Flora und FaunaUnfug

Spazieren, gähn.

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Man nimmt sich ja recht viel vor in diesen Zeiten. Vieles, was man schon längst mal tun wollte, aber nie so recht die Zeit dafür hatte. Und dann stellt man fest, dass jetzt auch nicht die richtige Zeit dafür ist. Eigentlich ist nie die richtige Zeit. Für die Dinge, die man nie tun möchte. Warum auch. Jetzt ist halt nicht nie. Und so ist nie die Zeit, den Keller aufzuräumen, den Handstand zu erlernen oder mal wieder einen Brief zu schreiben. Schon gar nicht alles gleichzeitig zu tun. Und so lehnt man sich zurück in seinen beschwipsten Videokonferenzen und ist stolz darauf, immerhin einmal Ostereier angemalt zu haben. Man sollte sich ja nicht zu viel auflasten in diesen belastenden Zeiten.

Um dem sich selbst auferlegten Aktionismus dann doch noch etwas Luft zu verschaffen, geht man an die frische Luft. Etwas, das man eigentlich nur der viel beschreitenden und beschriebenen Risikogruppe jenseits der Naturhaarfarbe zutraut. Beige Rentner schreiten durch sattes Grün. Auf der Suche nach Enten, die sie füttern können. Personenkreise, die Smartphone ohne „sch“ aussprechen, laufen, tanzen, rollen, scrollen oder durchstehen hingegen das Leben. Aber gehen, das tun nur pensionierte „Gang-ster“. Normalerweise.

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Aber da Normalität den Jahreswechsel leider verpasst hat und im Jahr 2019 stehengeblieben zu sein scheint, geht man nun. Spazieren. Als sei es ganz normal. Bedächtig einen Schritt vor den anderen zu setzen, bis man wieder am Ausgangspunkt seines ersten Schrittes angekommen ist. Ganz normal. Ganz normal sind die zahlreichen Jogginghosen, die einem entgegen gehen, ohne zu laufen. Ganz normal ist die Flucht in Büsche und Hecken, sobald sich jemand auf dem eigenen Wege nähert. Das grußlose Passieren Po an Po. Ganz normal geworden ist das unterbewusste Zählen von Personenkreisen und Suchen nach verwandtschaftlichen Gesichtszügen größerer Gesichtsversammlungen.

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Unnormal scheint lediglich die unerlässlich scheinende Sonne. Während sie ihren Freigang zu genießen scheint, beobachtet man fasziniert in ihrem Schein das Erwachen der Natur – und das Erschaffen facettenreicher Gesichtsverschleierungen. Im Visier der Schweißermaske spiegelt sich die Blütenpracht und man träumt von Vollverschleierungspflicht. Man lauscht klatschenden Gummihandschuhen, während fremde Hunde um die Beine tänzeln. Sie gehen nicht spazieren. Sie rennen, springen und spielen miteinander. Während ihre Herrchen sich mit dem Radius eines Barockkleides grüßen und Kinder auf ausgedachten Schlössern turnen. Man grüßt den dritten Streifenpolizisten, der an einem vorbeispaziert. Selbst Beamte scheinen sich in diesen Zeiten für das Gehen ohne Ziel zu begeistern.

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Man nimmt sich ja recht viel vor in diesen Zeiten. Vieles, was man schon längst mal wieder tun wollte, aber nicht so recht die Möglichkeit hierfür hat. Wie Essen zu gehen, zu niesen – oder einfach wegzulaufen, wenn jemand vorschlägt, spazieren zu gehen.

2 Gedanken zu „Spazieren, gähn.

  1. Ja nu,was bleibt einem übrig, wenn selbst beim Schellenaffe der Corona Alltag angekommen ist, als weg zu gehen! Weg ,bloß weg ! Und da wir zu der Gruppe zählen die, (fast wie eine bedrohte Tierart auf der Liste der besonders zu schützenden Tierarten) sowieso langsam dem schnell vorziehen, gehen wir spazieren! Jeden Tag, stundenlang und finden das klasse! Denn jetzt ,da alles andere erledigt ist,das Haus geputzt, der Garten gerichtet, die Steuer gemacht u.s.w.bleibt ja nicht’s anderes zu tun um den Körber etwas zu bewegen ,den Geist vielleicht etwa freier zu bekommen und den Blick auf etwas Anders, Schöneres zu richten als diese vermaledeite C…Pandemie! Ich will dieses Wort des Jahres nicht mehr schreiben, sagen, hören weil es unser aller Leben auf den Kopf stellt und dies sicher noch eine ganze Weile! Also mach ich aus der Not eine Tugend und geh einsam (zweisam) über leere Wege, halte Abstand und lasse den Blick in die Weite der Natur schweifen und nicht auf den Menschen der mir in ähnlicher Weise entgegen kommt! Wir sind ja alle Lebensretter!

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