Leben und Unfug – Geburtstagsgedicht für den Schellenaffen.

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Ein Jahr in zweiundfünfzig Gedanken ist vergangen.

Scheppernd war der Weg, den der Schellenaffe ist gegangen.

Viel hat er mit Worten gerungen.

Doch vor allem das Leben und sehr viel Unfug besungen.

Wirre Vielfalt. Und vertraute Wiederkehr.

Ist der Montag noch schrecklich, zumindest etwas weniger mehr?

Drei Buchstaben kommentieren die Ergüsse.

Scheppernd war es, wie zweiundfünzig sanfte Kopfnüsse.

 

Der Affe ohne Klammern

Lobt das Jammern.

Schwärmt von Einhörnern und Kakteen.

Muss seine Eltern auf Feezbuk kommentieren sehen.

Tchibo lädt ihn nicht zum Bewerbungsgespräch ein.

Dafür lässt er das Kopfkino zum Abendessen rein.

Mit Sneakern springt er durch Hamburger Nieselregen.

Rennt in Handysüchtige, die ihren Kopf nicht mehr gen Himmel bewegen.

Immer hangry trifft er sich auf ein Bier

Mit Özdemir.

Verkleidete Tiere und ein blindes Huhn sagen ihm mehr als tausend Worte.

Verliebt in ein Gefühl schwärmt er der fremden Orte.

In Zwitscherland ist es huere schön.

In Spanien spricht er vom Gesäß – gar nicht obszön.

Mit der Kita „Blauer Kranich“ kommt er dem Meer so nah.

Und ist froh, dass er in der Sauna kurzsichtig war.

 

Der Schellenaffe stellt Fragen und sucht nach dem Sinn.

Was werde ich, wenn ich wirklich dämlich bin?

Warum sind Life Coaches wie Influencer ohne Internet vor allem eines – orientierungslos?

Warum ist ein Leben ohne Tchibo möglich, aber zugegeben durchaus sinnlos?

Warum bricht die Deutsche Bahn mir im Sturm das Herz?

Sind Bewertungen für Toilettenerlebnisse wirklich kein Scherz?

Fragen muss man nicht beantworten, um sie zu stellen.

Er dekoriert und verziert die Fragen lieber, der Affe mit den Schellen.

 

Der Affe snoozed zwischen sonderbaren Sondierungsrunden.

Zwischen Tinder und Thermomix entdeckt er feine Generationswunden.

Er fasst einen tätowierten Marketingplan.

Greift seine Familie unter dem Christbaum an.

Auch ohne Vorsätze ist im neuen Jahr sicher viel für ihn drin.

Er kann zwar nicht alles, aber Hochdeutsch immerhin.

Hoch lebe die Geschwisterliebe.

Tief fällt er in Singapur – auf das Niveau Krimineller und Diebe.

Er träumt vom eigenen Dackel und Altkleiderhandel.

Schläft schlecht beim Gedanken an Koalitionsverhandlungen und Klimawandel.

Der Winter ist kalt.

Der Tatort wird alt.

Frostig sitzt er im Katzencafe.

Lauscht dem Podcast, wenn die Augen tun weh.

Lässt sich von den Sternen den Irrweg weisen.

Genießt es, mit dem ICE und Kanu in den Irrsinn zu reisen.

Er denkt an Stadt, Land, kein Bus.

Lernt nicht, wann mit dem Alkohol ist Schluss.

Fremdscham, du pure Not.

Und der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.

Ein Kräutersmoothie auf diese Landpartie.

In Kroatien ist er glücklich, wie noch nie.

Zwischen Pferderücken und Segelbooten

Beginnt er dieses Jahr zu entknoten.

 

Leben ist reinherziger Unfug.

Es war der Affe, der etwas dazu beitrug.

Soll er nun weitermachen?

Scheppern die Köpfe bis zum Krachen?

Knipst der Datenschutz nun gar die Lichter aus?

Sind alle Gedanken denn schon raus?

Das sind wieder Fragen, die er nicht zu beantworten vermag.

Und so wartet man gespannt – auf den nächsten, scheppernden Montag.

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Fremdschämen – warum erröten wir für andere?

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Teenager, die im Fernsehen weinen, weil ihnen eine hohlwangige Frau mit der Stimme eines Glasschneiders „heute kein Foto“ geben möchte.

Dickfleischige Britinnen, deren Kleidungsstil an explodierte Würstchen erinnert.

Alles, was von Inka Bause moderiert wird.

Politiker, die sich bei Anne Will Günther bei Maischberger um den eigenen kahlen Kopf und den ins Nackenfleisch schneidenden Kragen reden.

Aufkleber, die erklären, dass „Sequoia & Tyson Jeffrey an Bord“ sind.

Betrunkene, die tanzen.

Schlager-Industrie, die gesamte.

Menschen, die mit offenen Mündern in Zügen schlafen.

Socken, die in Sandalen stecken.

Für sie alle empfinde ich eine Emotion. Ein Gefühl, das mir nahe geht, mich in seiner Intensität an meine Grenzen bringt, mich diffus berührt und verwirrt zurücklässt. Für sie alle empfinde ich Scham. Fremdscham. Wie nach einem Essen beim Inder um die Ecke, lösen sie in mir alle einen mehr oder minder schweren inneren Kampf aus. Ich bin hin und her gerissen zwischen Mitleid und eigenem Leid. Zwischen tolerantem Desinteresse und purer, Schmerz verusachender Fremdscham.

Ich taumele zwischen „Lass sie doch machen – und mich ein bisschen gaffen“ und „Nicht auszuhalten – bitte umzuschalten!“

 

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Doch warum ist es mir nicht völlig egal, wenn unglücklich gealterte C-Promis in einem 600km entfernten Fernsehstudio das letzte bisschen ihrer Würde im schlecht ausgeleuchteten Rampenlicht vertanzen? Was verbirgt sich hinter dieser Emotion? Warum erröten wir für andere? Ist es eine Form der Empathie, die einfach nur wehtut? Ist es ein bisschen Neid angesichts dieses zur Schau gestellten „Egalismus“? Ist es Wut über diese unverfrorene Blödheit? Ist es Verwirrung darüber, dass man sich fragt warum denn niemand eingreift, während man selber still beobachtet? Ist es Verzweiflung darüber, dass die Menschheit begeistert Bauer sucht Frau verfolgt und bei Politik sucht Bürger durchzappt? Ist es Entfremdung von „den anderen“?

Wie so oft passt nicht nur ein Etikett auf das Gefühl. Es ist dicht beklebt mit Klebestreifen, wie ein Schokoosterhase der im Juni noch an der Kasse ausliegt. Allen Emotionen gemein ist wohl lediglich die dahinschmelzende Erkenntnis: jeder Mensch ist eben anders – als ich selber. Das kann man akzeptieren. Oder sich daran reiben, sich ärgern, aufregen, erröten und verzweifeln. Sich daran fremdschämen. Bis man plötzlich nicht allzu alte Urlaubsschnappschüsse von sich selber in den Händen hält. Und sich fremdschämt für den Menschen auf diesem Foto – für den Fremden in sich selbst.

