Skandal: Digitalisierung stellt sich als Bluff heraus.

Silicon Valley. Der technologische Fortschritt wird als Errungenschaft der Moderne gefeiert. Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Sie wird stetig neue Bereiche unseres Lebens erobern. Ihre jüngste Errungenschaft sind sprachgesteuerte Häuser, sprechende Uhren und selbstfahrende Autos. Diese Grundannahme unserer modernen Gesellschaft gerät nun jedoch ins Wanken. Neueste Forschungsergebnisse rufen Zweifel hieran auf. Ein internationales Team an Wissenschaftlern untersuchte den Inbegriff der Digitalisierung, das sogenannte „Smartphone“. Was sie beim Blick in das Innere der vermeintlich elektronischen Wundergeräte entdeckten, entsetzt nun die Welt.

Im Inneren aller untersuchten „Smartphones“ fand sie die gleiche Technik: jene, die in den neunziger Jahren bei sogenannten „Tamagotchis“ im Einsatz war. Durch die sich sehr stark ähnelnden Funktionsweisen der Geräte waren die Wissenschaftler zunächst auf eine mögliche Verbindung aufmerksam geworden und untersuchten, ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Techniken besteht. Das regelmäßige Fordern von Aufmerksamkeit, die nervtötenden, akustischen Signale und das perfide Gefühl der Unterlegenheit in der Bedienung waren Schlüsselindikatoren.

Der Verdacht bestätigte sich nun und so konnten die Wissenschaftler ein Mysterium der Moderne klären, indem sie die Frage beantworteten, wohin all die Tamagotchis Ende der Neunziger verschwanden. Während Umweltbehörden diese Form des Recyclings begrüßten, sind Technikbegeisterte auf der ganzen Welt entsetzt und fragen sich, wie sie sich so blenden lassen konnten? Von einem glänzenden, bunten Display? In ihrer Studie erklären die Wissenschaftler dieses Phänomen damit, dass die Höhe des Kaufpreises zu einer Überreaktion im Gehirn führen würde, die den Besitzer des Gerätes Dinge sehen, spüren und hören lasse, die nicht da seien (wie zum Beispiel Personen, die sie „Siri“ nennen, oder Vibrationen). Sie nannten das neu entdeckte Phänomen „Algorithmen“. Und so stellten sie sogar einen besonders engen, nicht nur begrifflichen Zusammenhang fest zwischen „Tamagotchis“, welches sich aus den japanischen Worten für „Ei“ und „Uhr“ ableitet und den Geräten der Firma Apple, die stets einen Hinweis auf Eier im Namen enthalten.

Zudem erklärt die Studie, die auf einem Overhead-Projektor der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, warum diese Verbindung so lange unbemerkt blieb. Die Geräte, die von den Forschern als „recycelte Eier-Uhren“ betitelt wurden, würden bei einem Defekt (der im Übrigen meist durch das Vergessen des überteuerten Verkaufspreises entstünde) nicht repariert, sondern durch ein neues Gerät ausgetauscht . Dadurch würde nie jemand in das Innere der Geräte schauen und deren Technik genauer untersuchen. Gleiches Vorgehen zeigte sich damals wiederum bei Tamagotchis. Waren sie defekt, wurden sie weggeworfen (gegen eine Wand). Daher vermuten die Wissenschaftler, dass Tamagotchis selber nur weiterverarbeitete Technik sind und ihre Elektronik ursprünglich aus Eieruhren übernommen wurde.

Doch damit nicht genug: Neben diesem Phänomen werden die Forscher als nächstes die Frage untersuchen, ob in unseren modernen Computern Muttis alte Haartrockner verarbeitet wurden. Die Tatsache, dass beide Apparaturen viel heiße Luft erzeugen, brachte sie auf die Fährte. Gespannt wartet die Welt daher nun auf die nächsten Studienergebnisse – und das Klingeln ihrer Eieruhren.




Gute Neuigkeiten.

Gute Neuigkeiten Positive News Optimismus

Überall brennt es. Das Klima der Erde. Der australische Kontinent. Die Flammen des Populismus. Der Sod im Magen. Überall wo man hinsieht, lodern gefährliche Entzündungsherde und Feuerstürme. Traurige Bilder und schlechte Schlagzeilen sprechen täglich zu uns. Es läuft bei uns. Rückwärts und bergab.

