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Sweatdown in der Sauna – textilfreie Würdelosigkeit oder wonniges Pekip für Erwachsene?

Mir wird heiß. Immer heißer. Mein Puls beginnt wie ein progressiver Deep House Beat schneller zu schlagen. Schweißperlen bilden sich auf meiner Haut. Der Mann neben mir stöhnt leise. Er ist nackt. Ich bin nackt. Wir starren beide schwer atmend auf den Boden, auf unsere nackten Füße vor uns. Ich spüre seine Nacktheit wie eine Bedrohung. Die Spannung ist zum zerreißen. Ich fühle mich von unsichtbaren Augen beobachtet. Meine Bewegungen fallen schwer. Ich sitze und starre ins Leere. Wie konnte das passieren? Ich und mein Arbeitskollege nackt – nebeneinander.

Ich werde aus meiner panischen Nacktstarre gerissen. Ein Mann betritt den Raum „Moin. Ich hab euch Litschi-Guave mitgebracht. Besonders belebend.“. Das nicht auch noch.

Aufguss. 

Ich stehe abrupt auf. Den Rest Würde zurücklassend und ein unangenehmes Glitschgeräusch von mir gebend laufe ich zunächst in das schwungvoll über die Köpfe kreisende Handtuch des Saunameister. Wie ein Maestro dirigiert er die Schwitzenden. Ich stolpere unrhythmisch zur Tür, hinaus aus der Sauna, hinein ins Freie. Frische Luft strömt durch meine Lunge. Ich atme tief ein und wickele mich wie ein Dürüm in mein Handtuch. Langsam schleicht sich die zwiebelige Erkenntnis in meinen Kopf: Ich habe das Geschlechtsteil meines Arbeitskollegen gesehen. Au Backe, au Pobacke.

Die kühle Luft entfacht Atemzug um Atemzug schließlich eine ungeahnte Empörung in mir. Frustration, Wut, Ärger formiert sich um ein einziges Wort: Textilfrei.

Wie kann man in einer freien, demokratischen Gesellschaft wie der deutschen zur Nacktheit gezwungen werden? Warum zahle ich auch noch Geld dafür? Und warum gibt es keine Warnhinweise und Sicherheitseinweisung beim Betreten einer Saunalandschaft?

„Schwimmbrillen im Pool verboten – sie können zu nachhaltiger Schädigung der Sehfähigkeit führen.“

„Achtung, auch im Falle des sehr wahrscheinlichen Zusammenstoßes mit weisungsbefugten Vorgesetzten, Geschäftspartnern oder Grundschullehrern gilt die Textilfreiheitspflicht. Wir raten dazu Ruhe zu bewahren und hektische Bewegungen, Augenkontakt und bückende Körperhaltungen zu vermeiden. Denken Sie immer daran: ihr Gegenüber hält Sie und Ihre Nippel mindestens genauso bedrohlich wie Sie die Ihnen Gegenübergestellten.“

„Notausgänge sind nur im äußerten Notfall zu benutzen (Erektionen sind keine Notfälle). Sie stehen dann nackt auf der Straße. Ist dann halt doof.“

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Würde man entsprechend aufgeklärt – Aufklärung ist ohnehin das zentrale Thema der Sauna – wäre das mit der Entspannung viel einfacher. Ein Sauna-Besuch unter dem Motto „Pekip für Erwachsene nur ohne Urinieren“ ist schließlich wie eine Geo-Reportage über Grottenlurche in Papua-Neuginea – mit der nötigen Distanz durchaus faszinierend. Denn über allem schwebt die beruhigende Erkenntnis: alle Menschen werden nackt geboren und sehen nackt einfach naja aus. Live und als farbiges 3D-Bewegtbild sind wir eben doch alle zerdellt und schwabblig. Ist jemand vielleicht straffer als der schwitzende Bundesdurchschnitt hat er zum gerechten Ausgleich Haare an Stellen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Der Geschäftsmann mit Schlemmergewölbe, die Putzfrau mit draller Oberweite  – alle egalitär vereint und ohne schützende Statussymbole bedeckt. Ob der wabbelnde Wanst durch Wachteleier oder Wopper angefressen wurde, ist schliesslich selbst für das geschulte Auge nicht auszumachen. Zwar gilt auch hier „Oben wird die Luft besonders dünn“, aber dennoch gibt es in der Sauna keine Hierarchien und Rangordnungen. Das Bisschen an bodenlosem Schamgefühl sollte man da doch irgendwie wegfächern und sich zur Entspannung unter Gleichen zwingen können.

Bleibt die Frage, wie man den normalerweise hierarchisch getrennten Po-Backen beim nächsten angekleideten Zusammentreffen am Kaffeeautomaten begegnet. Wohl kaum mit einem „Die Muttermale solltest du mal untersuchen lassen“ oder „Wirklich genital deine Idee im letzten Meeting“.

Vermutlich eher mit einem „Achtung, sehr warm“.

 

2 Gedanken zu „Sweatdown in der Sauna – textilfreie Würdelosigkeit oder wonniges Pekip für Erwachsene?

  1. Nun weiß ich warum mir der Besuch in einer Sauna schon immer eher uncool vorgekommen ist! Ich werde darum auch weiterhin einen großen Bogen um dieses Etablissement mache! Mir reichen schon die Ausblicke auf die,zum Teil, verhüllen Gestallten, die mir in meinem Fitness Studio begegnen, wenn sie Versuchen wieder einwenig runter zu kühlen beim Spaziergang um den Pool. …In dem ich meine kühlen Bahnen ziehe!

  2. da geht es mir ähnlich wie Trippel B – Ich schwitze ungern, und noch dafür bezahlen? Das geht mir an allem möglichen vorbei, verhüllt oder unverhüllt.

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