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Die Du-Man Show – ist dein Leben ein Theaterstück?

Höhere Wesen Kunst Trumanshow Schellenaffe Scheppern im Kopf

Gemeinhin gibt es zwei Lager, um die sich die Menschheit sortiert. Es gibt die einen, die felsenfest an Propheten, Heilige, ihr Smartphone oder sonstige gottgleiche Wesen glauben, die ihr kleines Schicksal steuern und lenken. Sie glauben daran, dass sich schon irgendjemand etwas dabei gedacht haben wird, Nahrungsergänzungsmittel für Haustiere und Fernsehsendungen, bei denen man seinen Partner anhand der Genitalien aussuchen darf zu erschaffen. Die anderen glauben an den Gott der Willkür, an den Zufall, der alles lenkt und keinen wirklichen Weg für uns vorgesehen hat. Der Weg, auf dem man am Ende ganz alleine schreitet, robbt oder hüpft, ist das Ziel. Ob man im Drive-Inn oder bei seiner pflegebedürftigen Großtante abbiegt, ist alleine die eigene Entscheidung. Das Universum findet das so interessant, wie die Form der Genitalien eines potentiellen Ehepartners.

Doch was ist, wenn es eigentlich ganz anders ist?  Was wäre, wenn das Leben weder einem Schicksal folgt noch vom Zufall gesteuert wird? Was wäre, wenn dein Leben ein Theaterstück wäre, bei dem einzig deine Rolle improvisiert wird? Wenn sich irgendjemand ein Skript für deinen Alltag überlegt hat, dem alle folgen? Wenn dein Leben ausschließlich aus Statisten, Kulissen und Schauspielern bestehen würde? Eine scheppernd bescheuerte Vorstellung.

Wenn man mal realistisch ist, ist das mit diesem „Weltall“ und „Internet“ doch eh alles völlig unglaubwürdiger Quatsch. Das kann sich doch nur irgend so ein Netflix- (ach ne das gibt es ja dann auch nicht wirklich)-Drehbuchschreiberling mit mangelhaften Sozialkompetenzen ausgedacht haben. Ebenso abstrus, wie Flugzeuge, Weltkriege und Heidi Klum.  Alles ergibt auf einmal einen Sinn, wenn man sich vorstellt, nicht irgendein Gott, sondern ein Regisseur oder Produzent habe sich das alles ausgedacht, um das Publikum bei Laune und die Quote hoch zu halten. Man weiß dann endlich, warum Menschen manchmal geistig abwesend wirken (ein Chip im Kopf gibt ihnen die neusten Regieanweisungen durch) und ständig auf ihre Smartphones starren (sie lesen das Skript noch mal durch). Warum man ganz „zufällig“ an unmöglichen Orten alte Bekannte trifft (die Begegnungen dienen als sogenannter Cliffhänger, um die Spannung aufrecht zu erhalten). Man begreift, warum im Straßenverkehr so unfassbar viele grenzdebile Verkehrsteilnehmer anzutreffen sind (die Aufgabe, zahlreiche Statisten gleichzeitig abzustimmen, ist schließlich sehr komplex, da geht einem schon mal der eine oder andere durch, der dann einfach ohne zu blinken in den Gegenverkehr abbiegt, um dort ungeschickt rückwärts einzuparken).

Aber vor allem bekommt man endlich eine Antwort auf die alltägliche Frage, die nicht nur Archivare und Lehrer aller Art bewegt: Wen interessiert es eigentlich, was ich hier mache? Das eigene Leben, der eigene banale Alltag zwischen Zähneputzen und Zähneputzen bekommt plötzlich eine Bedeutung, wenn man sich vorstellt, dass die Zuschauer Wetten auf das eigene Verhalten setzen und eine Rolle als Statisten im Wartezimmer in Folge 15.896 oder ein Set der in der Waschmaschine „verlorenen“ Socken gewinnen können. Wird sie wieder Zahnpasta auf ihr Oberteil tropfen und wenn ja, wird sie es vor oder nach Verlassen der Wohnung bemerken?

