Fremdschämen – warum erröten wir für andere?

Fremdschämen Ingolf Lücke Lets dance

Teenager, die im Fernsehen weinen, weil ihnen eine hohlwangige Frau mit der Stimme eines Glasschneiders „heute kein Foto“ geben möchte.

Dickfleischige Britinnen, deren Kleidungsstil an explodierte Würstchen erinnert.

Alles, was von Inka Bause moderiert wird.

Politiker, die sich bei Anne Will Günther bei Maischberger um den eigenen kahlen Kopf und den ins Nackenfleisch schneidenden Kragen reden.

Aufkleber, die erklären, dass „Sequoia & Tyson Jeffrey an Bord“ sind.

Betrunkene, die tanzen.

Schlager-Industrie, die gesamte.

Menschen, die mit offenen Mündern in Zügen schlafen.

Socken, die in Sandalen stecken.

Für sie alle empfinde ich eine Emotion. Ein Gefühl, das mir nahe geht, mich in seiner Intensität an meine Grenzen bringt, mich diffus berührt und verwirrt zurücklässt. Für sie alle empfinde ich Scham. Fremdscham. Wie nach einem Essen beim Inder um die Ecke, lösen sie in mir alle einen mehr oder minder schweren inneren Kampf aus. Ich bin hin und her gerissen zwischen Mitleid und eigenem Leid. Zwischen tolerantem Desinteresse und purer, Schmerz verusachender Fremdscham.

Ich taumele zwischen „Lass sie doch machen – und mich ein bisschen gaffen“ und „Nicht auszuhalten – bitte umzuschalten!“

 

Fremdschämen Bauerarbeiterdekoltee

Doch warum ist es mir nicht völlig egal, wenn unglücklich gealterte C-Promis in einem 600km entfernten Fernsehstudio das letzte bisschen ihrer Würde im schlecht ausgeleuchteten Rampenlicht vertanzen? Was verbirgt sich hinter dieser Emotion? Warum erröten wir für andere? Ist es eine Form der Empathie, die einfach nur wehtut? Ist es ein bisschen Neid angesichts dieses zur Schau gestellten „Egalismus“? Ist es Wut über diese unverfrorene Blödheit? Ist es Verwirrung darüber, dass man sich fragt warum denn niemand eingreift, während man selber still beobachtet? Ist es Verzweiflung darüber, dass die Menschheit begeistert Bauer sucht Frau verfolgt und bei Politik sucht Bürger durchzappt? Ist es Entfremdung von „den anderen“?

Wie so oft passt nicht nur ein Etikett auf das Gefühl. Es ist dicht beklebt mit Klebestreifen, wie ein Schokoosterhase der im Juni noch an der Kasse ausliegt. Allen Emotionen gemein ist wohl lediglich die dahinschmelzende Erkenntnis: jeder Mensch ist eben anders – als ich selber. Das kann man akzeptieren. Oder sich daran reiben, sich ärgern, aufregen, erröten und verzweifeln. Sich daran fremdschämen. Bis man plötzlich nicht allzu alte Urlaubsschnappschüsse von sich selber in den Händen hält. Und sich fremdschämt für den Menschen auf diesem Foto – für den Fremden in sich selbst.

Fremdschämen Autobklebung Commander Schmusezart

 




Podcast – Netflix für Sehmüde

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Na, was machst du gerade? Verrückte Vermutung: lesen? Damit gäbest du dich einer der ältesten Formen der Bildung, Kommunikation und vor allem Unterhaltung hin. Durch Lesen werden Buchstaben zu Bildern im Kopf. Geschriebene Worte regen unsere Phantasie an, erzeugen Emotionen und vermitteln Wissen. Warum sonst gibt es noch immer Schulbücher, Bedienungsanleitungen oder diesen Blog. Doch geschriebenes Wort ist – wenn man ehrlich ist – auch eine der umständlichsten Formen der Bildung, Kommunikation und Unterhaltung. Lesen ist so praktisch, wie eine Fernreise mit einem Fahrschüler. Es verlangt viel Aufmerksamkeit, je nach Erfahrung kommt man nur langsam voran und wenn man abdriftet verschwendet man meistens seine Lebenszeit.

Im Gehen lesen nur die Mutigsten, beim Führen eines Kraftfahrzeuges nur die „Lebensmutigsten“. In der Badewanne, am Strand, in der Hängematte – es ist ein ewiger Kampf zwischen Sonnenlicht, Feuchtigkeit und Muskelkraft. Wem einmal die gewellten, panierten Seiten einer Enzyklopädie auf den müden Kopf oder ein iPad in den Sand gefallen ist, weiß wovon die Rede ist. Ganz zu schweigen von den Fehlerquellen, die überall lauern – an dieser Stelle herzliche Grüße an mein Konsortium an anonymen Rechtschreibhelfern.

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Lesen erscheint in unserer schnelllebigen Zeit des Alles-Gleichzeitig-Machens so zeitgemäß wie eine Telefonzelle.Und so verändert sich unser Leseverhalten – Seite um Seite. Den Anfang nahm das Hörbuch. Nachdem Kinder bereits wesentliche Jahre ihrer Jugend auf dem Boden malend, Lego spielend und einem Hörspiel lauschend verbracht haben, entdeckte die Welt der Protokolle malenden und Manager spielenden Erwachsenen das Hörbuch ebenfalls für sich. Wer keine Zeit zum Lesen findet, lässt sich eben Romane und Ratgeber vorlesen. So wurde die U-Bahn-Fahrt oder der Bügelabend zum Vorlesespaß. Doch so richtig will das Hörbuch nicht durchstarten. Zum einen braucht es nur einen sehr einfachen Impuls, um die Aufmerksamkeitsspanne zu durchbrechen: das Vibrieren eines Handys und der Faden ist verloren. Zum anderen lesen dem einen die Sprecher zu langsam, dem anderen zu schnell. Dem einen ist die Stimme zu monoton, dem anderen zu albern verstellt. Der Vorleser in meinem Kopf trifft hingegen immer den richtigen Ton. Spätestens wenn man zum fünften Mal das gleiche Kapitel hört, weil man nicht mehr weiß an welcher Stelle man gestern eingeschlafen ist, denkt man wehmütig an die Zeit zurück, als man noch mit einem Buch auf der Brust entschlummert ist.

Und so entwickelt und verbreitet sich ein neues Format der Unterhaltung: der Podcast, das Netflix für Sehmüde.Fragt man im eigenen Umfeld nach dem Nutzungsverhalten, sagen die wenigsten „Podwas?. Die meisten antworten mit einer nicht enden wollenden Empfehlungsliste für Fitness-, Business- oder Sex-Podcasts. Das Hörbuch ist tot, lang leben der Podcast.

