Ein blindes Huhn sagt mehr als tausend Worte.

Schellenaffe Das Leben ist schön Sonne Kinderspielzeug Affe mit Becken

Das Scheben ist so lön. Es hält so viele Lacher, Freudentränen und Schmunzler für uns bereit, ohne dass man sich besonders anstrengend müsste. Die stetig sprudelnde Quelle dieses unerschöpflichen und unerwarteten Lohfrockens ist eine einfache Lebensweisheit von Millionen von Erdenbürger: erst reden, dann denken.

Da fragt man, ob es das Schuhpaar auch eine Grummer nößer gibt. Man bestellt, eine Flasche Gas ohne Wasser. Man sagt „Links“ und geht nach rechts.  Man bewundert im Amerika-Urlaub, dass die Kinder hier so gut Englisch sprechen. Da winkt man mit dem Pfaunzahl. Da sitzt man im Zugfleug und erklärt der Stewardess gönnerhaft, dass man definitiv auf dem richtigen Platz säße – um dann darauf hingewiesen zu werden, dass man sich auf dem Platz der eigenen Gatenummer befände. Welch bunderwahrer Pauxfas!

Gesichter Augenbrauen

Noch mehr Frund zur Greude birgt das Leben, seit es Autokorrektur gibt. Getreu dem Motto „Erst senden, dann lesen“  freuen wir uns  auf „Endlich Feuerbestattung“ (Feierabend). Wir suchen unsere Brüste (Bürste), wir haken Tod (Todo) Listen ab, wir treffen uns auf ein Weibchen (Weinchen) und dürfen dabei Hunde aufessen (aufpassen). Das Leben weiß es einfach, uns positiv zu überwachen (überraschen). Und für Spannung zu sorgen: klicken wir auf Antworten anstatt auf Weiterleiten sind wir gespannt, ob sich der ursprüngliche Sender bei „Dieses Ausmaß an Inkompetenz habe ich in der Form noch nie erlebt“ tatsächlich geschmeichelt fühlt. Oder die Geschäftsbeziehung feuerbestattet.

Großartig, genau davon brauchen wir mehr. Mehr Lügelzosigkeit! Mehr feinliche Pehler! Mehr linnsose Assaugen! Denn ein blindes Huhn sagt schließlich mehr als tausend Worte.

Ich möchte – trotz inhaltsleerer Wahlplakate und narkotisierender TV-Duelle – regiert werden von Schartin Mulz oder Mangela Erkel. Ich möchte würzigen Bamemcert  an der Trischefheke meines Ekedas bestellen. Ich möchte nach Rostock an der Nordsee fahren und Bischfrötchen essen. Ich möchte die Poffer kacken und kühle, prisch gefresste Camaruja-Schorle unter einem Schonnensirn trinken – in Madrid, Mailand, Hauptsache Italien.

Es hacht das Lerz. Es keppert der Schopf. Oh das Scheben ist so lön!




I`m hangry – nice to eat you.

Hangry Foodart peaches Pfirsich angry sad traurig wütend

Ein Geständnis: Ich neige dazu hangry zu sein. Ich werde – wie der Bayer so treffend sagen würde – grantig, wenn ich nicht regelmäßig mit Nahrung versorgt werde. Egal wie das Wetter, der Kontostand oder die Weltpolitik sich mir präsentieren – meine Gemütslage wird im Wesentlichen von meinem Gastralsystem gesteuert. Die Laune hört einzig und alleine auf meinen Bauch. Genauer: auf den Füllstand meines Bauches. Der Einfachheit halber kennt dieser eigentlich nur zwei Aggregatzustände: hungrig oder überfressen. Dazwischen gibt es nur flüchtige Phasen, die so schnell verfliegen, wie der wohlige Klang eines Bäuerchens. Erlebst du mich in der hungrigen Phase fantasiere ich abwesend von Cupcakes und Cannelloni. Bin ich überfressen sprichst du mit einer körperlichen Hülle, die ihrem Verdauungsapparat gerade Kampfparolen (Go, Dickdarm, go!) zuruft . Ich bin also nie wirklich geistig anwesend – das wollte ich dir hiermit medium rare einfach mal sagen. Ich hab einen an der Waffel. Waffel? Hat jemand Waffel gesagt? Wo?

