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	<title>Leben Archive - Schellenaffe</title>
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	<description>Scheppern im Kopf. </description>
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		<title>Kinderspielchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jun 2022 22:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Warum kennen Kinder einer gewissen Generation das Wort &#8222;Hubraum&#8220;? Richtig, weil sie Quartett gespielt haben. Also jenes pädagogisch nährstoffarme Spiel, bei dem es darum geht, das dickere Auto zu haben. Einzig das Recht des Pferdestärkeren zählt. Als Gewinner geht derjenige [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Warum kennen Kinder einer gewissen Generation das Wort &#8222;Hubraum&#8220;? Richtig, weil sie Quartett gespielt haben. Also jenes pädagogisch nährstoffarme Spiel, bei dem es darum geht, das dickere Auto zu haben. Einzig das Recht des Pferdestärkeren zählt. Als Gewinner geht derjenige von der Couch, der das größte Flugzeug, das schnellste Auto oder die giftigste Spinne auf der Hand hat. Sofern er seine Karte denn ausspielen konnte. Denn allzu oft schielte man siegessicher auf die kraftstrotzende Zahl neben dem Wort „Hubraum“ – ohne zu wissen, was er eigentlich anheben soll außer der eigenen Laune – um dann von 100 auf null von seinem Gegner ausgebremst zu werden, da er die Frage nach der Beschleunigung stellte. Zähneknirschend gab man seine Karte ab und lernte, dass keiner und keine Karte in allem besser als andere zu sein scheint.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>An jenes Spiel erinnert manche zwischenmenschliche Diskussion rund um den Zustand der Welt.</strong> </span>Wenn Erwachsene miteinander diskutieren, vergleichen sie nicht nur gerne Meinungen, sondern auch ihr Gegenüber. Je existentieller die Themen, desto hitziger scheint das Spiel zu werden. Vor allem beim Öko-Quartett. Grundvoraussetzung, um überhaupt mitzureden, ist die Erkenntnis, dass es um unseren Planeten nicht allzu gut bestellt ist. Wer dem nicht zustimmen kann, spielt lieber Roulette. Doch bei allen anderen entbrennt alsbald rund um die Frage, ob und wie der Planet zu retten ist, häufig eine wilde Runde Quartett. Bei dem Problem, wie man als Gewinner irgendwann einmal von diesem verlorenen Planeten gehen wird, werden die Karten wahllos gemischt. Jeder spielt nach seinen eigenen Regeln:</p>
<p>Ich sortiere 15 Arten von Müll.</p>
<p>Ich fliege 0 Meilen, außer nach Neuseeland.</p>
<p>Ich esse 0 Tiere, die an Land leben.</p>
<p>Ich wähle 1 Ökopartei, die alles regeln wird.</p>
<p>Ich rette 7 Bienen in meinem Insektenhotel.</p>
<p>Ich sehe 5 Windräder von meinem Gartenzaun aus.</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Wir machen uns die Welt, Widdewidde wie sie uns gefällt.</span> </strong>Jeder wählt die Kategorien selbst aus, mit denen er sich messen möchte und evaluiert seine Überlegenheit mit ganz eigenen Messgrößen. Plastikvermeidung sticht Insektenschutz. Klimagase ersticken Menschenrechte. Dass das eigene Blatt auf der Hand vielleicht nicht perfekt ist, sieht man noch ein. Aber den Gedanken, dass es schlechter sein könnte als die Karten des Gegenübers, lässt man nicht zu.  Und ohnehin kann ja nicht alles auf das Individuum abgewälzt werden. Die da oben haben doch eh die meisten Karten in der Hand. Und überhaupt: Wer soll sich das leisten?!1!!</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter  wp-image-2881" src="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-1024x1024.jpg" alt="Quartett Pferde Kinderspiel Karten Klimawandel Ökologie" width="502" height="502" srcset="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-1024x1024.jpg 1024w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-300x300.jpg 300w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-150x150.jpg 150w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-768x768.jpg 768w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-1536x1536.jpg 1536w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-2048x2048.jpg 2048w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-920x920.jpg 920w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-230x230.jpg 230w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-350x350.jpg 350w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2022/06/IMG_5480-480x480.jpg 480w" sizes="(max-width: 502px) 100vw, 502px" /></p>
<p>Blöd nur, dass auf keinem Ahornblatt geschrieben steht, dass wir – und nur wir – uns all das leisten sollen. Dass wir ein Recht auf Fernreisen, Fleischessen und Fast Fashion haben. Dass Busfahren und Hafermilch unsere Freiheitsrechte einschränken oder die Vergiftung des Planeten steuerfrei zu haben sei. Wer soll sich unseren Lebensstil leisten? Niemand! Darum geht es doch. Wir haben kein Anrecht auf Rechthaberei.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>Quartett lebt von festen Regeln.</strong> </span>Unsere Debatten sollten es vielleicht auch tun. Jeder hat ein paar gute Dinge in seinem Quartett. Sei es, weil er sich den Flug nach Neuseeland nicht leisten kann oder weil er bewusst auf Fleisch verzichtet. Dies nicht reflexhaft als Bedrohung der eigenen Lebensweise wahrzunehmen, sondern als eine gute Sache für die gute Sache ist ein erster Schritt. Der zweite Schritt besteht darin, sich einzugestehen, dass man mit Dingen, die man sich vornimmt, noch nichts getan hat. Selten gewinnt man eine Runde Quartett, wenn man sich fest vornimmt, dass der Hubraum auf der nächsten Karte alle Dimensionen sprengen möge. Wenn das nächste Auto also elektrisch sein soll oder man ja eigentlich gar nicht so viel Fleisch isst, dann sind das schöne Gedanken, aber keine Fakten, die heute etwas bewegen. Der dritte Schritt besteht vielleicht darin einzugestehen, dass jeder ein paar verdammt schlechte Zahlen auf der Hand hat. Wenn wir diese alle nicht ändern, gehen wir alle als Verlierer vom Platz. Jeder muss sich ändern. Ob wir wollen oder nicht. In dreißig Jahren wird sich die Art und Weise wie wir uns fortbewegen, ernähren und die Zähne putzen radikal verändert haben. Ob wir wollen oder nicht. Das ist weder ein Grund zur Panik, noch ein Anlass für irgendwelche Kinderspielchen.</p>
<p>Noch ist genug Hubraum da, um die Sache anzugehen. Aber der Raum wird enger. Oder schwächer. Oder eben weniger von dem, was Hubraum eigentlich ist.</p>