Als wohlportionierte Sprechkolumne haben Podcasts in der Regel eine Länge von irgendwas unter einer Stunde und passen damit perfekt in unsere Zeit: kurz, knackig und wenn ich einschlafe, habe ich trotzdem nichts Wesentliches verpasst. Profis stellen beim Zuhören sogar die doppelte Geschwindigkeit ein, um Zeit zu sparen. Sich von einer Helium- Stimme, die an Mini Mouse erinnert, den Weg zu starken Bauchmuskeln/ souveräner Verhandlungsführung/lustvollem Geschlechtsverkehr erklären zu lassen ist dann vermutlich in der Tat sehr einprägsam. Der Podcast kann überall und jederzeit konsumiert werden. Beim Zähneputzen, Bügeln, Busfahren, Sport, im Bett, wahrscheinlich sogar beim „Sport im Bett“. Die Themenwelt ist dabei so bunt, dass sich der Schellenaffe dagegen so eintönig liest wie ein Bausparvertrag. Podcasts sind dadurch weitaus mehr als Gutenachtgeschichten für Erwachsene: von spirituellen Séancen über ironisches Gebrabbel bis zu Ted Talks für Startup-Gründer ist alles dabei. Doch im Wesentlichen geht es um folgende drei Fragestellungen: wie werde ich erfolgreicher/sicher auferstehen/weniger gelangweilt?

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Und wer sind die Menschen, die uns da irgendeinen Schwank aus irgendeinem Leben erzählen? Die wenigsten werden ein „Podcasting“ durchlaufen haben. Anders als bei Büchern gibt es für Podcasts in der Regel kein Lektorat. Die meisten dürften sich nicht einmal allzu detailliert überlegen, was sie eigentlich sagen möchten und fangen einfach mal an zu sprechen. Wahrscheinlich in etwa so wie bei einer Sprachnachricht oder einer beliebigen Unternehmenspräsentation. Das Ergebnis ist sodann manchmal unterhaltsam, manchmal bildend, manchmal nervtötend und manchmal weiß man es nicht, weil man direkt eingeschlafen ist.

Apropos unterhaltsam bis narkotisierend: wer nun des Lesens müde ist und in Zukunft gerne einen Text des Schellenaffens vorgelesen haben möchte, möge sich gerne über das Kontaktformular bei mir melden. Am besten per Link zur einer Audiobotschaft. Ich lese ungern. Der gewünschte Text wird dann übrigens abwechselnd mit breitem rheinischen Dialekt oder einem fingierten indischen Akzent auf B2-Niveau gesprochen werden. Schätzelein, du wolle Podcast lauschen?




Tatort – für mich gestorben?

Tatort Sonntagabend

Sonntagabend. Der Beginn einer neuen arbeitsreichen Woche voller Termine und Tumulte liegt vor uns. Der Bürokaffee-Kater lugt um die Ecke, während uns die Reste des Samstagabend noch in den Knochen stecken. Man fragt sich erneut, wo die letzten beiden Tage geblieben sind und sucht die Fernbedienung. Das Drücken der Tasten fällt schwer. Wer angesichts dieser Bürde frohgemut auf seinem Sofa sitzt und sagt: „Ich freue mich, wenn morgen der Wecker klingelt und ich wieder ganz viele Emails schreiben und eigenwillige Menschen ertragen darf“ der ist positiv formuliert etwas ganz besonderes (und definitiv kein Snoozer).

Doch bevor wir vom Rausch des Alltags vereinnahmt werden, suchen wir Halt und Unterhaltung in einem Sonntagabendritual. Dem Tatort. Seit Generationen versammelt sich Deutschland zum Wochenwechsel vor den Fernsehgeräten und verfolgt – ja was eigentlich? Positiv formuliert eine ganz besondere Form der kriminologischen Berichterstattung. Tatort: Sonntagabend. Opfer: Gebührengelder.

Tatort Sonntagabend

Ein mittlerweile gängiger Untersuchungsbericht liest sich so:

Leiche wurde an einen Dönerspieß gebunden in der Fußgängerzone von Köln-Nippes gefunden. Das Opfer war Chef einer neuen Kryptowährungsfirma, die sich dem Blockchain basierten Handel von Menschen und Zuchtrosen verschrieben hat. Die Suche nach dem Täter verläuft zunächst schleppend, da 1:45 Stunden gefüllt werden müssen und der Ermittler seine eigene schwierige Kindheit und Drogenvergangenheit aufarbeiten muss. Alkoholkonsum spielt in dem Zusammenhang keine unwesentliche Rolle. Der Ermittler hat ein Kind, Partner und/oder die Kontrolle über das eigene Leben eigentlich bereits gänzlich verloren. Weigert sich aber den Dienstwagen abzugeben. Da es ein VW-Diesel ist wird es ihm gewährt.

Verdächtigt wird zunächst der Geschäftspartner des Opfers, weil er fies aussieht und die psychisch labile Gefühlslage des Ermittlers ignoriert. Dicke Luft, die Stimmung wird schlechter. Es stellt sich jedoch heraus, dass genannte Person lediglich der Hausmeister war und mit Blähungen kämpfte. Verdächtigt wird der griechische Imbiss nebenan.

Jemand infiziert sich mit Tollwut, ein anderer mit einem humanen Computervirus. Im Fortlauf der Ermittlungen explodiert zudem ein Steinbruch und ein autopilotiertes Fahrzeug stürzt in einen Fluss. Warum lässt sich nicht klären. Vermutet wird, dass noch ausreichend Gebührengelder bei der Produktion übrig waren und jemand „mal richtige Action“ wollte. In der Zwischenzeit küsst die Stieftochter des Opfers den ermittelnden Beamten und gesteht ihren Fetisch für gehäkelte Reizunterwäsche.

Den entscheidenden Hinweis liefert schließlich die blinkende Lichterkette, die um den Hals des Opfers gewickelt war und mit der das Opfer erdrosselt wurde. Dies ergab der Obduktionsbericht des exzentrischen, Zaubertricks mit einer Niere vorführenden Pathologen. Die Lichtinstallation deutet auf einen Täter mit Hang zu technischer Raffinesse hin. Nachdem die attraktive kriminologische Assistentin den Laptop des Opfers knacken konnte (Passwort: 123456), liegen endlich Beweise vor: die Blockchain selbst war der Täter. Sie hat Dönerspieß und Lichterkette bei Amazon Prime bestellt und den ferngesteuerten Hausmeister die technische Inbetriebnahmen vornehmen lassen. Er war willenlos und damit schuldfrei.

Ebenso wie die Zuschauer – die sich mit dem Abspann beginnen zu fragen, ob der eigene banale Alltag vielleicht voller irrwitziger, unerkannter Gefahren steckt; ob die Lichterkette batteriebetrieben war und deshalb blinkte; was eigentlich aus dem griechischen Imbiss und dem bewährten Rezept eines simplen Plots geworden ist:

Leiche taucht auf – vornehmlich aus moderigem Hafenbecken. Kommissar Typ „Ich würde Sie meine Blumen gießen lassen“ raucht eine. Flirt mit der Dame aus dem Innendienst. Diverse Verfolgungsjagden. Am Ende brennt irgendwas. Täter wird festgenommen. Wollte Geld/Zuneigung/Rache. Currywurst und triumphales Dosenbier an der Würstchenbude – mit Blick auf moderiges Hafenbecken.

Stattdessen ist der ohnehin labile Sonntagabend nun gefüllt von Cyperorgs, Sexorgien und psychedelischen Wutausbrüchen. Der Tatort taumelt irgendwo zwischen Fantasystreifen ohne oscarreifes Unterwassermonster und Rosamunde Pilcher mit exzessiver Drogenvergangenheit. Mal ist er großstädtisch orgastisch, mal eher provinziell klamaukig. Mal bietet er eher beschämende Improvisationseinlagen, mal eine Film-im-Film-Handlung, die so verworren wird, dass man sich eher mit dem Thema Kryptowährung, der eigenen Steuererklärung oder diesem Satzbau beschäftigen möchte.

