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Wat mud, dat mudder.

Tough Mudder Mudder Island Hinternislauf Schlamm Matsch

Das Leben steckt voller Hindernissen und Hürden, die wir versuchen zu meistern. Manche umgehen wir weiträumig, andere versuchen wir mutig und tatkräftig zu überwinden. Bei den wenigsten Herausforderungen im Leben müssen wir jedoch befürchten, in einer mit Eiswürfel angereicherten Güllegrube zu landen und anschließend von Elektroschocks und Feuerwehrschläuchen malträtiert zu werden.

Bei manchen Herausforderungen allerdings schon.

Was mit einem „Ohje, ich bin in eine Pfütze getreten“ beginnt und in der kompletten Verspachtelung des eigenen Körpers mit einer Fangopackung aus verschiedensten Matschstufen angereichert durch Kuhdung endet, nennt sich Tough Mudder. Klingt tough bescheuert. Ist es auch. Zumal man auch noch Geld dafür bezahlt. Der eigentliche Anfang ist das Unterschreiben einer Verzichtserklärung. Oder den Erwerb einer Waschmaschine. Man weiß es nicht. Zu genau möchte man die Gefahrenhinweise nicht durchlesen. Man lässt sich hingegen vor dem Start eine Nummer und bereits seine Teilnahmeurkunde in Form eines Trikots überreichen. Retrospektiv stellt man fest: dies wäre der richtige Moment gewesen, zurück zum Parkplatz zu gehen, in ein gemütliches Café zu fahren und ein Stück Sahnetorte zu essen.

Stattdessen rottet man sich in einer Gruppe gleichge/verkleideter Irrer zusammen und beginnt nun einen martialischen Hindernislauf, der positiv betrachtet in der Farbgebung an eine Schokosahnetorte erinnert. Geschmacklich nicht ganz. Auf einer Strecke von 8 km gilt es allerlei gegenständliche Gehässigkeiten zu überwinden, die an eine Mischung aus Schlussverkauf im Baumarkt und Afghanistankrieg erinnern. Man taucht in Eisbecken und Klärgruben. Man klettert über meterhohe Mauern, raue Seile und die Knochen anderer Teilnehmer. Man überwindet Ekel, Höhenangst und die nicht aufgearbeiteten Traumata aus dem Schulsport. Man robbt unter Elektrozäunen an Strandurlaubern vorbei und badet in Scheiße und dem Rest der eigenen Würde. Man schwingt sich an Tauen über einen Abgrund, an dessen anderen Ende ein trockener, auf einmal sehr steriler Bürojob wartet.

Dabei geht es um nichts. Rein gar nichts. Keine Medaillen, keine Bestzeiten, keine Siegerehrungen. Am Ziel wartet lediglich ein kühles Bier. Und die Erkenntnis, dass man doch mehr im Leben schafft als man sich zutraut. Wenn man es gemeinsam angeht. Mit einer helfenden Hand, die einen – mehr oder weniger anzüglich – am verschlammten Gesäß hinaufschiebt oder einem starken Arm, der einen von oben zieht, klettert man auch über den Gartenzaun eines Zyklopen. Die wahre menschliche Noblesse tritt ausgerechnet in der unmenschlichsten Gosse zu Tage.

Bleibt dennoch die Frage, warum man sich das alles für ein bisschen Bewusstseinserweiterung antut? Vielleicht, weil man weiß, dass das Gefühl, dass ein Bulldozer Einparkübungen auf den eigenen Knochen gemacht hat, ebenso wie der Dreck auch aus der hintersten Zahnreihe irgendwann wieder verschwindet und dass, was am Ende bleibt den Schmerz wert war: eine völlig verdreckte Teilnehmerurkunde. Denn nur den Muddigen gehört die Welt. 

3 Gedanken zu „Wat mud, dat mudder.

  1. Zu diesem Schellenaffen fällt mir nur der Plattdeutsche Spruch meiner Großmutter ein:“ Dat größte Leid, is dat wat der Mensch sich selbst andeit!“ Aber wenn es wenigstens dazu gedient hat, auf diesem schrecklichen Weg, zu erfahren ,dass wir gemeinsam mehr schaffen, als alleine, war’s die Erfahrung ja doch wert….auch wenn ich persönlich dafür nicht durch Gülle waten müsste! ! 🙄

  2. Super geschrieben ! Und ich stimme Dir absolut zu.
    Es war toll Dich kennenzulernen und hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und jetzt lege ich mich weiter weinend in die Ecke.

    LG Jule

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