicht allzu unmittelbar ans Haupthaar lassen. Wer ohnehin kein Haupthaar mehr besitzt, darf sich in Berlin zu Wasser von den Strapazen erholen: Schifffahrten mit offenem Verdeck sind hier wieder erlaubt.

Doch immerhin die Frage der Kinderbetreuung scheint endlich eindeutig geregelt: Ikea macht wieder auf. Welch Erleichterung. Bald darf man sogar wieder diese leckeren Hackbällchen aus aussortierten Holzdübeln verspeisen. Wenn man öffentliche Verkehrsmittel meiden möchte, dann empfiehlt es sich einfach, den Führerschein noch einmal zu machen und sich von A nach B zu fahren. Oder man fährt in Nordrhein-Westfalen einfach ein bisschen Achterbahn. Dabei hat man meistens auch nicht das Gefühl, in der gleichen Ausgangslage wieder auszusteigen. Und irgendwie hat man dieses Gefühl des freien Falls so lieb gewonnen wie den Söder, Markus aus Bayern. Mit seiner Karokatur im Gesicht.

Neben kontaktarmem Sport, wie schreiend Weglaufen oder Einkaufswagenrennen, wird nun jedoch vor allem eines empfohlen: um die gebeutelten Staatskassen zu füllen picknicken sie bitte im Park. Das bringt 250€ pro Anwesendem in die leeren Kassen und den Blutdruck nach der kontaktarmen Unsportlichkeit wieder etwas in Schwung. Über Geisterspiele von 22 Millionären kann man sich schließlich nicht ewig aufregen.

Beachten Sie vor allen Dingen etwaige neue Regelungen und Verbote, die so plötzlich kommen können wie Corona selbst. Die zweite Welle kommt so gewiss wie Verschwörungstheoretiker derzeit an ihrer (V)Erklärung arbeiten. Eine Vielzahl an Lebensbereichen wird erst noch von der Wucht der Sicherheits- und Hygienekonzepte erfasst werden. Es ist beispielsweise damit zu rechnen, dass in Betriebsrestaurants nur eine angemessene Anzahl an Sättigungsbeilagen zugelassen sein wird. Ebenso dürfen Erbsen und Möhren sich nicht mehr berühren (der Schellenaffe bereitet eine Petition für die Staatsrettung von Mischkonservenherstellern vor). In Kindertagesstätten ist zu erwarten, dass nur noch Kinder zusammen spielen dürfen, deren Vornamen die gleiche Anzahl an Buchstaben aufweist. Tom und Ben dürfen also miteinander spielen. Tom und Jerry nicht. Ben und Jerry ebenfalls nicht. In Clubs und Discotheken wird es durch Insolvenzanträge abgesteckte, 1,5m mal 1,5m große Tanzbereiche geben, die man sich für einen Abend mieten kann. Die Getränkeversorgung findet steril und effizient per Bierdusche statt. Und wenn schließlich bei Vollmond der kleine Bär 1,5m vom großen Wagen entfernt ist, dann öffnet sich irgendwann etwas: die Augen und man denkt „schön locker bleiben bei dem Theater“. Doch leider darf man nur in Schleswig-Holstein bei diesem Theater mitspielen: hier sind Theaterproben wieder erlaubt. Ab dem 18. Mai. Ein Montag. Wenn das kein Grund zum lockeren Scheppern ist.




Zeit der Entsorgung.

Ausmisten aufräumen wegwerfen entsorgen

Schon klar. Man sollte den Gürtel jetzt mal enger schnallen. Sofern man es denn noch kann (siehe Fett isoliert.) und nicht doch schon bereits die Tragweite und Festigkeit seines neuen Arbeitsplatzes angenommen hat („Du siehst aus wie ein Ohrensessel.“). Dann sollte man eben die Spanngurte mal enger schnallen. Doch bei der Suche nach der richtigen Befriedung der eigenen Fettreserven stellt man fest: ich besitze mehr Gürtel als tragbare Hosen. Beklemmt schließt man die Schublade und mit ihr die Augen vor dieser bitteren Erkenntnis.

Dann ist jetzt eben die Zeit des Aufsparens. Vorbei die Verschwendungssucht sprunghafter Heuschrecken, lang lebe die ameisenartige Vorratshaltung. Und so begibt man sich auf die Suche nach passenden Behältnissen für das Aufsparen von kalten Nudeln und stellt fest: ich besitze mehr Deckel als Dosen. Und bei genauerem Hinsehen stellt man fest: ich besitze Deckel und Dosen, aber keine Deckel für die Dosen. Man verschließt den Vorrat in einem Gefrierbeutel und den Blick für den Flüchtigkeitsfehler im eigenen Küchenschrank.