Menschen, die behaupten sie machten sich nichts aus Essen verachte und bewundere ich zugleich – so wie DJ Bobo. Aber mal ehrlich, welcher seriöse, selbst respektable Menschen, der auf einem Planeten lebt auf dem es Handbrot gibt, sagt so etwas überhaupt? Um alle diejenigen, die sich aufgrund gesellschaftlicher Konventionen zur geistigen Magenverkleinerung zwingen und sagen „Nein, nein ich bin satt“, zu entlarven, bediene ich mich eines anerkannten Analyse-Werkzeuges: des völlig willkürlichen zweistufigen Selbsttests – gemeinhin bekannt aus Frauenzeitschriften und Büchern von David Precht.

Stimmst du einer der untenstehenden, in einem aufwendigen Auswahlverfahren definierten Fragen mit Ja zu erhältst du ein Grillhähnchen. Am Ende der Befragung zählst du deine Grillhähnchen zusammen und erfährst, wie es um deinen Körperfettanteil bestellt ist. Und wie du ihn reduzieren kannst! Garantiert.

  • Ich teile nicht gerne mein Essen.
  • Ich wäge ab, wie viel du mir von meinem Essen weggenommen hast, wenn ich dich aus aufrichtiger Zuneigung dennoch probieren lasse.
  • Ich versuche stets unauffällig das größere Stück zu bekommen.
  • Ich esse schnell – aus reiner Gier.
  • Ich finde Essen manchmal besser als Sex.
  • Wenn im Büro Kuchen herumsteht, nehme ich mir meist mehr als ein Stück. Manchmal sogar ohne dem Geburtstagskind gratuliert zu haben.
  • Ich mache mehr Fotos von Essen als von Freunden.
  • Ich sage beim Frühstück, Mittagessen und Abendessen jeweils , dass es definitiv meine Lieblingsmahlzeit ist.
  • Ich erreiche maximale Sättigung durch den stetigen Wechsel zwischen süß und salzig – und bin immer wieder beeindruckt, was ich durch diese ausgefeilte Technik erreichen und -essen kann.

Ist die Anzahl deiner Grillhähnchen größer gleich eins, gehe zum zweiten Teil des Tests über. Wenn nein, verlasse bitte meinen Blog. Unmittelbar. Danke. Der zweite Bestandteil des Selbsttests besteht aus einer Formdeutungsanalyse – dem aus der Psychologie bekannten Tintenfischringetest. An dieser Stelle warne ich vor etwaigen pornografischen, lustfördernen Inhalten. Schaue dir folgende Abbildung eingehend an:

Essen Hunger Foodporn Gerichte Kuchen Kaffee Burger Sushi Drinks Fisch Steak

Bewerte nun deinen eigenen Speichelfluss auf einer Skala von 1 (so trocken wie der Humor von Angela Merkel) bis 10 (die afrikanischen Victoria Fälle im indischen Monsun). Multipliziere diese Zahl mit der Wurzel der Anzahl Grillhähnchen und dividiere diese wiederum mit der Quersumme deines Body Mass Indexes. Dann addiere die Kilogrammzahl deines letzten Steaks oder Tofubratlings und subtrahiere dieses Ergebnis wiederum mit der Anzahl angebrochener Nudelpackungen in deinem Schrank – quadriert mit der letzten Ziffer deiner Telefonnummer. Das Ergebnis deiner Berechnungen lässt sich dann wie folgt bewerten:

Was stimmt eigentlich nicht mit dir?

Hast du all diese albernen Berechnungen vorgenommen, weil du sehnsüchtig auf die ankündigten Diättipps wartest, mit denen du deinen Hunger in passable Konfektionsgrößen lenken möchtest? Doch das war eiskalt – wie gutes italienisches Eis – gelogen. Diäten sind fett- und geschmacklose Selbstverstümmelung – mit mageren 0,1% Sinnanteil. Für alle diejenigen, die nun mehr angry als hangry sind angesichts dieser Unverfrorenheit – esst Grillhähnchen. Ruhig ein paar. Die trösten dich. Oder Waffeln. Waffeln? Hat jemand Waffeln gesagt? Wo?

Hangry Foodart peaches Pfirsich happy




Kopf hoch – genug der frommen Gesichtsbestrahlung!

