Ausgesorgt.

Man möge sich vorstellen, Deutschland wäre Italien. Wenn wir nicht gerade Pizzen mit Sauerbraten belegen, Audis in der Größe und Farbe einer Dose Tomaten produzieren und Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger aneinander gedrückt ausdrucksvoll an die Stirn führen würden, dann würden wir an diesem sonnigen Wochenende vermutliches eines tun: in Autokorsos durch die Straßen fahren und unserer Freunde durch das wiederholte Betätigen eines akustischen Signalgebers Ausdruck verleihen. Wir würden ein krisenresistentes Gesundheitssystem, einen soliden Staatshaushalt und vernünftig agierende Politiker behupen und bejubeln, „fantastico!“ Wir würden Laternenpfähle umarmen, weil wir nicht wüssten, wohin mit all unserer elektrisierenden Liebe und strahlenden Emotionalität.

Doch wir sind nicht Italien. Wir sind Deutschland, das Land der sachlichen Feststellungen und Schwimmverbote für Abwasserkanäle. Das Land, in dem die Frage „Wie gehts“ mit einem lebensbejahenden „Muss ja“ beantwortet wird. Das Land, in dem das Glas nicht nur halb leer ist, sondern morgen sicher ganz leer, verkalkt, rissig und abgestanden. Wenn es uns nicht eh irgendjemand vorher schon wegnimmt. Deutschland scheint nicht an Dänemark zu grenzen, sondern an Dantes Höllenkreise. Denn irgendwas ist ja immer. Sei es die Lockerungen zu spät, die zweite Welle zu gewiss, der Sommer zu trocken, die Windräder zu laut, die Erdbeeren zu teuer und die RTL-Moderatoren zu billig.

Das Glas ist immer halb voll – mit Sorgen. Voll mit Sorgen, darüber, dass uns jemand das nimmt, worüber wir uns so viele Sorgen machen. Und dann hätten wir ja nichts mehr, worüber wir uns Sorgen machen könnten. Doch vor lauter Sorgen darüber, etwas zu verlieren, wachsen wir langsam aus den Rollschuhen heraus, die mit weißen Rollen noch immer in unserem Schrank stehen. Wir haben Angst unpünktlich zu sein – und verpassen doch alles. Und so sind das, was in Deutschland laut ist, türkische Hochzeiten und italienische Siege bei irgendwelchen Ballsportereignissen.

Dabei  beneidet uns vermutlich ein Großteil der Erdbevölkerung um den Zustand des Landes, in dem wir leben. Und was machen wir? Wir machen uns Sorgen, was sonst. Sorgen, um die Kosten leerer Krankenhausbetten, die Länge der Sommerferien und die Wahrscheinlichkeit eines bayrischen Kanzlers. Denn „Vorsorge“ ist schließlich alles.

Dabei ist Sorge doch eigentlich Angst vor Problemen, die man nicht hat. Ganz so, als würde man sich über sein neues privates Langstreckenflugzeug freuen, nur weil man einen Lottoschein ausgefüllt hat, sorgen wir uns um Dinge, die vermutlich niemals eintreten werden. Was hält uns – abgesehen von unserem mürrischen Erbgut und den gerunzelten Stirnfalten – also davon ab, ein bisschen weniger sorgenvoll auf das zu blicken, was man gemeinhin irdisches Dasein nennt? Nur weil man Dinge auf sich zukommen lässt, ist man schließlich nicht direkt gleichgültig. Nur weil man nicht vom Schlechtesten ausgeht, ist man nicht peinlich naiv. Nur weil man sich über etwas Schönes freut, wird man nicht direkt mit einem Meteoritenschauer im eigenen Vorgarten oder einer Pandemie apokalyptischen Ausmaßes gestraft. Man bekommt höchstens ein paar Lachfalten und steckt andere damit an. Mit Zuversicht, Gelassenheit und Dankbarkeit hat man doch eigentlich ganz gut ausgesorgt.

Ob es der Dalai Lama oder der eigene Menschenverstand erdacht hat, sei dahingestellt, aber eine sehr einfache und doch tiefgründige Weisheit könnte helfen auf dem Weg der Erleichterung: „Kannst du die Dinge ändern, dann mach dir keine Sorgen. Kannst du die Dinge nicht ändern, dann mach dir keine Sorgen.“ Merkste selber, ne?




Einen am Helm haben.

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Verschwörungstheorien werden gemeinhin belächelt oder direkt bei Rewe ausgelistet. Zu Recht. Sind sie doch völliger alubehelmter Humbug. Diese Verschwörungsfiktionen basierend auf absonderlichen Kausalitätsketten wirken, als habe man sie mit einem Gebetswürfel erknobelt und rückwärts gesungenen Liedtexten von Xavier Naidoo an den Haaren herbeigesungen. Doch vor allem sind sie eines: falsch. Einfach nur offensichtlich falsch. So offensichtlich wie Kondensstreifen. Wenn sich die New World Order durch Billy Gates` Kontobewegungen und ein paar YouTube-Videos einfach erklären ließe, dann wäre doch schon längst Winnie the Pooh neuer Weltenbärherrscher.

Nein, die Sache ist komplizierter. Verworrener. Und noch gefährlicher als gedacht. Winnie the Pooh `s Plan ist weitaus brillianter als es ein paar Microchips unter der Haut sein können. Winnie the Pooh `s Plan sieht die Ausrottung der Menschheit vor. Durch einen Virus. Warum? Weil wir Winnie das rauben, was er zum Leben braucht: Bienen. Bienen für seinen Honig. Winnie the Pooh lässt die Menschheit einsperren und ausrotten, um das menschenverursachte Bienensterben zu stoppen.

Bei der Verbreitung der tödlichen Viren helfen ihm Sekten: die Insekten. Und natürlich Bill Gates. Die Hinweise sind eindeutig: was war jahrelang der prominente Desktophintergrund eines jeden Computers? Richtig, eine Blumenwiese. Kann das Zufall sein? Nein. Ebenso wenig, wie der Firmenname bzw. das Logo von Windows – ein offenes Fenster, durch das Insekten in jeden Haushalt geschleust werden – nicht zufällig gewählt sein kann. Insbesondere der Geheimbund „I-Ah“, der sich als kuscheliger Esel tarnt und eng mit Winnie the Pooh (s.o.) in Verbindung steht, unterwandert unsere Gesellschaft, in dem er sich für den „Naturschutz“ einsetzt. Doch der niedliche Esel ist in Wahrheit ein blutrünstiges Raubtier: I-Ah bedeutet rückwärts gelesen schließlich Hai. Kann das Zufall sein? Wir kennen die Antwort.

