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Kopfsalat, kreativ angemacht.

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Ein Wolf, der die eigene Großmutter verspeist. Ein „dü-dü-düdü-düm“, das jedes Ohr kennt. Ein für die Ewigkeit gemaltes Bild, auf dem die Zeit verrinnt. Ein überheblicher Präsident, der die Pläne seines Widersachers für gut befindet, weil es ja die eigenen Ideen seien, die dieser geklaut habe. Ein Sketch, im Laufe dessen eine Nudel das Gesicht des Gegenübers durchläuft. Ein Parlamentsgebäude, das in Stoff gehüllt wird. Ein Zwerg mit haarigen Füßen, der einen goldenen Ring in ein großes Feuer wirft, um, äh, ja, warum eigentlich noch mal? Eine Kugel Eis, die die Geschmacksrichtung „Gurke“ (er)trägt.

Wie kommt man auf solche Ideen?

Eine Frage, auf die es keine noch so kreative Antwort gibt, auch wenn die Antwort vermutlich „Kreativität“ ist. Allein dieser Satz ist eine verworrene, abstruse, vielleicht kreative Zumutung. Der eine mag ihn irrwitzig, der andere irrsinnig, wieder jemand anders irre langweilig finden, diesen Satz. Doch am Ende dieses Satzes bleibt die Frage: was ist Kreativität? Ist Kreativität das, was unserem Scheppern im Kopf eine Melodie gibt? Das, was unsere Erfahrungen und Eindrücke zu neuen Erfahrungen und Eindrücken werden lässt – und damit unserem monotonen Takt des Lebens Leben verleiht? So wie Loriot eine Nudel in einem Gesicht sah, so sehen wir Turnübungen einer Pastavariation im Fernsehen. So wie Monet Seerosen sah, so sehen wir Monets Seerosen. Und sie lösen etwas in uns aus. Neue Gedanken, neue Assoziationen, neue Ideen.

Wir bewundern „kreative Menschen“. So kreativ ich selber bin, so sehr bin ich meist maßlos beeindruckt von farbenfrohen Bildern, die andere zeichnen – sei es im Auge oder im Kopf. Beeindruckt von unvorhersehbaren Anfängen und plötzlichem Ende. Von neuen Gerüchen und neuinterpretierten Klängen. Wie kann man das nur können? Dabei werde ich selbst oft gefragt, warum ich das kann. Woher ich meine Ideen nehme. Hier ist nun die Antwort: jeden Sonntagnachmittag werfe eine kleine, gelbe Pille in der Form eines Geistesblitzes ein, woraufhin ich mir eine Flasche Löwenzahnwasser aufmache und beginne, auf einer vollgeschmierten Kreidetafel ein wahnsinnig kompliziertes Berechnungsmodell für kreative Flugbahnen zu erstellen, an dessen Landepunkt ich bei der Firma Vorwerk „Idee, Größe: 42 mit Tiefgang, Farbe: schillernd bis magnatopinktiell, Zustand: neu“ durch den Wink mit einem aus verwaisten Taubennestern, die ich auf meiner Fensterbank sammele, gebauten Zauberstab in meinen Warenkorb lege und hoffe, dass die Idee bis Montag 00:00 Uhr geliefert wird. So oder so ähnlich.

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Kreativität ist ein Nest. Und zugleich einer der wenigen Räume unseres Lebens, den man nicht kontrollieren oder steuern kann. Ein Raum, der kein universelles gut oder schlecht kennt. Kreativität ist oft weniger ein Nachdenken denn ein Abwarten. Ein Warten darauf, dass ein Wort, ein Bild, ein Gedanke in den Sinn kommt. Warten darauf, dass die Melodie des Schepperns einsetzt. Warten darauf, dass die Hand den Pinsel über die Leinwand bewegt. Dass der Fuß einen unerwarteten Pass spielt. Dass der Mund eine schlagfertige Antwort formuliert. Dass der Gaumen das richtige Gewürz ersinnt. Woher diese Dinge kommen, die keinem Schema folgen? Sie folgen irgendeiner Form der Stimulation, die eben nicht einer mathematischen Gleichung oder wissenschaftlichen Berechnung folgt. Und das ist das Schöne daran. Jeder wird anders stimuliert und macht daraus wiederum etwas anderes. Jeder ist kreativ. Auf seine Weise. Gibt man verschiedenen Gruppen eine Aufgabe und viele Möglichkeiten, macht jede Gruppe garantiert etwas ganz Anderes daraus. Die eine malt, die andere reimt. Wieder eine andere erkennt die kreative Möglichkeit, eine Pause zu machen. Keine Gruppe wird zu dem gleichen „Ergebnis“ kommen.

Und so stelle ich mir unseren Kopf vor, wie eine Scheune, die uns allen gegeben wird. Aus der Scheune macht der eine einen Kuhstall, der andere ein Café, der nächste ein Zentrum zur Spinnentherapie. Wieder jemand anders errichtet eine Fabrik zur Herstellung von Löwenzahnwasser. Oder reißt die Scheune ab und baut sich aus dem Holz ein Baumhaus, das er in Stoff kleidet, um Touristen anzulocken. Unserer Kreativität sind in der Tat selten Grenzen gesetzt. Der Beweis dieser These dürfte sich im Übrigen erneut in den Kommentaren zu diesem B-B-Beitrag finden.

Und doch frage ich mich regelmäßig: was ist, wenn alle Ideen irgendwann erdacht sind? Wenn es keine neue Musik mehr gibt, weil alle Notenkombinationen gespielt? Wenn es keine neuen Gerichte mehr gibt, weil alles, was die Erde hergibt, zusammengekocht wurde? Wenn mir einfach nichts Neues mehr einfällt? Dann setze ich auf die nach der Kreativität zweitschönste Eigenschaft der Menschheit: die Vergesslichkeit.

2 Gedanken zu „Kopfsalat, kreativ angemacht.

  1. Nun wissen wir’s! Irgedwo in der Mitte steht’s! So kreiert der Schellenaffe seine Artikel!!! Ich habe am Ende des Beitrags schon vergessen wie!😊 Darum, mein lieber Schellenaffe, mach dir keine Sorgen (und ich mir auch nicht) zumindest dir werden die Ideen nicht ausgehen! Denn die Welt, Menschheit, dein Umfeld, dein wacher Blick auf Selbiges,wird dir soviel Schönes, Abstruses, Trauriges, Lustiges und Denkwürdiges bieten das du eher aufpassen musst das der „Kopfsalat „nicht den Kopf sprengt 😉! Und wenn man dann noch die große Vergesslichkeit der Menschen bedenkt, stehen die Chancen noch besser, dass der Stoff, aus dem die Träume, Artikel sind nie enden wird! Wäre ja noch schöner, wenn in der neuen Normalität dieser Zeit , der Montag Morgen nicht mehr „great“ wäre!😉

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