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Betriebsfeiern – eine Betriebsanleitung.

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Es ist diese besondere Zeit im Jahr. Diese Zeit, in der sich Fremde in die Arme fallen, man in tief hängendes Lametta läuft und viel zu viel isst und trinkt. Es ist die Zeit der Betriebsfeierei. Während die sommerliche Version des Zwangsamüsement unter gemeinschaftlich verbundenen Arbeitssklaven in der Regel mit allerlei Aktivitäten aufwartet, ist die Winterausgabe der Betriebsfeier in der Regel von Passivität geprägt. Das Sommerfest scheint ein Überlebenscamp für Schreibtischhelden zu sein. Vom Steuern verschiedenster Wasserfahrzeuge über Lama-Trekking, Trommelkurse oder Geocaching, alles scheint möglich zu sein. Hauptsache, man könnte es auch bei Jochen Schweizer kaufen. Nie weiß man, was im nächsten Jahr geboten wird. Gewiss ist lediglich, dass es regnen wird und man am nächsten Tag Muskelkater an Stellen hat, von denen man nicht einmal wusste, dass sie muskelkaterfähig sind.

Die Firmenweihnachtsfeier ist hingegen wie Dinner for One komplett vorhersehbar. Und alle Jahre wieder lacht man trotzdem. Das Ambiente, der Ablauf, aber vor allem die Protagonisten sind jedes Jahr so überraschend wie der Moment, als der Kellner über den Tigerkopf stolpert. Die Kulisse bildet eine praktisch anmutende Mehrzweckhalle, die mit roten Schleifen, Tannenzweigen und Servietten, die das Firmenlogo tragen, kaschiert wurde. Der Ablaufplan dient zunächst der Erzeugung eines maximalen Gefühls des Sichbetrinkenwollens. Die Feierlichkeiten beginnen in der Regel mit einer nüchternen Präsentation von Umsatzzahlen und Visionen für das neue Jahr, die unterbrochen wird von gezwungenem Szenenapplaus für Mitglieder der Geschäftsführung und Kaffeepausen mit dünnem Filterkaffee. Es folgt ein deftiges Abendessen, das als Grundlage für alles weitere dienen soll. Und dann beginnt das Schauspiel mit irgendeiner besonders gut gelaunten Coverband oder DJ Johnny Cool, der „kein Tanzbein unberührt“ lassen wird – gefolgt vom Auftritt der Protagonisten.

Weihnachtsfeiern bieten vor allem die Möglichkeit, männliche Vertriebsmitarbeiter in ihrem natürlichem Umfeld zu beobachten. Erkennbar an einer geschwellten Brust und einem schwankenden Gang, besetzen sie zunächst das Revier rund um die Bar. Später verteidigen sie mittels ausladender Armbewegungen und unrhythmisch gefeuerten „Luftpistolen“ die Tanzfläche für sich. Dabei ist ihr geschärfter Blick immer auf weibliche Artverwandte gerichtet. Monogamie ist an diesem Abend so beliebt, wie ein Fahrzeug der Konkurrenz auf dem Firmenparkplatz.

Das einzige Weibchen, welches auf die Brunftversuche reagieren wird, ist erkennbar an dunkel geschminkten, leicht schielenden Smokey Eyes, niveauflexiblem Dekolleté und Absätzen, die so hoch sind wie das Proseccoglas in der Hand. Bei der Bestellung an der Bar ruft sie gerne „metoo“. Egal in welcher Abteilung sie arbeitet, an diesem Abend ist sie entschlossen, im Innendienst tätig zu werden.

Hingegen mehr auf Außenwirkung fokussiert sind die Kollegen aus der Marketingabteilung. Einfach zu identifizieren an aufwendigen, glitzernden Kostümen – selbst wenn kein Verkleidungsmotto ausgelobt wurde. Für gewöhnlich sind sie in Gespräche verwickelt: mit dem Barpersonal, um die Zutaten ihres Longdrinks zu diskutieren oder dem DJ, um sich dieses eine Lied von Katrina and the Waves zu wünschen.

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Der Typ aus der IT-Abteilung wird zu später Stunde seinen voluminöses, öliges Haupthaar öffnen und headbangend auf der Tanzfläche stehen. Die Mehrheit der Mittänzer wird sich in diesem Moment an den Füllstand ihrer Blase erinnern und „mal kurz Kacheln zählen“ gehen. Lange vor dieser Episode wird die Buchhaltung die Örtlichkeit verlassen haben, um pünktlich am nächsten Morgen ihrer Arbeit nachzugehen. Erkennbar daran, dass am Folgetag eine Rechnung mit der Anmerkung „Falsche Anschrift“ im eigenen Postfach liegen wird. Abteilungsleiter sind hingegen daran zu erkennen, dass sie Tabletts mit Kurzen in der Menge verteilen und Verkleidungsstücke aus der Fotoecke auftragen.

Besagte Fotostation ist im Übrigen der Ort, an dem alle Protagonisten egalitär alkoholisiert schließlich zusammenkommen und sich durchmischen. Die Durchmischung erfolgt jedoch nur für diesen einen Abend. Am nächsten Tag schauen alle die Fotos an und fragen sich, ob die Person neben sich eigentlich Teil des Garderobenpersonals war. Während den meisten Fotomotiven das Beweismaterial peinlich ist, wird es sich für eine Person als nützlich erweisen. Das an diesem Abend gezeugte Firmenbaby wird diese Fotos Jahre später entdecken und sich fragen, ob das Papa mit dem Rentiergeweih auf dem Kopf ist.

2 Gedanken zu „Betriebsfeiern – eine Betriebsanleitung.

  1. Auch wenn der Schellenaffe diese Recherche wieder mehr oder weniger gut überstanden zu haben scheint, sonst gäbe es diesen herrlichen Artikel nicht, so muss ich jetzt mal feststellen, es scheint doch viele Menschen in der Umgebung des Schellenaffen zu geben , die ein Problem mit oder etwa ohne Alkohol habe🤔!?Sommerfeste, Bier nach Feierabend, Weihnachtsfeier, Partys, Open-Air Veranstaltungen usw. Immer enden diese Events im Rausch! Mir scheint anders sind sie nicht zu ertragen. Dann bitte nicht mehr so häufig teilnehmen, lieber Schellenaffe, denn nichts geht über die Gesundheit an Leib und Seele, auch kein noch so authentischer Artikel!!!🤗😊🤣

  2. zu den Sorgen von Trippel B: Um authentisch über Säufer zu schreiben, muss man nicht unbedingt selbst besoffen sein – hoffen wir also das Beste …

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