Skandal: Digitalisierung stellt sich als Bluff heraus.

Silicon Valley. Der technologische Fortschritt wird als Errungenschaft der Moderne gefeiert. Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Sie wird stetig neue Bereiche unseres Lebens erobern. Ihre jüngste Errungenschaft sind sprachgesteuerte Häuser, sprechende Uhren und selbstfahrende Autos. Diese Grundannahme unserer modernen Gesellschaft gerät nun jedoch ins Wanken. Neueste Forschungsergebnisse rufen Zweifel hieran auf. Ein internationales Team an Wissenschaftlern untersuchte den Inbegriff der Digitalisierung, das sogenannte „Smartphone“. Was sie beim Blick in das Innere der vermeintlich elektronischen Wundergeräte entdeckten, entsetzt nun die Welt.

Im Inneren aller untersuchten „Smartphones“ fand sie die gleiche Technik: jene, die in den neunziger Jahren bei sogenannten „Tamagotchis“ im Einsatz war. Durch die sich sehr stark ähnelnden Funktionsweisen der Geräte waren die Wissenschaftler zunächst auf eine mögliche Verbindung aufmerksam geworden und untersuchten, ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Techniken besteht. Das regelmäßige Fordern von Aufmerksamkeit, die nervtötenden, akustischen Signale und das perfide Gefühl der Unterlegenheit in der Bedienung waren Schlüsselindikatoren.

Der Verdacht bestätigte sich nun und so konnten die Wissenschaftler ein Mysterium der Moderne klären, indem sie die Frage beantworteten, wohin all die Tamagotchis Ende der Neunziger verschwanden. Während Umweltbehörden diese Form des Recyclings begrüßten, sind Technikbegeisterte auf der ganzen Welt entsetzt und fragen sich, wie sie sich so blenden lassen konnten? Von einem glänzenden, bunten Display? In ihrer Studie erklären die Wissenschaftler dieses Phänomen damit, dass die Höhe des Kaufpreises zu einer Überreaktion im Gehirn führen würde, die den Besitzer des Gerätes Dinge sehen, spüren und hören lasse, die nicht da seien (wie zum Beispiel Personen, die sie „Siri“ nennen, oder Vibrationen). Sie nannten das neu entdeckte Phänomen „Algorithmen“. Und so stellten sie sogar einen besonders engen, nicht nur begrifflichen Zusammenhang fest zwischen „Tamagotchis“, welches sich aus den japanischen Worten für „Ei“ und „Uhr“ ableitet und den Geräten der Firma Apple, die stets einen Hinweis auf Eier im Namen enthalten.

Zudem erklärt die Studie, die auf einem Overhead-Projektor der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, warum diese Verbindung so lange unbemerkt blieb. Die Geräte, die von den Forschern als „recycelte Eier-Uhren“ betitelt wurden, würden bei einem Defekt (der im Übrigen meist durch das Vergessen des überteuerten Verkaufspreises entstünde) nicht repariert, sondern durch ein neues Gerät ausgetauscht . Dadurch würde nie jemand in das Innere der Geräte schauen und deren Technik genauer untersuchen. Gleiches Vorgehen zeigte sich damals wiederum bei Tamagotchis. Waren sie defekt, wurden sie weggeworfen (gegen eine Wand). Daher vermuten die Wissenschaftler, dass Tamagotchis selber nur weiterverarbeitete Technik sind und ihre Elektronik ursprünglich aus Eieruhren übernommen wurde.

Doch damit nicht genug: Neben diesem Phänomen werden die Forscher als nächstes die Frage untersuchen, ob in unseren modernen Computern Muttis alte Haartrockner verarbeitet wurden. Die Tatsache, dass beide Apparaturen viel heiße Luft erzeugen, brachte sie auf die Fährte. Gespannt wartet die Welt daher nun auf die nächsten Studienergebnisse – und das Klingeln ihrer Eieruhren.




Thema: Vergessen.

Vergessen Vergesslichkeit

Welches Gemüse kauft ein Galerist? Nein, welche Banane kauft ein Salafist? Ok, der Witz ging irgendwie anders. Wie er richtig lautet, weiß ich nicht. Nicht mehr. Denn ich vergaß  ihn. Wie jeden anderen Witz auch, der mir erzählt und belacht wurde. Aber Witze sind nicht das Thema heute, sondern, Moment, ich komm gleich drauf, ach ja: ich habe es vergessen.

Mein Hirn kann sich nichts merken, weil es damit ausgelastet ist, Dinge zu vergessen. Witze. Toilettenpapier einzukaufen. Blumen zu gießen. Den Tee zu trinken, den man sich aufgegossen hat. Namen sind ein besonderes, namenloses Grauen. Jedes Mal, wenn sich mir jemand vorstellt, passiert das Gleiche. Ich denke: „Achtung, da kommt gleich eine Hand auf dich zu. Mit der Hand wird dir ein Name gereicht. Merke ihn dir. Sofort! Wichtig!“ Das nächste, an das ich mich erinnere, ist, dass ein langes Haar auf der Schulter meines Gegenübers lag, während mein Hirn mit der Frage beschäftigt war, ob man jemals herausfinden kann, wie fest sich der eigene Händedruck eigentlich anfühlt. So wie man den eigenen Körpergeruch ja auch nicht wahrnehmen kann, weiß man nie, wie waschlappig oder nussknackerig der eigene Händedruck ist. Aber was wollte ich sagen? Ach ja. Oft habe ich mir schon Tipps geben lassen, um mir das Ermerken von neuen Namen zu erleichtern. Zum Beispiel soll man den neuen Namen direkt aufgreifen und in einem Satz verwenden. „Schön, dich kennenzulernen, Mann mit dem Haar auf der Schulter“ Aber diese Technik vergesse ich natürlich im entscheidenden Moment. Und all diese Tricks, um das eigene Hirn zu überlisten, stoßen eh schnell an ihre Grenzen. Unser Hirn ist uns überlegen. Sich den Namen von Neugeborenen oder von gut gelaunten Fitnesstrainern zu merken (oder soll man sagen: „Toll, dass du uns heute quälst, Bianca.“?), ist so unmöglich, wie sich gegenseitig die Hand zu geben, ohne sich zu berühren. Das kann man direkt vergessen.

So, wie ich direkt vergesse, was ich eigentlich vom Dachboden holen wollte, sobald ich mich an diesem zugigen, muffigen, unwirtlichen Ort befinde. Und so gehe ich meist nicht nur in Gedanken, sondern auch physisch zurück in den Moment des Loslaufens, um herauszufinden, was ich eigentlich wollte. So bringt man einen ereignislosen Sonntag auch recht schnell über die Bühne.

Manchmal wünscht man sich in seinen dunklen Keller des Vergessens zurück, wenn man vor einem Gesicht steht und sich verzweifelt fragt, woher man diesen Menschen kennt bzw. kennen muss. Man überbrückt den Moment mit einem langgestreckten „Hey na“, als würde die Person Na heißen. Man hofft, dass dieser Na zeitnah Stichworte liefert, die einem dabei helfen, das Gesicht einem Lebensbereich zuzuordnen. Gerne würde man zur Überbrückung der peinlichen Situation einen Witz erzählen. Aber das kann man ja nicht.

Ebenso wenig, wie man sich Träume merken kann. An Telefonnummern, Geburtstage und Passwörter versucht man sich gar nicht mehr zu erinnern. Das übergibt man alles an externe Speichermedien. Unvergesslich wird es nur, wenn man morgens eine Geburtstagserinnerung bekommt und zwei Tage später feststellt, dass man den verfassten Geburtstagsgruß vergessen hat abzusenden. Man kann nur hoffen, dass das Geburtstagskind die eigenen Unzulänglichkeiten schnell wieder vergisst. So wie man selber manchmal sein eigenes Alter vergisst. An die erste Ziffer hat man sich ja hinreichend gewöhnt, aber welches war noch mal die zweite Ziffer? 3 oder 4?