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Allerlei on ICE – Gedankenfetzen einer Reise.

Bahn DB ICE Bahnfahrt Reisen Zug Bahnhof Leipzig

Eine Zugfahrt durch die abendliche Dunkelheit. Keine Landschaften, nur diffuse Lichtpunkte rasen vorbei. Der Blick wird klarer für das Innere – das Innere des Geistes. Und des Zuges. Das Gefühl für Zeit, Ziel und Geschwindigkeit schwindet. Mit ihm schwindet die Klarheit der Gedanken. Was bleibt, sind vorbeirasende Gedankenfetzen.

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Der Mann neben mir wischt durch eine Dating-App. Dass er Mitte sechzig und äußerst unattraktiv ist, tut seinem Elan keinen Abbruch. Der Klapptisch vor ihm liegt schief auf seinem Bauch auf. Ich befürchte, dass „Beate, 41“ von ihrer wackeligen Unterlage auf meinen Salat rutscht. Rote Beate, 41.

Der Wagen ist so voll, wie die Besucher eines Heavy Metall Konzerts. Bei der nächsten Haltestelle herrscht wilder Trubel. So stelle ich mir Bettenwechsel an der Costa Brava im August vor. Eine freundliche ältere Dame nimmt mir schräg gegenüber Platz. Fällt man in die Kategorie „ältere Dame“, wenn man beginnt bequeme Schuhe aus dem Reformhaus zu tragen? Wenn man „Prosa“ statt „Die Rückkehr der Wanderhure“ liest? Wenn einem dieser eigenartige Geruch aus Rheumasalbe und altem Parfüm, welches geruchlich eher an puren Gin als an Lilien erinnert, anheftet? Die ergraute, rüstige Frau vor mir fällt augenscheinlich in diese Kategorie. Sie nimmt ein geschmiertes Graubrot und ein vergilbtes Taschenbuch aus ihrer quadratischen Handtasche. Umgeben von iPads, Headphones, veganen Wraps und grünen Smoothies scheint sie in einer anderen Zeit zu reisen. Ich schaue sie über den Rand meines Laptops, Handys und Proteinriegels hinweg verstohlen an. Sie blickt mich an, lächelt und fragt: „Kennen Sie vielleicht das W-LAN Passwort?“ Ich schüttele den Kopf. Ertappt. Sie zückt dennoch ihr Smartphone und beginnt eine Whatsapp-Nachricht zu tippen. Ob an ihre Enkel oder ihren Berater für akzessorische Anlagesubstitutionsstragien vermag ich nicht zu erkennen. Ich frage mich, ob sie im nächsten Moment Bluetooth-Kopfhörer aus ihrer Tasche zieht und sich Heavy Metall Musik in die Ohren donnert. Ob sie vielleicht wirklich einen Gin ohne Tonic vor Fahrtantritt getrunken hat?

Jemand nimmt seine Tasche aus der Gepäckablage. Ein Furz fällt dabei in mein Gesicht. Ich brodele wie eine Magmaquelle. In diesem Moment wünsche ich mir, dass durch bunte Seifenblasen sichtbar gemachte Fürze ein evolutionärer Vorteil gewesen wären. So wäre sofort sichtbar, wer für eine dreiste Geruchsbelästigung im öffentlichen Raum bzw. in meinem Gesicht verantwortlich ist. Und so würde mein Kopf nun in einer bunten Wolke aus tanzenden Seifenblasen stecken. So steckt er in einem faulen Ei und ich denke vergeblich an Darwin.

Ich weiß nicht, ob es etwas über meine Evolutionsstufen aussagt, aber ich scheitere am WifionICE. Genauso, wie ich an einer Teilnahme bei Holiday on Ice scheitern würde. Vergeblich frage ich mich, ob mein Zug pünktlich ist. Während der Mann neben mir weiter versucht, reife Damen zu „erwischen“ und ein anderer Passagier videotelefonierenderweise im Gang steht, stelle ich fest, dass der Begriff Funkloch sachlich falsch ist. Korrekt wäre Funkrisse. Ein Geflecht feiner Risse entlang des gesamten Schienenverkehrsnetzes zieht sich durch Deutschland. Und so gleite ich durch eine wohlige Ritze der Unwissenheit, der Unerreichbarkeit. Ich komme eben an, wann ich ankomme. Beim Verlassen des Zuges werde ich feststellen, dass ich die gesamte Fahrzeit über auf dem detaillierten Zeit- und Reiseplan saß. Pfiffig.

Bahn DB ICE Bahnfahrt Reisen Zug

Am Vierertisch neben mir unterhalten sich zwei Männer ohne Worte.Ich schaue ihrer Choreographie aus Gesten, Bewegungen und Gesichtsausdrücken zu. Ihre Mimik wirkt so viel klarer, ihre Blicke intensiver, ihre Gesprächshaltung interessierter. Kann man als Gehörloser eigentlich auch jemandem nicht zuhören? Dazu lausche ich der Musik, die über meine Kopfhörer nur für mich spielt. Ich wippe mit dem Fuß. Singe lautlos mit. Zu spät bemerke ich, dass sich meine Lippen bewegen. Als würde ich versuchen, der taubstummen Unterhaltung beizuwohnen. Ich erwarte, dass mich bald jemand entgeistert ansieht und mit einer internationalen Gestik kommentiert: die flache Hand vor der Stirn hin und her wedelnd. Doch meine Umgebung zeigt sich blind und taub.

Das allgemeine Desinteresse wird schließlich durch eine Lautsprecherdurchsage durchbrochen. „Ein Zugbegleiter mit F bitte in Wagen 21“. Vergeblich warte ich auf eine erneute Durchsage: „Ich weiß es. Ich weiß es: Zugbegleiter mit F ist Florian Fischer.“ Ich stelle mir vor, wie ein Schaffner mit Fischbrötchen, Frotteesocken oder Fritteuse durch den Zug eilt. Doch nichts passiert. Die extrudierten Köpfe tauchen wieder tief ein in ihre Smartphones mit WifionICE. Doch wenige Minuten später folgt tatsächlich eine zweite Durchsage „Wir bitten Sie, auf den Toiletten auf das Verwenden von Haarspray oder Deodorants zu verzichten, da diese den Feuermelder auslösen.“ Eine Frau zwei Reihen vor mir bekommt rote Ohren. Sollte sie beginnen zu schwitzen, dürfte sie immerhin über ausreichenden Deo-Schutz verfügen. Sherlock Holmes kombiniert: F steht dann wohl für Feuerlöscher.