Oft versucht er sich – so auch dieses Mal – an einem politischen Thema. Rechtspopulismus, Fifa-Skandal, Tscheschenienkrieg und Altenpflege. Manchmal gelingt der Gedankenanstoß. Meistens misslingt er, wie das artikulierte Hochdeutsch eines Wotan Wilke-Möhring. Man möchte ihn gemeinsam mit Till Schweiger zur Logopädin schicken. Bei letzterem wäre ein Sonderdoppelpaket mit einem Volkshochschulkurs ratsam. Till, freie Plätze gibt es zum Beispiel bei „Authentischer Auftritt“ hier in Hamburg (Link zur Anmeldung). Das wäre doch was.

Wahrscheinlich sollte man die einfache Botschaft der ersten Sequenzen eines jeden, wirklich jeden Tatorts einfach ernster nehmen: wegrennen. Aber man tut es nicht und schaltet erneut wieder ein – in der Hoffnung eine der seltenen guten Produktionen zu erwischen oder sich eben wieder aufregen zu können. Denn der Polizeiruf 110 ist ja auch keine Rettung.

Tatort Sonntagabend




Durchmachen bis es quietscht – von politischen Pappnasen und gewählten Karnevalsvereinen.

Karneval Fasching Kostüme Party Groko

Die wichtigste, die fünfte Jahreszeit stand unter keinem guten Gestirn. Dunkle Wolken hingen über dem schwarz-roten Himmel. Die Katerstimmung lag bereits vor der eigentlichen Sause in der Luft.

Zunächst formierte sich dieses Jahr das Dreigestirn in buchstäblich letzter Minute. Erst am Abend vor Beginn der hochheiligen Karnevalsession und nur um eine Pappnasenlänge pünktlich zur Weiberfastnacht standen Jungfrau Angela, Prinz Martin und Bauer Horst ramponiert und rotnäsig vereint auf der Bühne. Die Formierung hatte sich zunächst hingezogen, da sich die koalierenden Karnevalisten nicht auf die Auswahl des passenden Wurfmaterials einigen konnten. Die Entscheidung zwischen pappigsüßen Steuersenkungen und sachgrundloser Kamelle fiel schwer. Man stritt sich. Man macht die Nächte durch bis es quietschte und suchte vergeblich nach einer für alle tanzbaren Hymne der Saison. Doch die Aussicht auf große Bühnen und schallendes Gelächter bewegte sie schließlich zum Durchhalten.

Und so wurden alle Spaßbremsen beseitig. Es konnte endlich losgehen mit den albernen Festreden und öffentlichen Beleidigungen. Man war zuversichtlich, die Besetzung war schließlich die talentierteste im ganzen Lande. Prinz Martin erzählte die besten Witze (unvergessen sein Brüller aus dem Herbst „Wir stehen für eine große Koalition nicht zur Verfügung.“). Bauer Horst sangt die melodischsten Heimatlieder („Viva Obergrenzia“ bleibt der bekannteste Klassiker). Und Jungfrau Angela war schon immer ein echter Hingucker als Pantomime im bunten Kostüm. Der Rest der Entourage verkleidete sich zudem äußerst stilvoll als Grokodile mit leicht traurigem Gesichtsausdruck. Auch wenn die Kostüme zwickten und die Perücken juckten, bemühte man sich um gute Stimmung. Das intonierte „da simma dabei, dat wird prima“ wirkte zwar zaghaft und trotzig, aber stets sehr bemüht.

Da man zuvor die Nächte durchgequietscht hatte, blieb zwar Zeit für Selfies aber leider nicht für das Schreiben neuer Büttenreden. Man beschloss daher einfach die Witze der letzten dreizehn Jahre aufzuwärmen. „Europa stärken, tätätä. Erdwärmung auf 2°C begrenzen, tätätä. Breitbandinternet für alle, tätätä.“ Ob Karl Theodor und Anette am Kopierer zur Hand gingen ist nicht bekannt.

Doch dann geschah das Unvorstellbare: Aschermittwoch ereignete sich vor dem Rosenmontag! Der Prinz verschwand über Nacht! Prinz Martin war zunächst voller Tatendrang und plante den Festzugswagen selber zu steuern, am liebsten ins Ausland. Doch ausgerechnet seinen eigenen roten Jecken – den Mitglieder des zwar nur zweitbeliebtesten, aber immer noch größten Karnevalsvereins – ging dies zu weit. Auf Martins schlingernden Fahr- und Führungsstil hatte keiner mehr Lust und die Roten Funken sprangen schließlich seekrank über die Reling des Prunkwagens. Sie landeten in der mütterlichen Umarmung von Funkemariechen Andrea, die schnell durch ihre beeindruckenden Spagate vom Tanzmariechen zur Vorsitzenden des Karnevalvereins aufgestiegen war. Unklar ist jedoch, ob sie Prinz Martin, der inzwischen beleidigt im RE nach Würselen vermutet wird, so kurzfristig beerben wird. Mit fremden Federn schmückt sie sich zwar eigentlich gerne, aber die Tatsache, dass sich Bauer Horst mit seinem Hang zur Folklore um alle inneren Angelegenheiten kümmern soll ist ihr so zuwider, wie das sauber gesprochene „sch“.

Karneval Pappnase Pfütze Clownsnase

Angesichts dieser wahrlich närrischen Zeiten kratzt sich der nüchterne Beobachter wohl nur noch verwundert an der eigenen Pappnase. Was bleibt ist die Frage: ist am Aschermittwoch (oder Achermittwoch, wie Andrea sagen würde) schon wieder alles vorbei? In jedem Fall ist klar für wen die Fastenzeit bereits jetzt begonnen hat: Kapellmeister Sigmar.




Vorhaben ist wie Machen – nur im Kopf. Zum Vorsatz keinen Vorsatz zu haben.

Vorsätze Neujahrsvorsatz 2018 Liste

Es gibt Menschen, die wie Kometen um unser Dasein kreisen. Sie gehören zum eigenen Leben, auch wenn man sie selten sieht. Mal sind sie in weiter Ferne, mal gelangen sie unerwartet zurück in unser Blickfeld. Fast vergessen sind sie uns im nächsten Moment wieder ganz nah. Trotz ihrer Unbeständigkeit möchte man diese sporadischen Wegbegleiter nicht missen, sind die seltenen Begegnungen mit ihnen doch von Vertrautheit, Erinnerungen und Inspiration geprägt.

Und so startet jedes neue Jahr mit dem Wiedersehen einer dieser besonderen, geschätzten Personengruppen: den Januar-Sportlern, auch bekannt als Fitness-Vorsätzler.

So schnell vergeht ein Jahr – schön, dass ihr wieder da seid! Ohne euch ist der Jahresbeginn einfach nicht das Gleiche. Ihr Menschen, die zu Jahresbeginn auf den Straßen, in U-Bahnen und Büros fehlt, scheint euch stattdessen gemeinschaftlich in Fitness-Studios, Sportgruppen oder joggend zusammenzurotten. Wie sehr habt ihr mir gefehlt! Welch Spaß es ist mit euch in der überfüllten Umkleidekabine kontaktloses Reise nach Gymusalem zu spielen. Wie toll es ist, sich um die Yoga-Matten mit euch zu prügeln und das erlernte Tae Bo Wissen direkt anzuwenden.  Wie beruhigend es sich anfühlt, nicht mehr der einzige zu sein, der bei der Step Aerobic Choreographie aussieht, als wäre er Teil einer bewegungslegasthenischen Fernsehgottesdienstgemeinde, die nicht weiß ob sie gehen oder bleiben soll.