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Und was tut die Bundesregierung, um all dies zu verhindern? Nichts. Denn sie ist längst Teil des Systems geworden und gaukelt uns seit Jahren etwas von Sicherheit und „Impfschutz“ vor. Eine Impfung ist am Ende nichts anderes als ein Stich – ein Stich eines als Spritze getarnten Insekts!!!1! Der Beweis hierfür: die gemeinhin als „Raute“ bekannte Handhaltung unseres Regierungsoberhauptes ist am Ende nichts anderes als eine angedeutete Bienenwabe, das Erkennungszeichen der „Ilubieneti“. Und schon unseren Kindern werden von der Lügenpresse vereinnahmen: ihnen wird die natürlich angeborene Angst vor Insekten genommen durch niedliche Geschichten, beispielsweise von der Biene Maja. Dabei heißt Maja rückwärts geschrieben auf Arabisch: Nicht-Araber. Und wer sind wohl die bekanntesten Nicht-Araber? Richtig, Juden. Mehr muss nicht gesagt werden. Außer dass Corona rückwärts geschrieben auf Rumänisch „viel Glück“ bedeutet.

Kann The New Pooh Order überhaupt noch aufgehalten werden? Machen wir uns nichts vor: sie sind bereits überall – hinaus geschwärmt auf dieser Welt. Doch kann man sich mit einfachen Mitteln schützen. Zum einen durch das Tragen angemessener Schutzkleidung, insbesondere ein Imkerhut ist hier ratsam. Zudem hilft es, nur noch rückwärts zu sprechen und Blumen und andere „Flower Power“ zu meiden. Doch machen wir uns nichts vor: es wird kein Honigschlecken. Nur diejenigen, die einen an der Klatsche haben, werden am Ende noch zu retten sein.




Öffnungszeiten.

Öffnung Öffnungszeiten Lockerung Corona Müllcontainer

Immer schön locker bleiben. Und wer es nicht ist, möge es schnell werden. Allen voran gilt dies für verspannte Ministerpräsidenten mit Geltungsbedürfnis und Oppositionspolitiker, die merken, dass sie weniger systemrelevant sind als gemeinhin gedacht. Getreu dem Motto „was interessiert mich mein Geschwätz von heute Morgen“ gibt man sich daher plötzlich so locker, wie die Maske im Gesicht hängt. Gemeinschaftliches Vorgehen sei natürlich wichtig, aber wenn die anderen dem eigenen Vorgehen nicht folgen möchten, dann geht das eben nicht. Ist ja logisch. Mit den gegenseitigen, unmaskierten Schuldzuweisungen kehrt somit ein Stück Normalität in das politische Deutschland zurück. Und das ist den Bürgern doch so wichtig. Wie beruhigend.

Und so scheint jedes Bundesland zwar kein Desinfektionsmittel, aber die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Ein jedes sucht sich einen Wochentag im Mai und mindestens einen kleinen Coup aus, den es von anderen, ach so unlockeren Bundesländern unterscheidet. Dabei scheint die Regel zu greifen: je kleiner das Bundesland, desto größer ist die Kreativität bei der Ausgestaltung von Lockerungsübungen. Das drollige Rheinland-Pfalz hat sich zum Beispiel überlegt, Campingplätze zu öffnen. Also nur für Dauercamper. Und nur wenn sie eigene Sanitäreinrichtungen bei sich führen. Wenn sie also mit einer Anhängerkupplung ihre Zahnzwischenräume reinigen ab nach, na in diese eine Stadt in Rheinland-Pfalz. Dabei ist doch, wenn man ehrlich ist, ganz Rheinland-Pfalz ein Dauercampingplatz. Wirklich wohnen möchte man da doch eh nicht.

Das vermeintliche „Dunkeldeutschland“ geht ähnlich lichtundurchlässig vor: in Sachsen-Anhalt dürfen ab nächster Woche Ferienhäuser und -wohnungen vermietet werden. Aber nur an Einheimische. Corona verursacht nicht nur Probleme beim lockeren Atmen, sondern auch beim knotenfreien Denken.

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In Hamburg scheint man die Sache aber sauber durchdacht zu haben. Man holt nur die besten, leistungswilligsten Schüler zurück in die Schulen, also diejenigen, die eine anspruchsvolle Denksportaufgabe lösen können: „So werden in der Woche ab dem 27. April die Klassenstufen 9, 10 und 13 der Stadtteilschule, 10 und 12 der Gymnasien, 9 und 10 der Regionalen Bildungs- und Beratungszentren sowie die Abschlussklassen der Berufsbildenden Schulen erste Präsenzangebote zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen bekommen. Eine Woche später beginnen die Unterrichtsangebote für die Klassenstufe 4 der Grundschule, die Klassenstufen 6 und 11 der Gymnasien sowie die Klassenstufe 12 der Stadtteilschulen.“ (Quelle: https://www.hamburg.de/bsb/13862594/2020-04-17-bsb-schuloeffnung/). Wer die Frage beantworten kann, ob und wann er wieder in die Schule gehen darf, der darf in die Schule gehen.

Es sei denn, er war kürzlich in einem Geschäft mit mehr als 800qm Fläche und hat sich dort die Augenbrauen zupfen lassen. Das ist verboten. Getrimmtes Haupthaar ist systemrelevant, aber Augenbrauenbewuchs ist ein Hygienefaktor. Denn wenn man in seine Maske hustet, verfängt sich alles (Viren, Virologen, Vanillamilchshakes) natürlich als erstes in dichter Augenbrauenbeborstung. Um sich seiner Gesichtsbehaarung zu entledigen, muss man sich demnach im Gesicht tätowieren lassen, denn hierbei wird die zu gestaltende Fläche vorab gründlich rasiert. Als Motiv eignet sich beispielsweise ein Mundschutz. Oder man versucht sein Glück in einem Hundesalon. Die sind in den meisten Bundesländern wieder geöffnet. Menschenkörpernahe Dienstleistungen werden jedenfalls weiterhin stark reglementiert, also Brauenzupfen und Bordellbesuche. Da ist das mit den 1,5m auch.. ach egal. Jedenfalls ist der Hundesalon vielleicht eh die bessere Wahl: Friseuren mit maskiertem Sichtfeld, welche seit zwei Monaten damit beschäftigt waren, ihre Hecken zu schneiden, sollte man vielleicht nicht allzu unmittelbar ans Haupthaar lassen. Wer ohnehin kein Haupthaar mehr besitzt, darf sich in Berlin zu Wasser von den Strapazen erholen: Schifffahrten mit offenem Verdeck sind hier wieder erlaubt.