Ich beobachte einen Geschäftsmann.Konzentriert starrt er in seinen Laptop. Die Tiefe seiner Denkfalte lässt vermuten, dass es um nichts anderes als die Tilgung der gesamten Staatsverschuldung oder die letzte Ziffer der Zahl Phi gehen muss. Ich male farbenfrohe Geschichten über sein Leben, wie in einem Malbuch aus. Als mein lang gehegter Lebenstraum endlich Wirklichkeit wird – ich steige aus – drehe ich mich um und blicke auf den Bildschirm des Mannes. Er spielt Solitär. Seinen Desktophintergrund ziert dabei ein Bild des drallen, nackten Hinterns seiner Herzdame.

Meine Gedankenfetzen reißen ab.

Bahn DB ICE Bahnfahrt Reisen Zug

P.S.: Der Schellenaffe nimmt es nicht nur mit Bahnreisenden, sondern auch mit ihm gestellten Denksportaufgaben auf. Getreu dem Motto „Ein Fuchs (oder Affe) muss tun, was ein Fuchs (oder Affe) tun muss“ hat er seine Prosa wie ein Sherlock Holmes akzessorisch substituiert und stattdessen feurige neue Begriffe, wie aus einer Magmaquelle extrudiert. Pfiffig.

Hausaufgabe Schellenaffe




Horospokus – was uns die Sterne wirklich sagen.

Horoskop Sterne Astrologie

Sternzeichen Schellenaffe. 

Der Schellenaffe befindet sich im April im Zeichen des Osterhasen und der eierlegenden Wollmilchsau. Dies beschert Ihnen besonders ironische Zeiten.

Lust & Liebe – Trauen Sie sich – mit einem Regenten des Himmels!

Zum Monatsanfang befindet sich der Schellenaffe in einer sehr günstigen astrologischen Konstellation: in der rechten Nebenniere des Klabautermanns. Sie sind dadurch unwiderstehlich, zumindest in Ihrer eigenen Wahrnehmung. Etwaige Partner, insbesondere im Zeichen des Fisches oder Lurches Geborene, möchten Sie jedoch auf den Mond schießen. Die Sterne raten Ihnen daher: seien Sie sternhagelvoll. Singles sollten den April hingegen nutzen und offensiv flirten. Sie haben zwar wie gewohnt keinen Erfolg, aber ungewohntes Selbstbewusstsein dank dieses Horoskopes und Ihres festen Glaubens an die schicksalhafte Kraft der Kosmetik. Notieren Sie sich den 31.04. Hier sind Ihnen die Sterne bzw. diese willkürlichen Textbausteine besonders wohl gesonnen. Nutzen Sie Ihren Glückstag für eine lange geplante Liebeserklärung, denn der Schellenaffe kreuzt genau dann die Umlaufbahn des Franzbrötchens. Zum Monatsende werden Sie die erotische Anziehungskraft von Kohlenhydraten erneut merken.

Beruf & Finanzen – Zeit für neue Galaxien und Projekte!

Ihre Karriere bekommt im April besondere Impulse. Zur Monatsmitte befindet sich der Schellenaffe in der Quadratur des Kreises zwischen Venus, Neptun und Ihrer Steuererklärung. Sie werden versuchen die Wurzel der Quersumme aus Orion zu ziehen. Ein Scheitern ist wahrscheinlich. Sie sind gereizt und geraten leicht aus der Fassung, weil Ihnen dieses Horoskop nicht das sagt, was Sie hören möchten. Doch Sie gewinnen ab mit der Mittagssonne des zwölften Tages, der mit „s“ begann, ungeahnte Zuversicht. Sie erzielen kleine Erfolge beim Überweisen Ihrer Mietschulden. Es kann dennoch zu einem Konflikt mit im Zeichen des Finanzamtes Stehenden kommen. Meiden Sie daher Kontostände und Boten des Zalando bis zum Monatsende. Berufliche Höhenflüge erreichen Sie hingegen dank der Anziehungskraft Ihrer inter(net)stellaren Fähigkeiten. Nutzen Sie diese Konstellation ehe Sie mit dem nächsten Software-Update davonziehen.

Gesundheit & Fitness – ist vorbei, byebye bis zum Junimond. 

Für im Zeichen des Schellenaffen Geborene ist der April gesundheitlich hingegen ein unausgeglichener Monat. Doch die Sterne werden Ihnen beistehen. Ein Meteoritenschauer der Herpes beschert Ihnen – nun ja Herpes. Hinzu kommt ein eitriger Pickel in der Größe des Pluto. Insbesondere im Aszendenten des Weichei Stehende werde sich antriebslos und schlapp fühlen. Mit Sonne und Steinbock an Ihrer Seite ist ein Spaziergang an der frischen Luft ratsam. Stierweiden sollten Sie meiden, gönnen Sie sich hingegen eine Auszeit bei Saturn. Die Position im achten Hause des Sushi beschert Ihnen am .4. eine Fischvergiftung, von der Sie sich nur langsam wieder erholen werden. Den Rest des Monats verbringen Sie wie Sie es möchten, es ist s…ternenegal.

Im Allgemeinen sind Ihre Zukunftsaussichten so hell erleuchtet wie die Unendlichkeit des Weltalls,  da Sie sich vom Praktikanten einer Programmzeitschriftsredaktion Tipps für Ihre Lebensgestaltung geben lassen. Der Osterhase, an den Sie sicherlich ebenfalls glauben, wünscht Ihnen in jedem Fall frohe Ostertage.

Horoskop Sterne Astrologie Himmel




Ein Besuch im „Menschencafé “ für Katzen.

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Sonntagsnachmittags halb vier in Deutschland. Es ist Zeit für Kaffee und Kuchen. Der siebenunddreißigste aus Katzenkot produzierte Cold Brew Coffee mit veganem Haferbrikett vermag jedoch nicht mehr zu begeistern. Und so begibt sich der unterforderte, hippe Großstädter auf die Suche nach neuen Erlebnissen und Formen des kurzweiligen Amüsements. Die Jagd treibt ihn schließlich in eine neue Variante des naturverbundenen Konsums: das Katzencafé . Umgarnt von vierbeinigen Freunden verbringt er dort seine wenige freie Zeit. Seine Sorgen von der Seele streichelnd gibt er sich diesem Stubentiger-Balsam für urbane Psychen hin, schlürft puristische, warme Milch und kommt mit einer Perserkatze auf dem Schoß endlich zur Ruhe. Oder wie muss man sich das vorstellen? Genau dies gilt es herauszufinden und so begebe ich mich in die Höhle des Löwen – auf eine Expedition in die Tier- und Menschenwelt.

Der „Katzentempel“ begrüßt seine Besucher zunächst mit einer doppeltürigen Schleuse, an deren Ende eine kratzige, humanoide Kellnerin mit Desinfektionsspray wartet. Ich fühle mich so willkommen wie ein Grippevirus. Bevor ich mit Tieren in Kontakt kommen darf, die sich an ihrem eigenen Gesäß lecken, werde ich zunächst Keim befreit. Dies erscheint mir so logisch wie die Algebrafähigkeiten einer Siamkatze. Aber gut. Ich beuge mich der ersten Regel und hoffe am Ende des Besuchs wenigstens erneut besprüht und mit einer Fusselrolle gereinigt zu werden.