Immerhin hat man sich Zahlen und Buchstaben per se langfristig gemerkt. Auch wenn man sich nicht mehr an den Tag erinnert, an dem man das erste Mal seinen Namen schreiben konnte: in der ersten Klasse lief noch einiges richtig. An vieles, was man in den Jahren danach gelernt hat, erinnert man sich hingegen nicht mehr. Wann war der dreißigjährige Krieg? Wie heißt dieser Baum? An den Namen des Physiklehrers mit der Schuppenflechte erinnert man sich hingegen überraschenderweise noch immer. Je älter man wurde, desto mehr perfektionierte man schließlich das System der Druckbetankung: maximale Aufnahme von Wissen für eine minimale Speicherdauer. Nach jeder Prüfung nieste man das Erlernte sofort wieder aus. Um Platz zu machen für die nächste Prüfung oder die Namen aller Backstreet Boys mitsamt ihrer Hobbys.

Vergessen Vergesslichkeit

Wie eine Batterie scheint sich das Hirn durch dieses mehrfache Auf- und Entladen abgenutzt zu haben. Das mit dem Merken wird merklich schwieriger. Manchmal bleiben nur noch Bruchstücke übrig. Ich weiß, dass ich die Person kenne, aber nicht mehr woher. Ich erinnere mich daran, dass ich zu jemandem sagte „Erinnere mich daran“, aber was es ist oder wer es war, weiß ich nicht mehr. Ich entsinne mich daran, dass mir ein Thema für den nächsten Schellenaffen einfiel, aber ich weiß nicht mehr, welches. Und so greift man zu Hilfsmitteln. Listen. Post-It-Zettel (liebevoll „Gedenktäfelchen“ genannt). Eselsbrücken. Irgendwann wusste man sogar mal, woher der Ausdruck Eselsbrücken stammt. Doch je mehr Hilfsmittel man verwendet, desto waschlappiger wird der eigene Hirnlappen. Und ehe man sich versieht, legt man eine Liste mit allen Listen an. Wie listig.

Ich hatte mir eine ganz pfiffige Pointe für diesen Text ausgedacht. Aber was soll ich sagen. Da niemand zu mir gesagt hat „Ach, vergiss es“ (bekannt als Erinnerungsgarant), habe ich auch diese vergessen. Irgendjemand wird mir jetzt schlau raten: denke nicht dran, dann fällt sie dir wieder ein. Der Hinweis ist so hilf- und inhaltsreich, als ob man einem Hungrigen sagt „wenn du satt bist, brennt irgendwo eine Kerze“. Und doch liegt etwas Wahres in diesem Satz: So wie unser Hirn ohne unser Zutun weiß, wie man Pullover anzieht (siehe Der Autopulliot.), so weiß es eben auch, Dinge zu vergessen. Oder zu erinnern. Viel machen kann man da als Gast im eigenen Kopf jedenfalls eh nicht. Man kann nur hoffen, dass einem der Witz irgendwann wieder einfällt. Um dann festzustellen, dass er nicht ganz so unvergesslich ist, wie gedacht: Welches Obst kauft ein Egoist?

Einen Pfirsich.




Rücksch(l)au.

Rückschau Rückblick Rückspiegel Jahresrückblick Schellenaffe

„Gibt es ein schöneres Zeichen der Wertschätzung und Hochachtung, als das Anführungszeichen? Ein Symbol der Huldigung des gesprochenen oder geschriebenen Wortes. Eine Ver- und Aufwertung formulierter Gedanken und Visionen.“ Dies könnte ein Zitat von Karl-Theodor zu Guttenberg sein. Ist es aber leider nicht.

„Wie schmeichelhaft wäre es, wenn andere die Worte des Schellenaffen aufgreifen und verwenden würden?“ Dies könnte ein Zitat von Johann Wolfang von Goethe sein. Wir wissen es leider nicht. Ebenso wenig, wie wir wissen woher der Schellenaffe auch in diesem Jahr seine Inspiration (in Fachkreisen bekannt als untherapierter Irrsinn) nimmt. Außer heute. Da bedient sich der Schellenaffe zum einen bei sich selbst und zitiert sich selbst in untherapierter Bescheidenheit.  Zum anderen bedient er sich bei einem seiner liebsten untherapierten Irren, Marc-Uwe Kling, und entleiht ihm seine Idee der „kreativ“ zugeordneten Zitate.

„Wer sagt also, dass Weihnachten kalt sein muss? Man spannt die Kängurus vor den Schlitten und verbringt den Tag Sandmänner bauend am Strand. (…) Außerdem möchte ich nicht in einem Land bestattet werden, wo meine Totenruhe von giftigen Spinnen gestört werden würde – bin ich mir doch sicher, dass Arachnophobie den Menschen selbst überlebt.“ – der Dalai Lama.

„Man möchte sich angesichts dieser mannigfaltigen Möglichkeiten des vorzeitigen Ablebens sogar auf der Toilette am liebsten in die Hose machen.“ – Darth Vader.

„Egal auf welchem Kontinent man sich bewegt, der Tourismus scheint schon sein Handtuch ausgebreitet zu haben.“ – Bürgermeister von Bitterfeld.

„Speichern im Kopf. Genügend Speicherplatz haben wir alle – selbst das kleinste Spatzenhirn.“ – Tweety.

„Wie ein kleiner Post-It-Zettel, der auf deinem Leben klebt, erinnere ich dich daran, dass du noch Milch kaufen und die Welt bereisen sollst“ – Algorithmen.

„Metaphorisch gesprochen braucht es Eierschalensollbruchverursacher, die die eigene weicher werdende Hirnkruste aufbrechen.“ – Erfinder des Überraschungsei.

„Wie viele der uns gegebenen Stunden verbringen wir mit Menschen, die wir lieben?“ – Marc Zuckerberg.

„Warum klammern wir uns sogar an Strohhalme, wenn doch eigentlich niemand dieses penetrante Schlürf- und Sauggeräusch vermissen wird?“ – der kleine Elefant.

„Und hier gilt in der Regel, dass Werbeblindheit mit Werbeblödheit bekämpft werden muss.“ – Marketingleiter bei Seitenbacher.

„Um dieses von verspäteten Zügen, zu heiß-kalt-nass-trockenem Wetter und steigenden Eiskugelpreisen ohnehin beschwerte Dasein noch weiter zu beschweren, tun wir das einzig Sinnvolle: Wir beschweren uns.“ – Gewichtheber.

„Ich habe ein tiefes Gefühl der Machlosigkeit.“ – die Made im Speck.

„Ein Text ohne viele Worte.“ – Karl Marx.

„Die ewigen Kreisdiskussionen um das teuflische Patriarchat und den hexischen Feminismus erinnern daran, als würde man immer wieder diskutieren, ob Weihnachtsmann/-frau/-neutrum auch wirklich nicht existiert. Als würde man sicherheitshalber noch mal die Frage diskutieren wollen, ob rothaarige Frauen nicht vielleicht doch besser in der Mikrowelle aufgehoben werden sollten.“ – Bibi Blocksberg.

„Er möchte seine Sonntage eben auch mal damit verbringen illegalerweise sein Altglas zu entsorgen, einen prägenden Eindruck auf Polstermöbeln zu hinterlassen oder schlecht geparkten Autos Fettgebäcke hinter die Scheibenwischer zu klemmen. Er möchte Zeit haben um Elbisch zu lernen, ein Brexitabkommen zu erarbeiten oder Hochzeitsreden zu schreiben.“ – Michelle Obama.

Aprilscherz ausgewischt Berliner hinter Scheibenwischer

„Und so bleibt am Ende eines inhaltsleeren Schlagzeilen-Gewitters wohl nur die Erkenntnis: Diese Bunte Titel-Gala ist wohl das wahre Spiegel Bild unserer Zeit. Bravo.“ – Johannes Gutenberg.