Jesus Smartphone Handy Religion

Gemeinhin wird behauptet, unsere westliche Gesellschaft habe jeden Glauben verloren. Gottlos, ohne religiösen Halt taumeln wir durch unser Leben. Wir scheinen an nichts zu glauben außer an uns  selbst und vielleicht noch an die Kraft von Misteltee. Wir meiden Gotteshäuser und kennen Kirchendiener nur als Karnevalskostüme. Doch der frevelhafte Schein trügt. Immer wieder ist zu beobachten, wie Menschen allen Alters fromm ihre Häupter neigen. Wie sie ihre Hände vor der Brust vereinen. Wie sie innehalten, um sich erleuchten zu lassen.

Und sie werden erleuchtet.

In der Regel vom Display eines Samsung Galaxy oder iPhone 6S.

Smartphones sind unsere neue Religion geworden – sie weisen uns den Weg durch dieses diffuse irdische Leben. Wir spüren ihre erbebende Nähe, auch wenn wir sie nicht sehen. Wir bekreuzigen uns vor ihnen (PIN). Wir lauschen ihren Chorälen. Wir studieren ihre Psalme. Mit geneigten Häuptern und der Geschwindigkeit einer Springprozession laufen wir durch diese Wirklichkeit – mit dem stetigen Gedanken an unsere Funkverbindung nach da oben.

Die vereinnahmende Stärke dieser auf der Leistungsfähigkeit eines Akkumulators basierenden Glaubensgemeinschaft besteht zum einen in ihrer Einbindung in den Alltag. Wir brauchen keine Tempel, keine Festtage, keine Opferkerzen. Dem Smartphone-Gott huldigen wir überall. Konzerte erleben wir durch unser göttliches Auge. Abendessen werden durch Bibelzitate erhellt.  U-Bahnfahrten werden durch geistliche Gesänge begleitet. Selbst im Bett halten wir noch für gewöhnlich für ein kurzes, letztes Stoßgebet inne. Die Verbreitung dieser Religion ist gewaltig: hartnäckig wie Zahnbelag hält sich das Gerücht, dass mehr Menschen ein Mobiltelefon besäßen, als eine Zahnbürste. Egal, ob es stimmt oder nicht, die Tatsache, dass es stimmen könnte spricht für sich.

Zum anderen bietet diese LTE-ligion so viele Antworten – auf Fragen, die wir uns vielleicht gar nicht gestellt haben. Wir interagieren mit unseren Telefonen im Schnitt 140-mal – pro Tag. Ich kenne Menschen, die weniger Schritte an einem Tag absolvieren, geschweige denn mit so vielen Erdenbürgern sprechen. Neben der „Kommunikation“  mit anderen Glaubensbrüdern und –schwestern verbringen wir die meiste Zeit jedoch damit Dinge zu suchen  und unseren Gott allerhand zu fragen. Das Ganze gleicht weniger der Suche nach dem Sinn – als der Suche nach dem Unsinn:

Unsinnige Google Search Anfragen Google Suchanfragen

Doch bleibt die Frage: verblendet so viel Frömmigkeit den Blick für das Irdische? Denn die Kehrseite der Religiosität ist: Das Dogma der blauen Doppelhäkchen. Wir spüren den permanenten Druck des Reagieren-Müssens und die Angst etwas zu verpassen. Auch wenn sich nicht jeder ohne Handy direkt dem Jüngsten Gericht ausgeliefert fühlen mag – irgendwie unbehaglich ist es schon. Und sei es, weil man nichts in der Hand hat, mit dem man einem ermüdenden Gespräch oder erdrückendem Schweigen aus dem Weg gehen kann.

Doch eigentlich gibt es keinen Grund für Unbehagen: Wie oft hast du tatsächlich mal eine wichtige Nachricht verpasst? Wie oft hat dich dein Handy schon in eine Sackgasse navigiert? Wie oft konnte ein Telefonat nicht warten, bis du die U-Bahn verlassen hast? Durch welche Linse hast du dein letztes Konzert gesehen? Und die wichtigste Frage: musst du genau jetzt ein Katzenbaby-Video mit „Gefällt mir“ in den globalen Kontext einordnen?

 

Alte Frau ohne Handy Frau Menge Smartphone (c) Boston Globe
© Boston Globe, John Blanding
Lass den kleinen Kasten aus Plastik, Metall und Algorithmen doch einfach mal zuhause. Auch wenn dein Gegenüber vielleicht nicht gottgleich ist – schaue ihm oder ihr doch einfach mal wieder ins Gesicht. Laufe mal wieder ohne Ziel und Zeitplan los. Mach mal wieder Bilder – mit deinen Augen. Sei unfrömmig!