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		<title>Immer die anderen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 May 2022 22:00:55 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir leben in einer Blase. Jedoch nicht in einer von Filtern und Freundeskreisen formierten Monsterkugel, in der eine Ansammlung von Menschen zu einem Milieu, einem Modetrend oder einer Wählergruppe wird, die das gleiche Zeug atmet. Wir leben in einer Blase mit uns selbst und niemandem sonst. Denn niemand sonst kommt uns so nah wie wir uns selbst. Niemand versteht uns besser als wir uns selbst. Wobei besser nicht mit gut zu verwechseln ist. Besser ist nur weniger schlecht. In unserer Luftzelle ist man sich meist einig, vertritt die gleichen Werte, Raumtemperaturen und Urlaubspläne. Selten kommt es zu Konflikten und überraschenden Sinneswandlungen in dieser Blase. Jüngste Ausnahme ist vielleicht Xavier Naidoo, der feststellte, dass in seiner Blase nur noch Idioten leben, die kein Geld mehr verdienen.</p>
<p>Wenn wir ehrlich sind, sind wir alle ein wenig aufgeblasen. „Was? Ich doch nicht. Aufgeblasen sind nur die anderen.“ Das Böse, Schlechte, Unglückliche, Erschütternde sind immer nur die anderen. Katastrophen sind die anderen. Schlechte Nachrichten lösen in uns Widersprüche aus: ein Hoffen darauf, dass einen dergleichen Schicksal nie ereilt und eine gleichzeitige, tief verborgene Selbstsicherheit, dass einen so ein Schicksal nie ereilen würde. Das passiert nur den anderen, den Leichtsinnigen, den Naiven, den Trinkern, den Lauten, den Falschparkern. Man selbst hat keine Verkehrsunfälle, bekommt kein Corona und verpasst keine Flüge. Ruhestörender Lärm sind immer die anderen. Ebenso Vordrängler, Arbeitslose und Klimasünder. Irgendein Gemisch aus Empathie, Urangst und Arroganz atmen wir in unserer Blase tagtäglich ein.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>Es steckt anscheinend doch mehr FDP in uns als uns Lindner lieb ist.</strong></span></p>
<p>Der beste Beleg für unsere Widersprüchlichkeit ist der Straßenverkehr. Unzählige Menschen besitzen zwei Beine, ein Fahrrad und ein Auto und damit eine gespaltene Persönlichkeit. Denn steigen sie in ein Auto, vergessen sie, dass sie selbst gerne Fahrrad fahren wie ein <em>not so Super Mario</em>. Sitzen sie auf einem Drahtesel, blenden sie aus, dass &nbsp;sie mit ihrem Vierrad &nbsp;gerne zu waghalsigen Überholvorgängen neigen und wild hupend auf das Vorhandensein eines von Steuergeldern finanzierten Radweges hinweisen. Laufen sie wiederum auf dem Radweg, halten sie diesen für einen roten Teppich. Idioten sind einfach immer die anderen. Man ist erbost darüber, dass es kein Speiseöl mehr gibt, während sich die Nudelpackungen im Einkaufswagen türmen. Man verabscheut Menschen, die sich nach wenigen Tagen nicht mehr für Kriege und Katastrophen interessieren, während man „Bares für Rares“ im Nachmittagsfernsehen schaut und sein Wissen über Wandteppiche flämischer Landschaften auffrischt. Man ärgert sich über jemanden &nbsp;der alle Masken lässt, während einem selbige beim detonierenden Nieser unter den rechten Nasenflügel rutscht. Von dem elenden Virus dachte man eigentlich auch immer &#8211; wenn man ganz genau in sich hinein horchte &#8211; dass ihn nur Eltern alles ableckender Kinder bekommen. Man selbst ist gewiss immun. Intubiert werden immer nur die anderen.</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Doch wir wären nicht wir, wenn sich unsere Blasen nicht nur aufblähten, sondern ebenso gerne einschrumpelten.</span> </strong>Bis wir als selbstzweifelnde Rosinen auf der Couch liegen. Der beste Beleg für unsere Unbeständigkeit ist der Zahnarztbesuch. „Ja, klar. Ich benutze Zahnseide regelmäßig. Also einmal im Jahr. Vor diesem Termin. Sehen Sie doch, warum fragen Sie überhaupt noch?“ Beim Zahnarzt ereilt einen jedes Mal das Gefühl, man sei der einzige widerwärtige Mensch auf diesem Planeten, der sich nicht jeden Abend in einem Drahtseilakt das Frühstücksbrötchen aus den Zahnlücken fingert. Wer das nicht tut, verwirkt die Zugehörigkeit zu seiner Art. Gewiss. Alle anderen haben saubere Zahnzwischenräume, Ahnung vom Nahostkonflikt, eine lückenlose Altersvorsorge und Unterwäsche ohne Löcher. Es sind immer die anderen, die ihr Leben im Griff haben.</p>
<p>Für jemand anderen bist genau du dieser andere. In Summe sind wir also weder besser noch schlechter als andere. Wir sind wie alle anderen. Wir sind wie alle irgendwas zwischen Mensch und Statistik. Darauf kann man zählen.</p>
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		<title>Außerplanmäßig.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Apr 2022 22:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Wir fahren soeben ein in – ja, da steht es – Dortmund.“ Die Zugbegleitung ist hörbar um Menschenwürde bemüht. Sie weiß nicht, wo wir sind, wo wir hinfahren, ob wir jemals dort ankommen, wo niemand mehr auf uns warten wird. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>„Wir fahren soeben ein in – ja, da steht es – Dortmund.“ Die Zugbegleitung ist hörbar um Menschenwürde bemüht. Sie weiß nicht, wo wir sind, wo wir hinfahren, ob wir jemals dort ankommen, wo niemand mehr auf uns warten wird. Sie scheint den Zug in der Tat nur noch freundlich zu begleiten auf seinem unbestimmten Weg. Den  Plan, für dessen halbwegs gewissenhafte Umsetzung allerhand naive Passagiere Geld bezahlt haben, scheint es nicht mehr zu geben. Ganz urplötzlich scheint sich eine Baustelle vor dem Zug aufgetürmt zu haben. Unvorhersehbar trifft ihn die höhere Gewalt eines Baggers. Er biegt von seinem Weg ab, ohne zu wissen, wohin die Schienen ihn bringen. Der Lauf der Schienen ist ja nicht vorhersehbar. Gar nicht. Null.</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Es gibt ein Wort, das der Planlosigkeit einen Plan geben möchte: außerplanmäßig.</span> </strong>Jenes Wort sagt alles über uns aus. Es soll auch noch das zersetzende Chaos wegsortieren, beschreiben, verständlich machen.  An dieses Wort muss man in diesen Tagen denken. Was hatten wir alles für Pläne: für Wochenenden, die Weltenrettung und die Maiglöckchen im Blumenbeet. Alles scheint begraben unter Fieber und Neuschnee. Das Gefühl der Vorfreude verkümmert nur noch zu einem Lächeln, wenn doch noch eine Flasche Öl im Regal des Supermarktes auf uns wartet. Die Tränen zu vieler Enttäuschungen versuchen wir mit Klopapier zu trocknen, während wir beginnen, eine wattige Mauer um uns zu bauen. Der Gedanke daran, welche Pläne die Menschen in der Ukraine hatten, ehe sie begraben wurden unter dem Wahn der Welt, in der wir zur Verbundenheit verdammt sind, er gibt uns den Rest.</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Alles scheint zu wanken. Nur auf das Chaos scheint noch Verlass.</span></strong></p>
<p>Und nun?</p>