Doch immerhin die Frage der Kinderbetreuung scheint endlich eindeutig geregelt: Ikea macht wieder auf. Welch Erleichterung. Bald darf man sogar wieder diese leckeren Hackbällchen aus aussortierten Holzdübeln verspeisen. Wenn man öffentliche Verkehrsmittel meiden möchte, dann empfiehlt es sich einfach, den Führerschein noch einmal zu machen und sich von A nach B zu fahren. Oder man fährt in Nordrhein-Westfalen einfach ein bisschen Achterbahn. Dabei hat man meistens auch nicht das Gefühl, in der gleichen Ausgangslage wieder auszusteigen. Und irgendwie hat man dieses Gefühl des freien Falls so lieb gewonnen wie den Söder, Markus aus Bayern. Mit seiner Karokatur im Gesicht.

Neben kontaktarmem Sport, wie schreiend Weglaufen oder Einkaufswagenrennen, wird nun jedoch vor allem eines empfohlen: um die gebeutelten Staatskassen zu füllen picknicken sie bitte im Park. Das bringt 250€ pro Anwesendem in die leeren Kassen und den Blutdruck nach der kontaktarmen Unsportlichkeit wieder etwas in Schwung. Über Geisterspiele von 22 Millionären kann man sich schließlich nicht ewig aufregen.

Beachten Sie vor allen Dingen etwaige neue Regelungen und Verbote, die so plötzlich kommen können wie Corona selbst. Die zweite Welle kommt so gewiss wie Verschwörungstheoretiker derzeit an ihrer (V)Erklärung arbeiten. Eine Vielzahl an Lebensbereichen wird erst noch von der Wucht der Sicherheits- und Hygienekonzepte erfasst werden. Es ist beispielsweise damit zu rechnen, dass in Betriebsrestaurants nur eine angemessene Anzahl an Sättigungsbeilagen zugelassen sein wird. Ebenso dürfen Erbsen und Möhren sich nicht mehr berühren (der Schellenaffe bereitet eine Petition für die Staatsrettung von Mischkonservenherstellern vor). In Kindertagesstätten ist zu erwarten, dass nur noch Kinder zusammen spielen dürfen, deren Vornamen die gleiche Anzahl an Buchstaben aufweist. Tom und Ben dürfen also miteinander spielen. Tom und Jerry nicht. Ben und Jerry ebenfalls nicht. In Clubs und Discotheken wird es durch Insolvenzanträge abgesteckte, 1,5m mal 1,5m große Tanzbereiche geben, die man sich für einen Abend mieten kann. Die Getränkeversorgung findet steril und effizient per Bierdusche statt. Und wenn schließlich bei Vollmond der kleine Bär 1,5m vom großen Wagen entfernt ist, dann öffnet sich irgendwann etwas: die Augen und man denkt „schön locker bleiben bei dem Theater“. Doch leider darf man nur in Schleswig-Holstein bei diesem Theater mitspielen: hier sind Theaterproben wieder erlaubt. Ab dem 18. Mai. Ein Montag. Wenn das kein Grund zum lockeren Scheppern ist.




Zeit der Entsorgung.

Ausmisten aufräumen wegwerfen entsorgen

Schon klar. Man sollte den Gürtel jetzt mal enger schnallen. Sofern man es denn noch kann (siehe Fett isoliert.) und nicht doch schon bereits die Tragweite und Festigkeit seines neuen Arbeitsplatzes angenommen hat („Du siehst aus wie ein Ohrensessel.“). Dann sollte man eben die Spanngurte mal enger schnallen. Doch bei der Suche nach der richtigen Befriedung der eigenen Fettreserven stellt man fest: ich besitze mehr Gürtel als tragbare Hosen. Beklemmt schließt man die Schublade und mit ihr die Augen vor dieser bitteren Erkenntnis.

Dann ist jetzt eben die Zeit des Aufsparens. Vorbei die Verschwendungssucht sprunghafter Heuschrecken, lang lebe die ameisenartige Vorratshaltung. Und so begibt man sich auf die Suche nach passenden Behältnissen für das Aufsparen von kalten Nudeln und stellt fest: ich besitze mehr Deckel als Dosen. Und bei genauerem Hinsehen stellt man fest: ich besitze Deckel und Dosen, aber keine Deckel für die Dosen. Man verschließt den Vorrat in einem Gefrierbeutel und den Blick für den Flüchtigkeitsfehler im eigenen Küchenschrank.

Mit geschlossenen Augen geht man in den Keller, um den Reisekoffer in Kurzarbeit zu schicken und stellt mit einem Bein im Christbaumständer stehend fest: es ist kein Platz mehr frei. Für einen Handgepäckkoffer oder eine Christbaumkugel. Und so ist sie langsam da, die Erkenntnis nach Wochen des im eigenen Leben lebens: ich muss mein Leben ausmisten. Oder zumindest meine Schränke. So ein Mist. Man beginnt zunächst mit dem Aufräumen des Naheliegenden und greift beherzt in die eignen Hosentaschen. Ein benutztes Taschentuch und Klumpen Etwas landen im Müll, das Zehncentstück im Portmonee. Als echter Gewinner geht man vom Platz und nimmt zunächst erst einmal wieder Platz.

Bis zu jenem Moment, da man beim Wäscheaufhängen feststellt, dass man erneut dieses besondere Paar Socken mit den Notausgängen für Zehen gewaschen hat. Anstatt sie nun also auch noch sauber defekt wieder in den Schrank zu räumen, schmeißt man sie fort. Und stellt fest, dass die Tränen und der Schmerz ausbleiben. So fasst man Mut und öffnet beherzt das Tor in die Vergangenheit: diese eine Seite des Kleiderschranks, die man nie öffnet. Man öffnet sie und sieht Schweinsteiger. Schwarz, rot, vergilbt liegt dort sein Trikot. Man googelt das Ende seiner Karriere im Profifußball und legt das Relikt ins Abseits: in die bereit stehende Mülltüte. Beim anschließenden Durchsehen alter, zerschlissener Hosen, die man ja mal fürs Malen gebrauchen kann, stellt man fest, dass man sein Maleroutfit mit jeder Wand, die man seit Jahren nicht gestrichen hat und auch nicht streichen wird, wechseln könnte. Man malt sich aus, was man beim Kauf des kleinkarierten Pullovers wohl einmal beabsichtigt hat. Irgendwie ist man sowohl modisch als auch körperlich inzwischen dem Stück entwachsen. Die Überlegungen über die Frage, ob Erwachsene weiter wachsen, werden unterbrochen von einem Trauermarsch: eine schweigende Trauerfeier für das Ende des Lieblingsshirts, das die D-Mark und Helmut Kohl noch miterlebt hat. Helmut, der Handgepäckskoffer und eine kleine Kita würden in dem ausgeleierten Überwurf inzwischen Platz finden. Wahre Ikonen wachsen eben über sich hinaus. Am Ende verschließt man die drei prall gefüllten Säcke ausgeleierter Geschmacklosigkeiten mit den aussortierten Gürteln.