Der Frage nach einer zwingend erforderlichen Reservierung (schon verstanden, das ist hier grade the shit in der Stadt) folgt ein Kurzreferat über die allgemeinen, unbedingt zu befolgenden Geschäftsbedingungen. Während das Regelwerk auf mich niederprasselt frage ich mich, ob ich eigentlich ein Café, eine Boeing 747 oder eine Säuglingsstation betrete. Nicht anfassen beim Schlafen, nicht hochheben, nicht füttern solle man die Katzen. Ob diese Regeln auch auf das weitere Personal oder andere Besucher zutreffen, wird nicht erklärt. Ich wittere eine Lücke im System und lasse mich zu meinem Tisch geleiten. Leicht verspannt setze ich mich und lasse meinen Blick schweifen – bzw. öffne meine Ohren. Die Stimmung ist gedämpft. Niemand lacht. Es wird nur sehr leise gesprochen. Keine Katze weit und breit. Kein Wunder, mir wäre das hier auch zu fad. Ich frage mich, ob ich etwas missverstanden habe und die Katzen als günstiges Küchenpersonal eingesetzt werden. Bekommen die Tiere hier eigentlich den Mindestlohn?

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Die Inneneinrichtung des Katzentempels scheint jedenfalls auf die Huldigung der Katzen hin ausgerichtet zu sein: überall stehen Häuschen, Kartons, Kratzbäume und Kletterregale zur Entzückung der Zwei- bis Vierbeiner bereit. Es gibt sogar mit Federn bestückte kleine Angelruten. Ob zum neckischen Spiel mit anderen Gästen oder zum Abstauben der Katzentreppen ist wohl jedem selbst überlassen. Der große, vollgestellte Raum bietet die Atmosphäre eines Zoofachgeschäfts ohne Aquarien. Der Geruch weckt ähnliche Assoziationen.

Da das Café freundlich – durch ein Hinweisschild an der Eingangstür – mitteilt kein Streichelzoo, sondern ein normales Café mit beweglichem Interieur zu sein, fühlt man sich schließlich verpflichtet etwas zu konsumieren. Das Chili kommt nicht in Frage, zu leicht lässt sich hier unbeliebtes Katzenfutter nachhaltig weiterverarbeiten. So fällt die Wahl auf ein einfaches Stück Kuchen. Doch so recht möchte es nicht schmecken. Man glaubt permanent ein Haar in seinem Mund zu spüren. Ich möchte jedoch nicht melodramatisch wirken und schlucke die Paranoia und Nahrung herunter. Kurz stelle ich mir vor, wie ich beim Verlassen des Tempels ein Büschel Haare hochwürge und auf den Bordstein spucke.

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Doch meine Gedanken werden durchkreuzt – von einer Katze. So einer echten, mit Fell und Schnurrbart. So einer, wie sie mir tagtäglich in meiner Nachbarschaft begegnet. Irre – ist das, was nun folgt. Allgemeines Kopfdrehen und Stühlerücken. Handykameras werden gezückt. Die ohnehin wenigen Gespräche verstummen. Eine Katze! Die gespannte Stille wird durchbrochen von den hysterischen Quietschgeräuschen einer asiatischen Dame am Nachbartisch, die die Verfolgung aufnimmt. Man selber möchte mit dem Kater flüchten. Ein zu einfacher Witz („Denkt die das ist hier Running Muschi?“) liegt mir auf der Zunge. Ich unterdrücke ihn und tue stattdessen etwas mir irgendwie logisch Erscheinendes. In die Stille hinein miaue ich. Scheinbar äußerst akzentfrei, denn Kater und Asiatin drehen sich ruckartig zu mir um. Und im nächsten Moment passiert das, was passieren musste: die Dame miaut und mauzt sich die Seele aus dem Leib und kriecht fotografierend zwischen den Stühlen umher. Ein schönes, menschliches Schauspiel.

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Und die Tiere? Die Katzen tuen das, was sie schon immer getan haben. Sie ignorieren Menschen. Dabei ist es egal, ob die Menschen ein Stück Kuchen essen oder ein Rad schlagen. Sie verstecken sich, schlafen oder putzen sich. Sie klettern selten, nämlich nur dann, wenn keiner hinsieht. Und sie spielen nicht mit den Federn und Püscheln, die ihnen die Kaffeehausbesucher vor die Pfoten halten. Sie steigen würdevoll wie eh und je über die Utensilien, die ihnen in den Weg gelegt werden und verschwinden in irgendeiner Paketkiste. Was sollen sie auch machen? Jeden Besucher mit einem Milk Tonic begrüßen? Zum gemeinsamen Selfie einladen? Oder eine kurzweilige Revue am Kratzbaum aufführen? Der „Katzentempel“ ist eben nicht Lalaland.

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Eigentlich ist es ja begrüßenswert, wenn die Tierliebe berufstätiger Großstädter nicht in in einem wenig tierliebenden Zoobesuch oder mit dem Kauf einer halbherzig gepflegten Hauskatze endet. Aber warum man sich dann nicht einfach mit einer Thermoskanne und einem Stück Butterkuchen ins nächste Tierheim begibt und seine Hilfe anbietet, bleibt wohl eines der vielen Rätsel des Großstadtdschungels.

Mit der Frage „Wer hat hier eigentlich wen beobachtet?“ im Kopf verlasse ich schließlich das „Menschencafé “ für Katzen. An der frischen Luft läuft ein Hund an mir vorbei. Er wedelt mit dem Schwanz, schnüffelt neugierig an meinem Hosenbein und blickt zu mir hinauf, als wolle er sagen: „Siehste. Hund sind eh die besseren Katzen.“




Avantgarde und Altkleider – ein Ausflug in die Kunstszene.

Avantgarde Mode Kunstwelt

Leere im Kopf. Geistige Stille. Wohlige Gedankenlosigkeit kann Genuss und Folter sein. Man erlebt sie beim Autofahren, Wäscheaufhängen oder bei eintönigen Monologen, die sich wie eine Fernreise in der 30er-Zone anfühlen. Doch noch größeren Genuss und tiefere Folter erlebt man beim Gegenteil hiervon: beim Übersprudeln irrer Ideen, bei Quickstep tanzenden Gedanken, beim bunten Bilderrausch im Kopf. Diese Form der neuralen Implosion durfte ich kürzlich erleben.

Ich war auf einer Vernissage – und hatte Angst Funken würden bald aus meinen Ohren sprühen.