<p>Der Zug steht seit geraumer Zeit in einem Bahnhof, an dem er nicht stehen sollte. Die zur Geduld verdammten Passagiere starren wahlweise auf die Bauarbeiten am Bahnsteig oder die Baustellen in ihren Telefonen. Man wartet auf einen neuen Zugführer, dessen Erscheinen man für unwahrscheinlich hält. Sein Arbeitsplatz hat sich schließlich um einige Kilometer verlagert. Dass der vorherige Zugführer aussortiert werden muss, hält man hingegen für konsequent. Die Zugbegleiterin versucht sich derweil als „Stand-Around“-Comedian und scheint ihre Rolle als Seelsorgerin mit Lautsprecher anzunehmen. Allerlei voluminöse Kopfhörer werden installiert, um die Erläuterungen zur Außerplanhaftigkeit unserer Situation hinter Chartmusik verstummen zu lassen. Regte man sich früher auf über die „Unfähigkeit dieser Deutschen Bahn“, zuckt man heute nur noch mit den Schultern, rückt sich seine Maske zurecht und googelt günstige Stromtarife. Das mit dem Aufregen hebt man sich nur noch für die ganz großen Probleme auf. Benzinpreise zum Beispiel.</p>
<p>Selbst als der Zug beginnt zu rollen beginnt, dösen die Menschen weiter. „Liebe Fahrgäste. Wir fahren nun einfach mal weiter Richtung Köln und sehen, wann wir ankommen.“</p>
<p>Damit scheint alles gesagt.</p>
<p>Wir rollen einfach mal weiter und schauen, wann wir wo ankommen. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig. Denn irgendwie geht es immer weiter. Selbst bei der Deutschen Bahn. Die Alternative wäre auf einer Dortmunder Baustelle gestrandet zu sein. Das kann niemand wollen.</p>
<p>Damit endet dieser außerplanmäßig kurze Text. Alles andere ist Schnee von gestern.</p>
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		<title>Erschütterungen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Mar 2022 23:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Tiefgang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Irgendwie hat man sich diesen Moment anders vorgestellt. Triumphal und doch ein bisschen gleichmütig. Lange ersehnt und doch unbemerkt. Es sollte ein besonderer Tag sein: der Tag, an dem Corona in den Nachrichten keine Erwähnung mehr findet. Der Tag, an [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie hat man sich diesen Moment anders vorgestellt. Triumphal und doch ein bisschen gleichmütig. Lange ersehnt und doch unbemerkt. Es sollte ein besonderer Tag sein: der Tag, an dem Corona in den Nachrichten keine Erwähnung mehr findet. Der Tag, an dem die Pandemie ihre Relevanz verliert und damit ihre Berichterstattung &#8211; rund um den Buchstaben G und allerhand Zahlen &#8211; endet. Es sollte ein besonderer Moment sein.</p>
<p>Besonders war der Moment.</p>
<p>Alle anderen Vorstellungen von diesem Tag der Befreiung sind mit den ersten Bomben, die fielen, zu Asche verfallen. Es war ein Tag, der den Boden beben ließ und die Welt erschütterte. Jene Pandemie, die uns zwei Jahre lang bis ins Mark erschütterte, existiert weiter, aber das rührt derzeit niemanden. Karl Lauterbach bemüht sich gewiss noch um die Eindämmung dieser aufrüttelnden Seuche, wenngleich er sich wundern dürfte, dass Maybrit und Markus nicht mehr bei ihm anrufen. Geredet wird weiterhin viel, aber nicht mehr über den Kampf gegen ein Virus, sondern über Krieg. Das Wort, das wir verlernt haben zu benutzen und verstehen, ist zurückgekehrt. Die Epidemiologen sind den Generälen a.D. gewichen, die uns die Regeln und Prinzipien der Kriegsführung erklären. Die zwischen Kriegsverbrechen und Krieg als Verbrechen zu unterscheiden wissen. Die erklären, wie man im Krieg töten darf und wie nicht. Die ruhige Worte finden für das Unbeschreibliche.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>Doch uns Zuschauenden fehlen die Worte.</strong> </span>Nicht, weil wir nicht genug Worte besäßen. Es sind zu viele Worte und Gedanken, die sich gleichzeitig in einem lauten Schrei Bahn brechen wollen. Brüllen und trommeln möchte man. Was bleibt ist Sprachlosigkeit. Markerschütternde, ratlose Stille. Wieso wir auf einmal über Frieden verhandelt, wenn er eine Selbstverständlichkeit war?</p>
<p>Menschen leben in der Kälte ihrer Keller. IT-Berater greifen zu den Waffen. Kinder werden in U-Bahn-Schächten geboren. Die Ausläufer des Patriarchats trennen Frauen von Männern, die zu Kämpfern werden.&nbsp; Die Welt schaut erstarrt zu und hüllt sich in gelb-blaue Flaggen. Sie dreht die Heizung herunter und spendet Waffen, Decken und ein Obdach. Die Welt hilft beim Töten, um zu überleben. Geschlossen und ebenso ratlos tritt sie einem Tyrannen entgegen, der neben einem starken Willen und einer verdrehten Wahrnehmung eben leider vor allem eines besitzt &#8211; und braucht: Macht.</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Man wünscht dem Tyrannen einen Schuss in jenen Kopf, in dem unverständliche Gedanken zu grausamen Vorhaben werden.</span> </strong>Eiskalt und gnadenlos. Doch damit lyncht man die Werte, die man verteidigen möchte. Und so blickt man in jenes Gesicht, das der Zerstörung gleicht, die es anordnet und fragt sich ohnmächtig: Warum?</p>
<p>Darauf gibt es keine Antwort. Das Suchen nach Erklärungen führt uns in die Vergangenheit, die es nicht mehr gibt. Auf die Frage, was man selbst im Hier und Jetzt tun kann, gibt es hingegen mehr Antworten, als man befürchtet. Ein Zimmer, einen Euro oder eine Stimme spenden. Und begreifen: Krieg gibt es immer auf der Welt. Er ist nicht erst wieder da, seit er nah ist. Er war nie weg. Frieden hat seinen Preis, den wir nun lernen zu zahlen. Es sind nicht 2,039€ /l. Nicht nur.</p>
<p>Krieg ist der Virus, den wir ein Leben lang bekämpfen werden müssen. Indem wir hinschauen und laut sind. Auch dann noch, wenn uns die nächste Katastrophe erschüttert und der Tag kommt, an dem der nahe Krieg fern ist und die Nachrichten verstummen. Denn dieser Tag ist bereits jetzt Realität. Wenn man in Russland lebt.</p>
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		<title>Und nu?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Jan 2022 23:00:28 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Tiefgang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und was jetzt? Neues Jahr und alte Sorgen? Mitten angekommen in diesen „Zwanzigerjahren“, von denen wichtige Menschen begonnen haben zu sprechen und bei deren Erwähnung man unweigerlich an Damen mit Federschmuck und Herren in Wollflanell-Dreiteilern denkt, möchte man eigentlich direkt [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="http://schellenaffe.de/2022/01/03/und-nu/">Und nu?</a> erschien zuerst auf <a href="http://schellenaffe.de">Schellenaffe</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Und was jetzt? Neues Jahr und alte Sorgen? Mitten angekommen in diesen „Zwanzigerjahren“, von denen wichtige Menschen begonnen haben zu sprechen und bei deren Erwähnung man unweigerlich an Damen mit Federschmuck und Herren in Wollflanell-Dreiteilern denkt, möchte man eigentlich direkt wieder raus aus den Zwanzigern. Zurück vielleicht in die Jahre, als noch DJ Bobo und nicht Christian Lindner über „Freedom“ sprach. Oder hinaus in die Zeit, in der Niesen wieder ein Genuss und kein Grund zum gesellschaftlichen Luftanhalten wurde. Allzu golden war dieses Jahrzehnt bisher nicht. Die beiden geschafften Jahre glichen eher zwei Nullen.</p>