Mit geschlossenen Augen geht man in den Keller, um den Reisekoffer in Kurzarbeit zu schicken und stellt mit einem Bein im Christbaumständer stehend fest: es ist kein Platz mehr frei. Für einen Handgepäckkoffer oder eine Christbaumkugel. Und so ist sie langsam da, die Erkenntnis nach Wochen des im eigenen Leben lebens: ich muss mein Leben ausmisten. Oder zumindest meine Schränke. So ein Mist. Man beginnt zunächst mit dem Aufräumen des Naheliegenden und greift beherzt in die eignen Hosentaschen. Ein benutztes Taschentuch und Klumpen Etwas landen im Müll, das Zehncentstück im Portmonee. Als echter Gewinner geht man vom Platz und nimmt zunächst erst einmal wieder Platz.

Bis zu jenem Moment, da man beim Wäscheaufhängen feststellt, dass man erneut dieses besondere Paar Socken mit den Notausgängen für Zehen gewaschen hat. Anstatt sie nun also auch noch sauber defekt wieder in den Schrank zu räumen, schmeißt man sie fort. Und stellt fest, dass die Tränen und der Schmerz ausbleiben. So fasst man Mut und öffnet beherzt das Tor in die Vergangenheit: diese eine Seite des Kleiderschranks, die man nie öffnet. Man öffnet sie und sieht Schweinsteiger. Schwarz, rot, vergilbt liegt dort sein Trikot. Man googelt das Ende seiner Karriere im Profifußball und legt das Relikt ins Abseits: in die bereit stehende Mülltüte. Beim anschließenden Durchsehen alter, zerschlissener Hosen, die man ja mal fürs Malen gebrauchen kann, stellt man fest, dass man sein Maleroutfit mit jeder Wand, die man seit Jahren nicht gestrichen hat und auch nicht streichen wird, wechseln könnte. Man malt sich aus, was man beim Kauf des kleinkarierten Pullovers wohl einmal beabsichtigt hat. Irgendwie ist man sowohl modisch als auch körperlich inzwischen dem Stück entwachsen. Die Überlegungen über die Frage, ob Erwachsene weiter wachsen, werden unterbrochen von einem Trauermarsch: eine schweigende Trauerfeier für das Ende des Lieblingsshirts, das die D-Mark und Helmut Kohl noch miterlebt hat. Helmut, der Handgepäckskoffer und eine kleine Kita würden in dem ausgeleierten Überwurf inzwischen Platz finden. Wahre Ikonen wachsen eben über sich hinaus. Am Ende verschließt man die drei prall gefüllten Säcke ausgeleierter Geschmacklosigkeiten mit den aussortierten Gürteln.

Ausmisten aufräumen wegwerfen entsorgen

So langsam kommt man in Schwung und macht gleich in der Küche weiter. Dort entdeckt man Lebensmittel, die mit Schweinsteiger gemeinsam abgelaufen sind. Alles was von PETA-Aktivisten nicht mit Farbbomben angegriffen würde (also keinen Pelz trägt), darf bleiben. Gehen hingegen müssen die Töpfe, die keinen Deckel finden, und Gläser, denen der Durchblick fehlt. Werbegeschenke, die nutzloser als Werbung sind. Alles eben, was unterste Schublade ist.

Im Wohnzimmer sortiert man die Reiseführer aus, die schon vor zehn Jahren keine „echten Insidertipps“ enthielten. Gefolgt von den Gesellschaftsspielen, bei denen man auf Seite fünf des Regelwerks noch jedes Mal zu Wein übergegangen ist. Jedem Winkel, jedem Gegenstand, jedem Lebewesen der eigenen Wohnung wird die Sinnfrage gestellt: warum bist du hier? Doch mit der wachsenden Mülldeponie im kleinen Hausflur stellt der Müll eine Gegenfrage: wohin mit mir?

Ausmisten aufräumen wegwerfen entsorgen

Man überlegt kurz, ob man die hohe Spaziergänger-Frequenz vor der Haustür ausnutzen und seine großzügigen Gaben vor der Haustür „outsourcen“ soll. Doch befürchtet man, dass man beim Aufbauen mit den „echten Liebhaberstücke“ gesehen werden könnte. Was so peinlich wäre, wie alles was man jenseits der Jahrtausendwende am Leib getragen hat. Daher tut man das, was man schon immer in dieser Situation tat. Getreu dem Motto „Schön, dass du da bist. Und nicht mehr hier.“ bringt man seine Habseligkeiten auf den höchsten aller Hausmisthaufen: auf den „Möge-der Müll-sich-erhängen-Boden“, wo irgendwann Taubenkot das Problem korrodieren möge.