Leerstellen.

Wären sie nicht so klein und niedlich, wären sie längst sauer. Aber sie wissen, dass die zwischen flauschigem Fell pulsierenden Zornesfalten und die geballten Pfötchen eh niemand als das wahrnehmen würde, was sie sind: Ausdruck alleszernagender Empörung. Vielmehr werden sie ja noch putziger, je mehr sie sich um ein zornzerfressenes Äußeres bemühen. Verdammt sei das Kindchenschema. Stattdessen schlucken sie die Wut mit ein paar der trockenen Halme, an denen sie sich noch festklammern, herunter und verkriechen sich unter einem selbstgebauten Loft in letzter Lage.
Protest kann man sich sparen als flauschige Goldhamster. Dabei hätten sie allen Grund wütend zu sein. Mit aufgeplusterten Backen müssen sie tatenlos dabei zusehen, wie die Menschheit immer dann, wenn man denkt „Ok, das ist jetzt der Tiefstand, dümmer geht nicht mehr – darunter wüsste man ja nicht mal einen Hamster von einer Flasche Sonneblumenöl zu unterscheiden!“, das Gegenteil zu beweisen vermag. Und diese Unterbietung an Genialität wird sodann zu einem Verb der eigenen Gattung: hamstern.
Der Mensch jagt Dinge, die er sammeln kann – aber nicht braucht. Er hortet Klopapier, falls die Diät aus Sonnenblumenöl-Senf-Vinaigrette dann doch irgendwann auf den Magen schlagen sollte. Er kauft Klimaanlagen und Heizstrahler im Doppelpack, um gegen die Folgen von zu vielen Klimaanlagen, Heizstrahlern und klimatisierten Fahrten zum Elektronikfachgeschäft anzutemperieren. Brennholz türmt sich auf zu einer dritten Außenwand, rund um den Vorrat an Mehl, den man bereits zur Ummauerung der eigenen Blödheit hochgestapelt hat. Irgendwo sitzt genau jetzt ein Repräsentant der Krönung der Schöpfung und sammelt seine Dünste in Muttis Tupperdose und nennt das Gasterminal. Verstand war schon immer Mangelware, aber jetzt wird auch alles andere knapp. Besser man sammelt, was man kriegen kann. Und was wurde eigentlich aus all der Hefe? Hat die noch jemand im Blick? Nicht, dass da ein ganz eigener Planet aufquillt.
Der Hamster hat allen Grund wütend zu sein. Wir würden auch nicht freudig mit dem Schwanz wedeln, wenn Hunde das Wälzen in verwesendem Kot „Menschenbad“ nennen würden. Obwohl, wer weiß. Vielleicht tun sie es längst. Nein, der größte Idiot auf dem Feld ist kein Hamster. Der haut sich die knuffigen Wangen nur mit dem voll, was er braucht und schlucken kann. Sollen sie doch das raffgierige Eichhörnchen nehmen oder die diebische Elster. Warum der arme Hamster, der keinem Kohlebrikett zu Leibe will? Zum einen mag es daran liegen, dass Hamster und Hamsterer eines gemein haben: man sieht sie nie. Keiner gibt es zu, ein medial gesteuerter, präapokalyptischer Vorratsspeicher zu sein, und doch gibt es immer zur Genüge von ihnen. Irgendwas ist in letzter Zeit immer alle, weil irgendjemand gesagt hat, es könnte bald alle sein. Vielleicht sitzt auch irgendwo eine drollige Runde Hamster-Hater beisammen und denkt sich jede Woche neue Dinge aus, bei denen es tierisch blöd wäre, zu viel zu haben. Waschmaschinen, Sand oder Kahlstelle auf dem Kopf zum Beispiel. Ihr Newsticker heißt wohl die Alle-alle-Leier. Der Gag mit dem Co2, den sie damals in Umlauf gebracht haben, ging wohl nach hinten los. Davon können wir einfach nicht genug haben.
Doch der eigentliche Grund, warum wir vom Hamstern sprechen, wenn wir Dinge wie Honks horten, liegt nicht auf dem Felde. Hamstern tut man nicht, wenn man sich die Backen voll haut. Hamstern tut man, indem man am Rad dreht. Und zwar gewaltig.