„Die eigene Logorrhoe – auch bekannt als Sprechdurchfall – scheint jedenfalls spontan geheilt.“ – Donald Trump.

„Musste man früher geduldig eine Woche lang einem geregelten Alltag nachgehen, bis man erfuhr, ob Mutter Beimer vielleicht doch lesbisch ist, so kann man heute ungeregelt seiner Seriensucht nachkommen.“  – Mutter Beimer.

„Karli  sitzt mir gegenüber und bohrt in der Nase. Anstatt den erwachsenen Gesprächen am Tisch zu folgen, schaut er den Vögeln im Garten nach.“  – Bediensteter Karls des Großen.

„Wir löschen fast alle unsere Bilder – in dem wir sie löschen oder vergessen. Warum hält man Momente fest, wenn man sie mit einem Filter in eine andere Form presst oder direkt in den Papierkorb legt?“ – Hochzeitsfotograf mit Sinnkrise.

„Even if life isn’t a pony farm, a wish concert or cherry-picking enjoy life in full trains.“ –  Hotline-Musik der Deutschen Bahn.

„So sieht das Internet also von innen aus.“ – Christoph Kolumbus.

„Um die Skurrilität seines Tuns und GEMA-Gebühren muss man sich nicht scheren.“ – Helene Fischer.

„Ich wurde gesiezt. Ich fühle mich alt.“ – Queen Elisabeth II.

„Eine unendliche Unmöglichkeit in einem endlichen Leben.“ – Theresa May.

„Es folgt ein monotoner Monolog, ein Monotonolog, rund um die Schlagwörter „Wohnungsbau, Steuersenkung, Energiewende, Zukunft, grüne Flüchtlinge, Wohlstand für Wahlen“. – [Name SPD-Vorsitz hier einfügen].

„Am Ende geht einem schließlich eh alles am analen Medium vorbei.“ – Annegret Kamp-Karrenbauer.

Wahl Wahlplakat CDU Wahlniederlage Europawahl

„Um jede Form der Transpiration zu vermeiden , ist die Transportation des eigenen Körpers stets von hoher Langsamkeit geprägt.“ – Usain Bolt.

„Nixdavaganz. Praktisch muss es sein. Mit Trekkingsandalen und ordentlichen Socken, Allwetterrucksäcken mit Stullen für unterwegs und kleinkarierte Wanderhemden in Erdtönen ist er gewappnet für den Auf- und Abstieg – aus dem Reisebus.“ – eine Fashion-Bloggerin.

„Pflanzen werden bei mir zu Überlebewesen.“ – Brasilianischer Umweltminister.

„Kakteen suizidieren sich bei mir. Sie erstechen sich.“ – anonym.

„Macht ist eine Frage des Speichels. Sabber, der unter die Haut geht, regiert die Welt.“ – Snoopy.

„Die Mannigfaltigkeit deines absonderlich ingeniösen Lexeminventars mottiert doch am Ende eh keinen Nachtfalter. (…) Am Ende ereilt den Connaisseur und das Croissant das gleiche fortune. Sie sind irgendwann nicht mehr mit einer multilateral resilienten Epidermis ausgestattet. Sie sind nicht mehr ganz knusprig.“ – Till Schweiger zu seiner Logopädin.

„Nun sitzt man als Wir auf der gemeinsam erworbenen Designer-Couch, teilt sich ein gemeinsames Konto und diverse Eigenarten.“ – Ernie und Bert.

„Es geht darum, einfach mal die Pässe zu halten.“ – Bodenpersonal am Flughafen.

„Auch wenn sich der süßeste Nektar manchmal einfach nur als harzige Kacke herausstellt, irgendwas bleibt immer hängen.“ – Hersteller von Schoko-Riesen.

„Es braucht eine so simple Erkenntnis, die zur Grundlage der Mathematik gehört, die beinahe zu banal für unseren Algorithmen programmierenden Menschenverstand ist: die Erkenntnis, dass unendliches Wachstum in einer endlichen Welt nicht möglich ist.“ – der kleine Eisbär.

„Die Hommage an die Gesichtszüge eines Erpels.“ – Cher.

„Doch was wird aus dem Moment, wenn der Moment nur noch darin besteht, ein Foto von dem Moment zu machen?“ – Hochzeitsfotograf mit noch tieferer Sinnkrise.

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„Ich klaue Karten mit Sicherheitshinweisen aus Flugzeugen. Jetzt ist es raus. Die Wahrheit. Und die Karte aus der Sitztasche vor mir. Ich entwende überlebenswichtige Informationsbroschüren aus stark überwachten Räumen und bringe Menschen willentlich in Not.“- Papst Franziskus.

„Dies wäre der richtige Moment gewesen, zurück zum Parkplatz zu gehen, in ein gemütliches Café zu fahren und ein Stück Sahnetorte zu essen.“ – Hannibal vor der Alpenüberquerung.

„Doch warum löst eine so persönliche Entscheidung, wie die  der eigene Ernährung, so starke Reaktionen bei anderen aus, die weder mit meinem Gaumen noch meinem Magen verbunden sind?“ – Kleinkind in der analen Phase.

„Nein, der öffentliche Zu-nah-Verkehr ist nun wirklich keine Alternative.“ – Verkehrsminister Andreas Scheuer.

„Das Mahl, das mehrheitlich mit Blattgold bedeckt und daher an mit Rettungsdecken eingehüllte Katastrophenopfer erinnerte, liegt schwer im Magen. Wie Heavy Metal.“ – Ludwig XIV.

„Herzlich Willkommen in meinem Satz.“ – Alexa.

„Schon wieder Montag.“ – Gott.

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„Wirsing verursacht Harndrang.“ – Johann Wolfgang von Goethe.

„Die kalte Jahreszeit ist da. Und mit ihr ist – neben dem schrecklichen Moment, in dem man das erste Mal wieder „Last Christmas“ in irgendeiner Verkaufsstätte hört und verzweifelt feststellt, dass dieses Folterinstrument des modernen Music Boardings noch immer nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gespült wurde – der Zeitpunkt gekommen, warme Kleidung zu tragen.“ – George Michael.

„Dabei berühren wir dieses A täglich.“ – Präsident des Berufsverband der Deutschen Urologen.

„Der Körper funktioniert ohne unser Zutun. Denken hilft – wie so oft im Leben – selten.“ – Hippokrates.

„Warum lassen wir nicht öfter Fünfe gerade und P eine Ziffer sein?“  – Finanzminister Olaf Scholz.

„Wen interessiert es eigentlich, was ich hier mache?“ – Trippel B.

„Der Gedanke, dass das eigene Leben eine Unterhaltungssendung ist, beruhigt irgendwie.“ – Mickey Mouse und Kim Kardashian.

„Wenn man selber Fotos von Menschen macht, die Fotos machen, inwiefern unterscheidet man sich dann noch von Menschen, die Fotos machen?“ – Sigmund Freud.

„Sind „Dickmänner“ dann nicht eh die nächste Stufe der diskriminierenden Wortwahl? Warum wird Männern mehr Dicke zugetraut als Frauen? Müsste es nicht sogar „Dickwesen m/w/n“ oder „vom Body Mass Index herausgeforderte Personen“ heißen?“ – der Weihnachtsmann.

„So wie ein Sternchen niemandem weh tut, so sollte auch ein fehlendes Sternchen nicht jedes Mal als eine Verletzung empfunden werden.“ – Barron Hilton.

„Bügeleisen sind hier ein Klassiker der Opfergaben.“ – die Heiligen Drei Könige.

„Dass das ziemliche Geistesschwäche ist, wissen wir.“ – die Menschheit.

„Rückblickend betrachtet sieht man alles von hinten.“ – der Schellenaffe.




Geschickt verpackt – das Five-Steps-Modell für originelle Geschenke.