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Doch so schnell euch der Schweiß von der Stirn trieft, so schnell seid ihr leider auch wieder verschwunden.  Kometenschweiß zurücklassend begebt ihr euch wieder in die „hyggelige“ Umlaufbahn eurer Couch, wo ihr die geistige und physische Entleerung des Dschungelcamps und der Fruchtgummitüte vor euch verfolgt. Schnell vergessen sind eure Vorsätze und Besuche – bis zum nächsten Jahr.

Aber warum wollt, warum könnt ihr nicht bleiben? Die Antwort liegt auf der mehr oder minder übergewichtigen Hand:  weil ihr Opfer eines Neujahrsvorsatzes wurdet. Diese Form des vorsätzlichen Selbstbetruges kennzeichnet sich dadurch, dass im post-weihnachtlichen Fresskoma angesichts der eigenen Bauchrolle und misslichen Existenz eine Vielzahl an Entschlüssen gefasst wird. Man stellt fest, dass man auch im vergangenen Jahr wieder nichts erreicht hat – außer vielleicht eine Steigerung des eigenen Körperfettanteils. Im neuen Jahr wird nun alles anders. Man wird gesünder leben, sich vegetarisch ernähren, Amazon und die Firmenkantine boykottieren, Oma öfters anrufen, regelmäßige Schlafzeiten und handyfreie Tage einführen, seinen Kleiderschrank und Freundeskreis ausmisten, sich für Umweltschutz und die eigene Krebsvorsorge engagieren und regelmäßig Sport treiben. Ganz gewiss. Am Silvestermorgen haben die Liste an Vorsätzen und die eigene Entschlusskraft galaktische Ausmaße. Man spürt beinahe Vorfreude: morgen ändere ich mein Leben!

Im Erwachen nach einer durchkämpften Silvesternacht, in der man zu wenig geschlafen, zu viel getrunken, zu durcheinander gegessen und zu wenig erlebt hat, bröckelt bereits die Willenskraft. Man stellt säuerlich fest: morgen ist heute, verdammt. Das Katerfrühstück besteht sodann aus irgendwas mit Speck und der Beantwortung diverser Neujahrsgrüße – auf dem Mobiltelefon. Zwar ruft man tatsächlich seine Großeltern an, bestellt parallel aber bei Amazon ein paar neue Pullover aus fragwürdigen Herstellungsländern – in Vorbereitung einer ganz sicher geplanten Aufräumaktion.  Erleichtert stellt man beim Einlassen eines Schaumbades fest, dass das Fitnessstudio heute leider geschlossen hat.

Da man vollmundig (beim Weihnachtsbratenessen) sichtbare Bauchmuskeln angekündigt und sich für einen Halbmarathon angemeldet hat, begibt man sich in den folgenden Tagen tatsächlich in die Sportstätte seiner Qual. Dass Sport anstrengend ist, hatte man in den letzten elf Monaten leider vergessen. Man beginnt zu googeln, ob sich Bauchmuskeln auch durch einen gefüllten Magen nach außen sichtbar wölben lassen. Spätestens mit Beginn des Karnevals, der Skiferien oder der neuen Staffel einer Lieblingsserie sieht man vom Fitnessstudio dann nur noch den monatlichen Überweisungsbeleg. Immer im Januar Sport zu machen ist ja auch irgendwie eine Form der Regelmäßigkeit.

Doch warum scheitern wir so oft mit unseren Vorsätzen? Auch hier ist die Antwort so simpel, wie das Wegwerfen einer Vorsatzliste: weil das Gewohnheitsschwein sich nicht für Datumsgrenzen interessiert. Warum genau sollte sich mit dem Wechsel der Jahreszahl plötzlich das eigene Verhalten radikal ändern? Das Vorhaben alleine ist eben nur Machen im Kopf. Gleichzeitig sind Neujahrsvorsätze oft davon geprägt, dass wir direkt zur Lösung unseres Problems springen (Fitnessstudio besuchen) anstatt sich eingehend mit den Ursachen zu beschäftigen (ich hasse Gerätetraining und bin dicker wegen Kontrollverlust über Süßkartoffelpommeskonsum). Hinzukommt, dass wir uns zu Neujahr gerne mit einer überwältigenden Anzahl an Vorsätzen überladen, anstatt uns schrittweise einem anderen Lebenswandel anzunähern. Es gibt einem schließlich ein besseres Gefühl, wenn man einen von 37 Vorsätzen schafft als keinen von einem. Nachkommastellen fallen hier auf einmal ins Gewicht. Auf die allgegenwärtige Frage „Und was hast du dir für das neue Jahr vorgenommen?“ antworten die wenigsten „Mein Vorsatz ist keine Vorsätze zu haben.“

Warum sollten wir also ausgerechnet zum Jahreswechsel über unsere Lebensweise und -ziele reflektieren? Warum machen wir es nicht kontinuierlich oder an einem anderen der 365 Tage in diesem unverbrauchten neuen Jahr? Warum zum Beispiel nicht heute am 8. Januar, dem offiziellen Tag des Schaumbades? Oder am 31. Januar, dem internationalen Rückwärts-Tag? Oder dem 28. März, dem Ehrentag des Unkrauts? Das wären doch so viele passendere Tage, um ungewollte Angewohnheiten rückgängig zu machen oder das Unkraut des eigenen Lebens zu entfernen.

Noch passender wäre einzig der 31. März: der Tag des Bunsenbrenners. Spätestens dann könnte man die Liste mit unerreichten Neujahrsvorsätzen wunderbar verbrennen. Burn baby burn – ist übrigens auch eine wunderbare Liedzeile für einen Step Aerobic Kurs.




Shit on – 2018, serviere uns bitte etwas Neues!

2018 Chit On Rioja Shit on

Puh, wäre das also auch geschafft. Dieses 2017 schien geprägt von schlechten Nachrichten, negativen Rekorden und düsteren Zukunftsaussichten. Lichtblicke im Feuer trostloser Botschaften sind einzig sportliche Titel – an dieser Stelle Glückwunsch an Jacqueline Lölling, unsere Weltmeisterin im Skeleton – oder royale Hochzeiten und Geburten. Wenn man so auf das vergangene Jahr schaut, denkt man die Menschheit im Allgemeinen, Politiker im Speziellen besäßen die visionäre Kraft einbeiniger Bahnhofstauben. Bei der Verfolgung eines achtlos weggeworfenen Glyphosat-Weizenbrötchens drohen wir vom verspäteten RE nach Hoffnungslos überrollt zu werden. Überall wachsende Wasserstände, Mieten und Narzissten. Selbst Urlaube sind zu einer Runde Mensch-fürchte-dich-nicht rund um Gedenkstätten zu Terroranschlägen verkommen. Und dünner ist man auch nicht geworden.

Auch der unbeirrteste Optimist kam 2017 an seine Grenzen: wie sein älterer Bruder stand 2017 unter dem Motto „The shit goes on“. Ein unter Taubenkot verkrustetes, semi-sympathisches Jahr geht zu Ende und man fragt sich: fehlt der Blick für oder fehlt das Positive selbst in dieser Welt?