Und um dich von deiner drängendsten existentialistischen Frage zu erlösen: 1.70. So groß ist Putin. Und ja Schnittlauchblüten kann man essen. Muss man aber nicht. Herrgott!

(Du kannst das Ding eigentlich gleich die ganze Woche ausgeschaltet lassen – bis Montag verpasst du eh nichts.)




Heute mache ich mir kein Abendbrot, heute mache ich mir Gedanken.

Gedanken Brot Kopfkino

Herzlich Willkommen, treten Sie ein! Heute präsentieren wir Ihnen eine ganz besondere Vorstellung – die Privatpremiere des neusten Blockbuster von Starregisseur und Hauptdarsteller Du Alleine. Das cineastische Highlight wurde kürzlich in Cannes mit dem Goldenen Cortex in der Kategorie frauenaffines, emotionales Genrekino prämiert und überzeugt das zur Selbstkritik veranlagte Publikum im Sturm:

Kopfkino – eine Reise aus der Wirklichkeit.

Kopfkino

Die mitunter verworrene Handlung dieses Meisterstücks wird Sie in den Bann ziehen: eine vornehmlich weibliche Hauptrolle irrt durch die Zeit. Die Handlung erscheint zunächst simpel, geradezu banal und alltäglich. Mahlzeiten, Meetings, Migräne.

Doch hören wir permanent eine unruhige Erzählerstimme aus dem Off – brillant gespielt von Mind Talk. Mind Talk kommentiert das gesamte Geschehen. Er ist immer da. Er deutet das Verhalten der Haupt- und Nebenfiguren („Die beiden bekommen ein Kind? Das heißt sie hatten…oh Gott.“) und baut eigene Kurzgeschichten in die Handlung ein („Er schaut mir auf den Mundwinkel – hab ich da noch Sauce? Oder hat er einen Silberblick? Oder möchte er mich küssen? Wie schön es wäre unseren Kindern einmal sagen zu können ‚Spaghetti Arrabiata hat Mami und Papi zusammengebracht‘ “).

Ruht die Hauptdarstellerin kommt Mind Talk so richtig in Fahrt. Er beginnt von Traumprinzen, Traumreisen und Traumkarrieren zu berichten. Sein Ideenreichtum scheint schier unendlich. Noch in der einen Szenen fiebrig fantasierend, erleben wir ihn im nächsten Moment bereits wieder zweifelnd und sorgenvoll. Kopfkino ist ein Karussell der Worte, Bilder und Emotionen.

Immerhin schweigt die Erzählerstimme in zwei Szenen und das Karusell scheint für einen Moment stehen zu bleiben: beim Biss in ein Nutellabrot (um danach umso vehementer mit einem Kurzreferat über die menschliche Kalorienbilanz wieder einzusteigen) und wenn Du Alleine betrunken ist. Sehr betrunken. Dann ist es still und man hört nur noch das wohlige Lallen der Hauptdarstellerin und beobachtet gebannt, wie sie in ein Gebüsch fällt.

Doch was macht die Faszination des Kopfkinos aus? Warum sind ihm so viele geradezu verfallen und campieren bereits in den gemütlichen Kinosesseln?

Warum machen wir uns Gedanken statt Abendbrot?

In unseren Gedanken stellen wir uns Dinge vor, interpretieren Unverständliches und konstruieren unsere eigenen Geschichten. Geschichten, die uns zu Tränen rühren, träumen lassen oder traurig stimmen. Wir erleben den eigenen Independence Day, den Untergang der Titanic oder Tatsächlich Liebe. Alles ist möglich dank der Kraft unserer Vorstellung. Ist die Realität diffus und mehrdeutig, schafft Kopfkino Klarheit in unseren scheppernden Köpfen.

Kopfkino vervollständigt die unvollständigen Sätze, die uns das Leben hinwirft.

Doch birgt das Genre eine Gefahr: während Reality TV eine public viewing Veranstaltung für jedermann ist, schauen wir Kopfkino alleine. Wir alleine definieren demnach den Übergang zwischen Wirklichkeit und Wünschen. Rein subjektiv ist dabei unser Skript. Die Abstufung zwischen Interpretation und Projektion ist dabei so verschwommen, wie das Kinoerlebnis eines Kurzsichtigen ohne Brille.