<p>Doch so wenig man Lust auf das unmaskierte Gesicht von Friedrich Merz oder darauf hat, dauerhaft mit Stäbchen in der Nase wie Walross Antje herumzulaufen, so wenig ausgeprägt ist die Vorliebe für Pessimismus (oder Realismus, je nach allgemeiner Grundverfassung). Wohin allzu viel Miesepetrigkeit furcht äh führt, lässt sich schließlich an Friedrichs Gesicht ablesen.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>Also: Was wird 2022 gut?</strong></span> 2021 ist geschafft. Das ist vielleicht direkt zu Beginn die positivste Nachricht des Jahres. Trump weg, Wahlkrampf vorbei und die Pandemie mutierte – von etwas Ungeheuerlichem zu etwas Lästigem. Die Frage nach dem Klopapier geht einem schon länger wieder an besonders dunklen Orten vorbei. Zwar fühlt man sich noch immer wie auf einer Reise in die Vergangenheit, wenn man vor einer mit roter Absperrkordel versperrten Tür wartet, bis der Türsteher die Ausweisdokumente überprüft hat. Die anwesende Maske im Gesicht und der fehlende Bass im Ohr erinnern einen alsbald jedoch daran, dass man sich in der Gegenwart eines Schreibwarenladens befindet. Aus dem Club wurde „Paper-la-papp“. Auch wenn das griechische Alphabet sich weiterhin geringer Beliebtheit erfreuen wird, so dürften in diesem Jahr Textaufgaben eine erfrischende Aktualität erhalten und zumindest Siebtklässler sich nach all den Entbehrungen unterhalten fühlen: bei vier Impfstoffen und sechs Impfdosen, wie viele Kombinationsmöglichkeiten gibt es? Positiv dürfte auch sein, dass durch die viel beschworene „Spaltung der Gesellschaft“ endlich der Teil abgespalten ist, der dumm ist. Im Übrigen ist jener unterbelichtete Teil auch 2022 daran zu erkennen, dass er Fackeln unter Straßenlaternen anzündet. Wahrscheinlich hofft er, durch doppelte Ausleuchtung zwielichtige Echsenmenschen zu finden. Aber diese werden auch 2022 nicht in Erscheinung treten. Erneut eine frohe Kunde.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>2022 gibt es mehr Geld.</strong></span> Für wen, weiß man nicht. Aber wenn alles mehr Geld kostet, wird es schon den oder die Richtigen am Ende erreichen. Gewiss. Alles andere wäre ungerecht und respektlos. Und Respektlosigkeit kann Olaf nun mal gar nicht leiden. Für den mitunter fehlenden Elan und Nervenkitzel empfiehlt sich zudem ein selbstgestaltetes Bullshit-Bingo für Kanzlerreden aller Art. Worte wie „Respekt“, „impfen“ und „Zukunft“ sind hierbei echte Erfolgsgaranten. Risikofreudigere Mitspieler mögen sich an Begriffen wie „Rotbuche“, „Pechlibelle“ oder „Wechselkröte“ wagen. Besonders erstgenanntes Lebewesen des Jahres sollte für eine „rote Socke“ nun wirklich eine Steilvorlage sein. Wer da noch verliert, ist nun wirklich eine hornblättrige Armleuchteralge! Apropos Armleuchter: unterhaltsam ist auch die Wette darauf, nach wie vielen Minuten Karl Lauterbach in den Abendnachrichten erscheint. Die Frage, ob er erscheint, stellt sich nicht mehr.</p>
<p>Besonders erbaulich wird auch 2022 erneut der Sommer werden. Also jene zwei Wochen, in denen die Deutschen endlich nicht mehr über Viren, sondern über das, was sie wirklich bewegt, sprechen werden: das Wetter. Mäßig warm, feucht bis trocken. Nicht nur ideal für das sparrige Kleingabelzahnmoos, sondern für alles und jeden. Wer die warmen Tage nicht dazu nutzt, um im lauwarmen Sommerregen zu DJ Bobos „Freedom“ auf dem mit Katzenstreu ausgelegten Balkon zu tanzen, dem ist nicht mehr zu helfen!</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Wer bei all diesen Prognosen wenig innerliche Wärme spürt, dem sei gesagt: Wir leben in chronischer Veränderung.</span> </strong>Der ewige Wandel ist meist menschengemacht (eine Wechselkröte sehnt sich selten nach einer neuen Netflix-Serie oder Stehlampe). Die letzten zwei Jahre gaben uns das beklemmende Gefühl, gefangen zu sein &#8211; zwischen absolutem Stillstand und exponentieller Veränderung. Ausgebremst und überfordert starren wir in die großen Scheinwerfer des Jahres 2022 und fragen uns „Wann wird es endlich, wie es 2019 war?“ Doch 2019 wird es nie wieder geben. So wie es 2021 nie wieder geben wird. Egal, ob mit oder ohne Pandemie. Vielleicht ist 2022 ein gutes Jahr, um zu begreifen, dass wir den Wandel im Äußeren niemals werden kontrollieren können. Kein Windrad, keine Impfdosis und kein Fermentations-Set werden unser Hier und Jetzt konservieren. Es gibt im Leben keine Garantien – auf Gerechtigkeit, Benzinpreise oder Renteneintrittsalter. Doch das ist nebensächlich. Denn das, was zählt, ist das was das Außen im Innen auslöst. Was zählt, ist mit welcher „Hornblättrigkeit“ wir mit dem umgehen, was uns Gesundheitsminister, Fackelträger oder – wenn man ehrlich ist &#8211; DJ Bobo manches Mal zumuten. Ob Zynismus und Pessimismus unsere Denkwege erkranken lassen oder ob wir mit Zuversicht, Gelassenheit und Dankbarkeit auf Katzenstreu tanzen.</p>
<p>Was 2022 gut wird – liegt ganz an dir.</p>
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		<title>In einfacher Sprache.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Oct 2021 23:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Flora und Fauna]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Da wir offenkundig kognitiv zu limitiert oder allgemein zu indolent sind, um den komplexen Sachverhalt des menschengemachten Ökozid in seiner Singularität und Dringlichkeit zu realisieren und demzufolge Volksvertretern unsere Zukunft in die von Tremor geplagten Greifapparate geben, die nicht imstande [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Da wir offenkundig kognitiv zu limitiert oder allgemein zu indolent sind, um den komplexen Sachverhalt des menschengemachten Ökozid in seiner Singularität und Dringlichkeit zu realisieren und demzufolge Volksvertretern unsere Zukunft in die von Tremor geplagten Greifapparate geben, die nicht imstande sind das Substantiv „Verzicht“ zutreffend zu artikulieren oder buchstabieren, während sie in einer schottischen Hafenstadt Shortbread essen, bedarf es einer methodischen Adjustierung bei der Vermittlung essentieller Fakten. Wir bedienen uns heute folglich der von Behördenauftritten, Pädagogen und Streitgesprächen bekannten Vorgehensweise, die mit „in einfacher Sprache“ für gewöhnlich etikettiert wird.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>Klimakrise in einfacher Sprache klingt dann so, wenn ein Affe, bei dem es klingelt, sich daran versucht:</strong></span></p>
