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Im Suv fahren verboten?

Schlimm, diese maroden Straßen in deutschen Städten. Überall lauern Schlaglöcher, die so tief sind wie der Weitblick eines Verkehrsministers. Straßen werden monatelang gesperrt, bis Gras über die Sache wächst. Staus bilden sich, sodass man meinen könnte, Hupen sei Teil des Gesangs heimischer Singvögel. Abscheulicher Wahnsinn – dem man auch nicht entfliehen kann, indem man auf öffentliche Verkehrsmittel ausweicht. Dort bilden sich unmenschliche Menschenstaus, in denen man sich wünscht, man würde wenigstens nicht mit der Nase, sondern mit dem Ohr in der Achsel des Mitfahrers stecken, um das Gerede und dieses unsägliche „Treten sie aus der Lichtschranke“ nicht mehr hören zu müssen. Im Niesnebel des Nebenmenschen duschend denkt man an das Wort „Tröpfcheninfektion“. Nein, der öffentliche Zu-nah-Verkehr ist nun wirklich keine Alternative.

Es bleibt nur das Auto.

Und so tut man, was man tun muss, um im Verkehrskrieg zu überleben: man rüstet auf und wird Teil der Eppendorfer Panzerbrigade. Wohl eher im Suff als bei klarem Verstand, legt man sich ein auf Extremsituationen spezialisiertes Fahrzeug zu, ein Sports Utility Vehicle. Die Kritik an diesem Platz- und Spritschlucker prallt daran im hohem Bogen ab, wie ein vom Kühlergrill erfasster Radfahrer oder ein Schwarm Zugvögel. Es ist einfach ein super utility vehicle! Dank der Reifen, die den Durchmesser manch einer Innenstadtwohnung haben, verschwinden Schlaglöcher und Absperrzäune. Freie Fahrt voraus, durchaus. Andere Verkehrsteilnehmer werden einfach weggerammt oder bei Bedarf mit Hilfe der angebrachten Seilwinde abgeschleppt. Praktisch ist diese auch, falls die kleine Charlotte auf dem Heimweg noch ein bisschen Wasserski auf der Alster fahren möchte. Sogar bei Einbruch der Dämmerung ist dies noch möglich dank der dezenten Beleuchtungsanlage auf dem Dach, die in ihrer Strahlkraft an die Landebahn eines Flughafens erinnert. Getreu dem Motto „Platz hat man nicht, Platz verschafft man sich.“ hat das Parkproblem ein Ende. Je enger die Parklücke, desto besser ist es ohnehin, dienen die Dächer der anderen Autos doch als praktische Tritthilfe, um überhaupt hinter das Steuer zu gelangen oder die Wocheneinkäufe, bzw. das, was davon noch übrig ist nach zwei Kilometern Stadtverkehr, vom Dachgepäckträger zu heben. Alles suver!

SUV Geländewagen Verkehrswende

Und so ist solch ein Fahrzeug nicht nur zugebenen willkommener Spottstoff, sondern vor allem zum Symbol sinnloser, verantwortungsloser Dekadenz geworden. Der SUVer-GAU. Warum? Fährt jemand einen Porsche, ein Fahrzeug, das insbesondere in der Stadt noch sinnloser sein dürfte mit seinen zwei Sitzen und seiner Beschleunigung von 0 auf Tempo 30 in einer Sekunde, wird er beneidet oder lediglich belächelt. Ach, der braucht das für sein Ego. Bullibesitzer sind entspannte Hippies, deren Fahrzeuge sich von positiven Vorurteilen und nur selten von miefendem Diesel ernähren. Aber fährt jemand ein SUV, kochen die Emotionen hoch. Der Motor des Zorns heult auf. Aus Neid und Missgunst wird echter Hass.

Dass es völlig sinnlos und unverantwortlich ist ein Geländewagen mit Seilwinde über die Elbchaussee zu fahren, steht außer Frage.  Doch warum stürzen wir uns so auf diesen im Vergleich zur Gesamtgröße der klimaschädlichen Blechlawine kleinen Beitrag? Warum reden alle von dieser klobigen, quadratischen Spitze, des stetig schmelzenden Eisberges? Weil es so schön angreifbar naher Irrsinn ist. Der Sündenbock mit Stoßstange parkt nebenan. Wunderbar. Bis nicht mal diese SUV-Fahrer zum Umparken im Kopf bewegt wurden, muss ich gar nicht erst beginnen, an meiner persönlichen, vielleicht weniger sichtbaren Form der Dekadenz etwas zu ändern. Mit meinem wöchentlichen Online-Shopping-Trip oder meiner aus Trinkwasser gespeisten Toilettenspülung hat das doch nichts zu tun. Dass der abscheuliche SUV vielleicht nur wenige Kilometer im Jahr bewegt wird und dann dazu genutzt werden könnte, um in den Sommerurlaub an die Nordsee zu fahren statt nach Ägypten zu fliegen, wird gar nicht erst für möglich gehalten. Zugleich unverantwortlich und verantwortlich sind wie immer die anderen. Dass es allerdings um mehr geht als alleine die Anzahl der überdimensionierten Blechpanzer zu reduzieren, scheint manchmal im toten Winkel unseres Bewusstseins zu liegen. Das Kleinklein ist eben greif- und verkraftbarer als die große Verkehrswende. Doch vielleicht sollte man den nächsten auf einem bepflanzten Grünstreifen geparkten, mit Schlammspray angesprühten Geländewagen weniger als Zündschlüssel für den nächsten Wutausbruch sehen, sondern eher als Mahnmal dafür, dass wir alle unser Verhalten ändern müssen. Die einen haben eben einen deutlich längeren Weg zu gehen als manch anderer.

Ein Gedanke zu „Im Suv fahren verboten?

  1. Dem ist nichts hinzu zu fügen! Der Schellenaffe bringt es wieder auf den Punkt! Und sag’s wie es ist und das auf sooo herrlich direkte und spritzige Weise!!!!👏👏👏
    Also jeder fast sich erst mal an die eigene Nase und schmeißt im Glashaus sitzend nicht mit Steinen….nach SUV’s. Sondern kehrt vor seiner eigenen Tür die Umweltspüden weg! 😉

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