Seien Sie sich also gewahr: wenn sie den Kinosaal verlassen – und das müssen Sie irgendwann, denn von Popcorn und Leinwandlicht kann ja keiner existieren – werden Sie Ihr Leben mit anderen Augen ansehen. Die anderen schauen Sie und Ihre mit Sauce verschmierten Mundwinkel jedoch immer noch mit den gleichen, angewiderten Blicken an.

Angewidert? Mind Talk würde jetzt sagen: amüsiert!




Der beste Job der Welt – fighting #firstworldproblems

Kennst du das auch: du möchtest eine Kiwi mit ins Büro nehmen, wirfst sie frohgemut in deine Tasche und kaum am Schreibtisch angekommen stellst du fest, dass du Kiwi-Smoothie auf dem Weg zu Arbeit produziert hast? Passierte Kiwi – passiert mir ständig. Ein Problem der Kategorie bestürzend.

Oder du möchtest dir ein frisches Müsli mit Banane machen. Messer und Banane in der Hand haltend fängst du an zu zittern, Schweißperlen bilden sich auf deiner Stirn, dieser Projektaufbau bestehend aus scharfem Gegenstand und erotisierender Frucht überfordert dich. Du legst dich weinend auf den Küchenboden und nuckelst abwechselnd an deinem Daumen und besagter, ungeschnittener Banane. Ein wiederkehrendes Trauma.

Oder du triffst dich mit Freunden zum Picknick im Park. Einer bringt ein Sixpack-Bier mit und du fragst dich im Laufe des Abends wie viel Bier in dem Sixpack war? Sieben? Drei Flaschen? So schnell verliert man den Überblick über sein Leben.

Doch gibt es Hoffnung und eine Lösung für alle deine Lebenskrisen. Wirklich alle.

Tchibo.

Kein Konzern ist so visionär und einflussreich wie dieser Bauchladen aus Hamburg. Ob die Kiwi-to-go-Box („Geschützter Transport und einfaches Essen unterwegs“), der Bananen-Blitzschneider („Mit einem Schnitt 6 Scheiben“) oder der mitzählende Flaschenöffner („Wow-Sound nach der 6. Flasche“) Tchibo nimmt sich der Ängste und Nöte einer von zu viel unsauber geschnittenen Bananenscheiben übersättigten Gesellschaft an.

Du denkst, du hast keine Probleme – dann schafft dir Tchibo gerne welche. Den feindlichen Früchten abgeschworen, entdeckst  du vielleicht Sport als gesunden Ausgleich. Du gehst joggen. Merkst jedoch schnell, dass du deiner eigenen Kondition leichtfüßig davonläufst und dich wie ein Energiefrosch („Ein kleiner Frosch mit großer Ausstrahlung“) fühlst. Tchibos Antwort auf diese Überheblichkeit: der Sprintfallschirm. In einem Sprintfallschirm über der Stadt fliegend, wirken die #firstworldproblems in der Tat gleichmäßig zerkleinert.

Kann man sich also einen besseren Beruf, als den des Produktentwicklers bei Tchibo vorstellen? Du zerschneidest (Kirschtomatenschneider), vakuumierst (Vakuum-Weinverschluss) oder dekorierst (Butterstempel „Skala für leichtes Portionieren und Blumenmotive zum verzieren“) tagtäglich die Probleme eines zur Lebensunfähigkeit veranlagten Millionenpublikums. Stell dir vor, du kannst deinem Date sagen, du hast den Smartphone-Schmuckstecker, Fuchs und Eule oder den Bommel-Maker (für „Pudelmütze oder putziges Tierchen“) erfunden. Die Fußmatte „Just married“ und die WC-Bürste mit Kindersicherung („damit man die Bürste nicht irgendwann im Kinderzimmer wiederfindet“) solltest du von deinen Firmenrabatten zeitnah bestellen. James Bonds Q wirkt gegen dich wie ein debiler Opi, dem die Gelenkwärmer, die Blutzufuhr zum Kopf abschnüren.