Unterhaltsam ist auch die Vorstellung, was hinter den Kulissen vor sich gehen muss, wenn ein Urlaub geplant wird. Die Gewinnspielbeteiligung ist immer besonders hoch, wenn es darum geht zu erraten, in welches Land man fahren wird, also welcher Statist sich bei der Einflussnahme durchsetzen wird. Länder mit eigener Währung und anderen Sprachen werden erdacht, in Gesprächen gezielt platziert und sobald das Reiseziel festgelegt wurde, werden diese erbaut. Vulkaneruptionen ( die Wortschöpfung des „Eyjafjallajökull“, jenes Islandischen Vulkans, der 2010 „ausbrach“, ist auf einen Wutausbruch des Produzenten zurückzuführen, dessen wutschnaubende Worte ähnlich klangen, als er erfuhr, dass „China“ nicht fertiggestellt worden war) und Streiks des Bodenpersonals werden erfunden, sollte man mit dem Bau der Kulissen nicht rechtzeitig fertig geworden sein. Man wird gegebenenfalls in einen als sogenanntes „Flugzeug“ getarnten Simulator gesteckt, der 20 Stunden lang wackelt, Essen aus Bienenwaben serviert und einen in der Produktionshalle nebenan, in der eigenen Wirklichkeit „Australien“ genannt, wieder ausspuckt. Im Übrigen ist dem Mitarbeiter, der sich ein hüpfendes „Beuteltier“ ausdachte und es auch noch „Känguru“ nannte, ein echter Coup gelungen: groß war die Sorge, dass spätestens mit Erschaffung dieses abstrusen Wesens auffliegen würde, dass hier irgendein eigenartiges Schauspiel vonstattengeht, aber nein, Kängurus wurden zum großen Liebling der „Du-Man-Show“.

Der Gedanke, dass das eigene Leben eine Unterhaltungssendung ist, beruhigt irgendwie. Es gibt dem Leben Relevanz und Leichtigkeit. Irgendjemand wird den Mist schon hinter den Kulissen wieder ausbaden bzw. sich etwas dabei gedacht haben. Gleichzeitig regt er aber auch den Drang zur Rebellion an. Was wäre, wenn man einfach ganz ganz schnell plötzlich wieder in die Richtung laufen würde, aus der man gekommen ist? Wenn man zu Freunden oder Partnern sagt „Deine Rolle in meinem Leben verstehe ich nicht.“? Wenn man plötzlich laut gen Decke ruft „Ist euch nichts besseres eingefallen“? Man würde in dieser Welt als die schizophrene, paranoide, durchgedrehte Alte abgestempelt. Aber in der anderen Welt würde man vielleicht die Quoten gen Himmel schrauben. Oder was auch immer da oben in der anderen Welt dann ist.

2 Gedanken zu „Die Du-Man Show – ist dein Leben ein Theaterstück?

  1. UPS! Da hat es aber mal ganz schön gescheppert im Kopf des Schellenaffen! Diese abstruse Idee, ich würde in einer, von wem auch immer, erdachten Serie eine unwichtige Statisenrolle spielen und mein Leben wäre eine Story in 1256 Folgen, ne danke, das will ich mir nicht vorstellen! Da bleib ich lieber bei meiner Vorstellung. Mein Leben wurde mir geschenkt, ich habe die Chance es (vielleicht) 85 Jahre mehr oder weniger gut zu gestalten und zu genießen, mit der Gewissheit das ich es nicht alleine tun muss, irgendwer hilft mir, wenn es mal nicht so gut läuft! Diese Vorstellung gefällt mir besser! Aber, dank des verrückten Gedankenspiels des Schellenaffen ist mir nochmal klar geworden, wie wichtig das eigene Tun ist ,um sich nicht als Randfigur im eigenen Leben zu fühlen!😊

  2. die Vorstellug vom Leben als Theaterstück mag ja reizvoll sein, der Haken ist nur, dass wir uns alle zwangsläufig als kleine Hauptdarsteller sehen (jeder Mensch ist sein eigener Mittelpunkt, der Punkt in der Mitte seiner Wahrnehmung), in einem größeren Kontext bzw. von außen gesehen aber nur kleine Statisten sind – doch daraus ein stimmiges Theaterstück zu machen würde jeden Serienregisseur überfordern, das könnte nur einer sein, der Rosen blühen und Schmetterlinge fliegen lässt …

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