Hier könnte Ihre Werbung stehen. Tut sie aber nicht.

Der Mensch wirbt, so lange er lebt. Er wirbt um die Gunst anderer, um ihre Liebe und um andere Anstellungsverhältnisse. Er macht Werbung für seinen Charakter, seinen Lebenslauf, den Schnitt seiner Mietwohnung oder die Hochbegabung des eigenen Kindes. Der Mensch sendet zuversichtlich seine Werbebotschaften in die Welt – in der Hoffnung, dass diese irgendwo empfangen werden und überzeugen. Doch leider gleicht sein Werben um Beachtung dem Blumengießen bei Starkregen. Dem Tränken einer Orchidee in Zeiten des Monsuns. Sie gehen unter. Ertränkt in einer Flut mächtigerer Botschaften. Wirklich relevanter Botschaften wie „Neu!, „Alles muss raus!“ oder „3 andere Personen (die Sie nicht kennen) schauen sich gerade dieses Angebot an“. Liebesschwüre, die da vielleicht auch raus müssen, aber alt sind, hören sich maximal 1 andere Person gleichzeitig an. Da kann Mensch nur verlieren. Und sich fein(er) verpinkeln.

Manche Untersuchungen sprechen von bis 10.000 Werbebotschaften, die uns jeden Tag erreichen. Oder eben auch nicht. Das sind, je nachdem ob man Wurstwerbung als Herzenssache auch in seine Träume einbaut oder viel oder wenig Schlaf findet, trotz des permanenten Gefühls die Produktinnovation des Jahres zu verpassen, ca. zehn Botschaften pro Minute. Das wäre so, als würde man alle sechs Sekunden eine Initiativbewerbung verschicken.

Alle sechs Sekunden verliebt sich nur leider kein Mensch in eine Werbebotschaft. Daher versucht man sich abzuheben von der plakativen Werbemasse. Je schwacher der Inhalt, desto abstruser wird in der Regel der Ort des Absendens einer Werbebotschaft gewählt. Und so hat man sich mittlerweile an Toilettenaushänge, nicht nur für Geduld werbende Kofferbänder und an über alle Endgeräte verfolgende Bannerwerbung gewöhnt. Neuerdings kann man sogar sein eigenes Fahrrad als knor(r)ke Werbefläche (für Tütensuppen) vermieten oder sich per Hologramm die Schaufensterauslagen selber konfigurieren. Wie werbevoll.

Neben dem Werbeort steht das Werbewort. Und hier gilt in der Regel, dass Werbeblindheit mit Werbeblödheit bekämpft werden muss. Das ist zwar blutwurstige Herzenssache, aber auch fast immer ein Grund zum Weinen.

Werbung führt halt – wie der Tod – fast immer zu Komplikationen: emotional und finanziell. Glücklich sei, wer da einen klaren Verstand bewahrt und sich durch einen Fondsmanager oder Genussentdecker gut beraten oder gebraten weiß. Insbesondere, wenn es um plörrige Werbung für die eigene Werbung geht (wie oft geschehen in Fachmedien wie der Lebensmittelzeitung).

Wenn alle „Jetzt. Neu. Zugreifen.“ schreien, trauen sich halt nur die Mutigen „Schon immer alt. Zugreifen oder liegenlassen. Uns egal“ zu sagen. Bravocado, wer sich da etwas traut und Werbebotschaften mit Reim und Pein hinaushaut.

Wer nun den Bedarf verspürt seinen eigenen Werbebotschaften die nötige Eleganz und Abstrusität zu verleihen, möge sich gerne jederzeit an den Schellenaffen wenden. Ihm fällt immer etwas ein. Sein schepperndes Spezialgebiet ist im Übrigen die wirkungsstarke Vermarktung unser aller allerletzten Werbefläche: „Jetzt. Neu. Alles muss sterben. Sichern Sie sich jetzt die Grabsteininschrift „Hier könnte ihre Werbung stehen“.





























Und so kurven wir durch schmale Bergstraßen, schlendern durch die engen Gassen Palmas und beobachten Einheimische, die sich abends auf dem Marktplatz auf einen Plausch treffen. Freundlich wirken die Mallorquiner, die auch am Ende einer langen Saison noch neugierig ihrem radebrechenden, nach Schwarzbrot fragenden Gegenüber zu begegnen scheinen. Es fällt ohnehin schwer, unzufrieden zu sein auf einer Insel der salzigen Oliven, süßen Kuchen und saftigen Melonen.



