Deutschland

Deutschland, du Land der Dichter, Denker und Erfinder – von Slogans.

Des Deutschen liebstes Reiseziel ist und bleibt Deutschland. So rational wir Deutschen sind, so verständlich ist dieser Schritt. Kann es ein schöneres Reiseziel geben als dieses ordentliche, pünktliche, unaufgeregte, Funktionskleidung tragende Wunderland, welches geteilt ist in 15 kleine, paradiesische Oasen der Vielfalt – und Bayern? Wer braucht da schon fernöstliche Darmviren, italienische Unpünktlichkeit oder amerikanische Fettleibigkeit, die sich zunehmend im Gehirn abzusetzen scheint, wenn er Schwarzbrot, einheitliches Wetter (13° und Nieselregen) und flauschiges Toilettenpapier haben kann.

Jetzt zu Beginn eines jeden Jahres plant und bucht der gewissenhafte Deutsche daher seinen Jahresurlaub im eigenen Land. Doch wo soll die Reise hingehen bei all den Möglichkeiten? So bunt ist die Auswahl, so schwarzrotgolden sind die Aussichten. Längst haben die Bundesländer den Kampf um Besucher, Bewohner und Sanifair-Anlagen-Nutzer aufgenommen. Mit emotional aufwühlenden Werbekampagnen buhlen sie um unsere Gunst und laden uns zum Verweilen ein. Pointierte Slogans lachen uns von Autobahnschildern an und man fährt mit Stolz und Neugier durch dieses vielfältige Land. Ein Land in dem so viel möglich zu sein scheint –  sei es hanseatische Haarentfernung mit Panoramablick (Hamburg: „Wachsen mit Weitsicht.“) oder wohltuende, mecklenburgische Starkstromtherapien mit Megavolt („MV tut gut.“). In diesem Land, das einst geteilt war, gibt es keine Grenzen: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ (Baden-Württemberg) – ok und bescheiden sein, Feinstaub reduzieren und Elektroautos bauen. Aber dafür haben unsere grünen Landesväter einen feschen Borstenschnitt.

Deutschland Hamburg Elphi Landungsbrücken

Eine Reise durch die Republik zeigt uns, dass wir ein Land der Lässigkeit und Toleranz sind. In der Hauptstadt darf gestottert („Be Berlin.“) werden. In Brandenburg darf ein jeder „Neue Perspektiven entdecken.“. Da ist es dann auch völlig in Ordnung, wenn man die „neuen“ Perspektiven der AfD entdeckt und einer Partei der Rückwärtsgewandtheit zu einem 22%-Wahlerfolg verhilft. Dabei denkt die AfD  genau wie NRW, sie sei „Germany at its best.” Das Beste von Germany schlussfolgern wir sind dann also permanente Staus – des Verkehrs oder der Blutzufuhr zum Gehirn.

Deutschland Ruhrgebiet NRW

Im Saarland gilt wiederum „Großes entsteht immer im Kleinen.“ – und es liefert direkt anschauliche Belege, wie zum Beispiel den Größenwahn im Kleingeiste eines Oscar Lafontaine. Großartig. Ehrlicher und direkter agiert man beim Nachbarn Rheinland-Pfalz. Dort gilt „Wir machen’s einfach.“  – nach einem Glas Dornfelder mit der eigenen Cousine. Einfach sind dann auch die Kinder, die hieraus entstehen. Ehrlich ist auch Bremen mit seinem „Bremen erleben.“. Der Besucher ahnt bereits, dass es hier weniger um ein „Bremen genießen oder lieben“ denn um ein „Bremen überleben“ gehen wird. Die hohe Arbeitslosigkeit, Kriminalität und schlechten Schulen der Stadt sind in der Tat ein Erlebnis der Kategorie eindrücklich. Die Weiterreise führt den reiselustigen Bürger sodann nach „Niedersachen. Klar.“…wie Küstennebel. Doch „der echte Norden“ist dann nur in Schleswig-Holstein zu finden. Nur echt mit Güllegeruch und Mittelohrentzündung.

Deutschland Ostsee Küste Strandkorb

Egal ob man sich nach so viel norddeutschem Kulturreichtum auf den Weg nach Helsinki, Honolulu oder Heilbronn aufmacht – „An Hessen führt kein Weg vorbei.“  Das ist so sicher, wie der Durchfall nach zu viel Apfelwein. Kaum in Hessen angekommen wird man dann aber auch direkt gen neue Bundesländer abgeführt. Hier merkt man den Klassenneulingen an, dass sie sich um mehr Seriosität, Inhalte und Traditionsbewusstsein bemühen. Sachsen-Anhalt brüstet sich neunmalklug als „Ursprungsland der Reformation.“ und möchte dafür bewundert werden, dass jemand mal vor sehr langer Zeit einen Zettel an eine Tür geklebt hat. Thüringen kommt geradezu Freudsch daher mit einem „Hier hat Zukunft Tradition.“ Einzig Sachsen bereitet etwas Zukunftssorgen und scheint sich aus Tradition in einer permanenten Findungsphase aufzuhalten. Im „Land der Frühaufsteher“steht man früh auf, um regelmäßig neue Slogans zu erfinden. Und landet am Ende beim denkbar Unattraktivsten, was dieses Land zu bieten hat: „(So geht) Sächsisch.“ Doch glaubte man Sachsen abgeschlagen auf dem letzten Platz, so überholen uns die Frühaufsteher prompt. Modern, wortwitzig und visionär verkünden die sächsischen digital natives ab diesem Jahr: „Hier macht das Bauhaus Schule. #moderndenken“. #modernEUgelderverschwenden

Und Bayern? Bereitet sich anscheinend auf den geplanten bayexit vor und verweigert sich des albernen Werbeblocks. Bayern kann demzufolge nichts. Nicht einmal Hochdeutsch. Und macht doch wieder einmal alles richtig.

Ein Gedanke zu „Deutschland, du Land der Dichter, Denker und Erfinder – von Slogans.

  1. Dieser Beitrag könnte auch heißen make Germany great oder doch nicht!? Keine Frage landschaftlich und kulturell ist Deutschland groß und schön!!! Aber leider vielerorts von Menschenhand und Gedanken“gut“ verschandelt 😏. Wie unser arg gebeutelter Planet ansich! Aber noch haben wir die Möglichkeit uns die Rosinen raus zu picken wenn wir durch dieses Land reisen. Man nehme die Ruhe aus Bayern, das Beste aus NRW, die Klarheit des Nordens und machen es einfach…..das Reisen und Leben in diesem herrlichen Land. Und wenn uns alles zu sehr nervt….dann reisen wir eben durch die Welt und stellen fest…..da ist es genauso nur anders 😉!!!

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