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So langsam kommt man in Schwung und macht gleich in der Küche weiter. Dort entdeckt man Lebensmittel, die mit Schweinsteiger gemeinsam abgelaufen sind. Alles was von PETA-Aktivisten nicht mit Farbbomben angegriffen würde (also keinen Pelz trägt), darf bleiben. Gehen hingegen müssen die Töpfe, die keinen Deckel finden, und Gläser, denen der Durchblick fehlt. Werbegeschenke, die nutzloser als Werbung sind. Alles eben, was unterste Schublade ist.

Im Wohnzimmer sortiert man die Reiseführer aus, die schon vor zehn Jahren keine „echten Insidertipps“ enthielten. Gefolgt von den Gesellschaftsspielen, bei denen man auf Seite fünf des Regelwerks noch jedes Mal zu Wein übergegangen ist. Jedem Winkel, jedem Gegenstand, jedem Lebewesen der eigenen Wohnung wird die Sinnfrage gestellt: warum bist du hier? Doch mit der wachsenden Mülldeponie im kleinen Hausflur stellt der Müll eine Gegenfrage: wohin mit mir?

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Man überlegt kurz, ob man die hohe Spaziergänger-Frequenz vor der Haustür ausnutzen und seine großzügigen Gaben vor der Haustür „outsourcen“ soll. Doch befürchtet man, dass man beim Aufbauen mit den „echten Liebhaberstücke“ gesehen werden könnte. Was so peinlich wäre, wie alles was man jenseits der Jahrtausendwende am Leib getragen hat. Daher tut man das, was man schon immer in dieser Situation tat. Getreu dem Motto „Schön, dass du da bist. Und nicht mehr hier.“ bringt man seine Habseligkeiten auf den höchsten aller Hausmisthaufen: auf den „Möge-der Müll-sich-erhängen-Boden“, wo irgendwann Taubenkot das Problem korrodieren möge.




Wie Zuhause.

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Samstagabend. Irgendwo in Deutschland. 

Sie: Wo gehen wir heute Abend essen? Auf „Ristorante La Casa“ oder das „Microwave“ hab ich irgendwie nicht schon wieder Lust. Da waren wir so häufig in letzter Zeit.

Er: Wie wärs mit dem „Esszimmer“? Das ist so ein neuer Laden direkt bei uns um die Ecke. Der ist derzeit in aller Munde.

Sie: Und was gibt es da so?

Er: Das ist so ein ganz neuartiges Konzept. Der Koch schaut einfach, was er im Kühlschrank hat und stellt dir daraus etwas ganz Eigenes zusammen.

Sie: Das klingt doch spannend. Meinst du, wir sollten reservieren?

Er: Besser wäre es. Moment. [Nimmt sein Handy ans Ohr] „Guten Abend, wir würden gerne einen Tisch für zwei Personen reservieren. Ja, für heute Abend. Ja, ich warte. Er schaut nach. Ja? Ja, gerne am Fenster. Perfekt, bis nachher.“ [legt sein Handy weg]

Sie: Und?

Er: Wir haben Glück. Der einzige Tisch ist noch frei.

Sie: Super. Aber jetzt hast du gar keine Uhrzeit abgemacht?

Er: Das ist egal, man kann wohl kommen, wann man möchte.

Sie: Hast du Lust, vorher noch zwei Bier im Kiosk „Zur Vorratskammer“ zu holen und unterwegs zu trinken? Ich würd mich und anderes dann mal in der Zwischenzeit in der Küche frisch machen. Ich muss nur noch kurz abduschen, den Spargel. Und Zehen schneiden. Knoblauchzehen. Und dann noch Schinken.

Er: Prima Idee. Es geht auch nichts über ein kühles Keinwegbier. [steht auf, verlässt den Raum und kommt mit zwei geöffneten Bierflaschen zurück]

Er: Ah, da ist es. Nach dir.

Sie: Oh, das ist aber schön eingerichtet hier. So persönlich.

Er: Und intim. Ich mag es, dass das „Esszimmer“ nur einen Tisch hat. Es soll zudem vor allem für seinen unaufdringlichen Service bekannt sein.

Sie: Toll. Man fühlt sich gleich, wie zuhause.

Er: Guten Abend die Dame. Willkommen im Esszimmer. Was kann ich für Sie tun?

Sie: Wir haben einen Tisch reserviert. Für zwei Personen.

Er: Ihre Begleitung verspätetet sich wohl?

Sie: Ja, das mit den Parkplätzen ist hier in der Gegend ja immer schwierig. Aber er kommt sicher gleich.

Er: Ich schaue kurz nach, welchen Tisch wir für Sie an diesem schönen Abend reserviert haben. Und dann bringe ich Sie schon einmal an Ihren Platz, wenn es genehm ist. [schaut in seine leere Hand]

Sie: Sehr gerne.

Er: Dann folgen Sie mir bitte. So, da wären wir. [rückt den Stuhl am Tisch zurück]

Sie: Direkt am Fenster, wie schön. [setzt sich an den Tisch]

Er: Darf es ein Aperitif sei?

Sie: Gerne. Hätten Sie diesen einen Chardonnay vom Penny da? Den für 3,99€? Jahrgang egal.

Er: Selbstverständlich. Eine ausgezeichnete Wahl, besonders die Egal-Abfüllung zeichnet sich durch ihren gleichgültigen Abgang aus.

Sie: Hervorragend. Dann nehmen wir davon eine Flasche.

Er: Sehr gerne. Den Wein haben wir Ihnen schon eingeschenkt. Ich bin gleich wieder da. [setzt sich an den Tisch]

Sie: Und hast du einen Parkplatz gefunden?

Er: Ja, direkt in unserer Tiefgarage.

Sie: Perfekt. Ich kann mich nicht entscheiden? Soll ich das Risotto nehmen oder rein gar nichts?

Er: Ich liebäugele ebenfalls mit dem Risotto. Oder einem Leberwurstbrot.

Sie: Dann lass uns doch beide das Risotto nehmen.

Er: Haben Sie schon etwas gefunden?

Sie: Sie kommen aber immer zur rechten Zeit. Wir nehmen beide das Risotto.

Er: Eine vorzügliche Wahl. Ein Moment bitte. [verlässt das Esszimmer] 

Sie: Ich hoffe, es dauert nicht so lange. Ich hab riesigen Hu..

Er [betritt mit zwei Tellern den Raum]: So, nun geht’s los. Hier hätten wir zweimal das Risotto auf Tellern, an sehr viel Käse und mit einer Spur zu viel Penny-Wein. Lassen Sie es sich schmecken. [setzt sich an den Tisch]

Sie: Das ging ja schnell.