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Ein echter Traumjob. Um nun meinem Wunsch ins Entwicklungsteam aufgenommen zu werden sanft vakuumierten Nachdruck zu verleihen,  hier ein paar erste Produktinnovationsideen:

„Döner-To-Go Box inklusive Federung für sanften Anpressdruck – Ali wird staunen.“

„Schnittblumen-Vakuumierer in Form einer Vase in Eulengestalt – für zwar zerdrückte, aber dauerhaft frische Blumen.“

„Mohn-Zahnzwischenraumreinigungsset – der praktische Pinsel mit Ultraschall-Sensorik entfernt lästige Mohnkügelchen auch aus der verwinkeltesten Hackfresse. Mit Aufsteckbürste für Schnittlauch.“

„Avocado-Schneideset bestehend aus einem Kettenhandschuh und stumpfen Messer. Ideal auch für Mittelalterfestspiele.“

Bei aller Innovationskraft und Erfahrung für saisonale Trends wundert es mich, dass Tchibo eine Marktlücke scheinbar übersehen hat.  Aus gegebenem Anlass wäre doch ein G20-Protest-Paket eine wahrlich zündende Konsumidee gewesen: Mit Sprintschirm in Form einer geballten Faust (vor einem Polizisten in kompletter Einsatzuniform kann ja selbst der alte Q weglaufen), ein Rauch-Zerschneide-Set („Für das saubere Filetieren besonders heißer Luft“), den Blitz-Bierhalter („mitsamt Anzündvorrichtung für blitzschnelles Besaufen und Bombardieren“) und den Label-Maker-To-Go („Der ideale Begleiter für das Basteln kreativer Protestschilder im Wegrennen“).

So wäre Bangladesch wenigstens indirekt ein Teilnehmer des Gipfels gewesen.




Feezbuk – Mama, Papa, was macht ihr denn hier?

Facebook Freundschaftsanfrage Deine Mudda Soziale Medien

[Feezbuk]. Was wie ein jiddisches Gericht klingt, ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Umwälzung. Einer unbemerkten sozialen Revolution: Die Generation jenseits der Millennials ist in den sozialen Medien angekommen. Unsere Eltern posten blühende Geranien auf Instagram, checken auf Feezbuk ein, schauen sich Basteltutorials auf Youtube an und schreiben Amazon-Bewertungen für Laubhäcksler. Ob sie tindern möchte ich einfach nicht wissen.

Sozial bedeutet „auf die menschliche Gemeinschaft bezogen, zu ihr gehörend“. Da ist es nur logisch, dass die größte Kohorte unserer Gesellschaft Teil dieses Austausches wird. Und sein muss. Aber muss es meine Mutter sein? Sie, hier? Eine kurze chronologische Bestandsaufnahme.

Die Generation unserer Eltern besaß zwar vor uns ein erstes Mobiltelefon. Die Geräte mit der Ästhetik einer Gegensprechanlage dienten jedoch ausschließlich dazu, Oma Bescheid zu geben, dass wir im Stau stehen. Und das zweite Kind in besagtem Stau mit dem Spielen von Snake ruhig zu stellen (das erste Kind wurde selbstredend mit dem Familien-Gameboy narkotisiert).

Diese Geräte, die Nummernreihen und keine Namen trugen, wurden selten gehört, oft vergessen, nie beherrscht. Und nie gemocht. Skeptisch wurde beäugt wie sich die nachfolgenden Generationen jedes Jahr ein neues Handy zum Geburtstag schenken ließen und sich synchron die chronische Rundrückenhaltung der Juniors zu verschlimmern schien. Computer wurden als bedrohlicher Schreibmaschinen-Ersatz betrachtet und per Ein-Finger-Such-Tipp-System auf Distanz gehalten.

Zur Erziehung der Erzieher verschenkte man selber schließlich iPads und Smartphones. Feierlich nahm Mama das Geschenk entgegen, mit den Worten „Das hat ja keine Tasten. Aber mit dem anderen kann ich doch auch telefonieren?“. Das Gerät wird zwar aus Höflichkeit installiert, aber weiterhin selten gehört, oft vergessen, nie beherrscht. Und nie gemocht.

So dachte die gebeugte Jugend. Bis zu jenem Tag.

„Der-Vorname-Deiner-Mutter Dein-Nachname hat dir eine Freundschaftsanfrage geschickt“.