<p>Der Erde geht es nicht so gut. Sie hat Fieber. Ziemlich doll. Sie hat viele doofe Sachen verschluckt, die sie nicht mag. Kaugummis und so. Deswegen hat die Erde jetzt auch noch Bauchweh. Dabei hat die Erde so viel zu tun. Sie macht jeden Tag ganz viele Tiere und Menschen satt. Sie kann nicht frei machen (dabei würde sie gerne mal zum Mars fliegen), weil niemand anderes ihre Arbeit machen kann.</p>
<p>Die Erde hat keinen Schnupfen oder nur einen schlechten Tag. Wenn man ihr nicht hilft, wird sie nie wieder gesund. Wenn die Erde krank ist, dann ist das nicht gut für Tiere und Menschen. Du fragst dich bestimmt, warum die Erde denn krank ist. Die Erde ist krank wegen der Menschen, die sie brauchen. Denn die Menschen machen, dass der Erde ganz warm ist. Nicht kuschelig warm, sondern heiß. Wie machen die Menschen das denn? Die sind ja viel, viel kleiner als die Erde. Die Menschen haben sich Maschinen ausgedacht, die größer sind als sie selbst. Das sind tolle Maschinen, die ganz viel können. Mit diesen Maschinen fahren sie zum Beispiel Schuhe einkaufen (die sie nicht brauchen, weil sie ja nicht mehr gehen), nähen sich Anziehsachen oder fliegen zum Mond (auf den uns die Erde gerne schießen würde). Die Maschinen husten bei der Arbeit nur leider ganz doll. Dabei pusten sie Staub aus. Staub ist nicht gut für die Atmosphäre, also für die Stimmung. Die Erde kriegt schlechte Laune, weil der Staub auf ihrer Haut liegt. Das kitzelt nicht nur, sondern verstopft auch die kleinen Löcher auf der Haut, mit denen man schwitzt. Der Erde wird warm. So warm, dass das Eis in ihrer Hand schmilzt. Weil das Eis ins Wasser tropft, wird das Meer mehr. Die Leute sagen, dass die Niederlande deswegen bald nicht mehr da sind und Hamburg am Meer liegt. Das ist nicht so toll, wie es klingt, weil ja dann die ganzen Holländer auch in Hamburg leben. Das ist ganz schöner Käse, weil dann in keinem Loch mehr Platz ist. Die Maschinen der Menschen spucken noch mehr gemeine Sachen aus. Ganz viele Dinge, die man nicht gut schlucken kann. Plastik, Alexa und Cybermobbing zum Beispiel. Du fragst dich bestimmt, warum die Menschen die fiesen Maschinen nicht einfach ausschalten. Das ist eine gute Frage. Das weiß keiner so genau. Die Menschen sagen meistens irgendwas mit mein Malle, mein Schnitzel oder mein Blick auf windkraftfreie Monokulturen. Die Maschinen sagen nur brummbrumm oder „Du hast 1 neue Nachricht“.</p>
<p>Die Menschen haben die Maschinen wohl lieber als die Erde. Sie müssen die Maschinen zum Fressen gern haben. Doch leider kann man die Maschinen ja nicht essen. Anders als die Erde. Wahrscheinlich hat den Menschen das nur noch nie jemand so gesagt, dass sie es verstehen. Deswegen hier noch mal in ganz einfacher Sprache: lasst uns aufhören, so offenkundig kognitiv limitiert oder allgemein indolent zu sein, lasst uns anfangen, die Singularität und Dringlichkeit des menschengemachten Ökozid zu realisieren und gemeinsam mit unseren Volksvertretern das Substantiv „Verzicht“ zutreffend zu artikulieren und buchstabieren. Aus purer Unbegabtheit für das Leben möchte schließlich niemand selbiges verlieren. Ganz einfach.</p>
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		<title>Unter sich.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Oct 2021 22:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Tiefgang]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manchmal begegnet man Menschen aus der Vergangenheit. Wege kreuzen sich erneut, mal bewusst, mal stolpernd. Mal geplant, mal zufällig. Plötzlich tauchen sie hinter einer Wand hervor. Und überraschen, erfreuen oder nerven uns. Wir vergleichen den Besuch aus dem Früher mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal begegnet man Menschen aus der Vergangenheit. Wege kreuzen sich erneut, mal bewusst, mal stolpernd. Mal geplant, mal zufällig. Plötzlich tauchen sie hinter einer Wand hervor. Und überraschen, erfreuen oder nerven uns. Wir vergleichen den Besuch aus dem Früher mit unserem Jetzt und fragen uns, wie schön dieses Früher einmal war oder was wir an diesem Früher eigentlich einmal fanden. Wir sortieren uns gemeinsam neu auf dem Zeitstrahl, der uns gegeben wurde. Vielleicht bleibt der Besuch für eine Weile, vielleicht verschwindet er so schnell wie er kam. Manchmal bleibt er für immer.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>Diese Besucher sind zuweilen unsere Gedanken.</strong></span> Dann besucht uns altes Denken im Hier und Jetzt. Manches kommt plötzlich, anderes kündigt sich an. Manches kommt früher, anderes später. Manche Gedanken erfreuen uns, manche bringen uns zum Nachdenken. Und manche werfen uns aus der Bahn, auf der wir so zielstrebig und achtsam unterwegs waren.</p>
<p>Ohne ein Früher gibt es keine Vergangenheit, die uns einholt. Wir müssen ein Teil unseres Lebens gelebt haben, um diese Besucher zu empfangen. Und so sitzen wir da &#8211; so vorhersehbar plötzlich &#8211; irgendwo zwischen dem ersten Drittel, der besseren Hälfte und dem ganzen Chaos unseres Lebens und fragen uns „Seit wann reise ich mit schwerem Gepäck?“. Seit wann stellen die Stimmen in unseren Köpfen diese Fragen, auf die wir keine Antworten kennen? Seit wann sind diese Gedanken da, die nicht vergessen können? Seit wann führen wir dieses Leben, von dem wir dachten, dass es sich anders anfühlen würde? Seit wann sind wir erwachsen und doch nicht bereit?</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Zwischen dem Jenseits der Dreißig und Diesseits der Neunzig beginnt man unweigerlich nachzudenken.</span> </strong>Über das, was keinmal war und einmal sein wird. Angekommen in dem Leben, das wir doch selbst gewählt haben, machen uns diese Gedanken manchmal neugierig, wagemutig oder zufrieden. Doch viel häufiger als man denkt, dass jeder denkt, machen sie uns Angst, panisch, traurig. Mitunter tief verborgen unter der farbenfrohen Gegenwart bahnt sich das Vergangene seinen Weg in unser Bewusstsein. Der Besuch in unserem Kopf ist plötzlich da, eingeladen durch einen unbekannten Auslöser und möchte nicht mehr gehen. Auch wenn wir versuchen, einen Mantel des Schweigens über ihn zu werfen, er bleibt, dieser ungebetene Gast, der uns den Schlaf und die Sinne raubt.</p>