Er: Sehr lecker. Schmeckt wie bei uns zuhause.

Sie: Schade, dass man im Restaurant nie Nachschlag bekommt. Ich geh mal kurz ums Eck. Weißt du, wo hier wohl die Toiletten sind?

Er: Nein, keine Ahnung.

Sie [verlässt den Raum und kommt mit einem Kochtopf in der Hand wieder]: Darf es noch etwas Nachschlag sein, der Herr?

Er: Sehr gerne. Für meine Begleitung bitte ebenfalls.

Sie: Selbstverständlich gerne. [setzt sich an den Tisch] Du, die haben hier nur eine Toilette für alle Gäste. Das finde ich etwas bedenklich.

Er: In diesen Zeiten ist es vermutlich einfach schwierig, für mehr als eine Toilette Klopapier aufzubringen.

Sie: Stimmt, da hast du vermutlich recht. Darf ich abräumen? Hat es Ihnen geschmeckt?

Er: Sehr sogar. Richten Sie einen Gruß an den Koch aus.

Sie: Ich soll mich von dir grüßen.

Er: Was machen wir mit dem angebrochenen Abend? Hast du noch Lust auf einen Absacker?

Sie: Sehr gerne. Kennst du eine Bar hier in der Nähe?

Er: Ja. Die Bar nennt sich „The Bathroom“ und ist bekannt für ihren mentholhaltigen Drink, wobei „the mouthwash“ ist wohl eher ein Shot, denn ein Drink.

Kochen Zuhause Ristorante la casa daheim Essen Corona Quarantäne Mundspülung mit Alkohol

Sie: Ach, ist der Laden nicht direkt neben dem „In die Falle“? Da legt heut Abend DJ Sleepy auf.

Er: Ist das nicht, der der für seine Remixe der kleinen Nachtmusik bekannt ist?

Sie: Ja genau. Wobei wir wahrscheinlich schauen sollten, dass es nicht zu spät wird. Wir sind morgen zum Brunch in der „Balkoneria“ verabredet.

Er: Ach, das war morgen? Mit wem treffen wir uns noch mal?

Sie: Amsel, Drossel, Fink und Star.

Er: Ach, stimmt, ganz vergessen. Naja, aber es ist ja erst 18:15. Ein Getränk schaffen wir noch. Ich bestelle dann mal die Rechnung. Die Rechnung bitte!

Sie: Das macht genau null Euro. Wir akzeptieren leider weder Bargeld noch Kartenzahlungen.

Er: Ach, kann man dann hier nur mit AbwaschenExpress bezahlen?

Sie: Ja, genau. Brauchen Sie eine Quittung?

Er: Ja gerne. Man weiß schließlich nie, wo man die mal anlegen kann.

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Mit Abstand betrachtet.

unendliches blau Himmel Wolken blauer Himmel

Was für ein Anblick. Klar, strahlend, frisch und so tief dieses Blau. Durchbrochen von ein paar weißen Wolken, die so wattig wirken, dass man sich in ihnen gerne räkeln und noch mal umdrehen möchte. Nur ganz kurz. Welch ein träumerischer Anblick. Und doch wirkt das Bild irgendwie fremd. Anders. Ungewohnt. Etwas fehlt. Erst beim zweiten Blick sieht das Auge, was das Ohr schon feststellte: es fehlen die Streifen. Die weißen, scharfen Linien, die wie Narben den Himmel durchkreuzen. Und mit ihnen fehlt das dumpfe Rauschen.

Es fehlen die Flugzeuge am Horizont.

Es fehlt der Mensch im Himmel.

Wie lange werden wir uns an diesen Anblick gewöhnen? An die Stille, die von der sonst tosenden Autobahn her weht? An die klare Luft über Peking? An die Delfine, die sich in der Bucht vor Venedig tummeln?

Wir werden uns an das Jahr 2020 gewöhnen und erinnern, als das Jahr, in dem wir uns begannen, einer nie dagewesenen Menschheitsaufgabe zu stellen. Das Jahr, in dem wir zeigten, dass Unvorstellbares plötzlich möglich ist. Dass sich das gesamte Leben der Menschheit plötzlich ins Gegenteil verkehrte. Das Jahr, in dem wir eine unsichtbare Bedrohung bekämpften, die das ganze Leben, wie wir es kennen, bedrohen sollte. Das Jahr, in dem wir dem Rat der Wissenschaftler folgten. Tag für Tag. In dem wir sehnsüchtig auf weltweit geltende Regeln warteten und abgestimmtes Vorgehen zwischen Ländern und Kontinenten bejubelten. Das Jahr, das die deutsche Automobilindustrie in die Knie zwang. Das Jahr, in dem jeder hoffte, wenigstens einmal in den Urlaub fahren zu können und versprachen, dies so sehr zu genießen, als sei es ein Schlummern auf stillen Wolken. In dem wir vergaßen, was Staunachrichten im Radio sind.

Und doch ist 2020 erneut das Jahr, in dem sich noch immer viel zu wenige für den Klimawandel engagierten. In dem sich zu wenig, zu langsam bewegte. In dem wir uns das Mantra „der Umbruch braucht Zeit“ (die wir nicht mehr haben) so häufig aufsagten, wie wir uns die Hände wuschen.

Der Gedanke, was möglich wäre, wenn die globale Erderwärmung so bekämpft würde wie eine globale Pandemie, ist irgendetwas zwischen wut- und mutmachend. Man ist wütend auf sich selbst, weil es erst den Arschtritt bzw. Hinweis eines mikroskopisch kleinen Zwerges braucht, um sein Verhalten radikal zu ändern. Weil es erst Verbote braucht, um all die Dinge zu tun, von denen man weiß, dass man sie tun sollte. Sei es mal herausfinden, wer überhaupt die eigenen Nachbarn sind. Sei es zu erkennen, dass das Wort „Pflegekräftemangel“ kein ferner Laut aus den Medien, sondern ein Wort mit einem verdammt nahen Echo ist. Sei es, dass man nicht fünf Mal im Jahr in Urlaub fahren muss, um glücklich zu sein. Sei es, dass man sich anstatt in ein Flugzeug in eine Videokonferenz setzen kann. Sei es, dass Kinderbeschäftigung mehr sein kann, als die Fahrt mit dem Auto zur Kita.

Zugleich macht der Gedanke Mut, dass die Menschheit erkennt, zu was sie allen Bedenkenträgern zum Trotz imstande ist, wenn alle anpacken. Er macht Mut, da in Zeiten der Krise geifernde Populisten ihren Zauber verlieren (wer traut schließlich Männern, deren größte Hirnleistung darin besteht, sich an ihr Twitter-Passwort zu erinnern oder Hundekrawatten zu binden, schon die Lösung von Menschheitsaufgaben zu). Er macht Mut, weil man beginnt zu begreifen, was man im Leben wirklich braucht, und was nicht. Wir ziehen voller Mut Kondenslinien im Kopf, die Wesentliches von Unwichtigem trennen.