Ist das so? Ist das, muss das der Lauf der Dinge sein? Folgt man den Medien und Erzählungen, entsteht dieser Eindruck. Die Welt verkommt zu einer Mischung aus Grau und Grauen. Wir leben in einer Dauerkrise. Wie die große Koalition, der HSV oder eine beachtliche Liste an Kronprinzenpaaren. Krise reiht sich an Krise. Katastrophe an Katastrophe.

Alles ist ganz doll arg schlimm. Diesmal wirklich.

Gute Neuigkeiten Positive News Optimismus

Das Skurrile daran ist: es war schon immer so. Jede Generation rechnete mit dem baldigen Ende der Menschheit. Man muss nicht ins stockdüstere Mittelalter schauen, um dies zu begreifen. Weltkriege, Waldsterben, Kubakrise. Selbst meine eigene Kindheit war geprägt von endzeitartigen Dämonen und Geistern – von denen heute nur noch schlaffe Bettlaken übrig sind. Die Sorgen und Nöten, von denen heute kaum jemand mehr spricht, waren groß. Waren sie große Schreckgespenster?

Deutschland war der kranke Mann Europas, der von hoher Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung sicherlich bald danieder gerafft würde. Heute badet der alte, kranke Mann in Haushaltsüberschüssen und historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen.

Das Ozonloch drohte uns alle endgültig zu verschlucken. Jetzt hat es sich irgendwie selber verschluckt.

AIDS und BSE würden die Reste der Menschheit, die nicht durch das Ozonloch und drohende Klassenkämpfe ohnehin schon vernichtet werden, gewiss endgültig eliminieren. Doch die Menschheit gab gemeinschaftlich Gummi und konnte die Krisen überwinden. Die Zahl der HIV-Neuinfizierungen geht seit Jahren zurück, Therapien und damit die Lebenserwartung von Erkrankten haben sich deutlich verbessert. Oder kennt jemand einen Fall von BSE im direkten Umfeld?

Deutsche Kinder sind seit Jahren katastrophales Mittelfeld im PISA-Vergleichstest. Komisch, dass wir noch immer Exportweltmeister sind und bekannt für fingerfertige Ingenieurskunst, die vielleicht Goethes Faust nicht kennt.

Immer mehr Menschen haben Zugang zu Wasser, Strom, medizinischer Versorgung und Internet (und damit zum Rest der Welt). Nicht zuletzt sinken dadurch die Kindersterblichkeit und -armut beachtlich.

Die AfD stellt die Demokratie vor eine anstrengende Bewährungsprobe, die alle Parteien und Bürger vor neue Herausforderungen stellt. Doch vielleicht gehen 80% von uns streitbarer, standfester, klüger aus dieser Erfahrung des Umgangs mit den 20% stark andersdenkenden Menschen heraus.

Die gute Nachricht dieser Woche: Es regnet in Australien und der größte Buschbrand ist inzwischen unter Kontrolle geraten.

Gute Neuigkeiten Positive News Optimismus

Die Liste lässt sich fortführen. Wenn man nur will. Wenn man hinsieht. Doch reflexhaft möchte man sagen: Ja, aber…aber es brennt noch immer. Aber die Konjunktur schwächt ab. Aber bald sind wir ohnehin nicht nur der kranke Mann Europas, sondern Europa ist die gebrechliche, schrullige Sippschaft. Aber der Krebs ist noch immer nicht geheilt.

Aber warum dieses aber? Inwiefern hilft es, schlechte Laune und noch schlechteres Gewissen zu fördern? Panik zu machen? Vom Schlimmsten auszugehen? Es geht nicht darum, die Welt nur noch durch eine rosarote Brille zu sehen. Aber was hält uns davon ab, zumindest ein Glas dieser Brille etwas farbenfroher einzufärben? Inwiefern schadet uns etwas mehr Optimismus?