Kunst an sich ist für ironische, mitunter zynische Menschen eine Herausforderung. Zu schnell stürzt sich der eigene Schalk im Nacken auf die oberflächliche Abstrusität oder Banalität eines Werkes. „Das kann ein Schimpanse besser malen.“ oder „Wer hängt sich denn sowas über das Sofa? Das sieht aus als habe ein Kind Wachsmalstifte ausgekotzt.“ sind die gängigsten Urteile kleingeistiger, blödelnder Museumsbesucher – wie mir. Doch wie jedes Mal, nahm ich mir vor mich diesmal der Kunstwelt zu öffnen. Hinter die überbelichtete Fassade zu blicken. Die Werke auf mich wirken zu lassen. Mich der Inspiration und Ästhetik zu öffnen.

Um es abzukürzen: bei der Bilderserie zum Thema Ei begann ich den Vorsatz zu zerschlagen – wie gut gemachtes Rührei. Bei der Fotoarbeit bestehend aus Gegenständen, mit denen man sich selber befriedigen können soll, wollte ich mich schließlich mit dem abgebildeten Schwimmflügel erdrosseln. Als die Moderatorin des Abends schließlich sachlich verlauten lies die Künstlerin, die über Jahre hinweg ihren Vorgarten millimeterweise untersucht habe, fasziniere es eben „wenn ein Staubkorn wie eine Schnecke“ aussähe, entfuhr mir schließlich ein lautes „So ein Quatsch.“ Ich war mir sicher, die Staubkörner applaudierten mir in diesem Moment. Ansonsten war es recht still.

Um mich von diesem lauten Irrsinn abzulenken, lies ich meinen Blick schließlich schweifen. Und vergaß die Staubkörner schlagartig. Es war als hätte man einen Tropfen abbekommen und würde im Umdrehen feststellen, dass man sich im Auge eines Hurricanes befindet. Um mich herum kreiste der wahre Irrsinn. Irrsinn, der mich berührte und inspirierte zu einem eindrücklichen Werk.  Expressionistisch in seiner Bildsprache, mutig in seinem Perspektivwechsel, kritisch in seiner Farbvariation präsentiere ich die Weltpremiere der Fotoarbeit „Entschuldigung, sind Sie Teil der Ausstellung?“

Avantgarde Kunstausstellung Hipster
Titel: Stirnband gegen Engstirnigkeit.
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Titel: Latzhose aus Gartentischdecke.
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Titel: Karierter Frost im Museum.
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Titel: mustergültig.
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Titel: Strick, formschön.
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Titel: Nasebohrer mit Smart Phone/Popel.
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In der Tat.

Und so schloß ich meinen Frieden mit der Erkenntnis: Wenn die Kunst nichts mehr zu bieten hat, wird das Publikum zur Ausstellungsfläche.




Durchmachen bis es quietscht – von politischen Pappnasen und gewählten Karnevalsvereinen.

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Die wichtigste, die fünfte Jahreszeit stand unter keinem guten Gestirn. Dunkle Wolken hingen über dem schwarz-roten Himmel. Die Katerstimmung lag bereits vor der eigentlichen Sause in der Luft.

Zunächst formierte sich dieses Jahr das Dreigestirn in buchstäblich letzter Minute. Erst am Abend vor Beginn der hochheiligen Karnevalsession und nur um eine Pappnasenlänge pünktlich zur Weiberfastnacht standen Jungfrau Angela, Prinz Martin und Bauer Horst ramponiert und rotnäsig vereint auf der Bühne. Die Formierung hatte sich zunächst hingezogen, da sich die koalierenden Karnevalisten nicht auf die Auswahl des passenden Wurfmaterials einigen konnten. Die Entscheidung zwischen pappigsüßen Steuersenkungen und sachgrundloser Kamelle fiel schwer. Man stritt sich. Man macht die Nächte durch bis es quietschte und suchte vergeblich nach einer für alle tanzbaren Hymne der Saison. Doch die Aussicht auf große Bühnen und schallendes Gelächter bewegte sie schließlich zum Durchhalten.

Und so wurden alle Spaßbremsen beseitig. Es konnte endlich losgehen mit den albernen Festreden und öffentlichen Beleidigungen. Man war zuversichtlich, die Besetzung war schließlich die talentierteste im ganzen Lande. Prinz Martin erzählte die besten Witze (unvergessen sein Brüller aus dem Herbst „Wir stehen für eine große Koalition nicht zur Verfügung.“). Bauer Horst sangt die melodischsten Heimatlieder („Viva Obergrenzia“ bleibt der bekannteste Klassiker). Und Jungfrau Angela war schon immer ein echter Hingucker als Pantomime im bunten Kostüm. Der Rest der Entourage verkleidete sich zudem äußerst stilvoll als Grokodile mit leicht traurigem Gesichtsausdruck. Auch wenn die Kostüme zwickten und die Perücken juckten, bemühte man sich um gute Stimmung. Das intonierte „da simma dabei, dat wird prima“ wirkte zwar zaghaft und trotzig, aber stets sehr bemüht.

Da man zuvor die Nächte durchgequietscht hatte, blieb zwar Zeit für Selfies aber leider nicht für das Schreiben neuer Büttenreden. Man beschloss daher einfach die Witze der letzten dreizehn Jahre aufzuwärmen. „Europa stärken, tätätä. Erdwärmung auf 2°C begrenzen, tätätä. Breitbandinternet für alle, tätätä.“ Ob Karl Theodor und Anette am Kopierer zur Hand gingen ist nicht bekannt.

Doch dann geschah das Unvorstellbare: Aschermittwoch ereignete sich vor dem Rosenmontag! Der Prinz verschwand über Nacht! Prinz Martin war zunächst voller Tatendrang und plante den Festzugswagen selber zu steuern, am liebsten ins Ausland. Doch ausgerechnet seinen eigenen roten Jecken – den Mitglieder des zwar nur zweitbeliebtesten, aber immer noch größten Karnevalsvereins – ging dies zu weit. Auf Martins schlingernden Fahr- und Führungsstil hatte keiner mehr Lust und die Roten Funken sprangen schließlich seekrank über die Reling des Prunkwagens. Sie landeten in der mütterlichen Umarmung von Funkemariechen Andrea, die schnell durch ihre beeindruckenden Spagate vom Tanzmariechen zur Vorsitzenden des Karnevalvereins aufgestiegen war. Unklar ist jedoch, ob sie Prinz Martin, der inzwischen beleidigt im RE nach Würselen vermutet wird, so kurzfristig beerben wird. Mit fremden Federn schmückt sie sich zwar eigentlich gerne, aber die Tatsache, dass sich Bauer Horst mit seinem Hang zur Folklore um alle inneren Angelegenheiten kümmern soll ist ihr so zuwider, wie das sauber gesprochene „sch“.

Karneval Pappnase Pfütze Clownsnase

Angesichts dieser wahrlich närrischen Zeiten kratzt sich der nüchterne Beobachter wohl nur noch verwundert an der eigenen Pappnase. Was bleibt ist die Frage: ist am Aschermittwoch (oder Achermittwoch, wie Andrea sagen würde) schon wieder alles vorbei? In jedem Fall ist klar für wen die Fastenzeit bereits jetzt begonnen hat: Kapellmeister Sigmar.




