LebenReisen

Die Camper.

Camping Campingurlaub Campingplatz Vanlife

2020 läuft nicht. So gar nicht. 2020 rollt. Über Stock und über Stein. Und über die A1. Es rollen die Bullis, die Camper und die weißen Gefrierkombinationen mit Satellitenschüssel auf dem Dach und Gisela und Manfred hinter dem Steuer. Eingepfercht durch offensichtliche oder unsichtbare Grenzen sind sie gezwungen zum Urlaub vor der eigenen Haustüre. Selbige Haustüre packt man ein und macht sich auf den Weg in die Uckermark oder nach Usedom, um dort auf 8 qm mal so richtig auszuspannen: 2020 ist das Jahr des Camping-Urlaubs. 2020 ist aber auch das Jahr, das alles durcheinander brachte. So durcheinander wie eben ein Thailandurlauber in der Uckermark ist. Und so treffen 2020 Menschen aufeinander, die sonst fein säuberlich in getrennten Welten aneinander vorbeirollen. Es treffen Dauercamper und ihr englischer Rasen auf graspflegende Althippies und #vanlife-Enthusiasten mit Gräserallergie. Zur allgemeinen Camper-Verständigung daher hier eine Kategorisierung des fahrenden Volkes.

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Der Rentner.

Eigentlich gehört er nicht zum fahrenden Volk. Denn Bewegung versucht er im Allgemeinen zu vermeiden, bedeutet sie doch vor allem eines: etwas bewegt sich. Und dadurch ist es ja dann nicht mehr wie oder wo es war. Das wäre dann eine Veränderung. Und Veränderung ist schlecht. Wie man an den Spritpreisen und diesen Corona-Regeln ja sieht. Nein, der campende Rentner mag Beständigkeit. Daher liebt er seinen beständigen Standplatz. Umgeben von anderen standhaften Rentnern fühlt er sich bestandsgeschützt. An seinem festen Standplatz. Wehe, jemand anderes setzt einen Reifen auf seinen Platz oder kommt seinem weißen Kühlschrank auf Rädern zu nahe. Zur Sicherheit werden daher Teppiche, Zelte, Gartenzäune und mit Platzpatronen ausgestattete Gartenzwerge mittransportiert und rechtwinklig postiert. Ebenso wie das eigene Gesäß in einen Baumwollzweiteiler gesteckt und unter dem Vorzelt platziert wird. Und sich zwei Wochen lang nicht bewegt. Nichts bewegt sich – außer der Augen, die sich bewege um zu gaffen. Auf andere gaffende Rentner und eben jene Exoten, die das Jahr 2020 in sein Reich gespült hat. Er fühlt sich dabei wild und frei, dem eigenen Alltag entflohen, in dem er normalerweise im Baumwollzweiteiler hinter seinem Gartenzaun sitzt und auf parkende Autos gafft. Nein, hier genießt er das einfache Leben – auf seinen 60.000€ teuren, stillstehenden Rädern. Das Motto seines Urlaubes ist: Hauptsache wie zuhause.

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Der Aktivurlauber.

Er hat alles. Einfach alles dabei. Kanus, e-Mountainbikes, Wanderstöcke, Segelyachten und Funktionskleidung für jedes Temperaturgefälle. Auch alle Tassen hat er dabei, auch wenn er nicht alle Tassen im Schrank hat. Wie zuhause möchte er alle Optionen nur einen Kunstfaserkleidungswechsel weit weg haben. Wanderkarten, Wanderapps und Brotkrümel weisen ihm den Weg durch seinen Abenteuerurlaub. Den Winter verbrachte er damit, eine Dachhalterung für sein Kanu und eine Ladestation für seine e-Bikes an sein Wohnwagen zu bauen. Denn außer Müßiggang hält er nichts für so unnütz wie Verleihbetriebe. Nein, es muss schon das eigene Gerät sein. Einzig die Ehefrau würde er gerne mal verleihen. Oder austauschen gegen ein anderes Geräte. Aber das Motto seines Urlaubes ist nun mal: hauptsächlich Sachen wie zuhause.

Die Familie.

„Und wenn wir die Kinder einfach aussetzen?“ Da die Raststätte doch etwas sehr trostlos erschien, entschied man sich für einen Campingplatz, um sich seiner Kinder mitsamt ihrer Habseligkeiten zu entledigen. Der alte Wohnwagen der Schwiegereltern ist kaum zu erkennen unter all den Tretrollern, Bällen und Wäscheleinen voll frisch gewaschener Kinderkleidung. Die Kinder sind leider noch immer zu erkennen. An ihrem Geschrei und Gezeter – diesmal nur auf 8 statt 80 Quadratmetern. Da wird der Camper zum Schallverstärker. Aber man liebt sie eben innig. Wenn sie schlafen. Quer im Ehebett. Das Motto des Urlaubs: wie zuhause, leider.

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Die Hippies.

Man reist mit Hängematte – auf dem Kopf und hängt sich zwischen zwei Bäume. Die Wüstensafari durch Burkina Faso wurde ebenso wie das Batik-Festival aus unerfindlichen Gründen abgesagt. Alles dünnhäutige, faschistoide Bedenkenträger. Das Dachzelt auf dem Jeep spannt man dennoch auf. Und ab. Und man ernährt sich vom dem, was die Natur hergibt. Gras und Pilze. Nur den Scherz mit den Duschmarken versteht man nicht. Man ist schließlich eines der seltenen Krustentiere, dass kein Wasser braucht. Und keine Platzordnung. Das Motto des Urlaubs ist: alles wie zuhause, wenn man denn eins hätte.

Die Van-Life-Enthusiasten.

Und da sitzen dann die von Instagram angelockten Bullibesitzer, die ihr aufwendig ausgebautes Fahrzeug ihrem natürlichen Terrain zuführen wollten und vom einfachen Leben träumten. Bis sie feststellten, dass es hier kein WLAN und Flat White gibt in diesem einfachen Leben, in dem ein Rührei am Morgen nicht mehr ganz so einfach ist. Und es doch irgendwie mögen. Dieses auf einfache Dinge beschränkte Leben. Dieses Leben, in dem man dem Bus morgens nicht mehr hinterher rennt, weil man ihn ja selbst steuert. Dieses Leben, in dem man das Treiben der Menschen statt die Bewegungen auf dem Handy beobachtet. Dieses Leben, auf absoluter Enge, das einem das Gefühl von Freiheit und Raum gibt. Dieses Leben mit so wenig, das einem so viel gibt. Das Motto des Urlaubs: wie, was, wo war noch mal zuhause?

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Ein Gedanke zu „Die Camper.

  1. Die obige Beschreibung der diversen Camper Spezien, hat mich 60 Jahre davon abgehalten diese Art des „Urlaubs “ je in Erwägung zu ziehen! Wenn man bedenkt, dass man bei dieser Art des Reisens, Menschen sehr nahe kommt, um die man im Alltag einen möglichst großen Bogen macht, dann stelle ich mir lieber garnicht erst vor, wie es 3 Wochen, Wohnwagen an Wohnwagen ,mit ihnen sein würde! Anstrengend,aufreibend, nervtötend und nicht wirklich erholsam! Darum bewundere ich den Schellenaffen der sich in diese Naherfahrung begeben hat ! Der Vorteil ,es bringt wieder einmal ungemein viel Lebenserfahrung mit sich, von der wir, die Leser des Schellenaffen, profitieren! Danke für diesen Selbstversuch!!😉😊

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