Meine erste Reaktion: „Mama, ich muss deine Privatsphäreeinstellungen prüfen! Sofort!“ Doch Mutter hat wie unser Weihnachtsmenü auch diesen Coup von langer Hand geplant. Zu lange hat sich die Generation zwischen Rennrad und Rollator von einem wesentlichen Teil der Gesellschaft ausgeschlossen gefühlt. Der virtuellen Gesellschaft. Skepsis und Überforderung sind Neugier und Lernbereitschaft gewichen. Mutti hat eigenständig ein Profil erstellt (vielleicht wurde zunächst versucht bei einer Behörde eine Zulassung zu beantragen), einen schiefen Selfie hochgeladen, ihre Freunde gefunden – und sich schelmisch über die Panik in meiner Stimme gefreut.

Meine zweite Reaktion: „Oh Gott, was hab ich gepostet?“ Ach ne, ich poste ja eh nichts auf Facebook. Erleichterung. Sie schon. Ständig. Mama posted vor („Das nächste Reiseziel ist gebucht“), während („Tolle Scholle an der Ostsee gegessen“) und nach („Schon wieder ein Jahr her? Zeit für den nächsten Besuch“) jeder Reise. Dazwischen hält sie ihre Fangemeinde mit Gartenbildern, Kommentierung der Lokalzeitungsbeiträge und lustigen Tiervideos bei Laune. Ich staune und komme nur schwerlich mit dem Liken hinterher. Anstatt „Kind, zieh dich warm an“ fallen nun Sätze wie „Moment, ich muss noch ein Foto für Instagram machen“. Erst als sie ein Bikini-Foto von mir (“Wow ich wusste nicht, dass meine Tochter ein Sixpack hat“, Kommentar leicht verändert) postete, wurde es Zeit für eine kurze Intervention.

Doch davon unbeirrt wird weiter gepostet, geshared, geliked, was die Mobile-Daten-Verbindungen hergeben. Doch wie konnte es passieren, dass uns die Generation der rüstigen Silberrücken zu überholen scheint?Blumenwiese Garten

Zum einen der Faktor Zeit. Sind wir chronisch gestresst zwischen Beruf, Fortpflanzung und Badezimmer-Putzen sitzen Mutti und Vati im WLAN-versorgten Garten und finden Zeit und Begeisterung darin sich mit neuen Medien zu beschäftigen. Wir treten aus hyperaktiven Whatsapp-Gruppen aus und fantasieren von Digital-Detox-Ferien in der Eifel. Unsere Eltern freuen sich hingegen über jede Nachricht und Neuigkeit. Mutti hat eine 30-minütige Response-Rate – von 100%. Es wundert mich ohnehin, warum noch keiner auf die Idee gekommen ist, zeitkritisches Community Managemet an 50plus outzusourcen, anstatt schlecht bezahlte Werbeagenturlakaien damit zu beauftragen.

Anders als in den vertrauten klassischen Medien wird ihnen die Themenauswahl dabei nicht vorgegeben und die Interaktion auf einen sehr zeitversetzten Leserbrief beschränkt. Das „Alles. Jeder. Jederzeit.“ der neuen Medien beängstigt und berauscht sie zugleich.

Zum anderen kommt der Faktor „sozial“ hinzu. Unseren Eltern nutzen soziale Medien genau wofür sie erschaffen wurden: für sozialen Austausch. Nicht um Neid zu schüren, um die Dicke der eigenen Oberschenkel zu demonstrieren oder mittels Herzchen-Anzahl unter einem Post die eigene Wichtigkeit zu quantifizieren. Diese Generation verwendet keine Filter. Was soll der Quatsch? Das Leben ist auch so schön genug. Facebook, Whatsapp und Instagram werden tatsächlich genutzt, um Freundschaften zu pflegen, sich von anderen Menschen inspirieren zu lassen und um Anteil zu nehmen, an allem was jenseits der Geranienkübel passiert. Ehrlich. Aufrichtig. Interessiert.

Anstatt also ihr Verhalten zu belächeln und beäugen, sollten wir nicht ungefiltert einsehen, dass wir der „alten“ Generation nicht gönnerhaft etwas beibringen, sondern dass wir voneinander lernen können? Eine Erkenntnis, die wir selten hören wollen, oft vergessen, nie beherrschen. Aber eigentlich mögen sollten.

Und wer weiß, vielleicht verhelfen unsere Eltern ohne unser Wissen bereits Studi-VZ zu einer Renaissance. Eine kleine Familien-Reunion in der Gruppe „Wenn ich alt bin, werde ich nur nörgeln. Das wird ein Spaß“ ist doch irgendwie ein erwärmender Gedanke und in der Tat ein Spaß.