In diesem Sinne liefern heute nicht der Schellenaffe selbst, sondern seine Leser die passenden Zeilen und Gedankenanstöße. Was gibt es Gutes in dieser Welt? Was ist besser geworden? Wofür ist man dankbar in seinem Leben? Ich bin voller Optimismus, dass sich mindestens ein treuer Kommentar finden wird. Mögen ihm einige oder „triple B“-eispiele folgen. Mögen die guten Nachrichten sprudeln. So wie der Regen über Australien und die Steuereinnahmen.

Und wenn nichts sprudelt oder tröpfelt, ist das auch keine schlechte Nachricht. Denn ich durfte diese Woche lernen, dass auch eine Null etwas Positives sein kann: Beim Blutspenden wurde ich freundlich begrüßt mit den Worten „Ach, Sie sind ja eine positive Null“. Das lernt man nicht im Pisa-Test, sondern im Leben. Im Leben, das mehr zu bieten hat, als Brande und Katastrophen.




Thema: Vergessen.

Vergessen Vergesslichkeit

Welches Gemüse kauft ein Galerist? Nein, welche Banane kauft ein Salafist? Ok, der Witz ging irgendwie anders. Wie er richtig lautet, weiß ich nicht. Nicht mehr. Denn ich vergaß  ihn. Wie jeden anderen Witz auch, der mir erzählt und belacht wurde. Aber Witze sind nicht das Thema heute, sondern, Moment, ich komm gleich drauf, ach ja: ich habe es vergessen.

Mein Hirn kann sich nichts merken, weil es damit ausgelastet ist, Dinge zu vergessen. Witze. Toilettenpapier einzukaufen. Blumen zu gießen. Den Tee zu trinken, den man sich aufgegossen hat. Namen sind ein besonderes, namenloses Grauen. Jedes Mal, wenn sich mir jemand vorstellt, passiert das Gleiche. Ich denke: „Achtung, da kommt gleich eine Hand auf dich zu. Mit der Hand wird dir ein Name gereicht. Merke ihn dir. Sofort! Wichtig!“ Das nächste, an das ich mich erinnere, ist, dass ein langes Haar auf der Schulter meines Gegenübers lag, während mein Hirn mit der Frage beschäftigt war, ob man jemals herausfinden kann, wie fest sich der eigene Händedruck eigentlich anfühlt. So wie man den eigenen Körpergeruch ja auch nicht wahrnehmen kann, weiß man nie, wie waschlappig oder nussknackerig der eigene Händedruck ist. Aber was wollte ich sagen? Ach ja. Oft habe ich mir schon Tipps geben lassen, um mir das Ermerken von neuen Namen zu erleichtern. Zum Beispiel soll man den neuen Namen direkt aufgreifen und in einem Satz verwenden. „Schön, dich kennenzulernen, Mann mit dem Haar auf der Schulter“ Aber diese Technik vergesse ich natürlich im entscheidenden Moment. Und all diese Tricks, um das eigene Hirn zu überlisten, stoßen eh schnell an ihre Grenzen. Unser Hirn ist uns überlegen. Sich den Namen von Neugeborenen oder von gut gelaunten Fitnesstrainern zu merken (oder soll man sagen: „Toll, dass du uns heute quälst, Bianca.“?), ist so unmöglich, wie sich gegenseitig die Hand zu geben, ohne sich zu berühren. Das kann man direkt vergessen.

So, wie ich direkt vergesse, was ich eigentlich vom Dachboden holen wollte, sobald ich mich an diesem zugigen, muffigen, unwirtlichen Ort befinde. Und so gehe ich meist nicht nur in Gedanken, sondern auch physisch zurück in den Moment des Loslaufens, um herauszufinden, was ich eigentlich wollte. So bringt man einen ereignislosen Sonntag auch recht schnell über die Bühne.

Manchmal wünscht man sich in seinen dunklen Keller des Vergessens zurück, wenn man vor einem Gesicht steht und sich verzweifelt fragt, woher man diesen Menschen kennt bzw. kennen muss. Man überbrückt den Moment mit einem langgestreckten „Hey na“, als würde die Person Na heißen. Man hofft, dass dieser Na zeitnah Stichworte liefert, die einem dabei helfen, das Gesicht einem Lebensbereich zuzuordnen. Gerne würde man zur Überbrückung der peinlichen Situation einen Witz erzählen. Aber das kann man ja nicht.