Doch nun ruht alle Hoffnung auf diesem neuen, unverbrauchten Jahr. Hallo 2018! Wir wagen ja gar nicht Großes von dir zu erwarten, kein Weltfrieden, keine Ausbleiben von Naturkatastrophen oder Fehlen detonierter Bomben. Wir geben uns auch mit weniger zufrieden. Ein bisschen weniger explosive Stimmung, ein bisschen mehr bombige Schlagzeilen. Hier ein paar unverbindliche Vorschläge:

„BER bezugsfähig: Miniaturwunderland baut Flughafen in Berlin aus“

„Donald Trump beim Vordrängeln gestürzt und auf die Zunge gefallen. Angelina Jolie spendet ihr Mundorgan.“

„Ach ne doch kein Klimawandel – 20-jährige Zeitungsente des Sommerlocher Tageblatts wird aufgelöst.“

„Prince Harry bekommt vorzeitig Nachwuchs – das Königshaus freut sich über die Geburt der kleinen Angela Markle.“

„Wir sind Weltmeister im Schach-Boxen.“

„Welch Überraschung: das Jugendwort des Jahres ist Indexbasierte Fond-Rente.“

„Panama wird durch Videobeweis Fußball-Weltmeister – vermeintlicher Siegestreffer Portugals wegen Weinerlichkeit und Einkommensabseits aberkannt.“

„Horst Seehofer wird Kauf eines Altersruhesitz an der Adria untersagt – wegen Obergrenze.“

„Das Unwort des Jahres 2018: Pessimist – der einzige Mist, auf dem nichts wächst.“

2018, hau bitte einfach mal einen raus. Hoch die Tassen – shit off!

2018 Prost

 




Tinder versus Thermomix – wie sich eine Generation entfremdet

Its a mismatch Thermomix Tinder Generation Match

Um und bei dreißig – ist nicht nur eine solide Keksmenge für einen gemütlichen Adventsnachmittag, sondern auch ein schmackhaftes Alter. Mit dreißig hat man gelernt, auch ohne mütterliche Beihilfe grundsätzlich überlebensfähig zu sein. Der eigene mehr oder minder schwer vermittelbare Charakter ist gefestigt. Man weint nicht mehr (so oft), wenn Geschwister das eigene Erscheinungsbild mehr oder minder schwer beleidigen und hat eine Hausratversicherung abgeschlossen. Es gibt wirklich beste Freunde im Leben, die nicht bei der nächsten großen Pause mit anderen Kindern Schneematsch nach einem werfen oder Vorlesungsmitschriften als Form des Treueeides verlangen. Und das mit dieser Arbeit als Form einer sozialversicherungspflichtigen Freiheitsbestrafung hat man auch irgendwie akzeptiert. Der kostenlose Kaffee schmeckt schließlich und man kann mit den Kollegen Tierbabyvideos austauschen.

Das Leben zwischen den Busreisen – Klassenfahrt und Kaffeefahrt – könnte so schön sein. 

Wäre da nicht dieses Problem mit der zerrinnenden Zeit. Das erste graue Haar wird würdevoll entrissen. Die Aussage „Du siehst erschöpft aus“ häuft sich. Man googelt Bandscheibe und begreift: ich habe ein Haltbarkeitsdatum. Der Schimmelbefall ist noch nicht sichtbar, aber wir wissen, die Verwesung naht. Ein fauler Geruch liegt in der Nase. Wie ein langsamer, rostiger Güterzug rollt da irgendetwas auf einen zu. Doch anstatt sich mit ebenfalls krähenbefüßten Generationsgenossen zusammenzurotten, sich gemeinsam beim Schimmeln solidarisch zu begleiten und auf die Zeit, da man wieder in der letzten Reihe im Bus zusammen sitzen wird zu freuen, passiert etwas Eigenartiges.

Es entstehen Distanz, Fremde, zwei Lager. Separiertes Schimmeln. Getrenntes Weiterleben. Die Generation um und bei dreißig durchzieht eine schweigende, nur auf den zweiten, sehschwächer werdenden Blick sichtbare Kluft zweier Lebenswelten – ein feiner Graben zwischen Tinder und Thermomix.

Entweder ich verfüge über ein Tinderprofil. Oder einen Thermomix.Besitz beider Gimmicks ist nicht möglich, Durchmischung ausgeschlossen. Aßen die beiden Lager früher gemeinsam kalte Dosenravioli in der mitternächtlichen WG-Küche, haben sie sich heute plötzlich nichts mehr zu sagen.

Gehöre ich zum Tinder-Trupp, liege ich sonntagabends auf dem Sofa und swipe. Nicht durch meine Wohnung. Sondern durch eine Online-Dating-App meiner Wahl. Ich bin im Kater nach meiner zu glorifizierenden Studienzeit erwacht und stelle fest, dass die guten Deckel alle weg sind. Der eigene Topf fängt an, komische Beulen zu formen und nicht mehr richtig heiß zu werden. Bei Tindereliteship suche ich dennoch nach einem Abschlussgerät mit passgenauem Hobby, Humor und Haltbarkeitsdatum. Irgendein Deckel wäre im Alter ja schließlich ganz schön, eh man selber nicht mehr ganz dicht ist. Notfalls auch ein Gummiaufsatz. Oder ein Stück Alufolie. Irgendwas. Doch der Markt aus zwielichtiger B-Ware mit Brandstellen, Rissen und Baufehlern überzeugt nur selten. So verbringt man schließlich seine Zeit damit, exotische Urlaube zu planen, Serien zu schauen, Gehaltssprünge in Amazon Prime zu investieren und traumatische Datingerlebnisse mit Gleichgesinnten und Gin therapeutisch aufzubereiten. Und darin irgendwie doch seinen Seelenfrieden zu finden.

Tinder Handy

Als Mitglied des Thermomix-Basislager liege ich sonntagabends auf dem Sofa und googele. Nicht nach exotischen Urlaubszielen. Sondern nach den Symptomen für Mumps. Oder nach Brautschuhen, die nicht an die eigene heilige Erstkommunion erinnern. Oder nach einem Ferienhaus mit Carport an der dänischen Küste. Irgendein Kind schreit. Der Partner schweigt. Statt zu Sex und Gin trifft sich der Elternbeirat und der Nachbarschaftsverein zur Verschönerung des Spielplatzes. Der Thermomix verarbeitet Kürbis und Karotten zu Suppe – und ich die Erkenntnis: ich bin im Leben meiner eigenen Eltern erwacht. Die Vorhersehbarkeit, die mein Leben dadurch erhält, beruhigt mich irgendwie. Ich muss den Bauch nicht mehr einziehen im Leben. Ich habe einen Partner, eine Familie, die mich im Alltag und an Sonn- und Feiertagen in den Wahnsinn treiben, im Kern aber eigentlich ganz drollig sind.

Thermomix

Was dem einen Alltag, ist dem anderen Albtraum. Was den einen bewegt, bewegt den anderen zum Gehen. Doch warum trennt das Fehlen eines analogen Alltags nun die beiden Lager so drastisch? Warum empfinden wir statt Neugier und Bereicherung Misstrauen und Desinteresse angesichts dieser anderen Tinder/Thermo-Opfer? Vielleicht fühlen wir uns bedroht. Wir fürchten nicht etwa, dass uns unser Leben weggenommen würde, sondern dass wir der hart erarbeiteten Zufriedenheit mit diesem eigenen Leben beraubt werden. Der andere lebt das vor, was mir vielleicht fehlt. Meinem Lebensmodel wird der Spiegel vorgehalten.