Jammern als Kulturgut – warum ich meine erstgeborene Tochter Mimimi nenne.

Mimimi Tasse Gesicht

Es ist eine deutsche Tradition junge Generationen nach großen identitätsstiftenden Einflussgrößen jener Zeit zu benennen. Friedrich. Wolfgang. Karl. Katharina. Meine erstgeborene Tochter wird daher einen ebenso identitären Namen unserer modernen Bundesrepublik tragen.

Sie soll Mimimi heißen.

Stiftungen, Straßen und Parks werden nach ihr benannt werden. „Kennst du das Café Ecke Mimimimeile und Einhornallee?“ „Wir präsentieren Ihnen den Ehrenträger der Mimimi Kotzlowski Stiftung für destruktive Weltanschauungen.“

Jammern ist nun mal Deutschlands wertvollstes Kulturgut. Wo Franzosen philosophieren, Italiener la bella vita propagieren, wo Skandinavier stilvolles Design und Familienglück für sich abonnieren – da jammert, motzt, zetert und hadert der Deutsche. Welch Leidenschaft! Großartig! Nichts verbindet eine Gesellschaft mehr als ein einstimmig genuscheltes „Naja, geht so.“

Jammern Na ja Mimimi

Ehrlich, direkt, unverfroren legt der Deutsche den Finger in die – sich sicherlich entzündenden – Wunden unserer Gesellschaft. Das von zu kalkhaltigem Wasser getrübte Glas ist immer halb leer. Das Wetter zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken. Was regt er sich über zu viele Baustellen, zu viele marode Straßen, zu hohe Spritpreise, zu billige Fertigbrötchen auf. Und wie dankbar sind die Deutschen ihrer Bundesbahn. Ohne sie wäre der Alltag nur halb so bemotzbar. Kein Unternehmen transportiert so viel Hass und so viele Menschen zugleich. Das Sinnbild der deutschen Jammerkultur sind nicht zuletzt die Mundwinkel ihrer eignen Regierungschefin.

Um ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen: dem Jammerbürger geht es nicht um die Glorifizierung der Vergangenheit (unsere erinnerbare Geschichte ist ja auch eher nichts wo man sagt „Mensch toll, diese Einmärsche in fremde Länder und Nachkriegsarchitektur“). Es geht einzig und alleine um die Gegenwart, die eben äußerst mimi-mies ist. Ändern möchte man an den Umständen nichts. Warum auch? Dann würde man sich um seine jammervolle Zukunft berauben. Es geht lediglich um eine sachliche Bestandsaufnahme der katastrophalen allgemeinen Gemengelage.

Skurril wird es, wenn der Deutsche auf Reisen geht. Denn: deutsche Motzerei macht niemals Urlaub. Sie kommt an idyllischen Karibikstränden und in flirrenden Metropolen erst richtig in Fahrt. Rikscha-Fahrten zum Preis einer Salatgurke? Zu teuer. Die Klimaanlage ist zu kalt. Der Kaffee zu stark. Gegessen wird zu spät. Mein Gott, und dieser Lärm überall. Der Deutsche antwortet getreu seiner Ideologie als Einziger auf die Frage „Hi, how are you?“ mit „Schon mal besser. Hab Herpes und vermutlich ein Mahnschreiben meines Vermieters im Briefkasten.“ In der Ferne ertappt er sich sodann dabei, festzustellen, dass in der Heimat vielleicht doch nicht alles menschenunwürdig ist. Wie war der Urlaub? „Schön, aber wir hatten keinen Meerblick und das Wetter war sehr wechselhaft. Und schau dir jetzt meinen Rasen an. Desolat.“

Von Flensburg (zu flach) bis Garmisch (zu bergig), von Aachen (zu alt) bis Leipzig (zu jung), von Berlin (zu modern) bis München (zu traditionell) – nichts verbindet dieses Land mehr als seine Kultur des Haderns und Heulens. Herrlich. Was freue ich mich auf die Zeit, wenn ich mit Mimimi über zu volle Autobahnen fahre, in verspäteten Zügen oder an niemals fertiggestellten Flughäfen sitze und ich ihr das weinerliche Wesen der deutschen Kulturnation näherbringen kann.

Und wenn es ein Junge wird? Naja, geht so. Heißt er halt Mimirich.