Segeln Segeltörn Boot Kroatien

What the Fock – fünf Fremde und ein Boot.

Warnhinweis.
Achtung, der folgende Text enthält sowohl verstörende Pauschalurteile, als auch abschreckendes Bildmaterial und ist für Leser mit einem Anspruch an Respekt und Menschenwürde nicht geeignet. Die dargestellten Inhalte dienen der Autorin zur therapeutischen Aufarbeitung einer besonderen Form der Seekrankheit und sollten von toleranten, zur Menschenliebe neigenden Personen nicht gelesen werden. 

Segeln Segeltörn Kroatien

Einleitung.
Zwei Freundinnen möchten Urlaub machen. Sie träumen von Wellen, Sonne und Mojitos. Sie möchten Küsten fernab überfüllter Strände entdecken. Sie möchten reisen ohne in Staus oder Parkhäusern zu stehen. Sie möchten fortkommen ohne sich selber zu pausenlos zu bewegen. Sie möchten dem Meer und dem Himmel nahe sein. Und so buchen sie einen entspannten Segeltörn entlang der kroatischen Küste (welcher sich zum späteren Zeitpunkt noch als Skippertraining herausstellen soll). Doch auch wenn sie all dies und damit einen herrlichen Urlaub tatsächlich erleben sollten, so buchten sie vordergründig keinen Segeltörn. In Wahrheit buchten sie eine spannende Sozialstudie entlang menschlicher Idiotie.

Nicht das Schwanken der Wellen oder das ungewohnte Essen sollte für säuerliche Übelkeit sorgen. Es waren die fünf fremden Mitreisenden, die die Gischt und Galle zum Sprudeln bringen würden.

Der Skipper: Patriar(s)ch mit dem pädagogischen Talent einer Bratpfanne.

Der Skipper – nennen wir ihn Vitali – begrüßt seine Gäste mit gebrochenem Deutsch und dem eisigen Blick eines Seemannes mit Badelatschen. Der Blick ist trotz schnittiger Sonnenbrille spürbar. Das graue, lichte Haar trägt er offen, um den kahlen Hinterkopf und damit das Eingeständnis in den eigenen Alterungsprozess zu kaschieren. So wirr wie sein Haupthaar, so wirr scheint sein Leben. Vitali ist im Sommer Segeltrainer. Im Winter ist er Skilehrer.  Vitali ist also Mensch gewordene Coolness. Er ist sogar so cool, dass er nicht ins Wasser geht – natürlich nur um die Wassertemperatur nicht unnötig abzukühlen.Und so ist er dazu da die Belegschaft sicher von Hafen zu Hafen zu bugsieren und vieren der sechs Passagiere tatsächlich einen Skipper-Lehrgang zu erteilen. Die anderen beiden Leichtmatrosen auf Erholungskurs dürfen dafür gerne lernen wie man ihm regelmäßig ein Bier bringen oder einen Käsewürfel reichen darf, wenn ihm danach ist. In Firmen mit mehr als sechs Mitarbeitern würde man für solcherlei Tätigkeit wohl Praktikanten (entgeltlich) beschäftigen. Im Gegenzug erklärt der sonderbare Pädagoge den dümmlichen Damen vom Sonnendeck gerne wie man ein Messer richtig hält oder dass man gutes Olivenöl daran erkennt, dass es in der Kehle richtig brennt. Er glänzt dabei mit Halbwissen, das so dünn ist wie seine Haare. Lässig steht er am Steuer, wippt aufreizend mit der Hüfte im Takt der Musik. Vitali ist nämlich nicht nur Herr der Wellen und des Après-Ski. Er ist auch ein begnadeter DJ. Nicht ganz ohne stolz präsentiert er sein Faible für ABBA und die No Angels. Die starrenden Blicke der weiblichen Belegschaft gehen ihm dabei runter wie Olivenöl. Wie richtig gutes Olivenöl.

Das Paar: Nichtwitzigbert und Hörigine negativieren durch die Weltmeere.

Ein hanseatisches Ehepaar mit Aussicht auf einen baldigen Renteneintritt ist Teil der Besatzung und möchte sein Segelwissen auffrischen. Nennen wir sie Nichtwitzigbert und Hörigine. Wobei nur Hörigine noch etwas lernen soll. Nichtwitzigbert weiß schließlich alles. Wirklich alles. Wie man Segelbegriffe dichtholt und über Backbord in jeden Satz einbaut. Dass man Risotto auch auf hoher See jawohl nur mit echter Brühen kochen kann – nicht mit Fertigwürfeln. Dass man mit jenem Taucherbrillenmodell den sicheren Tod sterben wird. Wie man selbst im unendlichen, türkisfarbenen, nautischen Paradies stets das negative Sandkorn finden kann. Nichtwitzigbert ist der heimliche Kapitän dieser MS Sonderbar. Aber vor allem ist Nichtwitzigbert eines. Er ist nicht witzig. Einfach wirklich nicht witzig. Das ist aber nebensächlich, wenn einem das in etwa fünfzig Lebensjahren nie jemand klar vor den Bug gehauen hat. Und Hörigine lacht und lächelt schließlich immer über Nichtwitzigberts Sprüche („Wir üben jetzt das Frau über Bord Manöver“). Hörigine wird von Nichtwitzigbert liebevoll „Babe“ genannt. Und so erklärt er ihr in der Tat wie einer 2-jährigen wie diese große, schreckliche Welt wirklich funktioniert. Dass Fische Gräten besitzen und man diese nicht mitessen sollte. Er sagt ihr wann sie sich die Zähne putzen, ein Skippertraining absolvieren, das Steuer und die Klappe halten darf. Sie lächelt. Und erfreut sich der Delfine im Wasser. „Ach, so schöne Fische“.