Doch vor allem macht der Gedanke eines: nachdenklich. Was wäre möglich, wenn wir ähnlich zupackend, aber weniger panisch den Klimawandel angehen würden? Warum muss uns erst etwas genommen werden, ehe wir sehen, wie kostbar es ist? Meinte Greta das, als sie sagte „I want you to panic“?

Im Kleinen, wie im Großen erkennen wir: der Preis, den wir 2020 zahlen, ist hoch. Sehr hoch. Ob Milliardenpakete, Aktienabstürze oder die Angst vor der eigenen Mietzahlung, der Kampf um das, was uns so kostbar ist, wird teuer. Schmerzhaft teuer. Umso schöner wäre es doch, wenn dieses horrende Lehrgeld kein einmaliges Experiment bleibt, sondern wenn wir irgendetwas daraus lernen würden. Jeder für sich. Jeder für alle. Denn so wie unsere Lungen verbunden sind, so sind es auch unsere aller Leben.




Kranz bestimmt.

Corona Heinz Erhardt Denken Wortspiel Schellenaffe Schiefertafel

„Ich kann es nicht mehr hören. Dieses hohle C. Diese ganze heiße, oder zumindest erhitzte Luft geht mir langsam gehörig am A vorbei.“ So mögen die meisten Menschen denken, sofern sie sich nicht aufgrund einer Verstrickung in zu viel Toilettenpapier die Blutzufuhr zum Hirn abgeschnitten haben und dadurch das mit dem Denken im Allgemeinen schwieriger wird. Manch einer ist kurz davor, aus purem Trotz an Türklinken zu lecken, Desinfektionsmittel in den Ausguss zu schütten und seinen verrotzten Ellbogen an irgendjemandem zu reiben. Einfach nur weil er es kann. In einer Welt, in der man mit jedem Tag immer weniger zu können scheint. Insbesondere das mit dem aktiven Nachdenken und dem Verzicht auf Nudeln wird wie gesagt immer schwieriger.

Was man aber tun kann, ist das C den dritten Buchstaben im Alphabet sein lassen und das dahinter beginnende teuflische Wort in all den unzähligen Nachrichtenberichten, Diskussionen, Social Media Hirnfürzen und Schlagzeilen durch ein anderes Wort zu ersetzen. Man sollte es einfach wie Türklinken eben auch nicht in den Mund nehmen und es zum Beispiel durch andere liebreizendere Worte austauschen. Wie zum Beispiel „Wellensittich“. Denn wer hat schon etwas gegen gute Manieren und Sittiche:

„Aus Angst vor Wellensittichen steigen die Hamsterkäufe.“

„Zahlreiche Flüge aufgrund von Wellensittichen gestrichen“

Oder wer wäre angesichts leerer Regale und hohler Phrasen nicht gerne von etwas mehr Kompetenz umgeben:

„Home Office für alle Mitarbeiter mit Verdacht auf Kompetenz.“

„Börsen weltweit rückläufig aus Angst vor den Folgen von Kompetenz.“

Oder man ersetzt diese fiese, nach Tod, Verdammnis und Desinfektion schmeckende Begrifflichkeit direkt durch ein gänzlich positives Wort der Glückseligkeit:

„Aus Angst vor Liebe verbietet Israel Deutschen die Einreise.“

„Die Folgen der Liebe sind weltweit spürbar und ungewiss.“

„Nach Karnevalsfeier steigt die Zahl der Fälle von Liebe sprunghaft.“

Während sich also „Liebe rasant verbreitet“ könnte man gleichsam dazu übergehen, der Schönheit des Begriffs „Ehrenkranz“ (lateinisch: nun ja man versteht den Punkt) zu huldigen und in seinen aktiven Wortschatz munter aufzunehmen. Man spricht von Ehrenkränzen statt Kreisverkehren, Stuhlkreisen und Körperrundungen. Dem Kaffeekranz wird auf einmal die angemessene Erhabenheit zuteil. Wobei derlei Zusammenkünfte von mehr als acht Personen vermutlich bald als virtuelles Meeting abgehalten werden müssen. Aber wem, wen nicht uns, dem Ehrenkranz der Schöpfung, fällt da nicht für alles eine passende Antwort ein. Kranz bestimmt. Selbst wenn wir uns auf ewig im Kranz drehen – wie ein Hamster im Rad.




Es verbreitet sich.

Hamsterkauf Corona Virus Panik

Klopapier. Das scheint die Antwort zu sein, auf die die Menschheit so fieberhaft wartet. So sehnsüchtig. So verzweifelt. So panisch. Dick umwickelt um den eigenen Körper. Mehrere Rollen am besten mehrlagigen Papiers ergeben den vielschichtigsten Schutz. Vor der Welt und all ihren ungreifbaren Gefahren. Ganz gewiss. Anders sind die derzeitigen Zustände nicht zu erklären. Anders ist nicht zu begründen, warum Menschen den Jahresvorrat an Toilettenpapier einer Jugendherberge aus Supermärkten karren, schnell in ihre Autos verladen und mit quietschenden Reifen den Parkplatz verlassen. Sie müssen in irgendetwas verwickelt sein.

Verstrickt ist die Situation in der Tat. In einer Welt, in der Menschen und Informationen in ähnlichem Tempo um die Welt reisen, verbreitet sich kaum etwas so schnell, wie der älteste Virus, den die Menschheit kennt und dem sie immer wieder zum Opfer fällt: dem Virus der Panik. Unsichtbar breitet er sich in uns aus. Ohne es zu merken stecken wir uns gegenseitig an. Bis wir ähnliche Symptome zeigen, wie Hamsterkäufe von flauschigem Toilettenpapier, verminderter Appetit auf Peking Ente und das fiebrige Verfolgen halluzinativer Theorien im Internet. Ehe wir uns versehen, misstrauen wir jedem Husten, jedem Chinesen und jeder Türklinke. Wir verzichten auf Reisen, Großveranstaltungen und Aktienkäufe. Der Mikrochip für das neue Handy und die Zuschauer für das Fußballspiel fehlen auf einmal. Und so beginnen wir zu begreifen: verdammt wackelig diese Welt. Da braucht es ein winziges Etwas und Diktaturen geraden ins Wanken, die Weltwirtschaft gerät ins Stocken und wir verlieren eine unserer größten Errungenschaft: unsere Freiheit.