Ebenso wenig, wie man sich Träume merken kann. An Telefonnummern, Geburtstage und Passwörter versucht man sich gar nicht mehr zu erinnern. Das übergibt man alles an externe Speichermedien. Unvergesslich wird es nur, wenn man morgens eine Geburtstagserinnerung bekommt und zwei Tage später feststellt, dass man den verfassten Geburtstagsgruß vergessen hat abzusenden. Man kann nur hoffen, dass das Geburtstagskind die eigenen Unzulänglichkeiten schnell wieder vergisst. So wie man selber manchmal sein eigenes Alter vergisst. An die erste Ziffer hat man sich ja hinreichend gewöhnt, aber welches war noch mal die zweite Ziffer? 3 oder 4?

Immerhin hat man sich Zahlen und Buchstaben per se langfristig gemerkt. Auch wenn man sich nicht mehr an den Tag erinnert, an dem man das erste Mal seinen Namen schreiben konnte: in der ersten Klasse lief noch einiges richtig. An vieles, was man in den Jahren danach gelernt hat, erinnert man sich hingegen nicht mehr. Wann war der dreißigjährige Krieg? Wie heißt dieser Baum? An den Namen des Physiklehrers mit der Schuppenflechte erinnert man sich hingegen überraschenderweise noch immer. Je älter man wurde, desto mehr perfektionierte man schließlich das System der Druckbetankung: maximale Aufnahme von Wissen für eine minimale Speicherdauer. Nach jeder Prüfung nieste man das Erlernte sofort wieder aus. Um Platz zu machen für die nächste Prüfung oder die Namen aller Backstreet Boys mitsamt ihrer Hobbys.

Vergessen Vergesslichkeit

Wie eine Batterie scheint sich das Hirn durch dieses mehrfache Auf- und Entladen abgenutzt zu haben. Das mit dem Merken wird merklich schwieriger. Manchmal bleiben nur noch Bruchstücke übrig. Ich weiß, dass ich die Person kenne, aber nicht mehr woher. Ich erinnere mich daran, dass ich zu jemandem sagte „Erinnere mich daran“, aber was es ist oder wer es war, weiß ich nicht mehr. Ich entsinne mich daran, dass mir ein Thema für den nächsten Schellenaffen einfiel, aber ich weiß nicht mehr, welches. Und so greift man zu Hilfsmitteln. Listen. Post-It-Zettel (liebevoll „Gedenktäfelchen“ genannt). Eselsbrücken. Irgendwann wusste man sogar mal, woher der Ausdruck Eselsbrücken stammt. Doch je mehr Hilfsmittel man verwendet, desto waschlappiger wird der eigene Hirnlappen. Und ehe man sich versieht, legt man eine Liste mit allen Listen an. Wie listig.

Ich hatte mir eine ganz pfiffige Pointe für diesen Text ausgedacht. Aber was soll ich sagen. Da niemand zu mir gesagt hat „Ach, vergiss es“ (bekannt als Erinnerungsgarant), habe ich auch diese vergessen. Irgendjemand wird mir jetzt schlau raten: denke nicht dran, dann fällt sie dir wieder ein. Der Hinweis ist so hilf- und inhaltsreich, als ob man einem Hungrigen sagt „wenn du satt bist, brennt irgendwo eine Kerze“. Und doch liegt etwas Wahres in diesem Satz: So wie unser Hirn ohne unser Zutun weiß, wie man Pullover anzieht (siehe Der Autopulliot.), so weiß es eben auch, Dinge zu vergessen. Oder zu erinnern. Viel machen kann man da als Gast im eigenen Kopf jedenfalls eh nicht. Man kann nur hoffen, dass einem der Witz irgendwann wieder einfällt. Um dann festzustellen, dass er nicht ganz so unvergesslich ist, wie gedacht: Welches Obst kauft ein Egoist?

Einen Pfirsich.




Affenzirkus.