Geschenke Schenken Weihnachten Pizzaschere Schrottwicheln Nutzloses

Sehr geehrte/r Notfallhilfe-Suchende/r,

Sie sind auf unsere Dienstleistung aufmerksam geworden, da Ihnen beim 75%-igen Anzünden der mit Wachskerzen angereicherten Gartenabfälle Ihres Nachbarn die Erleuchtung kam: in einer Woche ist Weihnachten. Trotz allerlei Zählhilfen, wie Kerzenkränze oder Kalender und sich stetig vermehrender, visueller Reize trifft Sie diese Erkenntnis völlig überraschend. Langsam werden Sie sich der Konsequenzen dieser Erkenntnis bewusst: Sie haben noch kein einziges Geschenk.

Kurz versuchen Sie die in Ihnen aufkommende Panik mit Glühwein und der Aussage „Aber dieses Jahr schenken wir uns wirklich nichts“ zu beruhigen. Aber Sie wissen, genau wie wir, die Fachberater der Geschenkenothilfe, dass dies ein Trugschluss ist. Das Versprechen, sich gegenseitig nichts zu schenken, bedeutet lediglich, dass man keine Wünsche seines Gegenübers erfährt, aber eine besonders kreative, persönlich ausgesuchte „Kleinigkeit“ im Geldwert jenseits des bewährten Bügelgutscheins erwartet wird. In diese Falle sollten Sie nicht treten. Und werden Sie nicht treten. Denn der erste Schritt zu einem erfolgreichen Weihnachtsfest (Erfolg definieren wir als das Hinauszögern von Trennungen und Geschrei aller Art) ist getan. Sie haben sich an uns, Ihre kompetente Beratungsstelle, gewandt. Unsere jahrelange Expertise der Geschenkeentwicklung und -investition baut auf psychologischer Grundlagenarbeit und weltweiten Feststudien auf. Und so haben wir die verzierte Methode „Five-Steps to originelle Präsente ©“ (5STOP) entwickelt.

Step 1 – starting point.

Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber. Was mag er oder sie – oder es (auch auf Haustiere kann 5STOP natürlich angewendet werden)? Mag er oder sie zum Beispiel gerne schlafen (als Hinweis dient „Jetzt nicht, ich möchte schlafen.“)? Wie wäre es dann mit Schlaftabletten (und den Worten „ich hoffe, du weißt damit etwas anzufangen“)? Oder eine Busfahrkarte für Menschen, die gerne verreisen. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Der Insider-Tipp unserer Experten: trauen Sie sich, positive Dinge miteinander zu kombinieren. Plus und Plus ergibt schließlich kein Minus, sondern mehr Plus. Mag jemand Senf und Katzenbabys, stecken Sie eine kleine Plüschkatze in ein Senftöpfchen. Wählen Sie süßen Senf, um die Überraschung besonders niedlich zu machen. Mag jemand Sie selbst, Kaffee und Brüste? Wie wäre es mit einer Tasse in Brustform, auf der ihr Gesicht aufgedruckt ist. Die leichten Verzerrungen Ihres Kopfes sollten Ihnen das Strahlen Ihres Partners wert sein, wenn er die Tasse stolz seinen Kollegen im Büro präsentiert.

Step 2 – target setting.

Doch bevor Sie übereifrig zu den ersten Geschenkideen springen, sollten Sie sich zunächst eine entscheidende Frage stellen: wie sehr mag ich ihn, sie oder es? Step 2 ist der wichtigste Prozessschritt des 5STOP-Modells. Er definiert, abgeleitet aus der emotionalen oder finanziellen Abhängigkeit des Geschenkopfers, den sogenannten Gehässigkeitsindex Ihres Geschenkes. Denken Sie über diese Frage ausreichend nach und ziehen Sie auch längst verjährte Enttäuschungen aller Art in Ihre Analyse mit ein. Je höher die definierte Zuneigung ist, desto niedriger fällt in der Regel (Ausnahmen sind insbesondere unter Geschwistern verbreitet) der Gehässigkeitsindex aus. Doch Vorsicht: der Index sagt jedoch nichts über die Geld- und Zeitinvestition in ein Geschenk aus, er bestimmt lediglich dessen Hässlich- und absolute Nutzlosigkeit.

Geschenke Geschenke Schenken Weihnachten Bügeleisen Schrottwicheln Nutzloses

Step 3 – sustainable sourcing.

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine entscheidende Rolle im 5STOP-Modell. Das Hauptziel von 5STOP ist Ressourcenschonung. Recycling und Minimierung von Fahrtstrecken sind die wesentlichen Bausteine hierfür. Daher beinhaltet Step 3 die Beantwortung der Frage: was möchte ich in meinem Haushalt los werden? Bügeleisen sind hier ein Klassiker der Opfergaben. Doch setzen Sie auch hier Ihrem Denken keine Grenzen. Der Berg an Pfandflaschen unter der Spüle könnte beispielsweise eine besonders kreative Version eines Einkaufsgutscheins sein (siehe auch Step 5 – Packaging). Oder die ungenutzte Pizzaschere könnte beispielsweise unglücklich Beschenkten bei der Weiterverarbeitung Ihrer Geschenke helfen oder Botanikern mit besonders stark wachsenden Petunienhecken Freude bereiten. Eine beliebte Quelle solch nützlicher Geschenke ist im Übrigen das sogenannte „Wichteln“ (mitunter trägt es den Zusatz „Schrottwichteln“, gemeint ist aber stets das Gleiche). Der Begriff Wichteln stammt aus der Logistikbranche und beschreibt den in sich in Gänze geschlossenen, kauf- bzw. verbrauchsneutralen Prozess des globalen Warenumschlags. Auch bekannt als Nippes Trading. Ein weiterer Geheimtipp unserer Experten: verstecken Sie persönliche Gegenstände des Opfers. Wir garantieren, die Freude wird groß sein, wenn das verlorene Handy, der verlegte Hausschlüssel oder der vor dem Supermarkt vergessene Hund unter dem Weihnachtsbaum liegen.

Step 4 – pragmatic purchasing.

Sind alle Scheusslich- und Nutzlosigkeiten nichthumaner (!) Art aus dem eigenen Haushalt verbannt, folgt Step 4, der Expresseinkauf. Dieser Schritt ist jedoch rein optional und birgt einige Risiken und Gefahren, auf die wir Sie im Folgenden hinweisen. Ein weit verbreiteter Fehler ist beispielsweise der Glaube durch Online-Shopping besonders effizient Geschenke erwerben zu können. Vertrauen Sie uns: Sie sind nicht der Einzige, der diesen naiven Gedanken hat. Spätestens in der Telefonschleife ihres Versanddienstleisters oder der Warteschlange ihrer Poststelle, in der mittlerweile Decken und Heißgetränke verteilt werden, werden Sie feststellen, wie ineffizient diese Verfahrensweise ist. Ein Geschenk, das Sie erst an Silvester überreichen, birgt höchste Sprengkraft. Wagen Sie daher den Schritt, also den Schritt vor die Haustüre. Und keine Sorge, sie müssen nicht weit gehen. Halten Sie zunächst Ausschau nach alten Fahrrädern, an denen diese neonfarbenen Warnzettel angebracht sind (Wortlaut in etwa: „ist das noch ein Fahrrad oder kann das weg?“). Hier machen Sie nicht nur den Menschen, der sein Fahrrad „vergessen“ hat, glücklich, sondern die Stadtreinigung freut sich ebenfalls über Ihr Weihnachtsgeschenk. Und den Beschenkten erheitern Sie sowieso, wer freut sich schließlich nicht über ein so wertiges Geschenk wie ein Fahrrad? Oder sammeln Sie ein paar Blätter am Straßenrand und verschenken Sie einen Gutschein für „1x Laubsammeln“. Direkt eingelöste Versprechen sind schließlich wertvoller als jeder Laubbläser und ein Ausdruck echter Nächstenliebe. Also das Mögen des am nächsten Liegenden. Auch für personalisierte Geschenke muss es nicht zu spät sein. Kleben sie zum Beispiel einen schönen Urlaubsschnappschuss auf einen Kaffee-To-Go-Becher oder auf ein quadratisches Stück Pappe aus Ihrer Cornflakespackung. Fertig ist das Müslipad. Geschenke, die dem Opfer helfen, Geld zu sparen, sind auch gerne gesehen. Rechnen Sie die Ersparnisse stets präzise auf, wenn Sie beispielsweise ein Packung Zahnpflege-Kaugummis (2x Zahnreinigung p.a.) oder die geöffnete Chips-Tüte der Sorte „Nichts“ überreichen (1x Geburtstagsgeschenk für Sie und 1x Diätratgeber).