Hamsterkauf Corona Virus Panik

Eine Freiheit, die wir oftmals genutzt haben, um uns auf Kosten von irgendetwas zu bereichern. Und nun schlägt etwas zurück, was wir verzweifelt versuchen, zu kontrollieren. Irgendetwas lässt seine Muskeln zucken und wir beginnen zu zappeln. Doch wann, wenn nicht im Moment der Krise, zeigt sich der wahre Charakter. Es zeigt sich wer Fakten erklärt, und wer blendet, wer die Lage lösen und wer sie ausnutzen möchte, wer bis zu seiner tropfenden Nasenspitze denkt und wer darüber hinaus. Ausgerechnet in einer Welt, in der es ohnehin an Beständigkeit fehlt (Bündnisse verschwinden, Undenkbares geschieht etc.), zeigt sich wie instabil das Netz ist, das wir um unser Leben gesponnen haben. Doch anstatt uns nun in seinen losen Enden zu verstricken, sollten wir doch dieses eine Organ nutzen, mit dem uns Gott, die Evolution oder unsere Mütter ausgestattet haben, ein Organ das kein anderes Wesen auf diesem Planeten in dieser Weise besitzt und schon ziemlich weit gebracht hat: unser Hirn.

Vorsicht, ja. Demut, bitte. Panik, och nö. Oder gab es jemals einen guten Grund zur Panik?

Die gute Nachricht zum Schluss: Ein Wickelkleid aus Klopapier ist im Übrigen wirklich das beste Mittel gegen jeden Virus. Es führt zur gesellschaftlichen Isolation.




Saug gut.

Tchibo Sauger Staubsauger

Einatmen. Ausatmen. Das fällt mitunter schwer. Insbesondere Menschen aus Thüringen dürften wissen, was gemeint ist. Doch allen, denen das mit der Respiration reichlich schwer über die Organe geht, sei Rettung verkündet. Der Erlöser aller Schnappatmer und Schnäppchenjäger ist kein geringerer als jene Übergestalt, die uns auch vor unsauber durchtrennten Bananen (Der beste Job der Welt) und mithilfe eines Mikrodermabrasionsgerätes vor was auch immer (In der Sirene liegt die Kraft) errettete: Tchibo. Wer sonst.

Denn Tchibo hat sich dem gesellschaftlichen Wunsch des „Bitte einfach nur weg damit“ verschrieben und allerlei nützliche Hilfswerkzeug zum Wegsaugen allerlei nützlicher Dinge entwickelt. Doch wie in Thüringen gesehen: die richtige Wahl fällt schwer. Dank dieser Einkaufshilfe wird das Aufrüsten jedoch ein Kinderspiel.

Die Blaskapelle des Kaffeerösters weiß vor allem durch Dezibel und ausgefeilte Technik zu beeindrucken. So wartet der beutellose Staubsauger FC9330 mit „ TriActive-Düse, PowerCyclone-5-Technologie (…) und 76 dB max. Schallleistungspegel“ auf. Er ermöglicht damit endlich die Marsmission, die sich die Kinder schon so lange wünschen. Dank des CLEANmaxx-Zyklon-Staubsauger wird das „Staubsaugen in der Wohnung zum Spaziergang“. Ein gemütlicher Bummel, bei dem man sich mit einem Kabel irgendwo zentral fixiert, sternenförmig vor und zurück geht und von Lärm begleitet wird. Der Vergleich liegt so nahe wie das nächste Staubkorn. Oder man gönnt sich direkt den CLEANmaxx-Akku-Zyklonstaubsauger »Pro Power 9196« und bringt damit „die Bodenreinigung zu Hause auf ein ganz neues Level“. Inwiefern höhere Bewusstseinszustände dank eines Sauggerätes erreicht werden können, bleibt ungeklärt. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass die viele heiße Luft das Gefühl erzeugt durch Raum und Zeit zu schweben und über den Dreck zu fliegen. Experten erwarten daher, dass Tchibo bereits an einer „Bibi Blocksberg“ Sonderedition arbeitet und demnächst der „CLEANhexhex Kartoffelbrei“ eingeführt wird.

Wem das alles ein Spur zu großtourig klingt, dem sei ebenfalls geholfen. Beispielsweise mit einem Mini-Tischsauger im „Westentaschenformat“ oder mit dem Handstaubsauger »MiniVac FC6142/01«, mit dem man nicht nur Hände, sondern auch Mini-Tischsauger und Westen mühelos entfernen kann. Für die Freunde der Feinmotorik sei der Saug-Aufsatz empfohlen, der sich dank seiner schmalen Öffnung „wunderbar zum Reinigen von Tastaturen“ und Mundwinkeln eignet. Den wer braucht schon das €-Zeichen auf der Tastatur oder den Lippen, wenn er sich das Geld aus der Tasche saugen lassen kann.

In der Kategorie „Das saugende Grauen“ finden sich zudem Produkte, die nicht nur von nutzlosem Dreck, wie einer Armada an Stausaugern, befreien. Tchibo erlöst auch von echten Gefahren. Mit dem Milben-Handstaubsauger „haben vor allem Allergiker ein wirksames Instrument, das in der Reinigung von Matratzen, Bettdecken, Kopfkissen und Co. einen echten Unterschied macht.“ Nicht-Allergiker haben vor allem ein wirksames Instrument, das in der Reinigung von Matratzen, Bettdecken, Kopfkissen und Co. wirklich gar keinen Unterschied macht. Sind die Haustiere wiederum etwas größer und flauschiger als mikroskopisch kleine Gliederfüßer, holt man sich katastrophale Zustände ins Haus. Denn: „Haustiere in der Wohnung hält man nicht, ohne deren Haare überall wiederzufinden – und normale Staubsauger kommen da schnell an ihre Grenzen. Es sei denn, man rüstet ein bisschen nach. Und warum dann nicht gleich mit einem Turbo?“ Die rotierende Turbo-Tierhaarbürste entfernt dieses Problem turboschnell. Sie macht die Katze zur Nacktkatze oder den Sittich und auf Wunsch die Ehefrau zum gerupften Huhn.

Unliebsam geparkte Autos lassen sich wiederum ganz einfach mit dem Autosauger entfernen, auch an besonders „schwer zugänglichen Stellen“. Muffige Teppiche fliegen davon, dank des CLEANmaxx Teppichreiniger Professional. „Den Teppich regelmäßig zu saugen, ist schön und gut und richtig und wichtig – eine wirklich gründliche Reinigung braucht aber etwas mehr.“ Der praktische Reiniger entfernt zugleich unnötig platzierte „und“ in einem Satz und das ist schön und gut und richtig und wichtig.

Unter dem Motto „Eins, zwei, streifenfrei“ sagen wir Fensterscheiben bye bye . Der Fenstersauger erlöst vom lästigen Fensterputzen und entfernt Glasscheiben bruchsicher. Die dadurch entstehende Zugluft wird durch die vielActivePustekuching PowerStaubsturm-5-Technologie wohlig warm erhitzt.