Meetings statt Masern. Vorgesetzten am Ohr. Brei hinter dem Ohr. Yogakurs am helllichten Tag. Feierabendbier egal wann. Frohes Kinderlachen. Friedliche Stille.

Zum Schutz flüchten wir uns daher in Vorurteile.Diese Junggesellen sind doch alle karrieregeile, einsame Egozentriker, die ihr sinnentleertes Leben mit Gegenständen und einsamen Stränden füllen. Bemitleidenswert. Diese Familienmenschen sind desinteressierte, unfreie Spießer, lebendig begraben und unfähig, über etwas anderes als den Stuhlgang ihres Juniors zu sprechen. Grauenhaft.

Doch sollte man sich nicht – anstatt den anderen zu dämonisieren – den anderen Lebenswirklichkeiten öffnen? Sich für die Herausforderungen des anderen ehrlich interessieren, diese gemeinsam meistern, sich gegenseitig bereichern? Man kann den heranrollenden Güterzug zwar gemeinsam auch nicht aufhalten, aber sich bis dahin eine nette Zeit machen. Und zum Beispiel einfach mal einen Abend in der Einbauküche gemeinsam Tindern, während der Thermomix Ravioli zubereitet.




Balkonszenen, komische Vögel und sonderbare Gespräche.

Balkonszene Schloss Romeo Julia

KATRIN.

Willst du schon gehn? Der Vertrag ist ja noch fern.

Es war die Koalition, und nicht die Neuwahl,

Die eben jetzt dein taubes Ohr durchdrang;

Sie singt des Nachts auf dem Konferenztisch dort.

Glaub‘, Anzugonkel, mir: es war die Koalition.

CHRISTIAN.

Die Neuwahl war’s, die Aufmerksamkeitsverkünderin,

Nicht du Grüne; und sieh den verzweifelten Horst,

Der dort im Süden der letzten Tage zählt:

Die Sondierung hat ihre Kerzen ausgebrannt,

Der muntre Medienrummel erklimmt die dunst’gen Höh’n:

Nur Konflikt rettet mich, Kompromiss ist Tod.

KATRIN.

Trau‘ mir, das Licht ist nicht des Braunkohle Licht,

Die Grüne hauchte dieses Luftbild aus,

Dein Moralträger diese Nacht zu sein,

Dir auf dem Weg nach Jamaika zu leuchten;

Drum bleibe noch: zu gehn ist noch nicht Not.

CHRISTIAN.

Laß mich euer Parteiprogramm greifen, ja, laß es mich töten!

Ich gebe es gern in mein Altpapier drein, wenn du es willst.

Nein, jenes Grün ist nicht des Liberalen Geschmack,

Der bleiche, vegane Abglanz nur von Lindners Stirn.

Das ist die Neuwahl, deren Schlag

Hoch über uns Merkel trifft.

Ich bleibe ungern: zum Gehn bin ich verdrossen.

Willkommen, Tod! hat Katrin dich beschlossen. –

Nun, Ökiherz? Noch tagt es nicht, noch plaudern wir.

KATRIN.

Es tagt, es tagt! Auf! eile! fort von hier!

Es ist die Neuwahl, die so heiser singt

Und falsche Liberale, rauhen Mißton gurgeln.

Man sagt, der Neuwahl Harmonie sei süß;

Nicht diese: sie zerreißt die unsre ja.

Die Neuwahl, sagt man, wechselt mit der Minderheitenregierung

Die Angela: möchte sie doch auch die Stimmen!

Die Stimm‘ ist’s ja, die das Volk uns schreckt,

Dich von mir jagt, da sie den Populismus erweckt.

Stets neoliberal und neoliberaler wird’s: wir müssen scheiden.

CHRISTIAN.

Neoliberal? Vegetarisch stets und vegetarischer unsre Leiden!

Die Kanzlerin kommt herein.

KANZLERIN.

Fräulein!

KATRIN.

Angie?

KANZLERIN.

Die gnäd’ge Gräfin kömmt in Euren Kleinkrieg;

Seid auf der Hut: schon regt man sich im Kanzleramt.

Kanzlerin ab.

KATRIN das Fenster öffnend.

Solarenergie, schein‘ herein! und Feinstaub, flieh‘ hinaus!

CHRISTIAN.

Ich steig‘ hinaus: laß dich noch einmal öffentlich attackieren!

Er steigt aus dem Fenster.

KATRIN aus dem Fenster ihm nachsehend.

Feind! Ratte! Schwätzer! Willst du dich verpieseln?

In den Nachrichten du jeden Tag zu jeder Stunde;

Schon die Minut‘ enthält der Tage viel.

Ach, so zu rechnen, bin ich hoch in Jahren,

Eh‘ meine Regierungsbeteiligung ich wiederseh‘.

CHRISTIAN.

Leb wohl! Kein Mittel lass‘ ich aus den Händen,

Um dir, du Grünkernbratling, meine Missgunst zu senden.

KATRIN.

O denkst du, daß wir je uns wiedersondieren?

CHRISTIAN.

Ich zweifle nicht, und all dies Sondieren dient

In Zukunft zu meinem süßen Geschwätz.

KATRIN.

O Gott! ich hab‘ ein Glück ahndend Herz.

Mir deucht, ich säh‘ dich, da du unten bist,

Als lägst du tot in eines Umfragetief.

Mein Auge trügt mich oder du bist unbeliebt.

CHRISTIAN.

So, Bioböhnchen, scheinst du meinen Augen auch.

Der Schlafentzug trinkt unser Blut. Leb wohl! leb wohl!

Ab.




Bewerte mich – bitte nicht.

Bewertung Schellenaffe

Ein Geschenk ist etwas Schönes – eine unerwartete Wertschätzung, eine persönliche Geste. Eine hübsche Uhr, ein persönliches Gedicht, eine lang ersehnte Reise oder irgendwas von Tchibo und die Herzen des Beschenkten und des Schenkers erfreuen sich gleichermaßen. Auch wenn der Geschmack und die Konfektionsgröße mitunter nicht getroffen werden, ein Geschenk erhält seinen Wert ungeachtet des tatsächlichen Preises durch die Tatsache, dass es eine für einen bestimmten Moment gewählte persönliche Form der Wertschätzung ist. Die Geste zählt. Ein Geschenk ist – ob mit oder ohne Schleife auf dem Kopf – kostbar. Schenken wir jedem jeden Tag eine Uhr, verliert die Uhr als Geschenk ihren Wert und wir den Verstand aufgrund der omnipräsenten Tickerei. Aber auf die Idee Chronometer an wahllose Passanten, den Kellner, unseren Hausarzt, die Frau beim Bäcker oder den eBay-Verkäufer, der uns eine gebrauchte Bohrmaschine verkauft hat, zu verteilen kommen wir nicht. Das wäre ja tickender Irrsinn.

Doch wie nicht anders zu erwarten: wir ticken mal wieder irrsinnig. Wir geben mittlerweile jedem der uns danach fragt ein eigentlich kostbares Geschenk. Jeden Tag. Überall. Großzügig. Offenherzig. Gönnerhaft.

Das Geschenk des aufrichtigen Feedbacks.