Geschenke Schenken Weihnachten Verpackung Plastiktüten

Step 5 – professional packaging.

Die Verpackung macht die Musik. Das Auge schenkt mit. Man muss nicht immer hinter die Fassade schauen. Die bekannteste Technik zur Umsetzung von Step 5 heißt: Papperlapapping (PLP). Doch gerade bei der Wahl der Geschenkverpackung gilt es ein Gespür für Trends zu haben. Plastiktüten beispielsweise sind derzeit stark in Verruf und Ozeane geraten. Dennoch sollten Sie bereits jetzt mit der Bevorratung beginnen, denn die Prognose-Experten der Notfallhilfe sagen voraus, dass Plastiktüten aufgrund ihrer Verknappung in naher Zukunft zum Ausdruck von Sammlergeist und Wertigkeit werden. Die Vorhersagen gehen sogar so weit, dass in wenigen Jahren Plastiktüten verschenkt werden. Leer. Eine ähnliche Entwicklung durchliefen Weinkisten, Zigarrenkästen und Einmachgläser. Ein letzter Tipp für Unschlüssige: haben Sie kein Geschenkpapier zu Hand, verpacken Sie das Geschenk doch einfach in einem Stück Papier, das Sie garantiert zur Hand haben und die Hochwertigkeit Ihrer Gaben unterstreicht: dem Kassenzettel.

Wir wünschen harmonische Festtage und viel Erfolg beim Nippes Trading,

Ihre Geschenkenotfallhilfe.




Im Visier.

Handy Fotografieren Fotos Visier

Diese armen Menschen. Sie müssen verloren sein in dieser Welt. Allein gelassen mit einer Sonderbegabung, die kaum einer wahrnimmt oder gar wertschätzt. Sie sind alleingelassen mit einer Besonderheit, einer Mischung aus Zwangsstörung und Sehbehinderung, die sie die Welt gänzlich anders wahrnehmen lässt als ihre ordinären Mitmenschen, denen sie gerne einen farbenfrohen Teint, einen hübschen Bilderrahmen und Katzenschnurrbarthaare zuführen.

Die Rede ist von Menschen mit einem fotografischen Zellgedächtnis.

Auslöser für diese querformatige Form der Alltagsbeeinträchtigung ist ein Auslöser. Also das Auslösen. Das Auslösen der Handykamera. Es dient der Befriedigung des Zwanges, alles zu foto- oder videodokumentieren und zur Erlösung von der Ödnis einen Moment erleben zu müssen, in dem man sich gerade mit seiner vor dem Gesicht angesiedelt Suchthilfe befindet. Das will ja auch keiner erleben, dass einem die ganze Zeit etwas die Sicht behindert. Da lenkt man sich lieber mit etwas ab, was einem die Sicht behindert. Äh ja.

Menschen mit dieser ausgeprägten Vorliebe für den fotografischen Irrealismus sind zahlreich. Sie sind nicht nur an einem Brett aus Metall und Glas vor dem Kopf zu erkennen. Man identifiziert sie leicht dank ihres befremdlichen Verhaltens. Sie tanzen nicht auf Konzerten. Sie kennen als einziger im Stadion nicht den Spielstand. Sie klatschen keinen Beifall. Sie stehen, wenn alle anderen sitzen. Man hat den Eindruck, sie kriegen im Allgemeinen wenig von ihrer Umwelt mit. Das ist der traurige Nebeneffekt dieser Sonderbegabung.

Das Schöne daran ist jedoch, dass man sich mit dieser psychologischen Eigenschaft an nichts, rein gar nichts mehr erinnern muss. Sehfähigkeit und Hirnleistung werden komplett outgesourct. Alles ist dokumentiert. Der unzähligste Besuch auf einem Weihnachtsmarkt. Die gesamte Playlist eines Konzertes. Das Schreiben eines 129. Blogbeitrags. Das Bild im Museum. Jeder Tag eines jeden Urlaubes. So muss man nicht mehr wissen müssen, wann man wo jemals gewesen ist. Das fotografische Zellgedächtnis weiß es. Ebenso weiß es, wie das Konzert war. Welche Chance der Mittelstürmer in der letzten Minute vergeben hat. Welche Fische im Meer schwammen. Es weiß lediglich nicht, wie die Wassertemperatur war.

Handy Fotografieren Fotos Visier
Fussball auf dem Bildschirm.
Handy Fotografieren Fotos Visier
Beifällig.
Handy Fotografieren Fotos Visier
Whale watching irgendwie anders.
Handy Fotografieren Fotos Visier
Tolle Musik.
Handy Fotografieren Fotos Visier
Tolles Bild.
Handy Fotografieren Fotos Visier
Neuester Trend: man hat ja zwei Hände.

Als Mensch ohne Sonderbegabung kratzt man sich regelmäßig – mit zwei freien Händen – am Kopf und denkt sich „bei denen klickts wohl“. Aber am Ende bleibt die Frage: Wenn man selber Fotos von Menschen macht, die Fotos machen, inwiefern unterscheidet man sich dann noch von Menschen, die Fotos machen? Oder ist man nur, wie bei einer dieser russischen Matrojschka Puppen, eine weitere Bilderschicht, die noch weiter weg vom eigentlichen Herzstück entfernt ist? Der Kern des Lebens trägt jedenfalls eher selten Katzenöhrchen, Schnurrbarthaare und einen Bilderrahmen um sich herum.




Die Du-Man Show – ist dein Leben ein Theaterstück?

Höhere Wesen Kunst Trumanshow Schellenaffe Scheppern im Kopf

Gemeinhin gibt es zwei Lager, um die sich die Menschheit sortiert. Es gibt die einen, die felsenfest an Propheten, Heilige, ihr Smartphone oder sonstige gottgleiche Wesen glauben, die ihr kleines Schicksal steuern und lenken. Sie glauben daran, dass sich schon irgendjemand etwas dabei gedacht haben wird, Nahrungsergänzungsmittel für Haustiere und Fernsehsendungen, bei denen man seinen Partner anhand der Genitalien aussuchen darf zu erschaffen. Die anderen glauben an den Gott der Willkür, an den Zufall, der alles lenkt und keinen wirklichen Weg für uns vorgesehen hat. Der Weg, auf dem man am Ende ganz alleine schreitet, robbt oder hüpft, ist das Ziel. Ob man im Drive-Inn oder bei seiner pflegebedürftigen Großtante abbiegt, ist alleine die eigene Entscheidung. Das Universum findet das so interessant, wie die Form der Genitalien eines potentiellen Ehepartners.

Doch was ist, wenn es eigentlich ganz anders ist?  Was wäre, wenn das Leben weder einem Schicksal folgt noch vom Zufall gesteuert wird? Was wäre, wenn dein Leben ein Theaterstück wäre, bei dem einzig deine Rolle improvisiert wird? Wenn sich irgendjemand ein Skript für deinen Alltag überlegt hat, dem alle folgen? Wenn dein Leben ausschließlich aus Statisten, Kulissen und Schauspielern bestehen würde? Eine scheppernd bescheuerte Vorstellung.