Deutschland, du Land der Dichter, Denker und Erfinder – von Slogans.

Deutschland

Des Deutschen liebstes Reiseziel ist und bleibt Deutschland. So rational wir Deutschen sind, so verständlich ist dieser Schritt. Kann es ein schöneres Reiseziel geben als dieses ordentliche, pünktliche, unaufgeregte, Funktionskleidung tragende Wunderland, welches geteilt ist in 15 kleine, paradiesische Oasen der Vielfalt – und Bayern? Wer braucht da schon fernöstliche Darmviren, italienische Unpünktlichkeit oder amerikanische Fettleibigkeit, die sich zunehmend im Gehirn abzusetzen scheint, wenn er Schwarzbrot, einheitliches Wetter (13° und Nieselregen) und flauschiges Toilettenpapier haben kann.

Jetzt zu Beginn eines jeden Jahres plant und bucht der gewissenhafte Deutsche daher seinen Jahresurlaub im eigenen Land. Doch wo soll die Reise hingehen bei all den Möglichkeiten? So bunt ist die Auswahl, so schwarzrotgolden sind die Aussichten. Längst haben die Bundesländer den Kampf um Besucher, Bewohner und Sanifair-Anlagen-Nutzer aufgenommen. Mit emotional aufwühlenden Werbekampagnen buhlen sie um unsere Gunst und laden uns zum Verweilen ein. Pointierte Slogans lachen uns von Autobahnschildern an und man fährt mit Stolz und Neugier durch dieses vielfältige Land. Ein Land in dem so viel möglich zu sein scheint –  sei es hanseatische Haarentfernung mit Panoramablick (Hamburg: „Wachsen mit Weitsicht.“) oder wohltuende, mecklenburgische Starkstromtherapien mit Megavolt („MV tut gut.“). In diesem Land, das einst geteilt war, gibt es keine Grenzen: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ (Baden-Württemberg) – ok und bescheiden sein, Feinstaub reduzieren und Elektroautos bauen. Aber dafür haben unsere grünen Landesväter einen feschen Borstenschnitt.

Deutschland Hamburg Elphi Landungsbrücken

Eine Reise durch die Republik zeigt uns, dass wir ein Land der Lässigkeit und Toleranz sind. In der Hauptstadt darf gestottert („Be Berlin.“) werden. In Brandenburg darf ein jeder „Neue Perspektiven entdecken.“. Da ist es dann auch völlig in Ordnung, wenn man die „neuen“ Perspektiven der AfD entdeckt und einer Partei der Rückwärtsgewandtheit zu einem 22%-Wahlerfolg verhilft. Dabei denkt die AfD  genau wie NRW, sie sei „Germany at its best.” Das Beste von Germany schlussfolgern wir sind dann also permanente Staus – des Verkehrs oder der Blutzufuhr zum Gehirn.

Deutschland Ruhrgebiet NRW

Im Saarland gilt wiederum „Großes entsteht immer im Kleinen.“ – und es liefert direkt anschauliche Belege, wie zum Beispiel den Größenwahn im Kleingeiste eines Oscar Lafontaine. Großartig. Ehrlicher und direkter agiert man beim Nachbarn Rheinland-Pfalz. Dort gilt „Wir machen’s einfach.“  – nach einem Glas Dornfelder mit der eigenen Cousine. Einfach sind dann auch die Kinder, die hieraus entstehen. Ehrlich ist auch Bremen mit seinem „Bremen erleben.“. Der Besucher ahnt bereits, dass es hier weniger um ein „Bremen genießen oder lieben“ denn um ein „Bremen überleben“ gehen wird. Die hohe Arbeitslosigkeit, Kriminalität und schlechten Schulen der Stadt sind in der Tat ein Erlebnis der Kategorie eindrücklich. Die Weiterreise führt den reiselustigen Bürger sodann nach „Niedersachen. Klar.“…wie Küstennebel. Doch „der echte Norden“ist dann nur in Schleswig-Holstein zu finden. Nur echt mit Güllegeruch und Mittelohrentzündung.

Deutschland Ostsee Küste Strandkorb

Egal ob man sich nach so viel norddeutschem Kulturreichtum auf den Weg nach Helsinki, Honolulu oder Heilbronn aufmacht – „An Hessen führt kein Weg vorbei.“  Das ist so sicher, wie der Durchfall nach zu viel Apfelwein. Kaum in Hessen angekommen wird man dann aber auch direkt gen neue Bundesländer abgeführt. Hier merkt man den Klassenneulingen an, dass sie sich um mehr Seriosität, Inhalte und Traditionsbewusstsein bemühen. Sachsen-Anhalt brüstet sich neunmalklug als „Ursprungsland der Reformation.“ und möchte dafür bewundert werden, dass jemand mal vor sehr langer Zeit einen Zettel an eine Tür geklebt hat. Thüringen kommt geradezu Freudsch daher mit einem „Hier hat Zukunft Tradition.“ Einzig Sachsen bereitet etwas Zukunftssorgen und scheint sich aus Tradition in einer permanenten Findungsphase aufzuhalten. Im „Land der Frühaufsteher“steht man früh auf, um regelmäßig neue Slogans zu erfinden. Und landet am Ende beim denkbar Unattraktivsten, was dieses Land zu bieten hat: „(So geht) Sächsisch.“ Doch glaubte man Sachsen abgeschlagen auf dem letzten Platz, so überholen uns die Frühaufsteher prompt. Modern, wortwitzig und visionär verkünden die sächsischen digital natives ab diesem Jahr: „Hier macht das Bauhaus Schule. #moderndenken“. #modernEUgelderverschwenden

Und Bayern? Bereitet sich anscheinend auf den geplanten bayexit vor und verweigert sich des albernen Werbeblocks. Bayern kann demzufolge nichts. Nicht einmal Hochdeutsch. Und macht doch wieder einmal alles richtig.




Lasst uns froh und nicht mehr ganz knusprig sein

Weihnachten Lebkuchenmann

Was ist Weihnachten – außer verknotete Lichterketten, kariöse Kekse, schnappatmige Kinder, magenweitende Hirschbraten, vergessene Geschenke und ungeduschte Sissi-Revivals? Mit Religion und Glaube hat das Fest in Zeiten, in denen wir unsere eigene Transzendenz und Spiritualität baukastenartig selbst zusammenzimmern, herzlich wenig zu tun. Für viele ist das Weihnachtsfest eine wahllose Anhäufung von Feiertage, an denen man große Mengen an Kalorien und Familienmitgliedern ertragen muss. Beides so schwer verdaulich, wie die Geschichte vom Bday eines jungfräulich empfangenen Gottessohnes himself.