<p>Und meist geschieht etwas wunderliches: Wir reden mit den Stimmen in unserem Kopf – vehement, direkt, laut &#8211; und wundern uns, dass uns niemand unterbricht. Niemand widerspricht. Wir bleiben unter uns. Wir reden mit den Stimmen. Anstatt über die Stimmen. Denn über diese Stimmen kann man nicht sprechen, was sagen sie bloß über uns! Was sollen andere darüber denken, was wir denken! Wir glauben, wenn wir über Dinge schweigen, sind und bleiben sie weniger real.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter  wp-image-2821" src="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-1024x1024.jpg" alt="Mut Porzellan Spruch Schellenaffe Psyche" width="500" height="500" srcset="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-1024x1024.jpg 1024w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-300x300.jpg 300w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-150x150.jpg 150w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-768x768.jpg 768w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-1536x1536.jpg 1536w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-2048x2048.jpg 2048w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-830x830.jpg 830w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-230x230.jpg 230w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-350x350.jpg 350w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/10/IMG-3331-480x480.jpg 480w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Dabei ist sich komisch zu fühlen, das Normalste dieser komischen Welt.</span></strong> Daher ist dies hier ein Appell deines Selbst an dich: rede! Und zwar nicht mit dir, sondern mit jemandem, der dir widerspricht. Mit jemandem, der sich auskennt mit ungebetenen Besuchern, die nicht gehen wollen. Mit jemandem, der dir helfen kann. Denn die Antwort auf die Frage „Brauche ich Hilfe?“ ist immer „Ja“.</p>
<p>Jeder hat Dinge erlebt, die er nicht wahrhaben will oder erst später begreifen wird. Ein verstorbener Elternteil, eine verpasste Liebe, eine schwere Kindheit, ein falscher Körper. Jeder, wirklich jeder reist mit schwerem Gepäck. Doch wer sagt, dass wir dieses Gepäck alleine tragen müssen?</p>
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		<title>Nur das Nötigste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Aug 2021 22:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Umzug berührt. Und zwar alle Dinge, die man besitzt. Wirklich alle. Vom Gefrierbeutel bis zur Skiunterwäsche. Vom Salzstreuer bis zum Zuckerhut. Von der Fußmatte bis zur Deckenlampe. Nichts bleibt unberührt. Denn nichts darf zurückbleiben. Außer vielleicht den Flusen im [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p align="left">Ein Umzug berührt. Und zwar alle Dinge, die man besitzt. Wirklich alle. Vom Gefrierbeutel bis zur Skiunterwäsche. Vom Salzstreuer bis zum Zuckerhut. Von der Fußmatte bis zur Deckenlampe. Nichts bleibt unberührt. Denn nichts darf zurückbleiben. Außer vielleicht den Flusen im Abguss und Konfettiresten auf den Küchenschränken. Ob beim Ein- oder Auspacken, irgendwann fasst und schaut man jedes dieser Dinge an und fragt sich, ob man dieses Buch noch mal lesen oder jenes Tchibogerät jemals benutzen wird. Man beginnt zu verschrotten, verkaufen &#8211; oder verschenken. Manches Mal indem man besonders gut erhaltene Nutzlosigkeiten einfach an die Bordsteinkante stellt. In der Hoffnung, dass sie ihre Nutzlosigkeit überwinden und einen neuen Nutznießer finden werden. Und so ergibt es sich, dass man in der Abenddämmerung durch die Straßen läuft und sich seinen Weg bahnt zwischen Töpfen, die ihren Deckel suchen, und Vasen, in denen sich der Regen sammelt. Weggespült wird der Nippes von Passanten. Immer. Bis sie umziehen und ihn erneut ausspucken. An einer anderen Straßenecke. Ein ausgeklügeltes Mehrwegsystem.</p>
<p align="left"><img decoding="async" class="aligncenter  wp-image-2791" src="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272.jpg" alt="nur das Nötigste Produkte Zeugs Angebot Nachfrage sinnlose Produkte" width="500" height="500" srcset="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272.jpg 868w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272-300x300.jpg 300w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272-150x150.jpg 150w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272-768x768.jpg 768w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272-830x830.jpg 830w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272-230x230.jpg 230w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272-350x350.jpg 350w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/96007283-2ab9-4686-ba26-fbb333cc4272-480x480.jpg 480w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p align="left"><span style="color: #ffc000;"><strong>Doch warum häuft man so viel Zeug an, dass eine ganze Umschlagwelt an Straßenabfällen existieren kann?</strong> </span>Eine Vorahnung der Antwort bekommt man an jenem Ort, an den man einzieht, wenn man umzieht: im Baumarkt. Dieser Ort, an dem man nichts findet, was es nicht gibt. Der Ort, wo man einen Anker kaufen, Luftbe- und entfeuchter gleichzeitig erwerben, und Splinte, Pappbuchstaben und Bitumen-Dickbeschichtung bewundern kann. „Wie“, „wo“, „was“ sind die Fragen, die sich die Besucher im Baumarkt stellen (sollen). Wie viele „Warum“ fragen angesichts 257 „verschiedener“ Varianten an Eimern für weiße Farbe weiß niemand. Wem die Auswahl so beschränkt wie ein Holzkohlegrill ohne eigene App und Drehspieß-Vorrichtung erscheint, der kann sich sein eigenes Weiß notfalls zusammenmischen lassen. Mit der Geschmacksrichtung Oma´s Gebiss im Morgentau.</p>
<p align="left"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter  wp-image-2793" src="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-1024x1024.jpg" alt="nur das Nötigste Produkte Zeugs Angebot Nachfrage sinnlose Produkte" width="500" height="500" srcset="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-1024x1024.jpg 1024w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-300x300.jpg 300w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-150x150.jpg 150w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-768x768.jpg 768w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-1536x1536.jpg 1536w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-2048x2048.jpg 2048w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-830x830.jpg 830w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-230x230.jpg 230w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-350x350.jpg 350w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4359-480x480.jpg 480w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p align="left">Und doch stecken hinter diesen unterschiedlichen 257 Weißen Hersteller, die davon leben können. Wie wo was weiß der Geier warum. Warum gibt es unendliche viele Geschmacksrichtungen für Chips, Müsli und Riesling aus der Pfalz? Warum gibt es mehr Nagellackfarben als Zehen und Finger? Warum gibt es mehr Gläser als Trinkanlässe? Warum gibt es so viel vom Gleichen, das aber nicht dasselbe ist? Und warum besitze ich so viel von dem Gleichen, das nicht dasselbe ist? Das fragt man sich, wenn man umzieht und dieses viele vom Gleichen als Last auf seinen Armen spürt und sich fragt, ob man nicht einen Tragegurt gebrauchen könnte. In der Farbe Radieschen im Morgentau. Am besten gleich zwei, falls der andere mal kaputt geht.</p>