Das Gespenst: Ist da jemand? 

Lücke, eine zarte Frau Mitte zwanzig, ist ebenfalls an Bord. Glaubt man. Sicher kann man nicht sein. Denn Lücke ist unsichtbar. Lücke ist lautloser als der Wind, der ihr durch die braunen Haare weht. Lücke ist so dünn und blass, dass sie vor dem weit gespannten Segeltuch verschwindet. Man muss Angst haben, dass sie mit ihren Reiswaffeln in der Hand davon geweht wird. Die Tragfähigkeit der Waffeln, aber auch Lücke selbst sollte man nicht unterschätzen. Lücke ist die einzige Person an Bord, die wirklich etwas lernen möchte. Mit eng gespitzten Lippen folgt sie Vitali`s wirren Einweisungen, lässt sich von ihm ungefragt Fische auf den Teller zum Probieren legen und lauscht dem Seemannsgarn von Nichtwitzigbert.  Lücke`s eigener Beitrag zu den Tischgesprächen besteht hingegen aus einem Lachen, welches wie das Räuspern einer Dorado klingt und einem einzigen Satz. „Nur einen kleinen Schluck, bitte.“

Der Beklobbte: Faultier sucht Delfintherapie. 

Der letzte Fremde an Board kennt viele Namen: Müllschlucker, Faultier, der Schläfer. Doch am treffendsten dürfte die Bezeichnung Quotenidiot sein. Quotenidiot hat es nicht leicht im Leben. Geschieden. Drei Kinder. Kein Job. Segelprüfung nicht bestanden. Doch dieser Segeltörn soll ihn auf andere Gedanken bringen. Wobei Gedanken an sich nicht wirklich zu ihm passen. Quotenidiot ist kein Freund komplizierter Knoten. Er ist einfach gestrickt. So mag Quotenidiot zum Beispiel einfache Zwei-Wort-Sätze („Glas, halbvoll.“). Wenn er nicht schlingernd am Steuer steht, sitzt er mit einer Tupperdose voller Lernkarten auf dem Schoß irgendwo an Deck. Er starrt ins Nichts, bewegt seine Lippen und zeigt ab und zu lauthals „Dingi“ oder „Fender“ brüllend auf Gegenstände an Bord. Zu Beginn zuckt die Besatzung noch jedes Mal zusammen. Gen Ende der Reise beginnt sie in solchen Moment reflexhaft die Qualität des heutigen Windes zu besprechen. Quotenidiot kann nicht viel, aber eines beherrscht er wie kein anderer: er ist Profi in Sachen effizienter Nahrungsmittelvernichtung. Er beeindruckt mit maximaler Beladung der Mundhöhle bei gleichzeitiger Fixierung etwaiger Reste auf den umliegenden Tellern. Sind die letzten Krümel vom Tisch entfernt hält er gerne ein Sekunden-bis-Stunden-Schläfchen zu Tische. Neben dem Segeln und Tischmanieren stellt das Gehen seine größte Herausforderung dar. Am letzten Tag stolpert Quotenidiot – zu Land – und schürft sich das Bein auf. Er möchte seine Wunde lufttrocknen, wie den Schinken („Schinken, lecker), den er heute Morgen in sich hineingeschoben hat. Und so rinnt den ganzen Tag das Blut über Deck bis er Abends endlich sein Bein im Restaurant auf einer Stuhllehne hochlegen kann. Man möchte sagen „Quotenidiot, what the Fock?“. Aber Reisebegleiter können halt nicht immer sauber durchgebraten sein. Manchmal sind sie eben nicht ganz gar im Kopf. Kein Grund die eigene Urlaubslaune über Bord zu werfen.

Segeln Bein

Ein Gedanke zu „What the Fock – fünf Fremde und ein Boot.

  1. Es gab mal eine Sendung die hieß „The Muppet Show “ Bestandteil waren sehr skurile Personen überzeichnet und dargestellt durch Puppen! Daran musste ich gerade denken als ich diesen Reisebericht las 😉.
    Skurile,durchgeknallte Typen waren noch nie mein Ding und schon gar nicht im Urlaub,da würden sie mich sooooo nerven. Darum gilt meine Bewunderung der Gelassenheit dem Humor und der Bereitschaft des Schellenaffen ( der ja wohl einer der Leichtmatrosen war) sich seinen Urlaub, in dieser herrlichen Landschaft( wie die beiden ersten Bilder beweisen) durch die Absonderlichkeiten seiner Mitreisenden nicht verderben zu lassen!!! Humor ist,bekanntlich, wenn man trotzdem lacht…..auch wenn einem manchmal,wenn man diesen Bericht liest, zum weinen ist. Menschen sind eben doch die eigenartigsten Wesen auf unserem Planeten. 😉( Wie das letzte Foto eindrücklich unter Beweis stellt 🙄)

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