Affenzirkus Notfallhirn Grips forte

Man kennt das. Etwas Schlimmes passiert und Blumen und Kerzen werden niedergelegt. Der Spendenaufruf läuft. Eine Trauerfeier für die Opfer wird abgehalten. Irgendjemand hält eine Rede, in der er nach Worten und einem Schuldigen sucht. Alles als Ausdruck von Anteilnahme. Von Betroffenheit. Von Empathie. Für Affen. Für Affen aus dem Zoo: In Krefeld brennt das Affenhaus nieder und die menschlichen Affen trauern. Sie trauern, um die niedlichen Tiere, die sie ein Leben lang in wenigen Quadratmetern gefangen halten, um sie einmal im Jahr begaffen zu können. Wenn diese Kreaturen – sicher sehr qual- und grauenvoll – verbrennen, leidet man mit ihnen. Wenn sie in ihren Käfigen weiterleben, nicht. Mit Verlaub, das ist irgendwie affiges Verhalten. So affig, dass sich der Affe mit den Schellen gegen den Kopf hauen möchte und sich fragt: Ist es nicht eigentlich ebenso schlimm, in einem Käfig zu leben wie in ihm zu verbrennen?

Affenzirkus Affe Fellmantel

Aber dieses affige Verhalten ist gleichzeitig nur menschlich. Zum einen suchen wir das Andersartige. Das Besondere interessiert und die Dramen faszinieren uns. Die Tausende von Affen, die in Zoos leben und sich vielleicht etwas anderes als ein All-Inclusive-Leben in der zugigen deutschen Provinz wünschen würden, sind banaler Alltag. Aber wenn 21 Affen verbrennen, weil irgendjemand seinen guten Neujahrswünschen einheizen musste, eher er sie gen Himmel steigen ließ, dann sind das schockierende Nachrichten und Bilder, die uns wirklich erreichen. Notre Dame muss erst lichterloh brennen, ehe Menschen beginnen, in Denkmalpflege zu investieren (Investitionen in Denk-mal-nach-Pflege scheinen ohnehin spärlich zu sein). Erst mussten unsere Sommer heiß werden und Freibäder der Wurstauslage an der Frischetheke zu ähneln beginnen, ehe uns diese ganze Sache mit dem Klimawandel zu dämmern begann. Wäre der Eisbär auf seiner immer kleiner werdenden Scholle auf der Elbe an uns vorbei getrieben, hätten wir vermutlich eher begonnen zu begreifen. Die Medien befeuern diese Nachfrage nur zu gerne mit glühenden, nachbarschaftlichen Bonmots.

Zum anderen fehlt uns, der Spezies, die sich neun Episoden Star Wars ausdenkt und Pizza-Scheren erfindet, mitunter die Vorstellungskraft für alles, was sich nur ein bisschen weiter entfernt von dem Käfig, in dem wir selbst leben, zuträgt. Wenn derzeit Hunderte von Affen und Millionen anderer Tiere in den unbekannten, fernen Wäldern Australiens verbrennen, dann ist das eben 16.000km weit entfernt von unserer alltäglichen Vorstellungskraft. Brennen Affen, die womöglich auch noch von deutschen Steuergeldern durchgefüttert werden, ist das greif- und damit vorstellbar. Uns fehlt Grips für so etwas, wie den Klimawandel (und dessen direkter Verbindung zu unserem alltäglichen Verhalten). Oder dafür, dass Dinge in fernen Ländern geschehen, die Menschen ihre Kinder alleine auf eine lebensgefährliche Fluchtreise schicken lassen. Dafür, wie es ist, in einem Zelt in Griechenland zu erfrieren. Griechenland kennen wir schließlich nur als warm und gastfreundlich. So schlimm kann das schon nicht sein da auf Lesbos, denkt sich der tapfere Pfadfinder in uns. Und das bisschen Buschbrände kann man ja wohl auch noch irgendwie löschen. Eine Fläche so groß wie Belgien ist ja wirklich überschaubar. Hier in unserem Land, in dem wir für Affen Häuser bauen, ist jedenfalls kein Platz mehr für fremdländische Menschen und ferne Dramen.

Zum neuen Jahr wünscht sich ausgerechnet der Schellenaffe daher vor allem eins: ein bisschen weniger Affenzirkus. Und etwas mehr menschliche Akrobatik.