Wenn man mal realistisch ist, ist das mit diesem „Weltall“ und „Internet“ doch eh alles völlig unglaubwürdiger Quatsch. Das kann sich doch nur irgend so ein Netflix- (ach ne das gibt es ja dann auch nicht wirklich)-Drehbuchschreiberling mit mangelhaften Sozialkompetenzen ausgedacht haben. Ebenso abstrus, wie Flugzeuge, Weltkriege und Heidi Klum.  Alles ergibt auf einmal einen Sinn, wenn man sich vorstellt, nicht irgendein Gott, sondern ein Regisseur oder Produzent habe sich das alles ausgedacht, um das Publikum bei Laune und die Quote hoch zu halten. Man weiß dann endlich, warum Menschen manchmal geistig abwesend wirken (ein Chip im Kopf gibt ihnen die neusten Regieanweisungen durch) und ständig auf ihre Smartphones starren (sie lesen das Skript noch mal durch). Warum man ganz „zufällig“ an unmöglichen Orten alte Bekannte trifft (die Begegnungen dienen als sogenannter Cliffhänger, um die Spannung aufrecht zu erhalten). Man begreift, warum im Straßenverkehr so unfassbar viele grenzdebile Verkehrsteilnehmer anzutreffen sind (die Aufgabe, zahlreiche Statisten gleichzeitig abzustimmen, ist schließlich sehr komplex, da geht einem schon mal der eine oder andere durch, der dann einfach ohne zu blinken in den Gegenverkehr abbiegt, um dort ungeschickt rückwärts einzuparken).

Aber vor allem bekommt man endlich eine Antwort auf die alltägliche Frage, die nicht nur Archivare und Lehrer aller Art bewegt: Wen interessiert es eigentlich, was ich hier mache? Das eigene Leben, der eigene banale Alltag zwischen Zähneputzen und Zähneputzen bekommt plötzlich eine Bedeutung, wenn man sich vorstellt, dass die Zuschauer Wetten auf das eigene Verhalten setzen und eine Rolle als Statisten im Wartezimmer in Folge 15.896 oder ein Set der in der Waschmaschine „verlorenen“ Socken gewinnen können. Wird sie wieder Zahnpasta auf ihr Oberteil tropfen und wenn ja, wird sie es vor oder nach Verlassen der Wohnung bemerken?

Unterhaltsam ist auch die Vorstellung, was hinter den Kulissen vor sich gehen muss, wenn ein Urlaub geplant wird. Die Gewinnspielbeteiligung ist immer besonders hoch, wenn es darum geht zu erraten, in welches Land man fahren wird, also welcher Statist sich bei der Einflussnahme durchsetzen wird. Länder mit eigener Währung und anderen Sprachen werden erdacht, in Gesprächen gezielt platziert und sobald das Reiseziel festgelegt wurde, werden diese erbaut. Vulkaneruptionen ( die Wortschöpfung des „Eyjafjallajökull“, jenes Islandischen Vulkans, der 2010 „ausbrach“, ist auf einen Wutausbruch des Produzenten zurückzuführen, dessen wutschnaubende Worte ähnlich klangen, als er erfuhr, dass „China“ nicht fertiggestellt worden war) und Streiks des Bodenpersonals werden erfunden, sollte man mit dem Bau der Kulissen nicht rechtzeitig fertig geworden sein. Man wird gegebenenfalls in einen als sogenanntes „Flugzeug“ getarnten Simulator gesteckt, der 20 Stunden lang wackelt, Essen aus Bienenwaben serviert und einen in der Produktionshalle nebenan, in der eigenen Wirklichkeit „Australien“ genannt, wieder ausspuckt. Im Übrigen ist dem Mitarbeiter, der sich ein hüpfendes „Beuteltier“ ausdachte und es auch noch „Känguru“ nannte, ein echter Coup gelungen: groß war die Sorge, dass spätestens mit Erschaffung dieses abstrusen Wesens auffliegen würde, dass hier irgendein eigenartiges Schauspiel vonstattengeht, aber nein, Kängurus wurden zum großen Liebling der „Du-Man-Show“.

Der Gedanke, dass das eigene Leben eine Unterhaltungssendung ist, beruhigt irgendwie. Es gibt dem Leben Relevanz und Leichtigkeit. Irgendjemand wird den Mist schon hinter den Kulissen wieder ausbaden bzw. sich etwas dabei gedacht haben. Gleichzeitig regt er aber auch den Drang zur Rebellion an. Was wäre, wenn man einfach ganz ganz schnell plötzlich wieder in die Richtung laufen würde, aus der man gekommen ist? Wenn man zu Freunden oder Partnern sagt „Deine Rolle in meinem Leben verstehe ich nicht.“? Wenn man plötzlich laut gen Decke ruft „Ist euch nichts besseres eingefallen“? Man würde in dieser Welt als die schizophrene, paranoide, durchgedrehte Alte abgestempelt. Aber in der anderen Welt würde man vielleicht die Quoten gen Himmel schrauben. Oder was auch immer da oben in der anderen Welt dann ist.




Der Autopulliot.

Autopilot Pullover ausziehen Pulli Automatismen

Die kalte Jahreszeit ist da. Und mit ihr ist – neben dem schrecklichen Moment, in dem man das erste Mal wieder „Last Christmas“ in irgendeiner Verkaufsstätte hört und verzweifelt feststellt, dass dieses Folterinstrument des modernen Music Boardings noch immer nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gespült wurde – der Zeitpunkt gekommen, warme Kleidung zu tragen. Dicke Jacken, die an Rettungsringe aus Daunen erinnern. Schals, die Menschen enthalsen. Und warme Pullover, die die nie erreichte Bikinifigur endlich wieder kaschieren. Doch stellt sich nach den Monaten der textilen Leichtigkeit die Frage: wie ziehe ich eigentlich einen Pullover an und wieder aus? Eine essentielle Frage, die uns alle erwärmt, sich aber niemand stellt. Wie die Frage, was „last Christmas“ eigentlich so Nervtötendes passiert ist, dass man Generationen von Menschen damit „bestören“ muss.

Also, wie zieht man einen Pullover aus? Es gibt verschiedenste Techniken, derer sich die wenigsten bewusst sind. Den Von-unten-Hochzieher mit gekreuzten Armen, erkennbar an einer leicht invertierten Frisur nach Vollzug der Methodik. Oder den Rutsch-mir-mal-den-Buckel-hoch, der geradezu archaisch in seiner unstrukturierten, übergriffigen Ausführung wirkt. Oder den Ärmel-for-one. Hier stellt sich wiederum die Folgefrage der Abfolge, also mit welchem Ärmel begonnen und wann der Kopf befreit wird. Als letztes, was zur Folge hat, dass man den Pullover um den Hals trägt, wie eine dieser alten Halskrausen aus der Renaissance. Oder zwischendurch, was in einer garantierten Verstopfung der Dachluke und temporärer Orientierungslosigkeit enden wird.

Autopilot Pullover ausziehen Pulli Automatismen

Man merkt leicht: das Feld ist (ent)packend, und doch kaum wissenschaftlich erforscht. Ähnlich fesselnd ist die Frage: wo befindet sich das A, wie „automatisch“, auf der Tastatur? Die meisten werden nun in Gedanken das Wort „Auto“ tippen, um sich zu zur Antwort auf diese Frage – Achtung flach – vorzutasten. Dabei berühren wir dieses A täglich, mutmaßlich häufiger als jedes andere – räusper – A. So wie wir uns täglich die Schuhe zubinden. Ohne wirklich erklären zu können, wie man (selbst) eine Schleife bindet. Und wie man es eben nicht tut. Für unzählige Bewegungsabläufe kennt unser – ja was eigentlich? Hirn? Daumenmuskel? Betriebssystem? – Kontrollzentrum nur eine einzige, zigmal erprobte Abfolge von Handgriffen, Bewegungen und Hergängen. Wir steigen immer mit dem einen Bein zuerst in die Hose, wir greifen immer mit der einen Hand das Messer, wir falten (oder zwielichtige Gestalten zerknüllen es dem Hören sagen nach sogar, welch „Anarschisten“) das Klopapier immer gleich. Versucht man sich einmal in einer anderen Reihenfolge abzutrocknen, rutscht man beinahe aus und steigt feucht in seine Socken, die man auch immer entweder erst vor oder nach der Hose anzieht. Schneidet man spiegelverkehrt eine Scheibe Brot ab, schneidet man sich verquer in den Finger. Und merkt anschließend gleich: ein kleiner Schnitt für einen Finger. Ein großer Einschnitt für Bewegungsabläufe. Sich mit einem Pflaster am Zeigefinger die Zähne zu putzen, gleicht auf einmal einem endoskopischen Eingriff am Kniegelenk einer Feldmaus.