Nimmt man sich die Zeit jemanden zu loben, kritisieren, analysieren, bewerten oder anzuleiten ist dies eine persönliche Form der Wertschätzung. Selbst wenn mag sagt „Ich finde dich doof“ ist das mitunter weniger bedauerlich als ein „Du bist mir völlig egal“. Ein vergessener Geburtstag schmerzt meistens mehr als ein Paar unästhetische Thermosocken als Präsent. Missachtung ist verborgene Verachtung.

Doch nun verteilen wir kostbares Feedback als sei es Sternchen-gewordene Kamelle auf dem Kölner Rosenmontagszug. Wurfsterne in Form von Bewertungen, Erfahrungsberichten und Umfragen. Wir bewerten unser Toilettenerlebnis, unsere Warteerfahrung bei der Kfz-Zulassungsstelle oder die User Experience nach dem Kauf elektrischer Zahnbürstenköpfe. Wir schreiben Erfahrungsberichte zur Einfühlsamkeit der Dentalhygienikerin, der Kommunikationsfähigkeit des Schneiders und dem Eincheck-Erlebnis am Flughafenhotel. Selbst unsere „Freunde“ können wir mittlerweile bewerten (auf Peeple), wie edukativ. Wir verteilen Smileys, Sterne und Punkte überall, ständig, inflationär.

Smileys Bewertung grün gelb rot

Wir machen dies aus zwei Gründen. Zum einen fühlen wir uns geschmeichelt. Jemand fragt nach unserer Meinung – wie interessiert, wie wertschätzend! Doch was passiert mit unseren Punkten und Beurteilungen? In den seltensten Fällen dienen Kundenbefragungen zur tatsächlichen Ermittlung und Verbesserung der Zufriedenheit, sondern vielmehr geht es um Gewinnung wertvoller Nutzerdaten (und einer Datengrundlage für Bonus-Verhandlungen) mittels derer Werbebotschaften, weniger das Produkt selbst verbessert werden soll. Wie oft habe ich an einer Befragung teilgenommen und mich später tatsächlich an geänderten Öffnungszeiten oder der Vorpensionierung der pitbullartigen Sprechstundenhilfe erfreut? Selten. In diesem Sinne verschenken wir eine Uhr, die später als Keil unter ein wackelndes Bücherregal gesteckt wird.

Zum anderen fühlen wir uns mächtig. Feedback verliert seine unschuldige, wertschätzende Funktion und wird als Drohgebärde verstanden. Schlechte Kundenbewertungen sind toxischer als ein Besuch des Gesundheitsamtes. Ein Shit Storm kann eine ganze Lebensgrundlage beschmutzen, Hasskommentare die seelische Unversehrtheit zerstören. Dem nicht genug. Das Damoklesschwert 5-Sternchen schwebt über uns allen. Selbst als verkatert dösender Nutzer einer Mitfahrgelegenheit werde ich bewertet. Wie pünktlich war ich? War ich frisch geduscht? Wie stark waren Krümmelvolumen, Speichelfluss und die Originalität meiner Kommentare? Wäre mir das vor Fahrtantritt bewusst gewesen, hätte ich vielleicht statt eines Streuselbrötchens profundes Wissen der Weltpolitik als Proviant eingepackt. 5-Sterne Deluxe. Im Urlaub rennen wir alle in die topbewertete Taverne, anstatt dem Bierkeller ohne Website eine Chance zu geben. Die Skalen unseres Lebens kennen nur noch Extreme.

Doch macht uns das Feedback-Feuer wirklich zufriedener? Was ist eine anonyme, öffentlich stattfindende, permanente Feedbackkultur tatsächlich wert? Sie ersetzt das persönliche Gespräch, die ehrliche, direkte, manchmal unbequeme Auseinandersetzung, die Chance der beidseitigen Kommunikation. Ich gebe dem Chef einmal im Jahr eine anonyme, vernichtende Bewertung, anstatt ihn unmittelbar auf seine Unpünktlichkeit hinzuweisen. Anstatt der Kellnerin einen schlechten Tag zu erlauben, posten wir einen Verriss der gesamten Belegschaft auf einem potenten Bewertungsportal. Wir füllen Online-Befragungen für Putzmittel aus, anstatt unserem Partner zu sagen, dass er gut gekocht hat.

Natürlich hilft es uns durch Bewertungen und formalisiertes Feedback von der Wahrnehmung anderer zu profitieren. Aber die Gefahr ist eben groß, dass wir dadurch den Raum für eigene Wahrnehmungen und Erfahrungen reduzieren. Der Teufel steckt in der Dosierung. Muss ich wirklich stundenlang Bewertungen vor dem Kauf einer Sport-Trinkflasche lesen oder der Toilettenfrau über ein iPad Feedback geben? Über ein Dankeschön und 50 Cent freut sie sich wahrscheinlich mehr.

Feedback ist ein Geschenk – eine unerwartete Wertschätzung, eine persönliche Geste, etwas Besonderes. Sollte man so ein Geschenk nicht persönlich überreichen?

Doch nun zum eigentlich Grund dieses Beitrags. Da ich wie immer, keine der Dinge, die ich hier postuliere, selber beherzige: hier der Link zu einer Leserzufriedenheitsbefragung. Ich bitte um rege Teilnahme. Unter allen Teilnehmern wird ein persönliches Meet & Greet verlost. Die Verlosung ist dabei nicht zufällig und wird aufgrund ohnehin geplanter Zusammenkünfte und allgemeiner Zuneigung vorgenommen. Und ich denke wir alle wissen, wer der „dreifache“ Gewinner sein wird.




Was werde ich, wenn ich doof bin?

Breakfast Bowl Essen von oben

Liebe Kinder,

heute möchte ich euch in unserer Unterrichtsreihe „Was werde ich, wenn ich groß bin“ einen wirklich tollen Beruf vorstellen. Letzte Woche haben wir über Lehrer, Ärzte und Schauspieler gesprochen. Doch das klang nach einer Menge Arbeit, oder? Der heutige Beruf für Sitzenbleiber hingegen verbindet das alles und ist eine viel aufregendere, bedeutsamere Arbeit, die aber nicht jeder von euch erlernen kann. Auch wenn man dafür gar nichts können muss. Und auch nichts lernen.

Ihr arbeitet mit wichtigen Menschen, also eigentlich vor allem mit euch selbst, zusammen. Ihr könnt den ganzen Tag zuhause sein oder einfach verreisen. Ihr werdet ganz viel ausschlafen und nie müde, ganz viel essen und nicht dick, ganz viel besitzen und nicht reich. Ihr werdet zerrissene Hosen tragen und seid trotzdem angezogen. Ihr sammelt ganz viele Freunde und Herzchen-Emojis und seid trotzdem alleine.

Heute geht es um den Beruf des „Influencer“.  

Aber was macht ein Influencer eigentlich? Ich habe euch ein paar Bilder mitgebracht, die euch zeigen, wie der tolle, aber anstrengende Arbeitsalltag eines Influencers aussieht. Er erwacht morgens in aller Frühe, schminkt und frisiert sich, legt sich wieder ins Bett und steht dann mit der Mittagssonne gut gelaunt und total ausgeschlafen auf. Hello World.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram caro_e

Zum Frühstück löffelt der Influencer dann alles, was das Hotelbuffet hergibt – immer aus einer einzigen Schüssel. Das mit dem Schneiden und Zerkauen fester Nahrung mag er nicht. Er mag sein Leben gerne breiig und löffelweise. Meistens legt er alle Zutaten in einer auf halb eins ausgerichteten, geraden Linie in die Schale – die Technik hat er vom frühkindlichen Koksen gelernt – und bedient sich ergänzend bei der Blumendeko am Buffet oder den Süßigkeiten vom letzten Karnevalszug der Kinder.