Im Streben nach Perfektion und zimtiger Stimmung empfinden viele sodann vornehmlich puren Stress. Die höllisch Heilige Nacht wirkt herausfordernder als ein Kindergeburtstag der ADHs-Kitagruppe „Kleiner Flosack“. Zu viele Mäuler und Menschen gilt es gleichzeitig glücklich zu machen. Doch was nützen all die Vorfreude und Vorbereitung, wenn man vor lauter hektischer Jonglage von Erwartungen, Geschenken und Kartoffelknödeln den eigentlichen Moment des Genusses verpasst? Denn ein Fest des Genusses soll und wird Weihnachten immer sein. Wir genießen die Tage ohne Pendlerverkehr, Arzttermine und Monday Blues. Doch was ist es nun genau an Weihnachten, was es mehr sein lässt als ein bisschen Urlaub mit Lametta?

Weihnachten Rockefeller Center Christmas Tree

Weihnachten ist vor allem eines: das Gefühl von Zuhause-Sein. Ob wir selber „Driving Home for Christmas“ im Stau auf der A1 anstimmen oder am Küchenfenster stehend Empfänger der heimkehrenden Besucher sind, ein Gefühl von Zuhause verbindet uns an Weihnachten. Zuhause ist dabei kein bestimmter physischer, vertrauter Ort, sondern vielmehr ein emotionaler Ort der Verbundenheit mit anderen vertrauten Menschen. Weihnachten ist ein Fest der Familie und Freunde. Ein Fest der Begegnungen. Dabei ist es doch eigentlich egal, ob diese Begegnungen neben einem schiefen Weihnachtsbaum oder über einer versalzenen Ente geschehen.

Eine zentrale Rolle wohnt dabei diesen eigenartigen Menschen und komischen Vögeln inne, die einem als lebenslange Zwangsfreundschaften irgendwie aufgebürdet wurden. Auch bekannt als Familie. Ob durch Blut, Heirat oder besonders komplizierte Lebensformen verflochten, Familien bringt und hält eine eigenartige Form der Liebe zusammen. Ganz ohne Schmetterlinge im Bauch, Erotik, Sichverstellen oder Hinterfragen des Beziehungsstatuses lieben wir unsere Familie. Das würden wir natürlich niemals zugeben. In ihrer zu egoistischen, langweiligen, verfressenen, ehrlichen, unmodischen, gemeinen, spießigen (…) Art raubt sie uns den letzten Nerv und allerletzten Knödel auf dem Teller (nicht dass wir noch Hunger gehabt hätten, aber es geht ums Prinzip).

Verbringen wir Weihnachten also im Kreise nervtötender Menschen sollten wir dankbar sein. Wir haben eine Familie. Das hat nicht jeder. Lasst uns froh und… nichts anderes sein.

Um nun doch etwaige familiäre oder endogastrale Spannung durch herzhaftes Lachen zu lösen, sei zum Punktespiel „Lasst uns pups-froh und nicht mehr ganz knusprig sein“ geraten. Zur Förderung des Frohsinns und für ein schepperndes Weihnachtsfest gilt es vom 24. bis 26.12. eine maximale Punktzahl zu erarbeiten:

  1. Die eignen Socken ausziehen und an den Baum hängen. (1 Punkt)
  2. Sich während des Festmahls mit Disney-Namen ansprechen. „Ariel magst du mir mal den Rotkohl reichen? – Gerne Pocahontas. Wann kommen eigentlich die Aristocats?“. Einen Bonuspunkt gibt es, wenn dies in einem öffentlichen, gastronomischen Betrieb aufrechterhalten wird. „Meine Daisy Duck nimmt auch ein Glas vom Merlot.“ (1 Punkt)
  3. Gemeinsam unter dem Baum „Wann wird’s mal endlich wieder Sommer“ oder „Despacito“ singen. (1 Punkt)
  4. Mit einem Hammer auf den Christstollen schlagen, nach der Adventskerze greifen und „Ich geh unter Tage. Glück auf.“ rufen. (1 Punkt)
  5. Jemandem unbemerkt Aufkleber oder Etiketten auf den Rücken kleben. Einen Bonuspunkt gibt es für Verwendung eines Schellenaffen-Stickers. (1 Punkt + 1 Bonus-Punkt)
  6. Unter verwenden folgender Begriffe anwesenden Kindern die Weihnachtsgeschichte erklären: Jamaica-Aus, I Bims, Fidget-Spinner, Bitcoins, Donald Trump und Hornhauthobel. (2 Punkte)
  7. Gekochte Eier gemeinsam bemalen. (2 Punkte)
  8. 27% des Kekstellers auf einmal in den Mund stecken und „Stille Nacht“ pfeifen – bis zum Ende. (2 Punkte)
  9. Im Falle einer familiären musikalischen Einlage plötzlich Liegestütze oder Kniebeugen (im Takt) machen. (2 Punkte)
  10. In der Kirche „Wohoooo“ rufen. Zwei Extrapunkte gibt es, wenn der Ruf unmittelbar nach einem „Und nun falten wir die Hände zum Gebet“ erfolgt. (2 Punkte + 2 Bonus-Punkt)
  11. In der Kirche einen Fremden high-fiven. Einen Extrapunkt gibt es für das Abklatschen eines Würdenträgers (3 Punkte + 1 Bonus-Punkt)
  12. Teile des Festessens heimlich verpacken und jemandem als Geschenk überreichen. Einen Extrapunkt gibt es für das Überreichen fleischlicher Nahrungsmittel an einen Vegetarier – mit den Worten „Für dich wie immer eine kleine Extrawurst“. (3 Punkte + 1 Bonus-Punkt)
  13. Ein unbeliebtes Weihnachtsgeschenk am gleichen Abend bei ebay Kleinanzeigen inserieren. Einen Extrapunkt gibt es, wenn das Geschenk bis zum 26.12. verkauft wurde. (3 Punkte + 1 Bonus-Punkt)
  14. Lebende Haustiere im Weihnachtsbaum verstecken. Zwei Bonuspunkte gibt es, wenn es sich dabei um Fische handelt. (3 Punkte + 2 Bonus-Punkt)

Der Schellenaffe wünscht euch frohe Weihachten – und sich selber Spielstände und Erfahrungsberichte. Lasst uns froh und scheppernd sein!

Weihnachten Weihnachtsbaum

 




Der Plan

Heute wird Klartext geschrieben. Das ist ja alles ganz putzig hier, einmal die Woche eine seichte Geschichte, kommentiert von „dreimal beliebiger Buchstabe“ (Hab dich lieb), geliked von unseriösen Wannabe-Influencern, die weder des Deutsch noch der Ironie mächtig sind, und geteilt von Freunden, die mir mitleidig die Stange halten, vermutlich in der Hoffnung bald montags endlich wieder Bild.de auf dem Weg zur Arbeit lesen zu dürfen. Alles ganz nett, aber von nett wird man nicht satt. Ich bin gierig. Ich will Geld verdienen und ein Millionenpublikum belästigen. Ich brauche folglich: einen Marketingplan, der es in sich hat. Eine Vermarktungsstrategie, die nice und nicht nur nett ist.