<p align="left"><strong><span style="color: #ffc000;">Woher kommt dieses Überangebot an allem, das eine Übernachfrage an allem nach sich zieht?</span></strong> Oder bestimmt die Nachfrage wirklich das Angebot, wie uns die Zigaretten-, Mineralöl und Nippesindustrie glauben machen möchte? Sind wir es, die den Duschabzieher in der Farbe des Hornhauthobels wirklich wollen und partout keinen Duschabzieher kaufen, bis er nicht in der gewünschten Farbe „besinnliches Morgengrauen“ erhältlich ist? Wir sind anscheinend„der Markt“, von dem die Dame vor der Tagesschau immer berichtet. Und damit Grund dafür, dass es keinen einzigen Gegenstand nur in einer einzigen Ausführung gibt. Wirklich keinen. Nirgendwo. Niemals. Und wir sind der Grund, warum irgendwo auf dieser Welt gerade jemand an der &#8222;Weiterentwicklung&#8220; von Duschabziehern forscht. An ergonomischen Griffen, Nano-Oberflächen und LED-Beleuchtung.</p>
<p align="left"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter  wp-image-2794" src="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-1024x1024.jpg" alt="nur das Nötigste Produkte Zeugs Angebot Nachfrage sinnlose Produkte" width="501" height="501" srcset="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-1024x1024.jpg 1024w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-300x300.jpg 300w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-150x150.jpg 150w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-768x768.jpg 768w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-1536x1536.jpg 1536w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-2048x2048.jpg 2048w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-830x830.jpg 830w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-230x230.jpg 230w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-350x350.jpg 350w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/08/IMG-4360-480x480.jpg 480w" sizes="auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px" /></p>
<p align="left">Ein erster Schritt, um diesen Irrsinn an sich abperlen zu lassen, wie ein Duschabzieher der Zukunft, könnte sein, nur noch das zu kaufen, was oben rechts im Regal (oder Onlineshop) steht. Die Nudelsorte. Das Duschgel. Das Herrenhemd. Alles andere wird links liegen gelassen. Denn dieses Produkt oben rechts hat ja heute schon eine überzeugte Käuferschaft. So schlecht kann es ja dann nicht sein. Wenn das alle machen, gibt es bald von allem nur noch das Nötigste. Und wir essen kollektiv Dinkel-Penne, duften nach „Sternfrucht und Melone“ und tragen weiße Hemden in XXL. Bequemer als einen einfachen Eimer weiße Farbe im Baumarkt zu kaufen, kann dieses Leben eigentlich nur sein.</p>
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		<title>Blasenerzürnung.</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2021 22:00:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Früher war es der Hauptbahnhof. Dieser miefige, dunkle Ort voller Tauben und unfreundlicher Gerüche. Voller Reize und Rangeleien. Dieser Ort übervoll mit fremden Menschen. Menschen unterschiedlichster Schichten und Oberflächen. Menschen, denen man sonst nie und nie wieder begegnen würde. Und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Früher war es der Hauptbahnhof. Dieser miefige, dunkle Ort voller Tauben und unfreundlicher Gerüche. Voller Reize und Rangeleien. Dieser Ort übervoll mit fremden Menschen. Menschen unterschiedlichster Schichten und Oberflächen. Menschen, denen man sonst nie und nie wieder begegnen würde. Und das jeden Tag.</p>
<p>Heute ist dieser Ort, an dem sich alle versammeln, um sich zu vermischen, steril und sortiert: Facebook. Guter Witz. Dieser Ort ist heutzutage das Impfzentrum. Er ist der Ort, an dem wir für einen kurzen Piks aufeinander treffen mit Menschen aller Schichten und Oberflächen. Und dann wieder verschwinden &#8211; immunisiert zurück in unsere Blasen, aus denen wir kamen. Der Besuch im Impfzentrum lässt einen kurz erwachen und sich erinnern. Daran, dass man nicht alleine auf dieser Welt lebt, sondern umgeben ist von anderen sprechenden Blasen. Nachdem wir sehr viel Zeit mit uns selbst und den uns selbigen verbrachten, sind wir beinahe überrascht, dass die anderen auch noch da sind. Wir dachten, unsere Welt sei die Welt da draußen. Doch nun stoßen wir da draußen wieder auf jene Blasen, denen wir so schöne Namen gaben wie „alter, weißer Mann“, „linksversifft“ oder „Helikopter-Eltern“. Doch wie reagieren die Blasen, wenn sie sich nach der Zeit des Abstandhalten wieder näher kommen?</p>
<p>Viele platzen. Sehr schnell. Und immer häufiger entweicht dabei ein Shitstorm. Ein unbedacht  (un)gegendertes Wort, ein Inlandsflug, eine zynische Übersprungshandlung unterforderter Tatortkommissare, ein Kinderchor, der irgendwas singt, ein „kreativer“ Lebenslauf und zack, es formiert sich die Armada der anonymen Hasstrolle, die einem irgendwas zwischen Ökodiktatur und Rassismus vorwerfen. Die so schnell nach Rücktritten schreien, dass bald Kleinkinder in die großen Fußstapfen treten werden, weil es uns bald an unbefleckten Erwachsenen fehlt. Wobei Kinder mit ihrem Hang zur körperlichen und verbalen Übergriffigkeit den Job auch nicht lange machen werden. Vielleicht stehen wir vor dem Zeitalter der Steine. Wer weiß. Die Form der allgemeinen Debatten hat jedenfalls etwas Steinzeitartiges. In Zeiten eines Wahlkampfes, der sich um biografische Fehltritte dreht, wird das besonders deutlich. Er gleicht einer chronischen Blasenentzündung.</p>
<p><span style="color: #ffc000;"><strong>Wann wurde aus dem Debattieren ein Proklamieren?</strong></span> Wann wurde aus dem Streit um die Sache ein Kampf ums Überleben? Wann wurde die Ablehnung das, was uns am Ende noch verbindet? Vielleicht ist es das Brennglas der Pandemie, die Vorahnung der Verteilkämpfe, die der Klimawandel auslösen wird, die allgemeine Übersättigung unseres Daseins und die Sache mit unsozialen Netzwerken. Jedenfalls scheint sich in den letzten Jahren etwas bahnzubrechen, das irgendwo zwischen „cancel culture“ und „Was darf man denn noch sagen ?!!1!!“ changiert. Man möchte gefälligst sagen dürfen, was man denkt, in seiner Blase, in der alle das gleiche denken und sagen.</p>