Wer bei der vielen Saugerei versehentlich die eigene Hirnmasse abgepumpt hat, dem sei der Akkusauger »SpeedPro FC6722/01« in die Hand und ans Herz gelegt, denn der „einzigartige Staubbehälter lässt sich Entleeren, ohne den Inhalt gleich wieder zu verteilen.“ Tchibo befreit so auch von besonders grobkörniger Lebensunfähigkeit. Oder er legt mit dem iRobot »Roomba® 696« Saugroboter einen flotten Rumba auf das automatisch erkannte Parkett und genießt Tanzeinlagen, „die am besten zum persönlichen Zeitplan passen.“

Übrigens: Befürwortern des feuchten Auswurfs, denen das alles zu aufgeblasen klingt, macht Tchibo gerne Dampf unter dem Hintern. Der multifunktionale Dampfbesen hilft beim „Entfernen von Falten“ und der Dampfreiniger Kompakt „bietet mit bis zu 45 Minuten Dauerdampf“ die Möglichkeit, mal so richtig Dampf abzulassen. Ein Gerät, das sich im Thüringer Landtag größter Beliebtheit erfreuen dürfte.

Doch bei all der sauggenialen Innovationskraft, die Tchibo offenbart, hat der Kaffeeröster eine Kernfrage übersehen: womit sauge ich alle meine Sauger ab?




Gute Neuigkeiten.

Gute Neuigkeiten Positive News Optimismus

Überall brennt es. Das Klima der Erde. Der australische Kontinent. Die Flammen des Populismus. Der Sod im Magen. Überall wo man hinsieht, lodern gefährliche Entzündungsherde und Feuerstürme. Traurige Bilder und schlechte Schlagzeilen sprechen täglich zu uns. Es läuft bei uns. Rückwärts und bergab.

Ist das so? Ist das, muss das der Lauf der Dinge sein? Folgt man den Medien und Erzählungen, entsteht dieser Eindruck. Die Welt verkommt zu einer Mischung aus Grau und Grauen. Wir leben in einer Dauerkrise. Wie die große Koalition, der HSV oder eine beachtliche Liste an Kronprinzenpaaren. Krise reiht sich an Krise. Katastrophe an Katastrophe.

Alles ist ganz doll arg schlimm. Diesmal wirklich.

Gute Neuigkeiten Positive News Optimismus

Das Skurrile daran ist: es war schon immer so. Jede Generation rechnete mit dem baldigen Ende der Menschheit. Man muss nicht ins stockdüstere Mittelalter schauen, um dies zu begreifen. Weltkriege, Waldsterben, Kubakrise. Selbst meine eigene Kindheit war geprägt von endzeitartigen Dämonen und Geistern – von denen heute nur noch schlaffe Bettlaken übrig sind. Die Sorgen und Nöten, von denen heute kaum jemand mehr spricht, waren groß. Waren sie große Schreckgespenster?

Deutschland war der kranke Mann Europas, der von hoher Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung sicherlich bald danieder gerafft würde. Heute badet der alte, kranke Mann in Haushaltsüberschüssen und historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen.

Das Ozonloch drohte uns alle endgültig zu verschlucken. Jetzt hat es sich irgendwie selber verschluckt.

AIDS und BSE würden die Reste der Menschheit, die nicht durch das Ozonloch und drohende Klassenkämpfe ohnehin schon vernichtet werden, gewiss endgültig eliminieren. Doch die Menschheit gab gemeinschaftlich Gummi und konnte die Krisen überwinden. Die Zahl der HIV-Neuinfizierungen geht seit Jahren zurück, Therapien und damit die Lebenserwartung von Erkrankten haben sich deutlich verbessert. Oder kennt jemand einen Fall von BSE im direkten Umfeld?

Deutsche Kinder sind seit Jahren katastrophales Mittelfeld im PISA-Vergleichstest. Komisch, dass wir noch immer Exportweltmeister sind und bekannt für fingerfertige Ingenieurskunst, die vielleicht Goethes Faust nicht kennt.

Immer mehr Menschen haben Zugang zu Wasser, Strom, medizinischer Versorgung und Internet (und damit zum Rest der Welt). Nicht zuletzt sinken dadurch die Kindersterblichkeit und -armut beachtlich.

Die AfD stellt die Demokratie vor eine anstrengende Bewährungsprobe, die alle Parteien und Bürger vor neue Herausforderungen stellt. Doch vielleicht gehen 80% von uns streitbarer, standfester, klüger aus dieser Erfahrung des Umgangs mit den 20% stark andersdenkenden Menschen heraus.

Die gute Nachricht dieser Woche: Es regnet in Australien und der größte Buschbrand ist inzwischen unter Kontrolle geraten.

Gute Neuigkeiten Positive News Optimismus

Die Liste lässt sich fortführen. Wenn man nur will. Wenn man hinsieht. Doch reflexhaft möchte man sagen: Ja, aber…aber es brennt noch immer. Aber die Konjunktur schwächt ab. Aber bald sind wir ohnehin nicht nur der kranke Mann Europas, sondern Europa ist die gebrechliche, schrullige Sippschaft. Aber der Krebs ist noch immer nicht geheilt.

Aber warum dieses aber? Inwiefern hilft es, schlechte Laune und noch schlechteres Gewissen zu fördern? Panik zu machen? Vom Schlimmsten auszugehen? Es geht nicht darum, die Welt nur noch durch eine rosarote Brille zu sehen. Aber was hält uns davon ab, zumindest ein Glas dieser Brille etwas farbenfroher einzufärben? Inwiefern schadet uns etwas mehr Optimismus?

In diesem Sinne liefern heute nicht der Schellenaffe selbst, sondern seine Leser die passenden Zeilen und Gedankenanstöße. Was gibt es Gutes in dieser Welt? Was ist besser geworden? Wofür ist man dankbar in seinem Leben? Ich bin voller Optimismus, dass sich mindestens ein treuer Kommentar finden wird. Mögen ihm einige oder „triple B“-eispiele folgen. Mögen die guten Nachrichten sprudeln. So wie der Regen über Australien und die Steuereinnahmen.

Und wenn nichts sprudelt oder tröpfelt, ist das auch keine schlechte Nachricht. Denn ich durfte diese Woche lernen, dass auch eine Null etwas Positives sein kann: Beim Blutspenden wurde ich freundlich begrüßt mit den Worten „Ach, Sie sind ja eine positive Null“. Das lernt man nicht im Pisa-Test, sondern im Leben. Im Leben, das mehr zu bieten hat, als Brande und Katastrophen.