 

Instagram Influencer
Quelle: Instagram annafrost

Er nimmt sich dafür (too) much time – weil er noch auf den Postboten wartet, der ihm vermutlich eine Einladung zur Blogger-Konferenz in Bielefeld und die neue EINKAUFAKTUELL mit dem schwierigen Sudoku vorbeibringt.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram lindarellade

Ausgeschlafen und mit einem ganz dicken, voll gefressenen Bauch startet der Influencer schließlich  mit einer kleinen Fahrradtour (Distanz ca. 20m Holzsteg) in den Tag – ausgestattet mit Blumenkörben, seiner für diesen Moment auserwählten besten Freundin Bestie und diversen Fotofiltern. Der bescheidene Influencer needs nothing else.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram caro_e

Nach der Anstrengung springt er zur Abkühlung mit einem great shot in einen hübschen Pool und in das Gesicht eines Kleinkindes.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram caseyneistat

Nachdem er seinem Kind das Gesicht zertrümmert hat, zeugt er dann im Wasser so gleich ein paar neue kleine Influencer oder reitet auf hübschen aufblasbaren Gummitieren. So adorable.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram collagevintage

Manchmal reitet er auch auf einem richtigen Pferd – im Bikini an tropischen Stränden zum Beispiel in Nordamerika. Summer loving im Mai in Kanada. What an experience.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram luisalion

Naja oder er sitzt halt auf dem Gaul und denkt traurig an seine haarlosen, geruchsneutralen Gummitierchen. Einhörner oder Flamingos sind dem Influencer doch immer noch am liebsten. Schrill, bunt und voller heißer Luft sind sie eben einfach seine soulmates, seine loved ones.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram novalanalove

Natürlich macht der Influencer auch ganz alltägliche Dinge. Wie zum Beispiel Sport im Wattenmeer und Wäsche waschen.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram fionaerdmann (wie passend)

Oder er erledigt – trotz sehr, sehr vieler Nahrungsspenden, die ihn täglich erreichen – ein paar Einkäufe im Edeka. Burritos kauft er dann am liebsten im bequemen Döneroutfit.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram philjacob

Irgendwann ist auch ein Influencer mal müde von so viel Aktivitäten. Er ruht sich dann gerne auf der Straße sitzend aus – vorzugsweise in sonnigen Kurvenlagen. Klingt gefährlich, ist es aber nicht – ein einflussreicher, erhobener Arm, eine dicke Schicht Filter und ein Airbag voller luftleerer Likes schützt ihn ganz doll.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram dagibee

Ich könnte euch noch viel mehr von diesem spannenden Beruf erzählen, aber ihr möchtet jetzt wahrscheinlich nur eines wissen: wie werde ich Influencer?

Das ist ganz einfach. Es gilt einfach ein paar simple Dinge zu beachten:

  • Fotos: deine Hauptaufgabe besteht darin Videos oder Fotos von dir in ein soziales Netzwerk deiner Wahl zu stellen, die tägliche, un- ok überschminkte, schonungslose Wahrheit. Dabei gibt es zwei Arten von Bildern, die du verwenden solltest: zum einen Selfies, bei denen du einen Gesichtsausdruck machen solltest, als ob du gerade die Wurzel aus 34.987 ziehst und als Ergebnis einen Pups entfahren lässt. Zum anderen gibt es Fotos von dir aus der Ferne, bei denen du verklärt in den undefinierten Horizont und niemals in das Gesicht deines Gegenübers schaust. Selbst wenn dein Gegenüber gerade sagt „Ich liebe dich“ oder „You are a little too much for me“. Niemals Blickkontakt zulassen – geradeausschauen fällt dir bei deiner neuen klumpigen Mascara-Vollverschleierung in letzter Zeit eh recht schwer.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram jolinamennen

 

Instagram Influencer
Quelle: Instagram marenwolf

  • Sprache: deine Fotos musst du natürlich entsprechend beschriften und katalogisieren. Keine Angst, du musst dazu weder Deutsch noch Englisch beherrschen, schon gar nicht Groß- und Kleinschreibung. Zu verwenden ist eine ausgeklügelte Zeichensprache, stark gestotterte Emojiglyphen. Aber keine Sorge: die Simpsons, ein braunes Äffchen und deine Follower übernehmen das alles gerne für dich.
  • Kleidung: Die Dienstuniform des Influencer ist einfach, aber strikt: Sneaker, zerrissene Jeans und idealerweise Grabgestecke auf dem Kopf. Eine chiemseegroße Sonnenbrille oder das Gestell von Opa mit Fenstergläsern rundet die Tracht formverendend ab. An einem Bad Hirn Day solltest du dein Outfit durch stilvolle Accessoires wie Hundewelpen, Schwangerschaftsbäuche oder Partner, die dich hocheben (#hebebühne), aufwerten.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram santiagos_munez

 

Instagram Influencer
Quelle: Instagram marenwolf

  • Ernährung: anders als dir deine Mutter das beigebracht hat, ißt du alles was dir Fremde geben. Egal ob es Kinderriegel oder Gesichtscreme ist. Wobei du verzehrst das alles nicht wirklich – dann würdest du zu breit für das enge quadratische Format. Du machst ein hübsches Foto, schreibst yummy oder #foodporn darunter und verkaufst die nach Tapete schmeckenden, überteuerten Gaben dann bei Ebay. Deine Ernährung basiert einzig und alleine auf klarem Korn, den du in Coffee to go Bechern durch die Fußgängerzone deiner Kleinstadt trägst. Korn ist schließlich einfach ein tolles Produkt.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram luisalion

 

Instagram Influencer
Quelle: Instagram model_bianca_

  • Einkommen: du bist eine Wohltätigkeitsorganisation, die von Sach- und Geldspenden lebt. Das wunderbare daran ist, dass dich die Spender alle ausnahmslos richtig gut kennen. Sie schenken dir immer genau deine allerliebsten Produkte. Alles Dinge, die du wirklich magst und auf die du dein Leben lang gewartet hast – während du mit einer Ananas auf einer Parkbank oder mit Dünnpfiff auf einer Kloschüssel sitzt. Everything is gut verdaute flowers & pineapples.

Instagram Influencer
Quelle: Instagram novalanalove

 

Instagram Influencer
Quelle: Instagram pilotpatrick

Und nun die beste Nachricht zum Ende der Stunde: ihr könnt mit der Influencer-Karriere bereits jetzt als Kindergeldempfänger anfangen. Ihr müsst euch einfach mit eurem Frühstücksmüsli und zusammengekniffenen Wangen fotografieren. Fangt ruhig mal mit euren Smacks morgen früh an. Also hoch die Daumen – wer von euch möchte Influencer werden?

Gut, dann followed mir mal alle in den Tindergarten – dort erkläre ich euch dann die genaue Deklination und Viralität der vielen verschiedenen Herz-Emojis. 😘😍❤️💛💚💙💜🖤💔❣️💕💞💓💗💖💘💝💟♥️😻