<p><strong><span style="color: #ffc000;">Ja, wenn wir die Welt zum Guten verändern wollen, dann braucht es starke Meinungen, gemeinsame Werte und Mut zur Kritik.</span> </strong>Und weitere Textbausteine einer Wahlkampfrede. Denn eine klare Haltung ist das, was uns am Ende Größe gibt. Das uns nach außen vor Hass, Missgunst und Abgründen schützt. Doch gleichzeitig brauchen wir etwas Offenes, Weiches, Durchlässiges im Inneren dieser Mauern. Denn wenn jeder seine Meinung einfach nur verteidigt, werden aus den Blasen kleine Patronenkugeln, die aufeinander prallen. Wir sollten unsere Sichtweisen erklären, anstatt sie herablassend zu verteidigen. Wir sollten aufhören, Stellvertreterdiskussionen über kopierte Doktorarbeiten und Gendersternchen zu führen und uns mal um das Wesentliche kümmern. Der nächste Shitstorm sollte uns schietegal sein. Wir sollten aufhören, in Blasen zu denken, in denen jeder Veganer ein Aktivist, jeder weiße Mensch ein Rassist und jeder Ungeimpfte ein Vollidiot ist. Doch bevor wir all dies tun, sollten wir mal bei uns selbst anfangen. Schon der kleine Prinz wusste „Es ist viel schwerer, über sich selbst zu richten, als über andere zu urteilen. Wenn du es schaffst, selbst über dich gerecht zu werden, dann bist du ein wahrer Weiser.“ Ein bisschen mehr Demut und Gelassenheit stünde uns Blasierten ganz gut.</p>
<p>Denn komisch sind ja immer die anderen.</p>
<p>Nur leider bist du für irgendjemand dieser andere. Am Hauptbahnhof. Oder im Impfzentrum.</p>
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		<title>Die Offenbarung.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Schellenaffe]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jun 2021 22:00:05 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Man gewöhnt sich ja an alles. An diesen Fetzen Stoff vor der Nase. An diese Spritpreise an der Säule. An das Dasein ohne Flugreisen. Man gewöhnt sich sogar an ein Leben ohne Termine. Ohne Pläne. Ohne Verabredungen. Ohne irgendwas. Man lebte monatelang in den immer gleichen Tag hinein. Und hinaus. Hinein. Und hinaus. Man hatte so viel Zeit wie noch nie, denn es gab nichts und niemand, der sie beanspruchte. Außer dem Schrittzähler, der den Kreisen, die man um seine Behausung drehte, einen vermeintlichen Sinn gab. Man hielt das alles durch, weil man wusste, es gibt irgendwann ein Hinaus aus diesem Leben hinter den Möglichkeiten. Irgendwann würde alles wieder so sein, wie es einmal war. Das gemeinsame Bedauern dieser kollektiven Gefahrenbremsung schweißte uns zusammen. Wir arrangierten uns in diesem Zustand, der nicht mal mehr das Niveau eines Rentnerlebens erreichte. Wir träumten vom Schlafen in fremden Betten, von Umarmungen und Tagesgerichten. Viel mehr wertschätzen würde man alles, was so selbstverständlich erschien. Sich mit ach so viel Achtsamkeit und Leidenschaft in das stürzen, was einen früher aufbaute.</p>
<p>Doch nun ist er da dieser Moment, an dem die Selbstverständlichkeiten zurückkehren. Hier ist er nun, der Tag, an dem man wieder Geld dafür bezahlt, dass einem jemand ein Getränk öffnet. Der Tag, an dem man Dinge in der Hand hält, die man kaufen möchte. Der Tag, an dem man mal keine Zeit hat. Auf einmal sind sie zurück: die Möglichkeiten. Und mit ihnen ist das zurück, was uns manchmal so schwer erscheint: Entscheidungen. Die Entscheidung darüber, welche Naturdokumentation man heute schaut ist der Frage gewichen: Was mache ich wann mit wem?</p>
<p>Und warum eigentlich? Denn allmählich dämmert es uns: Wie viel kann ich eigentlich noch aushalten – an unterschiedlichen Haushalten? Habe ich mich so sehr daran gewöhnt im Exil zu leben, dass ich mich entwöhnt habe von dem, was mir so wichtig erschien? Von diesem irgendwas mit Menschen.</p>
<p>Verängstigt sagt man sich „Das geht jetzt aber auch sehr schnell…“. Da macht man erst mal besser noch nicht mit. Ganz verantwortungsvoll im Sinne der Gesellschaft spaziert man weiter &#8211; vorbei an ausgebuchten Restaurants, die gefüllt sind mit Abenteurern auf der Suche nach dem Kick eines frischgezapften Bieres. Versucht man es doch einmal mit dem Fremdessen, freut man sich erstmals in seinem Leben über jenes herablassende „Haben Sie reserviert? Nein? …“, das einen so oft verzweifeln lies. Man geht leichten Schrittes nach Hause und isst ein Käsebrot. Die Stulle in der Stille, nur gestört vom Vibrieren des Telefons. Das Augenlid beginnt zu zucken angesichts der vielen Anfragen. Ob man was unternehmen möchte? Ja, klar. Einmal in der Woche vielleicht. So für eine Stunde. Wenn es hoch kommt. 52 Verabredungen im Jahr müssen reichen. Alles andere erscheint wie ein Übermaß an Menschlichkeit. Wie etwas ganz und gar Übermenschliches eben. Kaum hat man sich an ihn gewöhnt, verschwindet dieser elende Virus. Genau dann, wenn man ihn braucht. Immer dünner wird die Fassade aus „Dieses Testen ist ja so lästig“ und „Ich bin noch nicht geimpft“. Bald steht man wieder nackt da ohne triftigen Grund dafür, sich nicht mit Menschen abzugeben. Überall kann man wieder einchecken – in sein altes Leben, das einem plötzlich irgendwie gewöhnungsbedürftig erscheint. Offen gesagt: geschlossen war manchmal auch ganz ok.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter  wp-image-2776" src="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-1024x1024.jpg" alt="Offenbarung Tür offen Öffnung Hauseingang geschlossen" width="501" height="501" srcset="http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-1024x1024.jpg 1024w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-300x300.jpg 300w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-150x150.jpg 150w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-768x768.jpg 768w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-1536x1536.jpg 1536w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-2048x2048.jpg 2048w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-830x830.jpg 830w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-230x230.jpg 230w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-350x350.jpg 350w, http://schellenaffe.de/wp-content/uploads/2021/06/IMG-4066-480x480.jpg 480w" sizes="auto, (max-width: 501px) 100vw, 501px" /></p>
<p>Doch so wie man sich schleichend an Gesichter ohne Münder und ein Wattestäbchen im Großhirn gewöhnte, so braucht es eben etwas Zeit, um sich wieder an Gespräche und die Preise für eine Pizza zu gewöhnen. Und doch sollte man vielleicht versuchen, sich ein wenig dessen zu bewahren, was einem bei aller Sorgen und Frustration in den letzten eineinhalb Jahren als ungewöhnlich gut erschien: das spontane Leben in den Tag hinein, die intensive Zeit mit den eigenen Kindern, die Freude über das Wiedersehen mit wichtigen Menschen, die Zeit seine Gedanken zu sortieren&#8230; Jetzt wo es wieder möglich ist, sollten wir mehr von dem tun, was uns als völlig „unentwöhnbar“ in der Zeit der Entbehrungen erschien. Der Genuss einer Pizza Diavolo für 16€ oder der Kauf eines Sommerkleides dürfte da eher auf den hinteren Plätzen rangieren. Nach den Monaten, in denen wir jeden Schrank unserer Existenz aussortiert haben, sollten wir nun als letztes auch das aussortieren, was unserem Leben Hektik und Stress verursacht. Denn bevor wir wieder „hochfahren“, sollten wir uns vielleicht erst einmal überlegen, wo wir hinfahren wollen.</p>
<p>Und wer die Karte dabei liest.</p>
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