Autopilot Schnürsenkel Schleifebinden Autopilot Automatismen

Der Körper funktioniert ohne unser Zutun. Denken hilft – wie so oft im Leben – selten. Es sind diese Automatismen, die unser Überleben, aber zumindest ein geordnetes Erscheinungsbild und Navigieren im Alltag sicheren. Es wirkt beinahe so, als sei dieses Scheppern im Kopf, diese Gedankenkarusselle und Redseligkeit des Menschen nur dazu da, ihm das Gefühl zu geben, hier irgendwas selber aktiv steuern zu dürfen. Wie ein Kind, das im Flugzeugautomaten vor dem Supermarkt spielen darf und denkt, es sei Pilot. Doch der Autopilot hat eigentlich die Kontrolle über uns und bestimmt unseren Alltag. Schaut man Kindern beim wachsen und lernen zu, merkt man, dass hier gerade der Autopilot programmiert wird. Und man merkt, dass man irgendwie froh ist, dass man diese Phase der Programmierung hinter sich hat. Dass man nicht mehr lernen muss, wie man rückwärts geht und vorwärts spricht. Versucht man im höheren Alter Dinge, wie Stricken oder Diplomatie zu lernen oder einen Tanzkurs mit Würde zu absolvieren, merkt man plötzlich, wie sehr einem der Autopilot fehlt und wie schwer dessen Manipulation sein kann. Denn beginnt man darüber nachzudenken, was man eigentlich tut, tut man dies selten gut.

Und doch kann es unterhaltsam sein, sich selber zu beobachten. Dabei zu beobachten, wie man immer das eine Auge zu erst mit Wimperntusche betüncht (und dabei immer den Mund weit öffnet). Wie man immer gleich in seiner Wohnung steht, ohne darüber nachgedacht zu haben, mit welchem Schlüssel man wie eine Haustür eigentlich aufschließt. Wie man immer gleich montags www.schellenaffe.de eintippt, ohne dass wir sagen könnten, wo sich alle Buchstaben auf einer Tastatur befinden und mit welchem Finger wir welche Taste drücken. Der Autopilot übernimmt das „wie wir etwas machen“ für uns. Doch das „warum wir etwas machen“ überlässt er weiterhin uns. Das bisschen Scheppern sei uns immerhin gegönnt. Darauf ein A.




Wirrsinnig.

wirsing verursacht Harndrang Wirrsinn

Wirsing verursacht Harndrang.

Welcher einen zum Schreiben an Wände zwang.

Ohne Klo ist man schließlich arm dran.

Mit diesem wirrsinnigen, manischen Hang.

Grünkohl verursacht Pinkellust.

Denn ohne Wurst macht Kohl dem Darm nur Frust.

Kohl und Fett sind nicht zu trennen.

Selbst in der Politik scheint man dies zu kennen.

Brokkoli verursacht Herzrasen.

Und andere „beklopfte“ Phrasen.

Aber Grün könnte man wählen,

anstatt sich mit altem Kohl zu quälen.

Bohne verursacht Redefluss.

Und heiße Luft mit duftendem Schuss.

Man nennt sie auch Sprechbohnen,

auf der wortreiche Prinzessinnen und Politiker thronen.

Fernreis‘ verursacht Zeitfresser.

Ein halbgares Gedicht über Gemüse macht es da wenig besser.

Nächste Woche gibt es wieder Spannendes zu berichten.

Ganz ohne wirrsinniges Dichten.




Ein Haus. Ein sonderbares Haus.

Inserat Wohnung Haus puristische Villa Annouce

„Ich hab‘ ein Haus, trinke kein Käffchen und stehe nie am Herd.

Ich hab‘ ein Haus, sehe aus wie ein Äffchen und bin ein Nerd.

und Jeder, der mich nicht fragt, kriegt meine 2×1 Million gelehrt.“

Wie lebt es sich in einer puristischen Villa, die in ihrer Schlichtheit mit einem begehbaren Weinkühlraum aufwartet und in der man bescheidene 1.839.000 € mit Weitblick am Wasser versenken kann?

Man betritt als Besucher das Anwesen. Kobe-Rinder und Trüffelschweine weiden neben der aus Marmor gepflasterten und daher sehr rutschigen, kaum passierbaren Auffahrt. Am Eingangsportal, dessen wuchtige Türen von Shaolin-Mönchen mit bloßen Händen gezimmert wurden, wartet der Rundfunkchor Berlin auf den Gast. Anstatt dem Gast das Anklopfen zu überlassen, setzen die Sänger zu einem infernalen „Klopf, Klopf“ ein. Die Tür wird geöffnet und man betritt die puristische Villa mit Weitblick. Weit ist der Blick in das Entree, in dem Ming-Vasen als Regenschirmständer und abgemagerte Models als Kleiderhaken angeordnet wurden.

Man wird ins Wohnzimmer geleitet, in dem Lang Lang am Konzertflügel sitzt und ein paar besonders schmissige Balladen von DJ Ötzi intoniert. Durch die schweren Vorhänge des puristischen Salons sieht man, wie die Sonne im Meer untergeht. Man wusste gar nicht, dass dieser Ort am Meer liegt. Lag er auch nicht, klärt der Hausherr auf. Man habe einen Kanal verlegen lassen. Ebenso sei ein Landeplatz für die Concorde gebaut worden. Dieser befände sich unweit hinter dem Elfenwald, in dem Figuren aus „Der Herr der Ringe“ ihre letzten Tage bis zum Renteneintrittsalter verbringen.

Der Hausherr fragt, ob man vor dem Mahle gerne einer Opernaufführung im eigenen Heimkino beiwohnen möge („Die neue Inszenierung der „Zauberidiote“ ist beeindruckend.“) oder lieber durch die Showroom-Garage flanieren möchte. Man entscheidet sich für die Besichtigung der Gartenlaube, die mit Fußbodenheizung, Lichtinstallation und einem Fuhrpark bestehend aus Fiat Multipla’s aufwartet. Sortiert nach Komplementärfarben. Da man ein Hang zu Superlativen habe, so der Hausherr, habe manch sich dazu genötigt gefühlt, die größte Ansammlung des hässlichsten Autos der Welt zu besitzen. Durch die Wände der Garage hört man die Arie der Königin der Nacht. Geldscheine als Dämmmaterial stellen sich doch nicht als allzu geeignet heraus. Die Oper würde ohne Unterbrechung aufgeführt, erklärt der Patron. Wo kämen wir denn hin, wenn Kunst nur noch ab einer bestimmten Besucherzahl stattfinden würde.