Beginnen wir mit einer Bestandsaufnahme – und den ersten, fundamentalen Fehlern, die ich begangen habe bei Inbetriebnahme meines öffentlichen Affenzirkuses. Wie jeder weiß, gibt es einzig und alleine drei Dinge, die den Menschen wirklich faszinieren und bewegen. Das sind weder Affen, Worte, noch Montage. Es sind nackte Haut, Babys und Tierkinder. Wenn ich das mit dem bescheuerten Scheppern aus Gründen der Kontinuität weiterbehalten möchte muss ich das Logo also umbauen: ein Kleinkind haut zwei nackte Affenbabys zusammen. Zudem sollte der Markenname – ob Schellenaffe, Kind-haut-Affen oder irgendetwas anderes wird in einer Marktforschung auf Merkbarkeit und Einzigartigkeit hin validiert werden – deutlich unlesbarer geschrieben werden. Idealerweise in einem mondänen Kreis um das Logo, sodass man nicht weiß wo der Anfang ist. Denn welche Marke möchte nicht den Kopf seiner Konsumenten verdrehen. Da diese „Neuausrichtung“ selbst meine PowerPoint-Fähigkeiten überschreitet (das derzeitige Logo ist tatsächlich in Power Point entstanden), mögen sich arbeitslose Webdesigner, die sich dieser unwürdigen Aufgabe stellen wollen bitte bei mir über das Kontaktformular melden. Hier ein erster Designentwurf der „Naffeschelle“:

Naffeschelle Logo Kind Affe

Die Logoerneuerung wird sodann als Teil meines ersten Marketingcoups als Relaunch, also als marktverändernde Neuausrichtung der Brand vermarktet. Ob Launch oder Relaunch, zu jeder Marke gehört auch immer eine emotionale Definition des Markenkerns. Das lernen BWL-Studenten bereits bevor sie sich das erste Mal den Kragen ihres Poloshirtes hochgestellt haben. Wofür steht also meine Marke? Was ist der emotionale Kern meines Produktes? Auch hier habe ich alles falsch gemacht, was möglich war. Scheppern im Kopf ist ein souveräner Griff in die klappernde Toilette. Naffeschelle muss das verbinden, was die Menschheit wirklich bewegt.  Im Jahr 2017 ist laut Google Trends der meistgesuchte Begriff „Wetter“. In der Bildersuche ist es „Tattoo“. Demzufolge ist der neue Kern der Marke „Naffeschelle – Wetter tätowiert“. Hierfür brauche ich unverbrauchte, nackte Haut. Demnach gilt es eine Vielzahl (genauer: 365) williger Praktikanten mit der Aussicht auf falsche Hierarchien und flexible Überstunden zu locken und als lebende Wetterkarten einzusetzen. „Orkantief Holger kreist über den Atlantik, also den rechten Quatrizeps diese schmächtigen Informatikstundenten, von Westen heran. Ziehen Sie sich also warm an und Dirk wirf dir bitte auch wieder etwas über.“

Neben dieser nützlichen Dienstleistung, wird das Angebot der Naffeschelle durch Bilder und Videos meines Alltags ergänzt. Naffeschelle geht schließlich nicht nur auf, sondern auch unter die Haut. Zur emotionalen Ansprache und Bindung meiner Follower muss ich persönlicher werden. Authentizität, Nähe und radikale Transparenz fordern, dass ich mich beim Anbringen eines neue WC-Steins, bei Rücksendung eines Amazon-Paketes, bei der Zahnzwischenraumreinigung oder beim Durchblättern der Einkauf-Aktuell filme. Diese ganzen von Schachtelsätzen und angeberisch eloquenten Begrifflichkeiten durchzogenen Berichte kann ich mir wiederum ersparen. Texte lasse ich fortan in Bulgarien schreiben – bzw. programmieren. Der Inhalt wird ausschließlich aus vordefinierten Textbausteinen und Listen bestehen:

  • 10 Gründe warum [Games of Thrones bezogene Fragestellung]
  • 5 Tipps gegen [banales Liebes- oder Ordnungsproblem]
  • Wusstest du, dass 7 [mit einem Gebetswürfel erfundene Fakten]

Soviel zum vielfältigen Dienstleistungsangebot der Naffeschelle. Nun zur wichtigsten Frage: Wie erhöhe ich die Bekanntheit von Naffeschelle und erreiche meine Zielgruppe der 27-jährigen, angelaffinen, transgender Mungobohnenliebhaber ? Ich brauche wie Cristiano Ronaldo oder Katzenbabys vor allem eins: Aufmerksamkeit. Dies erziele ich in der heutigen Zeit omnipräsenter Werbebotschaften nur durch eines: Radikalität. Ich brauche einen PR-Stunt, eine Guerilla-Aktion, die es in die Feeds und Fernsehnachrichten der Republik schafft. Hierzu bedarf es Mut zum Ungewöhnlichen. Das Thema Scheppern bietet hier ungeahnte Spielräume.

Naffeschelle wird durch scheppernde Becken auf sich aufmerksam machen. An ungewöhnlichen Orten platziert sich das Marketingteam und wird durch Lärm von sich reden machen. Private Trau(er)reden, angespannte Fahrprüfungen, trockene Pressekonferenzen, Neujahrsansprachen, Militärmanöver auf hoher See, im Kreissaal, beim Snoozen oder beim Kauf eines Bananenschneiders bei Tchibo – Naffeschelle wird diese Momente kakophonisch begleiten und seine Botschaft verbreiten: viel Lärm um nichts. Passend hierzu wird es eine Social Media Kampagne geben: eine bunte Auswahl digitaler Wanderhuren, auch bekannt als Influencer, wird käuflich erworben und ebenfalls Becken schwingend ihren Fans von Naffeschelle berichten. Durch die Verwendung uniquer Hashtags (#makeradaugreatagain #belastend #naffeschellechallenge #ichbinbescheppert) wird die Aktion „abgerautet“.

Flankiert wird das Marketingpaket zudem durch eine user generated content Aktion. Hierzu wird es eine Verlosung über Facebook geben: Verlinke unter dem Bild einer trocknen Toastbrotscheibe deinen uninspirierendsten Freund und erhalte einen exklusiven Merchandizing Artikel: einen mit Naffeschelle gebrandeten Nagelknipser.

Wer an dieser Stelle nun verwirrt und ausgeknipst ist, dem sei gratuliert. Die Marketingbotschaft „Scheppern im Kopf“ wurde peneriert, der Markenkern verstanden. Hervorragend. Wer mich, sich und Dirk wiederum vor all dem bewahren möchte erzähle doch einfach seinen Freunden, Steuerberatern oder Busfahrern vom Schellenaffen. Auch wenn man davon nicht satt wird, das wäre sehr nett. Oder nice.