Ich hasse Menschen.

Da parkte dieses kleine, auffällige, grüne Auto. Unscheinbar, etwas in die Jahre gekommen stand es am Straßenrand. Eigentlich keines Blickes oder Blinkers würdig. Und doch stach es mir ins Auge. Und ein bisschen ins Herz. Denn auf seiner kleinen Heckscheibe klebte jenes internationale Grundgesetz, das nur einen Paragrafen kennt und keiner Übersetzung bedarf: I hate people.
Ich hasse Menschen. Irgendwas zwischen manchmal und meistens. Meistens hasse ich sie in Wartebereichen. Wenn sie wie sich wie Lemminge an die Klippe drängen, in der Hoffnung, dass ein Flugzeug schneller abhebt, wenn die Türen luftdicht mit Menschen sicher verstopft sind. Oder wenn sie sich am Ende der Rolltreppe erst einmal die Schnürsenkel binden und sich dabei andere Dinge lösen. Oder wenn sie im Straßenverkehr…da sind.
Ich hasse Menschen, die über alles nörgeln, als würden sie in den Favelas von Rio de Janeiro als blinde Müllsammler arbeiten. Die Gewitter spucken, wenn die Sonne scheint. Die groß meckern, wenn die Portionen zu groß sind. Die kein gutes Haar an der Suppe lassen. Die im Tal des Jammerns wohnen und einen bergab ziehen.
Ich hasse den Musikgeschmack der meisten Menschen. Vor allem, wenn ich ihn mit allen Sinnen spüren muss. Wenn die Musik so laut ist, dass selbst Justin Bieber einen Bass bekommt. Oder wenn die Musik so schlecht ist, dass man sich „erschlagern“ möchte. Wenn Menschen rote Pferde, Cotton Eye Joes und Antons aus Tirol singen lassen, dann hasse ich Menschen.
Am liebsten hasse ich Menschen am Morgen. Oder vielleicht hasse ich auch nur den Morgen. Aber doppelt hasst eben besser. Morgens, wenn man nur Mensch sein möchte und andere Menschen auch Mensch sind, dann hasse ich Menschen. Am Morgen.
Doch nun bin ich bösartig erwacht. Ich wurde Opfer meiner eigenen Hassliebe. Denn die Besitzerin des kleinen, grünen Autos hasste nun mal Menschen. Vor allem hasste sie jene Menschen, die ungefragt Fotos ihrer Heckscheibe machen, während sie ungesehen Menschen hassend hinter dem Steuer saß, hinter dem sie sich vor diesen Menschen geschützt fühlte. Und so sprang sie aus dem Fahrzeug und schrie den Menschen an, der da ihr Innerstes fotografierte. Dieser Mensch war ich. Und so stellte ich fest, was ich noch mehr hasse als Menschen: Menschen, die Menschen hassen.