Der Gast wird nun ins Speisezimmer geleitet. Im Vorbeigehen an der Designerküche hört man die Stimme von Jamie Oliver, der in Selbstgespräche vertieft zu sein scheint. „Hey Leute, heute zeige ich euch wie man Schmalz-Stullen mit einer Prise Dekandez für eure Freunde und Familie schmiert.“ Ein erfolgreicher Designer habe die Küche gestaltet, so der Hausherr. Der Designer, Herr Höffner, sei reich und berühmt geworden durch seine Küchen mit wuchtigen Eichenfronten, beigen Kacheln und Plastiktischdecken mit Blumenmuster. Zu Tisch erklärt der Hausherr – über eine im vergoldeten Tischbein installierte Gegensprechanlage, da die Tafel so lang ist, das man sich über die Distanz sonst kaum noch verständigen könnte – dass der Wein aus den Südhängen des begehbaren Weinkühlraumes stammt. Man selber habe den begehbaren Weinkühlraum allerdings nie begangen, da man ja einen Mundschenk habe, der den Tetra-Pak-Wein, manchmal auch den Blumendünger, übrigens meist ganz ohne zu tropfen, in Füllhörner aus alten Fiat Multipla Schaltknüppel umfüllen und darreichen würde. Lang Lang wurde in der Zwischenzeit durch Metallica abgelöst, die den Rest des Abends stimmungsvoll, musikalisch begleiten.

Das Mahl, das mehrheitlich mit Blattgold bedeckt und daher an mit Rettungsdecken eingehüllte Katastrophenopfer erinnerte, liegt schwer im Magen. Wie Heavy Metal. Wie Schwermetall. Zur Förderung der bisher eher puristisch agierenden Verdauung wird zum Absacker im Kaminzimmer nebenan geladen. Der Absacker besteht aus einem schwindelerregenden Abseilakt der Artisten des Cirque du Soleil. Schließlich verabschiedet sich der Gast und wird vom exhumierten Enzo Ferrari in einem Golfmobil zurück zum Eingangstor der puristischen Villa am Wasser mit Weitblick gefahren. Zum Abschied wird für den Gast ein Feuerwerk gezündet und ein Flugzeug kreist über der Villa. Es zieht einen Banner hinter sich her, auf dem in geschwungenen Lettern steht: „Die Welt widdewidde wie sie mir gefällt.“

Manche machen, andere denken sich die Welt, wie sie ihnen gefällt.




Einen an der Klatsche.

Fernsehen NDR extra3 Irrsinn der Woche Fernsehstudio

Man stelle sich vor, jemand erzählt eine humoristische Anekdote. Etwas Witziges, wie die Meldung, dass Boris Johnson Busmodelle aus alten Weinkisten baut. Womit auch endlich aufgeklärt ist, was die Grundlage für die Geschehnisse auf und in Johnsons Kopf ist: Holzwolle, das Füllmaterial aus Weinkisten.

Und dann stelle man sich vor, dass die herzhaften Lacher und Schenkelklopfer, die dieser Erzählung folgen, zeitversetzt, sagen wir, wenn alsdann über Nierensteine oder das erneute Waldsterben gesprochen wird, hörbar sind. Das exakt gleiche Lachen wird beliebig wiederholt, an passendenden und unpassenden Stellen.

Das nennt man dann Fernsehen. Genauer: die Aufzeichnung einer humoristischen Fernsehsendung.

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Das Fernsehen sieht von außen aus wie eine Mischung aus Verwaltungsgebäuden und, nein, es sieht einfach nur aus wie ein Verwaltungsgebäude. Der Pförtner lässt noch schnell diese eine, die man aus dem Fernsehen kennt, mit ihrem SUV an den Besuchern vorbeibrausen und weist dann den Weg zum Empfangsbereich des Fernsehens. Dort wartet ein Glas Sekt zur Lockerung der germanisch steifen Klatschmuskeln. Und ein paar Gummibärchen als kosteneffiziente Energiezufuhr. So eine Aufnahme kann schließlich sehr lange dauern. Die Aufnahme der Zuckerware geht hingegen recht schnell. Büfett-Fräsen gibt es eben überall.

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Nachdem man an der Garderobe mit der Jacke die Rechte an allen Bildern zwischen der eigenen heiligen Erstkommunion und etwas weniger weihevollen Hüftoperation abgetreten hat, betritt man das Fernsehen von innen. Man schreitet durch Flure, die in ihrer Ruhe und Geschäftigkeit an Krankenhausgänge erinnern. Und schließlich betritt man das Herzstück des Fernsehens: das Studio.

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Das Fernsehen sieht von innen aus wie der Maschinenraum des Traumschiffs. In dem halt jemand herumsteht und den Turbinen Witze erzählt. Man begegnet jedoch zunächst einem Platzanweiser, der einmal nicht nur dazu da ist, Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Rang und Reihe mitunter herausfordernd ist, den Weg zu weisen. Der Platzanweiser ist Diskriminierungsbeauftragter für Fernsehanstalten und richtete den Zuschauerraum klatschvoll ein, indem er Menschen nach ihrem Erscheinungsbild sortiert. Man fragt sich angesichts der fettleibigen Klatschaffen in der ersten Reihe, ob der Sender damit die Brücke zu quotenstarkem Hartz-IV-TV schlagen wollte oder ob man selber einfach zu sehr danach aussieht, als habe man einen an der Klatsche.

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Nachdem man seinen Platz in der Gesellschaft zugewiesen bekam (dritte Reihe, immerhin noch vor den beigen Rentnern), betritt der Einheizer die Bühne. Er ist dazu da, den Menschen das Abprusten zu erleichtern und löst die ersten Lacher. Eigentlich ist er witziger und schlagfertiger als der eigentliche Witzemacher, der ins Fernsehen kommt, aber mit allzu viel Gerechtigkeit rechnet man beim Fernsehen ja ohnehin nicht. So klatscht und lacht man sich fünf Minuten warm und locker – und doch beschleicht einen das beklemmende Gefühl, irgendwie beobachtet zu werden. Vielleicht sind es die Kameras in der Größe eines Kleinbusses, die auf den eigenen Rachen gerichtet sind, die dieses subtile Gefühl auslösen. Möglich.

Dem Einheizer folgt der eigentliche Witzemacher, der weniger Witze und einen nervösen Eindruck macht. Er begrüßt die Menge herzlich und euphorisch und verschwindet erneut von der Bühne, um die Menge zu begrüßen – in dem er in eine der Riesenkameras spricht. Wie ein eifersüchtiger Ehepartner fühlt man sich verletzt. „Ach, auf einmal bin ich nicht mehr gut genug für dich. Hast nur noch Augen für die andere.“ Und doch lächelt man weiter. Es könnte ja eine Kamera auf einen gerichtet sein. Allzeit b(e)reites Grinsen, auch wenn man sich fühlt, als würde man ein fremdes Gespräch belauschen. Ein Gespräch, das jemand vorher ausformuliert hat und nun vorgelesen wird. Unter der in die Zuhörer gerichteten Kamera laufen die Witze wie Aktienkurse über den Teleprompter. Schnellleser erkennt man an einem leicht zeitversetzten Lachen. Und daran, dass sie beim nächsten Mal in die letzte Reihe verbannt werden.

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Doch kaum hat das Vorlesen begonnen, ist es eigentlich auch schon wieder vorbei. Oder auch nicht. Denn: Man stelle sich erneut vor, jemand erzählt eine humoristische Anekdote. Alle lachen über Boris und seine Busse. Doch dann sagt jemand „der Witz war ein bisschen zu lang, kannst du den bitte genauso, aber circa zwanzig Sekunden kürzer erzählen?“ Der Witz wird erneut erzählt, alle lachen und klatschen erneut. Leicht irritiert, aber total authentisch. Wie wenn Oma den einen Witz erzählt, den sie bei jeder Familienfeier zum Besten gibt.

Der Witzbold kündigt schließlich die nächste Sendung im Programm an und verbeugt sich. Musik und ein letztes klatschendes Aufbäumen setzen ein. Dann ist die Show vorbei. Vergeblich wartet man auf den Beginn der angekündigten Nachrichtensendung. Stattdessen wird man des Raumes verwiesen. Eilig begibt man sich auf dem Heimweg. Die Sendung wird schließlich bald ausgestrahlt und man möchte sich gerne beim Klatschen beobachten. Und die Witze ein drittes Mal hören. Ob das Lachen zu dem Witz gehört ist dabei so nebensächlich, wie die Frage, ob Boris Johnson wirklich Busse aus Weinkisten baut.

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